212 Zweites Buch. Die Gegner. Fourier’s von sich, obwohl er die Übereinstimmung ihrer Ziele mit dem, dem er nachstrebt, anerkennt. Er scheint nicht zu verstehen, „daß diese Zerstücklung“, die er anpreist, nicht weniger chimärisch ist, als die kom munistische Utopie, die ihn erschreckt. Das System Owen’s weist er zurück, weil er darin „jene Chimäre, die das persönliche Interesse durch das der Korporation zu ersetzen sucht“ sieht; er hatte aber nicht begriffen, daß es sich keineswegs umKorporation handelte. Es ist wahrscheinlich, daß, wenn Sismondi heute lebte, er die Kooperation vorgeschlagen haben würde. In der Zwischenzeit aber, bevor die Vereinigung zwischen Eigen tum und Arbeit verwirklicht werden kann, verlangt Sismondi schon für die Gegenwart gewisse einfachere Reformen, die bestimmt sind, den drückendsten Leiden der Arbeiterklasse abzuhelfen. Zunächst wünscht er, daß man den Arbeitern das Koalitionsrecht zurückgebe, oder viel mehr gewähre 1 ). — Weiterhin, daß man die Kinderarbeit wie die Arbeit am Sonntag verbiete, und daß man ebenfalls die Arbeitszeit der Er wachsenen begrenze 2 ). Dann will er, daß man das, was er „professionelle Garantien“ nennt, schaffe, nämlich die Verpflichtung für die Arbeitgeber (landwirtschaftliche, wie Fabrikarbeitgeber), auf ihre Kosten den Arbeiter während der Zeiten der Krankheit, der Arbeitslosigkeit und des Alters zu unterhalten. Wenn diese Forderung anerkannt wäre, würden die Arbeit geber kein Interesse mehr daran haben, den Lohn ihrer Arbeiter beständig zu verringern, — oder Maschinen einzuführen, oder schließlich die Pro duktion ohne Notwendigkeit zu vermehren. Wenn sie für das Schicksal ihrer Arbeiter verantwortlich wären, würden sie die Wirkungen in Be tracht ziehen, die alle Neuerungen, die sie heute nur vom Gesichtspunkt ihres Profites aus ins Auge fassen, auf das Wohlsein ihrer Arbeiter haben 3 ). Man könnte versucht sein, in diesem Vorschlag eine Vorahnung der großen sozialen Versicherungsgesetze zu sehen, die die europäischen Staaten seit 30 Jahren bei sich eingeführt haben. Das trifft jedoch nur teilweise zu. Denn für Sismondi ist der Arbeitgeber, und nicht die Gesellschaft, der jenige, der diese Lasten zu übernehmen hat. — Das, was er gerade den englischen Unterstützungsgesetzen, besonders dem berühmten Armen gesetz vorwirft, ist, daß es die Löhne erniedrigt und die Gleichgültigkeit der Arbeitgeber erhöht, indem es sich an die Stelle der Hilfe setzt, die sie den Arbeitern leisten sollten. Im Ganzen zeigt die Haltung Sismondi’s sowohl in seinen Reform- projekten, wie in seiner Kritik der Ökonomisten jene Zaghaftigkeit und jene Unsicherheit, die sich aus einem beständigen Konflikt zwischen seinem Verstände und seinem Gefühle ergaben. Zu intelligent, um die 0 N. P., II, S. 451. 2 ) N. P., II, S. 338. 3 ) N. P., II, S. 661.