60 Erstes Buch. Die Begründer. in seinen Political discourses 1 ) (1752) vereinigt. Hume hat die Unter suchungen dieser Gegenstände mit der Schärfe, Ursprünglichkeit, Einsicht und Klarheit, die seine anderen Werke auszeichnen, geführt. Die Un- sinnigkeit der merkantilistischen Politik, die natürliche Anpassung der Geldmenge an die Bedürfnisse eines jeden Landes, die merkantilistischen Sophismen über die „Handelsbilanz“, die verderblichen Folgen der Handels eifersucht zwischen den Völkern werden von ihm mit bewunderungswür digem Nachdruck dargestellt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Aufsätze, die Smith in seinen Vorlesungen in Glasgow zitiert und für deren zweite Ausgabe Hume seinen Rat eingeholt hatte, einen großen Eindruck auf ihn gemacht haben. Allerdings ist er späterhin über den Liberalismus Hume’s hinausgegangen: dieser gab in seinem Aufsatz über die Handelsbilanz noch die Berechtigung gewisser Schutzzölle zu, die Smith später völlig verwarf. Aber Hume hat nichtsdestoweniger die Anregung gegeben. Übrigens erhoben sich in betreff der Handelsfreiheit schon am Ende des 17. Jahrhunderts und während der ersten Hälfte des 18. immer zahl reichere Schriftsteller unter den Merkantilisten selbst gegen die Engherzig keit der Zollvorschriften. Diese Schriftsteller stehen noch unter dem Einflüsse gewisser merkantilistischer Vorurteile, aber man hat sie mit Recht „liberale Merkantilisten“ genannt. Ebenso wie in Frankreich Boisguillebert den Physiokraten vorausgeht, so bereiten in England Child, Petty, Tucker, Dudley North, Gregory King einer liberale» Politik im Außenhandel die Wege vor 2 ). Neben Hutcheson und Hume muß hier poch ein anderer Schrift steller genannt werden: Bernard de Mandeville. Er war kein National- j Ökonom, sondern Philosoph und Arzt. 1704 veröffentlichte er ein kleines i Gedicht, das 1714 mit zahlreichen Zusätzen unter dem Titel: „Die Fabel von den Bienen, oder private Laster, öffentliche Wohltaten“, als Neudruck erschien. Die Grundidee des Buches (das öffentliches Ärgernis erregte und auf Anordnung der Regierung beschlagnahmt wurde) ist, daß die Zivilisation, unter der er den Reichtum, die Künste und die Wissen schaften versteht, nicht aus unseren Tugenden entsteht, sondern aus dem, was Mandeville unsere Laster nennt. Mit anderen Worten, aus de» zahllosen natürlichen Bedürfnissen, die uns nach Wohlstand, Bequemlich- i keit, Luxus und allen Vergnügungen des Lebens streben lassen. Eine Apologie des natürlichen und eine Kritik des tugendsamen Menschen. Smith hat Mandeville in seiner „Theorie der moralischen 0 Diese volkswirtschaftlichen Aufsätze sind ins Französische übersetzt worden und erschienen in der Collection des principaux öconomistes. -) Vgl. hierüber im besonderen das Werk von Schatz: L’individualisffl 0 iconomique et social, Paris 1908.