10 I. Abschnitt. mittleren Stationsentfernung der betreffenden Orte von 54 km; auf der Strecke Halle—Bebra sinkt der mittlere Abstand der Stationen auf 30 km und wächst die Zahl der auf jedes Bahnkilometer entfallenden Mittelstädter auf 844. Diese Zahlen beweisen deutlich, daß der erste Teil dieser von Berlin ausgehenden Bahn ganz vorwiegend ­ dem Durchgangsverkehr zwischen der Reichshauptstadt und weiter von ihr entfernten Landschaften vermittelt, während dem zweiten, bis Bebra reichenden Abschnitt ­ daneben noch sehr wesentliche Aufgaben aus der Vermittelung eines lebhaften ­ innerlandschaftlichen Verkehres erwachsen. Jedenfalls vermag diese Methode viel deutlicher und schärfer die verkehrsgeographische Bedeutung einer Bahn auszudrücken als die bisher üblichen Arten der Verrechnung, von denen lediglich die sogenannte Maschenweite des (gleichmäßig verteilt gedachten) Eisenbahnnetzes eine Erwähnung verdient. Aber nicht allein die Verkehrsmittel sollen, wo dies irgend angängig ­ ist, in enge Beziehung zu den Einheitsmassen der Erdräume gesetzt werden. Dies gilt auch von den beweglichsten aller beförderten ­ Dinge, den Menschen, und ebenfalls von den Gütern. Die Verkehrs- und handelsgeographische Bedeutung sowohl der Eisenbahnen ­ wie der Schiffahrtsstrecken läßt sich am sichersten erfassen, wenn man die Zahl der Tonnenkilometer oder der Personenkilometer durch die Länge einer Eisenbahn-, bzw. Schiffahrtslinie dividiert. Wenn wir etwa erfahren, daß im Jahre 1905 in der Provinz Brandenburg ­ rund 5650000 Tonnen zu je 1000 kg, in den beiden schlesischen Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz dagegen 5720000 Tonnen mit der Bahn befördert wurden, so besagen die beiden beinahe gleich großen Zahlen in dieser Gestalt sehr wenig über die geographische Eigenart des Verkehrs in beiden einander benachbarten Gebieten. Diese geht indessen ziemlich deutlich aus der Tatsache hervor, daß auf jedes Kilometer Eisenbahn in den beiden schlesischen Gebieten 2180, in der Provinz Brandenburg aber nur 1450 Gewichtstonnen im Laufe jenes Jahres entfielen. Daraus ergibt sich ohne weiteres die geringere Bedeutung des Wasserverkehrs im Odergebiet gegenüber demjenigen der märkischen Schiffahrtsstraßen. Diese Beispiele mögen genügen, einige der wesentlichen Punkte klarzustellen, die bei der Verrechnung der verkehrsstatistischen Zahlen auf geographischem Gebiete zu beachten sind. Dagegen bedarf auch die eigentliche Handelsstatistik einiger Ausführungen über ihre Stellung innerhalb der Wirtschafts- und Handelsgeographie. Zunächst sei darauf hingewiesen, daß die bloße Angabe der Handelswerte eines Landes für die Erdkunde nur eine höchst bedingte Bedeutung hat. Aus der Tatsache etwa, daß das Deutsche Reich im Jahre 1911 für mehr als 550 Mill. M. Baumwolle und Großbritannien für 1200 Milk einführte, ergibt sich keine genügend klare Kennzeichnung des wichtigen Stoffes für die beiden Länder. Erfahren wir, daß diese Summen in Deutschland ­ rund 5V 2 , in Großbritannien dagegen beinahe 9 vom Hundert des Wertes der Gesamteinfuhr ausmachten, so ist die größere Bedeutung ­ der Pflanzenfaser für das Inselkönigreich damit schon schärfer bezeichnet. Freilich ist diese Nebeneinanderstellung noch nicht eigentlich ­ geographischer Art. Dazu wird die Verarbeitung der ursprünglichen ­ Zahlen erst, wenn wir sie wieder auf die Einwohner der beiden Länder beziehen. Daß in Großbritannien auf jeden einzelnen Einwohner ­ im genannten Jahre für 26 M., in Deutschland aber nur für noch nicht ganz 9 M. eingeführt wurde, zeigt mit noch größerer Schärfe als die vorigen Wertziffern, wie viel größer das Interesse der britischen Bevölkerung an allen die kostbare Pflanzenfaser betreffenden ­ Dingen sein muß als bei uns.