206 Zweites Buch. Die Gegner. fallen übrigens in den gleichen Fehler, den Malthus und Eicardo begangen haben: sie bilden sich ein, daß die hohen Löhne notwendigerweise zu einer Vermehrung der Bevölkerung führen, — während die Tatsachen heute zu zeigen scheinen, daß die Gewohnheiten eines größeren Wohl standes im Gegenteil unter gewissen Bedingungen darauf hinzielen, sie zu beschränken. Was auch immer daran sei, die nicht besitzende Klasse, d. h. die Mehrheit des Volkes, wird als ein einfaches Instrument in der Hand der Besitzenden angesehen. Wie es ihrer Laune oder ihrem Interesse paßt, nehmen sie es auf oder werfen es weg. Was im Hinblick auf die Industriearbeiter wahr ist, ist nicht weniger wahr im Hinblick auf die Landarbeiter, und Sismondi führt hier die berühmte Unterscheidung zwischen Nettoertrag und Bruttoertrag ein, die seit ihm so viele Nationalökonomen beschäftigt hat. Wenn alle Landleute Besitzer ihres Bodens wären, würden sie sicher sein, auf ihren Feldern wenigstens ihren Unterhalt und Sicherheit des Lebens finden zu können. Sie würden niemals den Bruttoertrag unter die Grenze sinken lassen, die genügend ist, ihren Lebensunterhalt zu sichern 1 ). Aber mit dem großen Grundbesitz, mit der Umwandlung des Bauern zum einfachen Landarbeiter verändern sich die Dinge. Der Großgrundbesitzer hat nur den Nettoertrag im Auge, den Unterschied zwischen den Kosten der Produktion und dem Verkaufspreise. Es kommt ihm nicht darauf an,"(len Nettoertrag zu erhöhen und den Bruttoertrag zu opfern. Nehmen wir z. B. ein Gut an, das bei guter Bewirtschaftung dem Pächter 1000 Taler Bruttoertrag und dem Besitzer 100 Taler Pacht bringen würde; der Be sitzer rechnet sich aus, daß er 110 Taler einnehmen wird, wenn er es brach liegen läßt und es als Weideland verpachtet. „Er wird seinen Gärtner oder seinen Winzer fortschicken und so 10 Taler gewinnen; das Volk aber verliert dabei 890 Taler. Es läßt ohne Verwendung und infolge dessen ohne Gewinn all die Kapitalien, die diese so reichliche Produktion schufen: es läßt ohne Arbeit und folglich ohne Einkommen all die Tage löhner, deren Arbeit dieses Erzeugnis darstellte“ 2 ). Und unter der Feder nach wird sie es auch niemals tun. Alle die, die Lebensmittel brauchen, haben weder die Mittel, noch das Recht, sie der Erde abzuverlangen; und die, die im Gegenteil das gesetzliche Monopolrecht am Boden haben, haben kein Interesse daran, ihm seinen Höchstertrag an Lebensmitteln abzufordern. In allen Ländern haben sich die Eigentümer einem Bewirtschaftungssystem widersetzt, und haben sich ihm widersetzen müssen, das nur auf eine Vermehrung der Lebensmittel und nicht auf eine Vennehrung der Einkünfte abzielte. Lange bevor die Bevölkerung durch die Unmöglichkeit, in der sich ein Land befinden kann, mehr Lebensmittel hervorzubringen, eingeschränkt wird, wird ihr durch die Unmöglichkeit Einhalt geboten, in der sich diese Bevölkerung be findet, Lebensmittel zu kaufen oder an ihrer Erzeugung zu arbeiten“ (N. P-, H» S. 269—170). ») N. P„ I, S. 263—264. -) N. P„ I, S. 153.