80 Wenn der Arbeitgeber es für nötig befindet, hat jeder Arbeitnehmer sich auf Verlangen einer Untersuchung von seiten des Beauftragten des Arbeitgebers zu unterziehen; weib liche Arbeiter werden durch eine Person ihres Geschlechtes untersucht. b) Die Arbeitszeit. Die Arbeitszeit hat im Laufe der Jahre in vielen Fabriken eine Verkürzung erfahren. Bis 1904 wurde in den Zigarettenfabriken allgemein von 7 Uhr Morgens bis 1 /i oder um 7 Uhr abends bei Einschiebung einer einstündigen Mittags- und je einer einviertel stündigen Frühstücks- und Vesperpause gearbeitet, also insgesamt 10—IOV2 Stunden. Im Jahre 1904 schritten zuerst mehrere Dresdener Zigaretten fabriken dazu, die durchgehende Arbeitszeit einzuführen und zugleich die Arbeitsdauer herabzusetzen. Ihrem Beispiele folgte nach und nach nicht nur die überwiegende Mehrzahl aller Dresdener, sondern auch eine große Anzahl Berliner und in anderen Städten Deutschlands befindliche Zigarettenfabriken nach. Überall, wo die durchgehende Arbeitszeit eingeführt ist, wird seitdem früh V2 oder um 7 Uhr mit der Arbeit begonnen und um 5 Uhr nachmittags aufgehört. Für Einnahme des Frühstücks wird hierbei eine Pause von einer viertel und für Einnahme des Mittagbrotes eine solche von einer halben bis dreiviertel Stunde gewährt. Die Vesperpause fällt ganz weg. Die Arbeitszeit beträgt demnach jetzt in diesen Betrieben nur noch 9 bis 9 V2 Stunden. In Dresden arbeiteten den Angaben der Gewerbeinspektoren zufolge im Jahre 1907 *): täglich 9 Stunden circa 1100 Zigarettenarbeiterinnen „ 9 l li „ „ 350 „ „ 91/2 . , 1200 Trotz der Verkürzung der Arbeitszeit sind die Löhne der Zeit löhner nicht herabgesetzt worden; auch die Akkordarbeiter haben im großen ganzen nicht an Verdienst verloren, da die längere Ruhe zeit ihre Leistungsfähigkeit erhöhte und sie in der kürzeren Zeit zumeist das gleiche Quantum wie früher bei längerer Arbeitszeit fertigstellten 1 2 ). 1) Jahresberichte der Königl. Sächsischen Gewerbe-Aufsichtsbeamten für 1907, Seite 123. 2) Vergl. auch den Bericht der Dresdener Handelskammer 1905: „Die Arbeits zeit bewährte sich und steigerte die Leistungsfähigkeit der Arbeiter.“