280 Zweites Buch. Die Gegner. behalten. Von diesem Gewinne sollte ein Fünftel ein beständiges und unveräußerliches Sozialkapital bilden, das sich jedes Jahr regelmäßig vergrößern würde. „Ohne dieses Kapital — sagte Btjchez mit einem sicheren Gefühl für die Zukunft — würde die Assoziation jeder anderen Handelsgesellschaft gleich werden; ihr Nutzen würde nur den Gründern zufallen und allen denen, die anfangs nicht an ihr teilgehabt haben, schädlich sein, denn sie würde zwischen den Händen der ersteren zu einem Ausbeutungsmittel werden“ 1 ). Dies Schicksal hat tatsächlich eine ganze Anzahl von Produktivgenossenschaften ereilt, bei denen die Gründer, die nunmehr zu echten Aktionären geworden waren, neue Arbeiter für ihren eigenen Vorteil arbeiten lassen und sie als einfache Hilfskräfte betrachten. Die soziale Werkstatt Louis Blanc’s zeigte viel Ähnlichkeit mit der Buchez’, nur daß unser Verfasser hauptsächlich an die große, und Bdchez an die kleine Industrie dachte 2 ). Weiterhin war die soziale Werkstatt in den Gedanken Lotris Blanc’s nur eine Keimzelle, aus der in der Zukunft eine ganze kollektivistische Gesellschaft sich entwickeln sollte. Diese spätere Entwicklung beschäftigte ihn jedoch in Wirklichkeit nur wenig. Es war dies ein zu fern liegendes Ideal, das noch zu unbestimmt erschien, um zurzeit schon mit irgendwelchem Nutzen erörtert werden zu können. Die Hauptsache war, daß man einen Anfang mache und diesen Anfang in einer praktischen Art und Weise ins Werk setze. „Die Zukunft vor bereiten, ohne schroff mit der Vergangenheit zu brechen (S. 172)“, — dies ist die Aufgabe. Wie wird diese Zukunft sich nun gestalten? Man kann sie unmöglich genau festlegen. Wenn man es tut, gelangt man nur zu einer Utopie. Auf Grund dieses fest umrissenen und einfachen Charakters seiner Reform gelang es dem Plan Louis Blanc’s, die Aufmerksamkeit zu fesseln. Nach so vielen großzügigen, aber außerhalb aller Möglichkeit einer Ver wirklichung liegenden Träumen war hier endlich ein Projekt gegeben, das Jeder verstand, und dessen Anwendung leicht durchzuführen war. Das Bedürfnis, von den Idealen zur Wirklichkeit zu kommen und endlich eine praktische Formel zu entdecken, um dem „laisser-faire“ um jeden Preis zu entrinnen, findet sich bei mehr als einem der Zeitgenossen Louis Blanc’s, z. B. bei Vidal, dem heute nur zu sehr vergessenen Verfasser eines interessanten Buches über die Güterverteilung 3 ). Hierin liegt die Erklärung für einen guten Teil seines Erfolges, wie auch späterhin für den des Staatssozialismus. 1 ) Von Festy angeführt. Le mouvement ouriver au debut de la Monar chie de Juillet, S. 88 (Paris 1908). 2 ) Für die Großindustrie schlug Buchez ganz verschiedene Reformen vor. (VgL Festy, op. cit.) 3 ) Francois Vidal, De la R6partition des richesses, 1846.