48 Erstes Buch. Die Begründer. Diesem Gedankengange scheint die Idee zugrunde zu liegen, daß| die Einkünfte der landwirtschaftlichen und industriellen Klassen nicht ei»' 1 geschränkt werden können, weil sie nur das unumgängliche notwendige Minimum der Produktionskosten vorstellen. Folglich scheint auch scho» jenes Gesetz des Lohnes, das man später das eherne Lohngesetz genannt hat, in ihm enthalten zu sein. Sicherlich kennt jeder die erbarmungslos« Formel, in welche Turgot dieses Gesetz gefaßt hat, ohne übrigens damit zuzugeben, es rechtfertigen zu wollen 1 ). Aber vor ihm hat schon QuesnaV in nicht weniger klaren, wenn auch weniger bekannten Worten gesagt 1 „Man wird vergeblich dem entgegenhalten, daß die Lohnempfängern indem sie ihren Verbrauch einschränken und sich Genüsse versagen, di« Steuern zahlen könnten, die man von ihnen verlangt, ohne daß diesej Steuer zuletzt auf die ersten Austeiler der Ausgaben zurückfallen würde . ■ I aber die Höhe des Lohnes und folglich auch die Genüssen die die Lohnempfänger sich verschaffen können, siiP durch die scharfe Konkurrenz, die sie sich unterein': ander machen, genau bestimmt und auf das Geringste beschränkt 2 ). Es ist ganz charakteristisch, daß der Erfinder der natün liehen Ordnung ohne Erstaunen und als etwas Natürliches, d. h. Übel' einstimmendes mit dieser natürlichen Ordnung zugibt, daß die Arbeitelf nur gerade das zum Leben Notwendigste haben! Auch ist es bemerkenswert, daß die Physiokraten, wenn sie die ind»' strielle Klasse in Bausch und Bogen betrachten, nur die Lohnempfänger im Auge haben und die Unternehmer ganz außer acht lassen, deren Profit? doch schon zu ihrer Zeit groß und wohl einsehränkbar war. Hier hätte’! sie der reiche Finanzier Voltaire’s in Verlegenheit bringen können, den" es würde ihnen Mühe gekostet haben, darzulegen, daß dieser seinen VeJ" brauch nicht ohne Schädigung der Produktion hätte einschränken könne»' • Wahrscheinlich würden sie aber geantwortet haben, daß, da dieser Finanz^ 1 es verstanden habe, vom Staat und von seinen Mitbürgern 400000 E* zu erschwindeln, es ihm ein Kinderspiel gewesen wäre, sich den Betrag 1) „Bei jeder Arbeit muß es zutreffen und trifft es auch tatsächlich zu, daß d el j Lohn des Arbeiters sich auf das beschränkt, was zum Erwerb seiner Unterhaltsmitf ausreicht“ (Rßflexions sur la formation des richesses, § VI). Es ist aber immer!»« j möglich, daß ebenso, wie Christus, als er sagte: „Denn Arme habt ihr allezeit bei euch j auch Türgot nicht ein allgemeingültiges Gesetz, sondern nur den gerade bestehend« 11 j Zustand im Auge hatte. 2 ) Zweites wirtschaftliches Problem, S. 134. Quesnay fährt in seine 11, | Gedankengang in merkwürdiger Weise fort. Er nimmt nicht an, daß die Lohnver© 1 » i derung unter das Existenzminimum den Tod einer großen Anzahl von Menschen herb« 1 'j führen werde, sondern nur „ihre Auswanderung zu anderen Völkern“ — eine zu sei»^ Zeit, man sollte denken, recht optimistische Auffassung — und daß diese Auswander» 11 “ durch Verminderung der verfügbaren Arbeitskräfte, als Folge eine Lohnerhöh» 11 “ herbeiführen würde.