V. Abschnitt. Die Arbeiterverhältnisse. A. Zusammensetzung und Ausbildung der Arbeiterschaft. In der deutschen Zigarettenindustrie sind als Fabrikarbeiter etwa dreizehn- bis vierzehntausend Personen tätig. Von diesen sind annähernd achttausend wirkliche Facharbeiter (Zigaretten macher) ; die anderen hingegen werden mit dem Verpacken der Zigaretten, Banderolieren, Anfertigen der Kartonnagen (soweit dies seitens der Zigarettenbetriebe in eigener Regie geschieht), Tabak- aufreißen, Tabakschneiden, Bedienen der Maschinen usw. beschäftigt. Die überwiegende Mehrzahl aller dieser Personen ist weib lichen Geschlechtes. Dies ist darauf zurückzuführen, daß das Zigarettenmachen eine Arbeit ist, die fast gar keine körperliche Kraft, sondern nur eine gewisse manuelle Geschicklichkeit erfordert. Auch mit dem Verpacken der Zigaretten, Banderolieren, Anfertigen der Kartonnagen, Tabaksortieren usw. sind fast aus schließlich weibliche Personen beschäftigt, da diese Arbeiten gleich falls keinerlei physische Kraft beanspruchen. So kommt es, daß in den deutschen Zigarettenbetrieben durch schnittlich neunzig Prozent aller beschäftigten Personen Frauen sind. Nur in Berlin ist das Verhältnis ein anderes, denn etwa vierzig Prozent aller in der Zigarettenindustrie beschäftigten Per sonen sind hier männlichen Geschlechtes. Dies hat seinen be sonderen Grund. Es halten sich nämlich in Berlin eine größere Anzahl Russen auf, die hier als Zigarettenmacher tätig sind. Be dürfnisloser als die deutschen Arbeiter, begnügen sich diese Leute mit dem relativ geringen Verdienst, den ihnen das Zigarettenmachen einbringt. Nach Berlin wurden sie in den neunziger Jahren des vorigen und den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts gerufen, als daselbst in der eben entstandenen Zigarettenindustrie infolge Fehlens eines größeren einheimischen Arbeiterstammes noch ein empfindlicher Mangel an Zigaretten-Handarbeiterinnen herrschte.