13* Kapitel I. Sismondi und die Ursprünge der kritischen Schule. 195 Vor allem weist er zunächst auf ihren unbedachten Eifer zugunsten der Produktion hin. Die klassischen Schrifststeller sagen, daß das allge meine Wachstum der Produktion keine Unzuträglichkeiten nach sich zieht, dank des selbsttätigen Mechanismus, der sofort in Wirkung tritt, sobald die Unternehmer an irgendeinem Punkt über die Bedürfnisse der Nach frage hinausgehen: — die sinkenden Preise zeigen ihnen an, daß sie auf dem falschen Wege sind, und daß sie ihre Kräfte nach einem anderen Ziele lenken müssen. Ebenso zeigt eine Preiserhöhung, daß das Angebot ungenügend ist, und daß mehr fabriziert werden muß. Daher werden die etwa begangenen Fehler stets nur für den Augenblick und vorüber gehend sein. Dem hält Sismondi entgegen: wenn die Nationalökonomen, anstatt in abstracto zu denken, die Tatsachen in ihren Einzelheiten betrachtet hätten; wenn sie anstatt die Erzeugnisse anzusehen, die Menschen ins Auge gefaßt hätten, würden sie sich nicht so leichtsinnig über die Irrtümer der Fabrikanten hinweggesetzt haben. Wenn das Angebot unzureichend war, um einer fortschreitenden Nachfrage zu genügen, dann freilich schadet seine Vermehrung Niemandem und nützt Allen. Wenn aber umgekehrt die Bedürfnisse nicht so schnell wachsen wie das Angebot, dann läßt sich die Einschränkung des übermäßigen Angebots nicht so leicht bewerk stelligen. Glaubt man, daß von heute auf morgen die Kapitalien und die Arbeit eine Industrie, die im Niedergang begriffen ist, aufgeben können, um sich einer anderen zuzuwenden? Keineswegs! Der Arbeiter kann nicht plötzlich die Arbeit verlassen, die ihm seinen Lebensunterhalt gibt, i'ud die er in einer oft langen und teuren „Lchrlingszeit“ gelernt hat, — in der er sich durch eine professionelle Geschicklichkeit auszeichnet, deren Vorteile er in einer anderen Beschäftigung verliert. Anstatt das zu tun, wird er lieber seinen Lohn verringern lassen, wird er lieber die Arbeitszeit Verlängern, „er wird es vorziehen, 14 Stunden am Tag zu arbeiten, die Zeit opfern, die er früher dem Vergnügen und der Ausschweifung widmete, u ud die gleiche Anzahl Arbeiter wird bedeutend mehr Erzeugnisse hervorbringen“ 1 ). — Was den Fabrikanten anlangt, so wird er ebenso wenig, wie der Arbeiter bereit sein, ohne Widerstand seine Fabrik auf- z ugeben, in deren Errichtung und Anlage er die Hälfte oder drei Viertel feines Vermögens gesteckt hat. Fixes Kapital läßt sich nicht von einer Fabrik auf die andere übertragen. Auch wird der Fabrikant durch die Gewohnheit festgehalten, „eine moralische Kraft, die der Berechnung m cht unterliegt“ 2 ), und wie der Arbeiter, klammert er sich an die Industrie, die ihn bis dahin ernährt, und die er geschaffen hat. So wird denn die P roduktion, weit davon entfernt, sich selbsttätig einzuschränken, dieselbe hieiben oder sogar noch größer werden; . . . allerdings wird sie zum Schluß ') N. p„ i, s. 333. a ) N. P., I, s. 336.