56 derselben stellt sie sich vielmehr selbst her. Diese Betriebe weisen eine besondere Abteilung auf, in der ständig unter Leitung eines Werkmeisters, der gelernter Buchbinder ist, eine größere Anzahl von Arbeitern (Papierschneider, Kästchen-Zusammensetzerinnen, Golddruckprägerinnen, Nadlerinnen u. a.) damit beschäftigt sind, aus den von Papierfabriken bezogenen Pappbogen Schachteln und Kästchen herzustellen. Der Produktionsprozeß geht hierbei in folgender Weise vor sich: Zuerst stellt der Werkmeister eine Anzahl von Probekartons verschiedenen Formates her, die er im Rohzustände den Fabrikleitern zur Beurteilung vorlegt. Diese wählen nun aus den vorgelegten Musterkartons denjenigen aus, der ihnen am besten gefällt, bez. verwerfen sie alle Muster und lassen noch einmal eine neue Kollektion anfertigen. Haben sie sich für ein bestimmtes Format entschieden, so kommt nunmehr die nicht immer leichte Wahl der Ausstattung daran. Auf die Deckel der Kartons werden gewöhnlich Etiquetten geklebt, die von lithographischen Anstalten bezogen werden. Der Etiquette muß auch die übrige Ausstattung der Kästen angepaßt sein, deren Aus führung der Fabrikleiter zusammen mit seinem Werkmeister bespricht. Ist man sich endlich über die gesamte Ausstattung der Schach teln schlüssig geworden, so werden jetzt erst wieder einige, voll ständig ausgestattete Probekartons hergestellt; erst wenn diese ge fallen, wird mit der Fabrikation im großen begonnen: Mit Papier schneidemaschinen wird die zu den Kästchen notwendige Pappe und ebenso das zum Bekleben der Kästen erforderliche Papier in passende Stücke geschnitten. Aufgabe bestimmter Arbeiterinnen ist es nun, aus den zugeschnittenen Pappstücken die Kästen zu sammenzuleimen , während wieder andere Arbeiterinnen die zu sammengeleimten Kästen mit Etiketten und Papier bekleben. Beschriebenes Verfahren ist das bei der Herstellung fester Kartonschachteln übliche. Für die Herstellung der leichten „Schieberschachteln“ dagegen bezieht man aus Papierfabriken dünne Glanzpappe in Bogen, die man in lithographischen Anstalten mit gewünschtem Bilder- und Schriftaufdruck versehen läßt. In der Kartonnagenabteilung der Zigarettenfabrik selbst wird dann aus diesen „Bilderbogen“ durch Maschinen die zu einer Schachtel ihren äußeren Umrissen nach notwendige Pappe ausgestanzt, sodaß es nur noch einiger Hand griffe seitens einer Arbeiterin bedarf, um aus dem geformten und bedruckten Pappstück, das zuvor noch von einer Ritzmaschine be arbeitet worden ist, die Schachtel zu falten und zu kleben.