Kapitel I. Die Optimisten. 359 Es erhellt hieraus, daß diese Doktrin weit über den bloßen Begriff von Naturgesetzen hinausgeht: sie setzt den Glauben an Gesetze der Vor sehung voraus. Bastiat will das auch gar nicht verbergen und ruft an vielen Stellen, ähnlich wie die Physiokraten, aber mit klareren Worten aus: „In jeden Menschen hat Gott einen unwiderstehlichen Drang nach dem Guten gelegt und hat ihm, um es ihn erkennen zu lassen, ein Licht gegeben, das ihn zurechtweist“ 1 ). Adgüste Comte hat mit großer Beredsamkeit Protest erhoben gegen »jene eitle und irrationelle Neigung, nur den Grad der Ordnung zugeben zu wollen, der sich von selbst herstellt“, eine Neigung, die „in der sozialen Praxis offenbar auf eine Art feierlicher Demission hinausläuft, mit der sich diese angebliche Wissenschaft (die Nationalökonomie) vor jeder etwas schwierigen Frage zurückzieht, die die industrielle Entwicklung auftauchen läßt“ 2 ). Aber auch als eine Auslegung der Vorsehung ist dieser Glaube Bastiat’s sehr anzweifelbar. Auf keinen Fall scheint er mit der christ lichen Lehre übereinzustimmen, denn man darf nicht vergessen, daß, wenn das Christentum lehrt: der Mensch und die Welt seien von Gott gut geschaffen worden, es auch lehrt, daß beide durch die Schuld des Menschen völlig verderbt worden sind, und daß sie niemals wieder durch sich selbst auf Grund irgendeiner natürlichen, Genesung bringenden Tugend wieder gut werden können 3 ). Christus schreibt seinen Jüngern v °r: den natürlichen Menschen in sich abzutöten, um einen neuen Menschen zu schaffen; er kündet einen neuen Himmel und eine neue Erde an. Das ist viel revolutionärer, als der wirtschaftliche Optimismus. Der Gott Bastiat’s ist weiter nichts als „der Gott der guten Leute“, von dem Be ran ger sang. Welche Tatsachen und welche Gesetze enthüllen uns nun diese prästabilierte Harmonie?. Alle, antwortet Bastiat: der Wert und der Tausch, das Eigentum, die Konkurrenz, die Produktion, der Verbrauch, sowie alle anderen . . . Wir werden nur auf die hinweisen, in denen sich uiese Harmonie nach seiner Ansicht am ausgeprägtesten offenbart. 1 ) „Die Tatsachen der Nationalökonomie haben ebenfalls ihre wirkende Ursache und ihren Vorsehungszweck“ (Harmonies, le, z , ®• tsc w t l er wohl ausrufen, wie der „Angesichts dieser Harmonie kann der o (Harmonies, Kap. X, S. 391). Astronom oder der Physiologe: Digitus Dei es „ wenn ein Jeder für sich , »Wartet nur das Ende ab und ihr werdet sehen, , g «elbst sorgt, Gott an Alle denkt“ (Harmonies, K P- ßd g _ 202 . 2 ) A. Comte, Cours de Philosophie o Hirche sagt: „Wir erkennen an , , *) Die Liturgie der reformierten (banzos|Schen) Kirche «Jt ^ ^ nd bekennen ... daß wir an uns selbst u g ^ christentume beruhen- . Siehe weiter unten das Kapitel über die auf üem ci d en Lehren.