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        <title>Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe</title>
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            <surname>Mannstaedt</surname>
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      <div>26 
portes hatte ein Anschwellen der ausländischen Getreidemassen auch auf 
dem deutschen Markt zur Folge. Neben Amerika traten auch andere 
Getreidelieferanten auf den Plan. So ist z. B. Rußland der wichtigste 
Roggenlieferant. Waren bisher die deutschen Preise für Agrarprodukte 
ständig gestiegen, so folgte jetzt ein empfindlicher Preissturz der Markt 
umwälzung. Pohle berechnet nach den Angaben in dem statistischen 
Handbuch für den preußischen Staat folgende Preise für die Tonne in 
Mark in den Perioden von je acht Erntejahren 1 ): 
Periode 
Weizen 
Roggen 
Gerste 
Hafer 
1868/69—1875/76 
223 
173 
165 
160 
1876/77—1883/84 
207 
166 
158 
148 
1884/85—1891/92 
181 
156 
148 
142 
1892/93—1899/1900 
155 
131 
138 
138 
1900/01—1907/08 
171 
151 
148 
147 
Der Preissturz und der Einbruch des fremden Getreides senkte natür 
lich die Kaufkraft weiter Teile der Landwirtschaft, soweit sie ihre Pro 
dukte gegen andere Erzeugnisse oder Dienste austauschte. Hier schrumpfte 
der inländische Markt für industrielle Fabrikate ein. Allerdings nur vor 
übergehend, denn die Notlage der Landwirte hatte keineswegs zur Rück 
kehr zum extensiven Betrieb geführt; im Gegenteil, das Ziel war: möglichste 
Intensivierung und vor allem Rationalisierung des Betriebes. Durch die 
Intensivierung stieg auch weiterhin der Rohertrag der Landwirtschaft 
und durch die Rationalisierung suchte man nach Möglichkeit das An 
wachsen der Kosten zu verhindern. Schrumpfte vorübergehend die Kauf 
kraft der Landwirtschaft ein, so wuchs auf der anderen Seite die Kauf 
kraft aller nicht agrikolen Kreise mit dem Sinken der Nahrungsmittel 
preise. So bewirkte die überseeische Konkurrenz, trotz der Notlage der 
Landwirtschaft, im ganzen eine außerordentliche Produktivitätssteigerung. 
Der inländische Markt für industrielle Erzeugnisse büßte nichts an seiner 
Kaufkraft ein, sondern er erstarkte nicht unerheblich. 
Neben dem inländischen Markt gewann jetzt auch der auslän 
dische Markt an Bedeutung. Die Getreideeinfuhr wurde größtenteils 
mit Fabrikatenausfuhr beglichen. Aber wie die wachsende Bevölkerung 
der Nahrungsmittel bedurfte, so die wachsende Industrie der Rohstoffe. 
Der karge deutsche Boden ist nicht imstande die Rohstoffnachfrage zu 
befriedigen. Auch diese Rohstoffeinfuhr erweiterte den Markt der In 
dustrie und nicht minder der Bezug der zahlreichen fremden Produkte, 
auf die sich der Begehr der wachsenden deutschen Kaufkraft richtete. 
») Pohle, Die Entwicklung S. 59.</div>
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