44 III. Abschnitt. diesem Falle dem Meere, und dem dasselbe benutzen den Menschen beschäftige. Zusammenhängen, wie wir sie beim Landverkehr zwischen Bahnstrecken und Siedelungen und in anderen Dingen kennen lernten, auch hier mehr als bisher nachzuspüren und sie mit Hilfe bestimmter Einheitsmaßstäbe mit möglichst großer Ge nauigkeit zu ergründen, ist eine Aufgabe, deren Verfolgung uns der Lösung wichtiger Fragen weit näher bringt, als die vielfach recht all gemein gehaltenen Ausführungen einer früheren Zeit, die, wie z. B. die glänzend geschriebenen Arbeiten eines Ratzel, mehr vom Stand punkte des Philosophen mit diesen Fragen sich beschäftigen. Beginnen wir die Erörterung des hier großenteils noch zu Leisten den mit der Betrachtung der Küsten, so können wir die räumliche Verknüpfung von Meer und Mensch, bzw. Staat nicht besser be urteilen lernen als unter Berücksichtigung der Seehäfen und ihrer Bevölkerung. Diese, besonders wenn man sie wieder in Beziehung zu den Siedelungen eines ganzen Landes setzt, zeigen besser als alles andere das Gewicht, das der Seeverkehr in dem Wirtschaftsleben eines Staatswesens erlangt hat. Beispiel: Wenn man zunächst einmal die Bedeutung der Häfen ganz all gemein betrachtet und verschiedene Länder miteinander vergleicht, so vermag schon die bloße Zahl wichtiger Hafenorte die Bolle zu bezeichnen, die das Seewesen in bestimmten Gebieten spielt. Um das Jahr 1009 besaß Europa 60 Häfen, denen man ihrem Verkehr nach eine größere Wichtigkeit für den Weltverkehr zuschreiben durfte. D. h. es kamen auf je 100 000 qkm deren 0,6, scheinbar keine sehr große Zahl, aber doch viel größer als in irgendeinem anderen Kontinente. Nun kamen aber von diesen allein 20 auf Großbritannien nebst Irland, und das ergibt für die eben an geführte Einheitsfläche die Verhältniszahl 6,3. Das heißt, in Worten ausgedrückt, nichts anderes, als daß das Inselreich an wichtigen Landungsplätzen im Verhältnis zu seiner Größe mehr als zehnmal so reich war wie der ganze Weltteil und annähernd sech- zehnmai so reich wie alle übrigen Länder des Weltteils im Durchschnitt. Ergibt sich aus dieser einen Zusammmenstellung schon mit hinreichender Klarheit die Stellung des Vereinigten Königreichs im Seeverkehr, so wird diese noch schärfer charakterisiert, wenn wir noch weitere Größenklassen von Häfen zur Beurteilung heranziehen. So die Welthäfen mit einem Ankunftsverkehr von mehr als 5 Mill. Begistertonnen im Jahre, deren es um die eben angeführte Zeit in Europa 14 gab. Von diesen kamen allein auf England und Schottland 5, das Zahlenverhältnis ergibt also für das Insel reich in dieser Klasse ein noch etwas günstigeres Verhältnis als die ersten Ziffern. Auch das Verhältnis der Einwohner bestimmter Gebiete zum Meere beeinflußt die wirtschaftliche Bedeutung der See für ein Land in hohem Grade, und auch dieses läßt sich auf dem Wege der Rech nung klar erfassen. Mit der Aenderung dieser zahlenmäßigen Be ziehung zwischen der Seelage und den Bewohnern eines Staatsgebietes ändert sich mit der Zeit auch die Enge des innerlichen Zusammen hanges zwischen Mensch und Meer, wie wir ihn bei den echten See völkern beobachten, und andere Interessen gewinnen an Gewicht und Einfluß auf Sinnen und Trachten des Volkes. So wohnten beispiels halber noch im Anfänge des Jahrhunderts 40 vom Hundert aller Nord amerikaner in den küstennahen Staaten der Union und damit inner halb der Einflußzone des Weltmeeres, während sich das Verhältnis seither von Jahr zu Jahr in immer zunehmendem Maße zugunsten des fernen Innern verschiebt. Auch in dieser Richtung gibt die Nebeneinanderstellung von Häfen und Staatsgebiet ein einleuchtendes Bild der Verkehrsbeziehungen zwischen Land und Meer, wofür wiederum die Union gegenüber euro päischen Ländern den Beweis liefert. Wenn man die Versorgungs fläche derjenigen Häfen berücksichtigt, die einen Ankunftsverkehr von