Kapitel I. Die Physiokraten. 49 der Steuer, — -wenn man sie ihm hätte auferlegen wollen — auf gleiche Weise zu verschaffen. Zweitens: Ein weiterer Einwurf ist, daß die einzige Steuer für die Bedürfnisse des Staates nicht ausreichen würde. „In mehreren Staaten, sagt man, würde das Drittel, die Hälfte und sogar drei Viertel des reinen Nettoeinkommens aller produktiven Anlagen nicht für die jährlichen Ausgaben des öffentlichen Schatzes genügen . . ., wodurch die anderen Steuerformen nötig werden 1 ).“ Hierauf antworten die Physiokraten, daß die Anwendung ihres fiskalischen Systems eine bedeutende Steigerung des Reinertrags, und infolgedessen eine progressive Steigerung auch des Steuerertrages als Erfolg haben würde; daß man ebenso die Ersparnis, aus der beinahe vollständigen Abschaffung der Erhebungskosten auf Grund der Einfach heit dieser Steuer in Rechnung setzen müßte; und endlich, was das Inter essanteste ist, daß es keineswegs Aufgabe der Steuer sei, sich den Bedürf nissen des Staates anzupassen, sondern daß im Gegenteil der Staat seine Bedürfnisse der Leistungsfähigkeit des Landes anpassen müßte. Der Vorzug der physiokratischen Steuer besteht gerade darin, daß er den «teuerertrag nach einer von der Natur selbst gegebenen Norm, nämlich 'Eni Reinertrag bcmißt, ohne die der Willkür Tor und Tür geöffnet ist 2 ). Bn Grunde genommen, ist dies eine viel wirksamere Schranke gegen die A ümacht des Herrschers, als jene, die auf der phantastischen Abstimmung Cl ßes Parlaments beruht. Wie man weiß, ist das System der Physiokraten und im Besonderen 1 lr fiskalisches System von einem ihrer Schüler in die Tat umgesetzt V'orden, der den Vorzug hatte, als Fürst Experimente an seinen Unter- ailen anstellen zu können, und zwar vom Markgrafen Karl Friedrich Von Baden in drei Gemeinden seines Landes. Wie alle Experimente mit sozialen Systemen schlug auch dieses fehl. In zwei Gemeinden mußte os nach Ablauf von 4 Jahren (1772—1776) aufgeben: in einer dritten *elt es sich, mit Not und Mühe, bis zum Jahre 1802. Die Steigerung der ei lr ^ ® AUDEAU i 8. 770. „Dieser Einwurf beruht auf dem Irrtum, das Netto-Jahres- nkommen mit einem fiktiven Keinertrag, der durch andere Abgaben und dadurch 6 mgte Lasten verringert wird, zu verwechseln“ (ebenda, S. 774). j, . 2 ) „Sollte es unglücklicherweise wahr sein, daß drei Zehntel des Gesamtboden- eniertrages nicht genügen würden, um die laufenden Ausgaben zu decken, so bliebe üb r - 81rie S er echte und vernünftige Lösung, die sich aus dieser Tatsache ergeben kann o ri g, nämlich die Notwendigkeit, die Ausgaben verursachenden Posten zu verringern“ DE Nemours, S. 775). teil . 3 k° mm t den Menschen nicht zu, die Steuern nach ihrem Gutdünken zu ver- F 01 . 011 « ° s f )es teht hierfür eine genau von der natürlichen Ordnung vorgeschriebene daß®] (Dupont, Sur l’origine d’une seience nouvelle). Sie bestreiten ebenfalls, Hur ' Gr ^ natürliche Grenze durch Anleihen überschreiten darf, da das doch eine Erhöhung aufgeschobener Steuern darstellt. Otüe und Rist, Gesell, d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 2. Aufl. 4