83 brand, Cholera, Ruhr, Pest, Genickstarre, Tetanus, In fluenza, Malaria, Diphtherie und endlich die, wie der Name sagt, schwer erkennbare Spirochaeta pallida, die blasse Spirochaete, der Erreger der Syphilis, der erst 1905 von Schaudinn durch ein besonderes Färbever fahren entdeckt werden konnte. Die chemische Industrie hat aber nicht nur in dem Kampfe gegen die Seuchen diesen unmittelbaren und wesentlichen Anteil genommen, sie hat sich auch entschlossen, selbst die Waffen zu schmieden, um diesen Kampf durchzuführen. Eine neue Industrie wurde geschaffen, um der im eminentesten Sinne der Volkswohlfahrt dienenden Serumtherapie und Chemotherapie einen sicheren fabrikatorischen Boden zu schaffen. So entstand in den Höchster Farbwerken unter der Leitung von Kochs Mitarbeiter Libbertz ein neu artiger Betrieb, dem als Rohmaterial Diphtheriebazillen und dem bakteriologische Verfahren zur Fabrikation eines Antitoxins dienen, das nicht in chemischen Re torten, sondern im Körper des Pferdes erzeugt wird. Die Betriebe bestehen daher aus Pferdeställen und bakteriologischen und chemischen Laboratorien. Das 1892 von v. Behring entdeckte Heilserum, dessen sichere Wirkung allgemein anerkannt ist, hat auf diesem Gebiete den grössten Erfolg gehabt. Dem Diphtherie serum folgte das Tetanusantitoxin und eine ganze Reihe anderer Stoffwechselpräparate zur Bekämpfung von Menschen- und Tierkrankheiten. In Höchst werden gegenwärtig 36 verschiedene Produkte bakteriologischer Art hergestellt.’) *) Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning, Jubiläums schrift, Höchst a. M. 1913. Serum therapie 6*