94 4. Fabrikküchen. In den meisten großen Zigarettenfabriken gibt es Fabrikküchen mit besonderen Eßräumen, wo den Arbeitern billige und gute Speise sowie Getränke verabreicht werden. So erhalten beispielsweise die Arbeiter in einer Dresdener Fabrik für 25 Pfg. eine Portion Fleisch mit Gemüse, für 3 Pfg. einen Topf Kaffee mit Milch und Zucker. Ferner finden sich in vielen großen Fabriken Dampfwärmschränke zum kostenlosen Aufwärmen selbst mitgebrachter Speisen. 5. Hygienische und andere Einrichtungen. Man muß den großen Zigarettenfabriken das Zeugnis ausstellen, ­ daß sie in hygienischer und sozialer Beziehung fast ausnahmslos ­ musterhaft eingerichtet sind. Von den kleineren und zum Teil auch von den mittleren Betrieben kann man hingegen leider nicht immer das gleiche behaupten. Während letztere beiden Kategorien von Betrieben ihr Heim sehr oft in ungesunden, halbfinsteren ­ Räumen aufgeschlagen haben — wurde doch von einem Gewerbeinspektor in Oberbayern sogar eine Zigaretten-„Fabrik“ in Kellerräumen betroffen 4 ) — weisen die Großbetriebe fast ausnahmslos ­ große, luftige Arbeitssäle auf, in die von zwei bis drei Seiten durch hohe, spiegelblanke Fenster das Licht flutet. Elektrische Ventilatoren sorgen hier zumeist für ständige Erneuerung ­ der Luft; die Arbeitssäle einer großen Dresdener Zigarettenfabrik ­ sind sogar mit besonderen Staubsaugevorrichtungen versehen. Um einen Begriff von den im Interesse des Betriebes und der Arbeiter getroffenen Einrichtungen einer modernen Zigarettenfabrik zu geben, seien hier die diesbezüglichen Einrichtungen der Yenidze-Zigarettenfabrik in Dresden genannt 1 2 ): Mit zwei elektrisch betriebenen Fahrstühlen, die je zwanzig Personen fassen, werden hier die Arbeiter ­ in die oberen Etagen befördert, so daß ihnen das Treppensteigen ­ erspart bleibt. Das Tragen von Lasten innerhalb der Fabrik fällt überhaupt weg, da alles per Fahrstuhl oder kleine Wagen von Ort zu Ort befördert wird. Um die Arbeiterinnen zu größtmöglicher Sauberkeit anzuhalten, sind vor jedem Kloset Marmorwaschbecken angebracht, denen die Leitung warmes oder kaltes Wasser, je nach Belieben, zuführt. Saubere Handtücher, von der Fabrik stets erneuert geliefert, hängen daneben. Ferner stehen den Arbeitern noch un1) ­ • Jahresberichte der Gewerbe-Aufsichtsbeamten und Bergbehörden für das Jahr 1902, Teil II, 2 Seite 9. 2) Vergl. hierzu auch den Artikel „Die moderne Fabrik“ von Edmund Fischer im Plutus, 6. Jahrg. Heft 32.