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        <title>Die deutsche Zigarettenindustrie</title>
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            <surname>Bormann</surname>
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lagen liefern, bez. deren Absatz in mittleren Preislagen ein ganz 
unbeträchtlicher ist. Aus dieser Abstufung heraus verträgt es sich 
sehr wohl, wenn ein Agent mehrere Zigarrenfabriken vertritt, 
was auch in praxi geschieht. Bei Zigarettenfabriken aber ist es 
anders. Sie liefern, wie schon erwähnt, fast alle sämtliche 
Preislagen, sodaß ein Vertreter, der zwei Zigarettenfabriken vertritt, 
die eine Konkurrenz mit der andern ausheben würde. 
Die Waren selbst, die beim Vertreter bestellt sind, werden 
lediglich vom Fabrikationsort aus an die Kleinhändler verschickt. 
Nur an ganz wenigen Plätzen lebhaftester Nachfrage, so z. B. in 
Berlin werden von seiten einiger Dresdener Fabrikanten zwecks 
Ersparnis unnötiger Transportkosten Lager gehalten, die 
ein vollständiges Sortiment aller Erzeugnisse betreffender Fabriken 
aufweisen. 
Als Vergütung für ihre Bemühungen erhalten die Vertreter 
Provision. Bei der Bestimmung der Höhe dieser Provision sprechen 
die verschiedensten Faktoren mit. Ein bisher unbekanntes Fabrikat 
unterzubringen, ist naturgemäß schwieriger, als eine wohlbekannte 
Marke zu vertreiben. Infolgedessen ist der Prozentsatz, der für 
Provision auszuwerfen ist, bei unbekannten Marken höher als bei 
den schon in Händler- und Konsumentenkreisen als vorzüglich und 
des Einführens wert erkannten, älteren Konsummarken. Mit in die 
Wagschale fällt auch die Preislage der Zigaretten sowie die Art 
ihrer Aufmachung und Ausstattung. Im allgemeinen läßt sich 
sagen, daß zwischen fünf und zwanzig Prozent Provision an die 
Agenten bezahlt wird. 
Mitunter halten sich die an den größten Plätzen etablierten 
Vertreter, die das Geschäft nicht allein bewältigen können, wieder 
Reisende, denen sie aus eigener Tasche festes Gehalt oder Provision 
gewähren. Die Fabrik selbst hat mit diesen Unteragenten nichts zu tun. 
Von vielen Fabriken werden auch nach den Orten, an denen 
sie Vertreter haben, jährlich mehrmals besondere Reisende aus 
gesandt, um die Kundschaft in Begleitung der Agenten zu besuchen, 
die neuesten Muster vorzulegen und um überhaupt der Fabrik 
nähere Fühlung mit ihren Kunden zu verschaffen und zugleich die 
Agenten zu kontrollieren. 
Wo der Bedarf so gering ist, daß ein ständiger Vertreter nicht 
genug Verdienst finden würde, dorthin sendet der Fabrikant Rei 
sende, um den Absatz zu vermitteln. Diese Leute sind zumeist 
fest mit Gehalt angestellt, erhalten aber außerdem als Gegenleistung 
für aufgewandte Reiseunkosten einen bestimmten Betrag als Tages-</div>
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