Die Lehren der neuesten Zeit. Von den Gegnern der Klassiker, womit ich sagen will, von den Wirt schaftshistorikern, den Interventionisten, den Solidaristen und all den verschiedenen „sozialistelnden“ Richtungen haben die Hedonisten eine nicht weniger scharfe, aber ebensowenig gerechtfertigte Kritik gefunden. Sie sahen in den hedonistischen Doktrinen den Versuch einer Wiederauf richtung der alten manchesterlichen oder optimistischen Lehren — mit ihrem ganzen Gepäck an Individualismus, Egoismus, Vorzügen der freien Konkurrenz, Harmonie des persönlichen und des allgemeinen Interesses, Rechtfertigung der Bodenrente, des Zinses und des erbärmlichsten Lohnes im Namen einer rätselhaften Wesenheit, die man Grenznutzen nennt; und zu guterletzt den Beweis, daß die bestehende wirtschaftliche Ordnung die beste aller möglichen sei —, eine um so gefährlichere, oder auf jeden Fall um so unerträglichere Wiederherstellung, da sie sich auf die reine Wissenschaft beruft und Anspruch auf mathematische Unfehlbarkeit erhebt. Auch diese Kritik ist nur ein Zerrbild. Daß die neue Schule es sich zur Aufgabe gesetzt hat, das Werk der Klassiker fortzuführen, ist sicher, und hierin kann man sie nicht tadeln. Die wirkliche Wissenschaft er nennt man daran, daß sie den geraden Weg verfolgt, die Königsstraße, und nicht kleine Fußpfade, die sich in alle Wiesen verlieren. Und was die Wissenschaft der Nationalökonomie anbelangt, so ergeben sich für sie keine Fortschritte, wenn jede Generation die von der vorhergehenden erworbenen Resultate über Bord wirft, sondern nur dann, ,venn man das Gute behält und das Schlechte seinem Schicksal überläßt. Dies bemüht sich die hedonistische Schule zu tun. Die Theorien des Gleichgewichts oder des Grenznutzens bedeuten an und für sich keine Rechtfertigung der bestehenden Ordnung * 1 ) " wenn man diesen Ausdruck in seinem apologetischen und normativen Sinne nimmt —, sie erklären sie, was etwas ganz anderes ist. Aus dieser Erklärung ergibt sich allerdings, daß auf einem freien Markte die Ding e in der Weise vor sich gehen, daß die größtmögliche Anzahl der AustaU' sehenden den größtmöglichen Vorteil erzielen muß. Das Wort Vorteil muß aber in seinem hedonistischen Sinne genommen werden. Es schließt keine Vorstellung von ausgleichender Gerechtigkeit ein und kümmert sich weder um die Bedingungen, die dem Austausche zugrunde liege»! noch um die Folgen, die er möglicherweise haben kann. So z. B. hat der Austausch zwischen Jakob und Esau, bei dem dieser sein Erstgeburts recht für ein Linsengericht abtrat, für beide, und nicht nur für Jakob, aber wir nehmen an, daß jedem Wert der zweiten Reihe ein bestimmter Wert der ers e Reihe gegenüber steht“ (Aupetit, Theorie de la Monnaie, S. 42). 1 ) Als tiefschürfende Widerlegung dieser Kritik siehe zwei Aufsätze von Ri * Lconomie optimiste et Lconomie scientifique in der Revue de MStaphysifl et de Morale, Juli 1904 und Sept. 1907.