§ 1. Unterschied zwischen der Wirtschaftsgeographie usw. 3 hohem Grade veränderlich sind, so erfordert die Beobachtung ihres Einflusses auf das wirtschaftliche Leben nicht nur die stete Auf merksamkeit des Nationalökonomen, sondern sie lassen aus demselben Grunde für den Forscher oft auch verschiedene Deutungen und Schlüsse zu. Anders die Arbeit der Wirtschaftsgeographie. Denn diese rechnet in den meisten Fällen mit einem unveränderlichen bzw. nur in sehr langen Zeiträumen veränderlichen Beobachtungsmaterial. Seine Benutzung verleiht deshalb ihrem Urteil über den Einfluß der Natur auf das Wirtschaftsleben des Menschen eine beachtenswerte Sicherheit. Ein Urteil etwa über die Besiedelungsfähigkeit einer be stimmten Kolonie wird, wenn es wirklich unter Berücksichtigung rein geographischer Verhältnisse abgegeben wird, selten anders als vorüber gehend für unzutreffend gelten. Beispiel: Die Größe der Farmen in Südwestafrika hängt von zwei Faktoren ab. Der erste, der Preis für die Erzeugnisse der Viehzucht, ist veränderlich je nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, nach der Höhe der Bahntarife, der Frachtsätze nach dem Auslande sowie nach den von den Käufern gestellten Ab nahmebedingungen. Diese, sowie einige andere den Preis beeinflussende wirtschaft liche Zustände wird vorwiegend der Nationalökonom zu behandeln unternehmen. Das absolut mögliche Maß der Viehhaltung bestimmt dagegen die Wirtschafts geographie, die in diesem Falle festzustellen sucht, wieviel Tiere Klima, Weide verhältnisse und andere unveränderliche, beziehentlich von der Natur des Landes abhängige Lebensbedingungen auf bestimmten Flächen zu halten gestatten. Beide Wissenschaften würden ferner die Möglichkeit der Einführung neuer, im Lande noch nicht vorhandener Kulturen gemeinsam zu erwägen haben. Denn die Möglich keit des Gedeihens einer Pflanze oder eines Tieres in irgendwelchem Neulande ergibt noch nicht die Kentabiiität ihrer Akklimatisation, höchste vorauszusetzende Renta bilität aber lohnt infolge natürlicher Schwierigkeiten durchaus nicht immer den Versuch der Einbürgerung. So ist in Ländern mit künstlicher Bewässerung die Einführung der mitteleuropäischen Getreidekultur in vielen Fällen selbst dann un rentabel, wenn die betreffenden Arten daselbst vorzüglich gedeihen, wie in manchen Gegenden Südafrikas. Andererseits kann die Rentabilität groß sein, wie z. B. bei dem Anbau des Weizens in England, aber das Klima (Regenhäufigkeit) erlaubt sie nur in räumlich beschränkten Landschaften. In manchen Fällen findet gleichwohl eine Aenderung des Urteils der Wirtschaftsgeographie über den Wert eines Landes oder seiner geographischen Erscheinungen, z. B. seiner Flüsse usw. statt. Doch beruht diese Aenderung nicht etwa auf einer Veränderung der natür lichen Lebensbedingungen, sondern vielmehr auf einer anderen Ein schätzung jener geographischen Einzelzüge eines Erdgebietes. Daß das bei der Entdeckung wertvoller Mineralien der Fall ist, darf uns nicht weiter verwundern, da die Auffindung von solchen zu allen Zeiten ungefähr die gleichen Folgen für die Bewertung und selbst für die vorübergehende oder dauernde Besiedelung der betreffenden Gegenden gehabt hat, sofern nur die Gewinnung der Bodenschätze in der gleichen Art erfolgte. Ganz anders hat dagegen die industrielle Entwicklung unserer Tage gewirkt. Während des letzten halben Jahrhunderts ist kein Jahrzehnt dahingegangen, ohne daß durch Er findungen der Technik und durch Fortschritte der Chemie die Be deutung außereuropäischer Gebiete für die Kulturwelt verwandelt wurde. Zum Beweise braucht nur an die Wirkung der Herstellung des künstlichen Indigo auf die Gewinnung des natürlichen Farbstoffes verwiesen zu werden. Ist doch allein in Indien die Verschiffung von Farbstoffen wesentlich aus diesem Grunde 1910 auf 18 Proz. der jenigen vom Jahre 1896 gesunken, während allein an Indigo zu Lande, also in Gebiete, die bis jetzt nur wenig von der europäischen 1*