30 bedeutend herab mindern. Zudem würde auch ein direkter Einkauf an der Produktionsstätte die Mittel des Fabrikanten noch mehr in Anspruch nehmen, als sie es heute nach Einführung der Banderolensteuer ­ sowieso schon sind. Nur die Dresdner Trustfabrik, die mit der Zigarettenfabrikation ­ zugleich auch den Rohtabakhandel verbindet, ­ kauft den Tabak heute noch direkt vom Produzenten. Dieses Vorgehen ermöglichen ihr einerseits ihre bedeutenden Mittel, anderseits aber auch ihre Beziehungen zu den Trustfabriken anderer Länder, mit denen sie beim Tabakeinkauf gemeinschaftlich Vorgehen ­ kann. Der Import des Tabaks nach Deutschland erfolgt entweder gänzlich auf dem Wasserwege, nämlich über Hamburg, von wo der Weitertransport nach Dresden entweder auf der Elbe oder per Eisenbahn vor sich geht, oder aber, man schafft den Tabak zu Schiff nach Triest und führt ihn von hier aus mit der Eisenbahn dem deutschen Bestimmungsplatze zu. Ersteres ist der billigere, letzteres der schnellere und sicherere Transportweg. Nur in ganz geringem Umfange findet endlich noch eine Einfuhr über Bremen statt, das keine guten Verbindungen mit den in Frage kommenden Häfen hat *). Als Artikel hohen spezifischen Wertes braucht der bessere türkische Tabak nicht die billigste Transportmöglichkeit zu wählen; er kann sich vielmehr die ihm zuträglichste Transportart heraussuchen• Deshalb wird er wegen seiner starken Empfindlichkeit den Seetransport ­ soweit als möglich vermeiden, da er hier der Gefahr der Seebeschädigung oder der Annahme von Teergeruch usw. zu leicht ausgesetzt ist. Es zeigt sich deshalb, daß die besseren türkischen Tabake meistens über Triest und nur die billigeren über Hamburg und Bremen zugeführt werden, obwohl die Transportkosten bei Benutzung der verschiedenen Routen große Differenzen aufweisen: So betrugen die Frachtsätze pro 100 Kilo Tabak im Herbst 1908 ’ 1 2 ): Von Cavalla 1. nach Plam bürg: 4 Mk. 2. nach Triest: 2,80 Mk. 1) Im Jahre 1906 wurden von den 2061 Tonnen Tabak, die insgesamt aus der europäischen Türkei nach Deutschland importiert wurden, 1231 über Hamburg und 121 über Bremen eingeführt (Jahrbuch für Bremische Statistik 1906; Hamburgs Handel und Schiffahrt 1906). 2) Die Angaben der Tarifsätze beruhen auf freundlichen Mitteilungen der Herren Gerhard u. Hey, Spediteure in Hamburg, der Agenturen des österreichischen Loyds in Cavalla, Smyrna und Samsun und des Herrn Wagner, Prokuristen der Firma Yenidze in Dresden.