92 Gerbstoffe Zucker Eiweiss stoffe C. Harries*) in Kiel und die unter C. Duisbergs tatkräftiger Leitung von Fritz Hofmann und seinen Mitarbeitern in den Elberfelder Farbenfabriken ausgeführten Untersuchungen zeigen schon den Weg zur technischen Gewinnung des künstlichen Kautschuks, um den deutschen Bedarf und vielleicht den Weltbedarf, der heute einen Wert von 900 Millionen Mark aufweist, im Inlande zu fabrizieren.**) Die Synthese der Gerbstoffe ist von Emil Fischer aufgenommen worden. Ihm verdankt die wissenschaft liche Chemie die Erforschung der natürlichen Zucker, eines Gebietes, das vorher zu den geheimnisvollsten dieser Wissenschaft gehörte. Zu seiner Eroberung haben indessen die bisherigen Waffen der chemischen Synthese nicht ausgereicht. Wie im modernen Kriege musste der geniale Forscher die dritte Dimension zu Hilfe nehmen, um mit dem Flugzeug der Stereochemie van’t Hof'fsi dieses verwickelte Gebiet restlos aufzu klären. Auch vor dem höchsten Problem, der wissen schaftlichen Synthese der Eiweissstoffe, ist Emil Fischer nicht zurückgeschreckt. Ob es aber der tech nischen Chemie jemals gelingen wird, in der Gewin nung der Nahrungsmittel mit der Natur in erfolg reichen Wettbewerb zu treten? Wer vermöchte es zu sagen! * * * *) C. Harries. Ueber künstlichen Kautschuk vom wissen schaftlichen Standpunkt. „Kunststoffe.“ München 1912. 2. **) Der erste Weg, der zum künstlichen Kautschuk geführt hat, ging über das Isopren, einen leichtflüchtigen Kohlenwasserstoff, der zuerst 1860 von Greville Williams durch trockene Destillation aus dem Kautschuk gewonnen wurde. Es hat sich ergeben, dass der Kautschuk als ein Polymerisationsprodukt des Isoprens auf zufassen ist.