5. Die Beurteilung der Preispolitik. Das wichtigste Problem aller monopolistischen Organisationen ist ihre Preispolitik und besonders die Höhe der Preise ist Gegenstand der schärfsten Kritik. Dabei gibt es aber kaum eine Frage, die schwieriger zu beantworten ist, wie die der Preisbeurteilung. Um das Gewicht der Angriffe auf die Preispolitik der Kartelle und Trusts zu würdigen, muß man auf die zwingenden Faktoren, die bei der Preisbildung mitwirken, achten. Die Verhältnisse liegen bei den Trusts wesentlich einfacher, weil ein einheitliches geschlossenes Unternehmen als Anbieter auftritt. Trotz dem bleibt die Beurteilung der Preise schwierig genug. Die folgenden Darstellungen befassen sich nur mit der Preispolitik der Kartelle. In der Zeit vor der Entwicklung der Kartelle sparte man sich im ganzen die Kritik der Preishöhe und vertraute, daß die freie Konkurrenz die richtigen Preise finde. Nur eine allgemeine Betrachtung war möglich, denn niemand war da, den man für die Preishöhe verantwortlich machen konnte. Das änderte sich, sobald die Kartelle die Preise festsetzten. Um die Schwierigkeiten einer Beurteilung der Preise klarzulegen, soll zunächst die Preishöhe, sodann die Bewegung der Preise in den Konjunkturen und schließlich das Verhältnis der Auslands- zu den Inlandspreisen betrachtet werden. Wir gehen in der Erörterung der Momente, die bei der Beurteilung der Preishöhe in Rücksicht gezogen werden müssen, von der selbstver ständlichen Voraussetzung aus, daß die Kartelle nicht willkürliche Schöp fungen des Kapitals sind, sondern notwendige Produkte der Marktent wicklung mit der Aufgabe, durch Zügelung des Wettbewerbes den Kartell mitgliedern eine angemessene Rentabilität zu sichern. Da taucht zunächst die Frage auf, welcher Maßstab der Beurteilung der Preishöhe zugrunde gelegt werden soll. Man muß sich hüten, wie Liefmann 1 ) mit vollem Recht betont, mit ethischen und moralischen *) Liefmann, Kartelle und Trusts 1910 S. 72.