85 Kassiaöl, im Napholäther das Neroliöl und im Anthranil säureester den Duft der Orangenblüten. 1890 wurde durch Bauer ein Ersatz für den Moschus: aufgefunden, der zwar denselben durchdringenden Geruch besitzt, aber mit dem echten Moschus des: Bisamtiers nicht identisch ist. Allein mit der Auffindung einzelner Syn thesen war das Problem noch nicht erschöpft. Viele Pflanzendüfte verdanken ihre Schönheit einer be stimmten Mischung einzelner Riechstoffe. So hat man: beispielsweise im Zitronenöl 15 Stoffe, wie Limonen, Pinen, Phellandren, Camphen, Citral, Citronellal, Ok- tylaldehyd, Nonylaldehyd, Geraniol, Linalool, Terpinol u. a., bestimmt erkannt und auch die schwierige Auf gabe gelöst; aus dem Rosenöl 18 verschiedene Individuen zu isolieren und aus diesen auf andere Weise gewon nenen Stoffen wiederum künstliches Rosenöl auf syn thetischem Wege herzustellen.*) Es gelang, in Riech fläschchen von 100 g Inhalt den Duft von 500 kg Rosen oder von 1000 kg Veilchenblüten oder von 3 Millionen Stück Maiblumen einzufangen. 1 kg Vanillin kostete früher 1000 Mark, das Cumarin 500 Mark und das Helio tropin 3000 Mark. Sie werden jetzt für 30, 25 und 10 Mark das kg verkauft. Gleichwohl schätzt A. Hesse**) den heutigen Produktionswert der deutschen Industrie der ätherischen Oele und künstlichen Riechstoffe auf 40—50 Millionen Mark.***) *) In ähnlicher Weise hat man durch künstliche Gemische das Jasminöl, das Flieder-, Akazien-, Maiglöckchen-, Resedaöl usw. in sehr vollkommener Weise nachgeahmt. **) A. Hesse. Bilder aus der Riechstoff-Industrie, Ztschr. ang. Chemie 1912. 25, 337. ***) Die Ausfuhr von künstlichen Riechstoffen betrug 1908 280 000 kg, 1912 574 800 kg. Chem. Ind. 1913. Protokoll der Hauptversammlung, S. 67.