520 Viertes Buch. Die Abtrünnigen. Was die Grundtheorie anbelangt, die des Arbeitswertes, so ist sie heute von den meisten der Marxisten verlassen worden, die sich mehr und mehr zu der Theorie „des Grenznutzens“ oder zu der des „wirtschaft lichen Gleichgewichtes“ bekennen 1 ). Trotz seinem Bekenntnis zum Arbeits werte sah sich Karl Marx selbst beständig dazu gezwungen, als selbst verständliche Folgerung oder sogar ganz ausdrücklich 1 2 ) zuzugeben, daß der Wert von Angebot und Nachfrage abhänge, — wobei wir besonders auf das hinweisen, was wir weiter oben über die Höhe des Profits gesagt haben. Nachdem er den Arbeitswert als Axiom an die Spitze seines ersten Bandes gestellt hat, führt er ihn in den folgenden nur als eine Art schema tischer Ausdrucksweise an, um so das Verständnis der Tatsachen zu er leichtern. Da aber in der Beweisführung von Marx die Theorien der Mehr arbeit und des Mehrwertes nur Folgerungen aus dem Prinzipe des Arbeits wertes sind, so folgt daraus, daß der Zusammenbruch dieses ersten Prinzipes auch die beiden anderen hinfällig macht. Wenn die Arbeit nicht not wendigerweise den Wert schafft, oder wenn der Wert ohne sie geschaffen werden kann, so beweist nichts, daß die Arbeit notwendigerweise einen Mehrwert erzeugt; und folglich auch nicht, daß der Profit des Kapitalisten in nichtbezahlter Arbeit besteht. Allerdings antworten die Neo-Marxisten, 1 ) Der italienische Syndikalist Arthur Labriola (Revue Socialiste, 1899, Bd. I, S. 674) schreibt: „Während wir Marxisten es uns sauer werden ließen, den Mantel des Meisters zu flicken, um ihn uns umzuwerfen, hatte die volkswirtschaftliche Wissen schaft täglich Fortschritte gemacht . . . Man vergleiche, Kapitel um Kapitel, das „Kapital“ von Marx und die „Principles of political Economy“ von Marshall; inan wird daraus ersehen, wie Probleme, die wenigstens hunderte von Seiten im Kapital beanspruchen, bei Marshall in einigen Zeilen gelöst werden.“ B. Croce (Materialismo storico ed Economia marxistica, 1900, S. 106) schreibt: „Was mich anbelangt, so bleibe ich fest bei der wirtschaftlichen Konstruktion der hedonistischen Schule . • • > doch befriedigt das nicht meinen Wunsch nach einer soziologischen Aufklärung über den Profit des Kapitals, und diese Aufklärung ist ohne die vergleichenden Betrach tungen, die uns Marx vorschlägt, unmöglich.“ Endlich sagt Sorel (Saggi di critica del marxismo, 1903, S. 13): „E s ist notwendig, jede Anwandlung, den Sozialismus zur Wissenschaft zu machen, auf zugeben.“ 2 ) Besonders in der von Bernstein angeführten Stelle: „Es ist in der Tat das Gesetz des Wertes, daß nicht nur auf jede einzelne Ware nur die notwendige Arbeits zeit Verwandt ist, sondern daß von der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit nur das nötige proportionelle Quantum in den verschiedenen Gruppen verwandt ist. Denn Bedingung bleibt der Gebrauchswert . . . Das gesellschaftliche Bedürfnis d. h. Gebrauchswert auf gesellschaftlicher Potenz erscheint hier bestimmend für die Quota der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit, die den verschiedenen besonderen Produktionssphären anheimfallen.“ (Marx, Das Kapital, Bd. III, 2, S. 175—176) -y" und Bernstein fügt hinzu: „Dieser Satz allein macht es unmöglich, sich über die GossEN-BöHM’sche Theorie mit einigen überlegenen Redensarten hinwegzusetzen. (Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozial demokratie, Stuttgart 1904, S. 42, Anm. 2).