552 Viertes Buch. Die Abtrünnigen. deshalb, weil diese Genossenschaften sich vorwiegend mit ihren Berufs- interessen und ihren Lohnkämpfen beschäftigten und nicht dazu geeignet schienen, den Geist der Opferwilligkeit und Nächstenliebe zu entwickeln, der zur Verwirklichung des christlichen Sozialismus unumgänglich nötig ist. Ebensowenig sagte ihnen aber die Konsumgenossenschaft zu. Trotz des frischen Erfolges der Pioniere von Rochdale lehnten sie diese Organi sationsform ebenfalls ab, sei es, weil diese Genossenschaft als von dem ausgesprochen religionsfeindlichen Geiste Owen’s inspiriert schien (siehe oben Seite 258), sei es, weil ihr einziges Ziel darin bestand, das Leben des Arbeiters billiger und angenehmer zu gestalten, so daß sie alles in allem weiter nichts als Krämerläden (stores) vorstellten, die den „Christian- Socialists“ keine wünschenswerte Stätte für das kommende Reich Gottes zu sein schienen. Sie wendeten sich daher der Arbeiterproduktiv-Genossen- schaft zu, ebenso wie es übrigens auch die ersten katholischen Sozialisten getan hatten. Doch waren es nicht die Anschauungen Büchez’, den sie nicht gekannt zu haben scheinen, die sie ihren Bestrebungen zugrunde legten, sondern vielmehr die assozialistische Bewegung von 1848, die schon Stuart Mill in ihren Bann gezogen hatte (siehe oben Seite 404). Ludlow befand sich damals in Paris und hatte die Produktivgenossen schaft zur Zeit ihrer vollen, wenn auch kurzen Blüte gesehen. Es schien ihm, daß gerade Genossenschaften dieser Art das gesuchte wirtschaftliche Werkzeug seien, um die Lohnarbeiter in freie Produzenten zu verwandeln, und zu gleicher Zeit eine sehr gute Schule, um die Unterordnung des per sönlichen Interesses unter das allgemeine Interesse zu lehren. Diese Hoffnungen wurden aber noch schneller und noch vollständiger ent täuscht als in Frankreich. Kaum daß man von einem Beginn der Verwirk lichung sprechen kann. Doch hatten die Leiter des Bundes nicht ganz umsonst gearbeitet. Als sie ihre Ohnmacht einsahen, die Arbeiter anzuspornen, und die Hinder nisse kennen lernten, die die damalige Gesetzgebung der Bildung von Arbeitergenossenschaften in den Weg legte, wendeten sie sich an den Staat und eröffneten einen Feldzug, um eine liberalere Gesetzgebung zu erhalten. In Wirklichkeit sind ihnen auch fast allein die Gesetze von 1852 und von 1862 (Industrial and Provident Societies Acts) zuzuschreiben, die zum ersten Male den Genossenschaften den Charakter juristischer Personen verliehen, und von denen alle anderen Arbeiter verbände Nutzen gezogen haben. Übrigens legten die christlichen Sozialisten nur geringes Gewicht auf die äußere Form, die der Verwirklichung ihres Ideals dienen sollte. Sie wußten aus Erfahrung, daß die Arbeitergenossenschaft und sogar die Gesetzgebung keine Früchte tragen konnten, solange die geistige Verfassung der Arbeiter nicht anders geworden wäre 1 ). Ihre Reform 1 ) Kingsley schrieb 1856: „Die Assoziation wird die nächste Form der indu-