Kapitel I. Sismondi und die Ursprünge der kritischen Schule. 209 die seitdem von einer großen Menge Schriftstellern wieder aufgenommen worden ist, — ist nicht einwandfrei. Die Schwierigkeit, die Produktion der Nachfrage anzupassen, würde wahrscheinlich nicht verschwinden, auch wenn die Verteilung des Reichtums gleichmäßiger wäre. Übrigens gilt das, was Sismondi anführt, mehr für eine chronische Krankheit gewisser ­ Industrien, als für scharfe, periodische Krisen. Seine Theorie hat jedoch wenigstens das Verdienst, die Erklärung eines noch ziemlich dunklen Phänomens zu versuchen, das J.-B. Say und Ricardo mit Stillschweigen ­ zu übergehen vorgezogen hatten oder das sie, unter dem Vorwände, ­ das Gleichgewicht würde sich zum Schluß doch stets wieder erstellen, ­ als sekundär behandelten. § 4. Die Reformprojekte Sismondi’s. Sein Einfluß in der Geschichte der Doktrinen. Das Hauptinteresse des Buches Sismondi’s liegt nicht in seiner wissenschaftlichen Erklärung der Tatsachen, die auf ihn besonderen Eindruck gemacht hatten. Nur weniges darunter ist völlig befriedigend. ­ Seine Analyse bleibt oft auf der Oberfläche und macht es sich allzuleicht. Sein Verdienst besteht vielmehr darin, die Tatsachen hervorgehoben zu haben, die die herrschende Richtung in der Nationalökonomie ­ hartnäckig vernachlässigte; im Ganzen genommen erscheint uns seine Lehre als eine pessimistische Theorie des wirtschaftlichen Fortschritts. ­ Er hat mit Absicht auf die Rückseite der Münze hingewiesen, von der Andere — und sogar die, die wir unter die Pessimisten gerechnet naben, Ricardo und Malthus — nur die Schauseite sehen wollten. Von dim ab kann nicht mehr von einer spontanen Harmonie der Interessen gesprochen werden. Es ist nicht mehr möglich, das zu vergessen, was der Fortschritt in der Produktion an Elend und Unglück verdeckt. Es !st nicht mehr möglich, über die Krisen hinwegzugleiten, als seien, sie vorübergehende und gleichgültige Tatsachen. Nicht mehr möglich ist es, die Rolle zu vergessen, die die ungleiche Verteilung des Einkommens und des Vermögens in dem Wirtschaftsleben spielt, —• die zwischen den eiden Kontrahenten des Lohnvertrages eine grundlegende Ungleichheit a uf rieht et, die oft jede Freiheit der Verhandlung vernichtet. Es ist nicht mehr möglich, mit einem Wort, die sozialen Folgen zu vergessen, die ' e wirtschaftlichen Veränderungen mit sich bringen. Folglich ist jetzt auni für eine Sozialpolitik geschaffen. Von dieser'Politik werden wir nun sprechen müssen. Von dem neuen Standpunkte aus, auf den Sismondi sich gestellt mtte, daß nämlich das freie Spiel der Privatinteressen in Widerspruch u dem Allgemeinwohl steht, — ist die von Adam Smith und seiner Schule ° 1,16 un <l Rist, Geseh. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 2. Aufl. 14