Kapitel I. Die Hedonisten. 579 nichts als ein Werkzeug, das von den verschiedensten Schulen angewendet werden kann. Und so scheint es, kann sie in unserer Klassifikation keine eigene Abteilung beanspruchen 1 ). Dennoch scheint die Anwendung der mathematischen Methode eine ganz eigene Auffassung der politischen Ökonomie mit sich zu bringen, sie nämlich ganz und gar auf den Tauschakt zurückzuführen. Nun setzt aber jeder Austausch ein Verhältnis zwischen ausgetauschten Mengen voraus, das sich im Preise ausdrückt und durch ihn formuliert wird, womit wir sofort mitten in der Mathematik stehen. Nun mag man denken, daß diese Methode nur ein sehr beschränktes Anwendungsfeld habe, wenn sie den Bereich des Austausches nicht verlassen ­ kann. Das ist jedoch ein Irrtum. Einer der geistreichsten und fruchtbarsten Beiträge der neuen Schule liegt gerade in der Darlegung, wie dieser Kreis sich erweitert, bis er die ganze volkswirtschaftliche Wissenschaft ­ umfaßt. Verteilung, Produktion und selbst Verbrauch, Alles gehört in diese Lehre vom Tausche. Zunächst die Verteilung —, denn was ist der Lohn, der Zins, die Rente, mit einem Wort die Einkünfte? — Der Preis gewisser ­ Dienste, der von den Faktoren der Produktion, Arbeit, Kapital und Boden geleisteten Dienste, die der Unternehmer bezahlt. Folglich s ind sie das Ergebnis eines Austausches. Was heißt produzieren? — Einen Nutzen gegen einen anderen auslauschen, ­ eine gewisse Menge Rohstoffe und Arbeit gegen eine gewisse Menge verbrauchbarer Güter austauschen. Um die Einen zu erlangen, Müssen die Anderen geopfert werden. Man kann die Natur mit einem Kaufmann vergleichen, der uns seine Erzeugnisse im Tausche gegen unsere Arbeit überläßt, und Xenophon hatte schon diese geistreiche Theorie vorausgeahnt, als er schrieb: „die Götter verkaufen uns alle Güter zum Preise unserer Arbeit“. Um die Analogie besser aufzuzeigen, kann man 'len Russen Bortkiewicz, jetzt Professor in Berlin. Frankreich jedoch, die Heimat ®>nes Cournot und eines Walras, besitzt keinen mathematischen Volkswirtscha I tler. "ir erwähnen jedoch das Buch Aupetit’s, Theorie dö la Monnaie, das, wenn es a uch über einen besonderen Gegenstand handelt, eine allgemeine Einführung über die 1 nathematische Nationalökonomie enthält. . J ) Diesen Einwand hat namentlich Vilfredo Pareto in seinem Iraite de Socio-°gie (I, 87 Anm.) gegen uns erhoben. Er protestiert gegen einen Absatz der ersten Auflage, wo wir ihn neben Walras zu den Hedonisten stellten. Er erklärt, keiner Schule anzugehören und keine andere Methode zu haben, als diejenige, „aus der Nationalökonomie ­ eine Wissenschaft zu machen, gerade wie Chemie, Physik öder Astronomie“. Aber unsere Klassifikation hatte keinen anderen Sinn, als diejenigen in die gleiche Rubrik einzuordnen, die aus der Nationalökonomie eine „exakte Wissenschaft“ machen Sollen. 37*