74 Erstes Buch. Die Begründer. Zeugnis ihrer eigenen Arbeit so viel Anteil haben, um selbst erträglich ■wohnen, sich Meiden und nähren zu können“ 1 ). Handelt es sich dagegen um große Gewinne, dann ändert Smith den Ton. Er ist der Meinung, daß sie den Preis der Lebensmittel viel mehr als hohe Löhne in die Höhe treiben, und er apostrophiert die Kapitalisten in folgender ironischer Auslassung: „Unsere Kaufleute und Fabrikherren klagen sehr über die schlechten Wirkungen des hohen Lohnes, der den Preis ihrer Güter hinauftreibt und dadurch den Verkauf derselben im In- und Auslande verringert; sie sagen aber nichts von den schlechten Wir kungen des hohen Gewinnes; indem sie von den verderblichen Folgen des Vorteils, den sie selbst ziehen, schweigen, klagen sie desto lauter über die Vorteile anderer Leute“ 2 ). Der Unterschied ist bezeichnend, vielleicht ist er noch stärker in dem Satze, den man eigentümlicherweise nur selten von den Urhebern der Arbeitsgesetzgebung angeführt sieht: „So oft die Gesetzgebung sich dazu herläßt, die Differenzen zwischen den Meistern und ihren Arbeitern auszugleichen, sind immer die Meister ihre Ratgeber. Fällt die Bestimmung zugunsten der Arbeiter aus, so ist sie immer gerecht und billig; wird sie aber zugunsten der Meister gegeben, so ist sie das manchmal nicht“ 3 ). Dies war durchaus nicht der Ton der Mehrzahl der Schriftsteller seiner Zeit; es war durchaus nicht der Ton, den 50 Jahre später die paten tierten Verteidiger des Industriesystems, die Mac Culloch, Ure, Babbage anschlugen. Man fühlt bei ihm eher den Hauch jenes warmherzigen Mit leids, das später einen Lord Shaftesbury oder einen Macaulay beseelte, die die Urheber der Fabrikgesetzgebung in England waren. Smith ist daher nicht ein Vorläufer des entstehenden Industrialismus. Mit allen Fibern seines Wesens hängt er im Gegenteil an der Landwirt schaft und versäumt keine Gelegenheit seine Vorliebe zu zeigen. Die Land wirtschaft ist eine viel schwierigere Beschäftigung als irgendein indu-' strielles Unternehmen: „und doch gibt es nächst den schönen Künsten und freien Berufsarten vielleicht kein Gewerbe, das eine solche Mannig faltigkeit von Kenntnissen und Erfahrungen voraussetzt“ 4 ) — sie ist nicht, nur schwieriger, sondern sie ist auch nützlicher. Er zieht zwischen der Landwirtschaft, den Manufakturunternehmungen und dem Handel einen langen Vergleich (auf den wir zurückkommen werden), und aus dem sich ergibt, daß für die Kapitalien eines Landes die Landwirtschaft unter allen Verwendungsarten die vorteilhafteste ist, die am meisten mit den allgemeinen Interessen übereinstimmt. 0 Völkerreichtum I, S. 44—45, B. I, Kap. VIII. 2 ) Völkerreichtum I, S. 56, B. I, Kap. IX am Ende. 3 ) Völkerreichtum I, S. 83, B. I, Kap. X, Teil 2. 4 ) Völkerreichtum I, S 74, B. I, Kap. X, Teil. 2. Die ganze Stelle ist in ihrem Lob der Grundbesitzer und Pächter merkwürdig.