Kapitel I. Die historische Schule und der Streit über die Methoden. 437 Wissenschaft ist die Erkenntnis der Gleichmäßigkeit der Tatsachen, und infolgedessen kommt es darauf an, irgendeinem Weg zu folgen, irgend eine Methode anzuwenden, die diesem Ziele näher führt“ 1 ). „Wir werden stets nebeneinander Arbeiter brauchen“, sagt Marshall, „die verschiedene Fähigkeiten haben und verschiedene Ziele verfolgen, von denen die Einen sich hauptsächlich der Beobachtung von Tatsachen widmen, die Anderen der wissenschaftlichen Analyse . . ., alle Arbeitsweisen, die darauf hin- ziclen, die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung zu entdecken, wie sie in den verschiedenen Abhandlungen über wissenschaftliche Logik beschrieben sind, müssen eine nach der anderen von den Volkswirtschaftlern angewendet werden“ 2 ). — Nach diesen Schriftstellern, die hauptsächlich die deduktive Methode gebrauchen, wollen wir jetzt Anhänger der histo rischen Schule zu Worte kommen lassen. Als erster hat Schmoller an einer Stelle gesagt: „Wie der rechte und der linke Fuß zum Gehen, so gehören Induktion und Deduktion gleichmäßig zum wissenschaftlichen Denken“ 3 ). Bemerkenswert ist vielleicht die,Meinung eines Volkswirt schaftlers — Bücher’s —, dem die historische Schule einige ihrer selb ständigsten Beiträge verdankt. „Es ist darum mit großer Genugtuung zu begrüßen, wenn nach einer Periode emsiger Stoffsammlung in neuerer Zeit die Probleme der modernen Verkehrswirtschaft mit Eifer wieder aufgenommen worden sind, und wenn die Berichtigung und der weitere Ausbau des alten Systems auf demselben Wege versucht wird, auf dem ‘Feses entstanden ist, nur mit Benutzung eines viel reicheren Tatsachen materials. Denn es gibt in der Tat keine andere Forschungs methode, mit welcher man der komplizierten Verursachung clor Verkehrsvorgänge nahe kommen kann, als die isolierende Abstraktion und die logische Deduktion. Das einzige induktive ' erfahren, welches daneben in Frage kommen kann, das statistische, ls t für die meisten hierhergehörigen Probleme nicht fein und eindringend genug u n d kann nur als ergänzendes oder kontrollierendes Hilfsmittel herangezogen werden“ 4 ). *) Pareto, Manuale di economia politica, Mailand 1906, S. 24. J ) Marshall, Principles of economics, 4. Ausg., B. I, Kap. VI. . *) Schmoller im Handwörterbuch der Staatswissenschaften (Comad) Artikel: Volkswirtschaft. Jena 1911, Verlag G. Fischer, 8. Bd S. 478, Sp. 2, Reihe 2. W seinem Grundriß liest man noch: „Diejenigen, welche in der neueien deutschen Nationalökonomie als Vertreter induktiver Forschung gelten, bekämpfen nicht die Deduktion überhaupt, sondern nur die aus oberflächlichen unzureichenden Prämissen, Wft Fhe sie glauben, auf Grund besserer Beobachtung durch genauere Obersatze er setzen zu können- (Bd. I S. 111). Von diesem Gesichtspunkt aus kann ihm jeder ^stimmen. „ 4 ) Karl Bücher, Die Entstehung der Volkswirtschaft, 3. Ausg. (1901), *>• 173.