Kapitel I. Die Hedonisten. 595 ebenso grundlegend sind, wie es die Ersetzung des ptolemäischen Systems durch das des Kopernikus für die Astronomie war“ 1 ). Weiter oben sahen wir, wie das Gleichgewichtssystem Walras’ mit dem Newton’s ver glichen wird. Zwischen diesem Ehrgeiz und den erzielten Ergebnissen besteht ein nicht unbedeutendes Mißverhältnis. Man hat sehr richtig gesagt, daß die Mathematik nur einer Mühle gleiche, die das Korn, das man ihr zugetragen hat, als Mehl wiedergibt, aber man muß noch untersuchen, was es für Korn war. Hier haben wir eine Menge von Abstraktionen, die man in das mathematische Räder werk geworfen hat — einen Einheitsmarkt, Individuen, deren einzige Triebfeder das hedonistische Prinzip ist, die Identität beider Austauschen der vom Gesichtspunkt ihrer Begehrungen aus * 2 ), die Allgegenwart des Kapitals und der Arbeit, eine vollständig unbehinderte Substitutions fähigkeit usw. — Es kann also nichts Anderes herauskommen, als was man hineingetan hat, und das heißt eine rein theoretische Volkswirtschaft, eine Welt, die mit der bestehenden Wirklichkeit ebensowenig, wie die fourieristische oder die saint-simonistische oder die anarchistische Welt zu tun hat, und deren Verwirklichung noch unwahrscheinlicher ist oder eine ebenso wunderbare Umwälzung zur Voraussetzung hat. Dies geben die Hedonisten nun auch offen zu: hierin liegt sogar eine Überlegenheit, die sie über die klassischen Ökonomisten haben, die, wenn sie über die freie Konkurrenz ihre Gedanken darlegen, stets denken: „Es ist erreicht!“ Dabei ist aber zu bemerken, daß alle diese Kritiken gegen die An wendung der Mathematik von solchen Nationalökonomen herrühren, die nichts davon verstehen: und so würde es uns schlecht anstehen, die Ergebnisse derjenigen herunterzumachen, die sich der mathematischen Methode zu bedienen verstehen. Wir sind also völüg bereit, zuzugeben, daß die Anwendung der Mathematik in der Geschichte der Doktrinen einen Abschnitt bezeichnet, der nicht wieder vergehen kann: aber es wird uns gestattet sein, mit den Worten eines Volkswirtschaftlers dieses Kapitel abzuschließen, der, selbst ein Meister dieser und der klassischen Schule, eine gewisse Berechtigung hat, über sie zu urteilen 3 ): „Die glücklichsten Anwendungen der Mathematik auf die Nationalökonomie sind die, die kurz und einfach sind, die wenige Zeichen verwenden, und deren Zweck *) Böhm-Bawerk, The Austrian Economists, op. cit. — Dagegen schreibt Anhänger dieser Schule, Laitory: „Heute kann man die Tätigkeit der österreichischen «chuie als fast erschöpft ansehen“ (L ! f5cole öconomique autrichienne, in der Bivista di Scienza, Mailand, 1907)- '— Nach 35 Jahren! Ist das nicht ein recht kurzes Leben! 2 ) Man muß „auf alle in Betracht gezogenen Individuen und für jedes Produkt asselbe Gesetz der veränderlichen Stärke des Bedürfnisses anwenden“ (Aupetit La Monnaie, S. 93). 3 ) Marshall, Distribution and Exchange, Economic Journal, März 1898. 38*