178 Erstes Buch. Die Begründer. mit dem Praktiker ersten Ranges. Diese Theorien haben keinen irgendwie pessimistisch gearteten Charakter und berühren keine Interessengegen sätze. Im Gegenteil, er sagt: „Dort, wo der Handel der freien Konkurrenz offen steht, sind die Einzelinteressen beständig mit den Interessen der Allgemeinheit in Übereinstimmung.“ Im internationalen Handel ist er noch entschiedener, als die Physio- kraten und Adam Smith, Freihändler, und wir haben schon bei Gelegen heit der Bodenrente und des unvermeidlichen Steigens des Getreidepreises darauf hingewiesen, wie die freie Einfuhr überseeischen Getreides ihm als das einzig richtige Mittel erschien, diesem Übelstande entgegenzuwirken, da sie gleichzeitig dem Steigen des Getreidepreises und seiner notwendigen Folge, dem Steigen der Löhne, Einhalt tut, — und so auch das Sinken des Profits, das ihn nicht weniger beschäftigte, zum Stillstand bringt 1 ) (siehe oben S. 175—177). Außer diesem doppelten Grunde zugunsten des Freihandels führt er einen weiteren an, der ebenfalls heute noch nichts von seiner Kraft ver loren hat; er ergibt sich aus dem wohltätigen Einfluß der internationalen Arbeitsteilung: „Indem man auf diese Weise den größtmöglichen Vorteil aus den Hilfsmitteln zieht, die die Natur bietet, gelangt man zu einer besseren Verteilung und größerer Wirtschaftlichkeit der Arbeit“ (S. 105). Es verdient hervorgehoben zu werden, daß sein berühmter Zeitgenosse Malthus mehr dem Schutzzölle zuneigte 2 ). Es mag das eigentümlich erscheinen, denn Malthus, in seiner Furcht vor dem Gespenst der Hungers not, hätte doch einer ausländischen Getreideeinfuhr die Tore weit öffn cn sollen. Zweifellos glaubte Malthus, in Übereinstimmung mit unseren heutigen Agrar-Schutzzöllnern, daß das sicherste Mittel, ein Land vor Hungersnot zu bewahren, nicht darin liege, die nationale Landwirtschaft der Konkurrenz des Auslandes auszusetzen, sondern im Gegenteil darin, sie zu stützen und zu immer größerer Entfaltung zu bringen, indem ihr ein genügender Preis für ihre Erzeugnisse gesichert wird. Auch nruß darauf hingewiesen werden, daß Malthus eine andere Theorie über die ') In einem seiner Briefe an Malthus (v. 18. Dez. 1814) schreibt er bedauernd: „Wenn wir nur eine Zone fruchtbaren Landes unserer Insel anfügen könnten, würden die Profite nie fallen.“ Nun sollte gerade der Freihandel der Insel eine unbeg relizte ZoDe fruchtbaren Landes anfügen, und dadurch gleichzeitig das Fallen der Profite und das Steigen der Bodenrente verhindern. In seiner Schrift über den „Schutz, der der Landwirtschaft zu gewähren ist“ (1822), führt er aus, wie der Schutzzoll, der zur Bebauung auch der unfrucht barsten Flächen des einem Volke gehörenden Bodens zwingt, notwendigerweise die Getreidepreise und die Bodenrente in die Höhe treibt. Er verlangt nicht Aufhebung des Einfuhrzolles, sondern eine Ermäßigung des Schutzzolles auf 10 sh das Quarter (M. 4,32 der Doppelzentner), /tt / 2 ^ S ! ehe ” An inquiry into the nature and progress of rent, 18 15 (Untersuchung über die Natur und den Fortschritt der Bodenrente).