600 Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. ist auch die Produktivität von einem Arbeiter zum anderen ungleich: Der eine schafft, ohne sich mehr zu ermüden, mehr als sein Nachbar, und verdient mehr. Es gibt also auch für den Arbeiter einen Zuwachs- gewinn, eine Differentialrente! — Aber nicht nur die Fähigkeiten der Arbeiter, auch die der Unternehmer sind Verschieden. Die „Geschicklich keitsrente“ spielt sogar eine wesentliche Rolle in dem wechselnden Erfolg der Unternehmungen und in den ungleichen Einkünften, die man davon bezieht. „Die Zusatzgewinne, die ein Fabrikant oder eirl Händler auf Grund seiner höheren kaufmännischen Begabung erwirbt, ouer die in einer besseren Organisation seines Unternehmens begründet sind, sind ihrer Natur nach der Bodenrente analog.“ So drückt sich Stuart Mill 1 ) aus, indem er sich damit begnügt, einen, wie wir wissen, schon 1836 von Senior in seiner Political Economy dargelegten Gedanken wieder auf zunehmen, wo Senior jeder „außergewöhnlichen Entlohnung“ für „außer gewöhnliche körperliche oder geistige Eigenschaften“ den Namen Rente gab 2 ). Der einfache Hinweis, dem wir bei Mill und bei Senior begegnen, „Ein durchaus analoger Fall (zur Bodenrente) tritt ein, wenn in einem Land einige ausländische Maschinen funktionieren, deren Vermehrung schwierig ist — z. B. infolge eines Ausfuhrverbotes im Ursprungslande (das war damals der Fall für englische Maschinen). . . . Nehmen wir an, daß der Preis der auf diesen Maschinen hergestellten Produkte steigt. Wenn man im Lande selbst nur Maschinen herstellen kann, die teurer sind und trotzdem wegen ihrer mangelhaften Konstruktion weniger leisten —, so bleiben die Preise höher als die Produktionskosten bei den besseren Maschinen (denen fremder Herkunft); so wird den Besitzern dieser letzteren der Vorteil, den ihnen die Preiserhöhung Verschafft, gesichert“. — Ebenso schreibt Mangoldt (Die Lehre Vom Unternehmer gewinn, Leipzig 1855) auf S. 55 wie folgt: „Die Rente zeigt sich am klarsten und aus gedehntesten auf dem von der Landwirtschaft in Gebrauch genommenen Boden; sie ist aber in allen Kapitalien, die nicht vermehrbar sind, oder die man nur durch andere, die teurer sind, ersetzen kann, oder die eine geringere Produktivität aufweisen, nicht weniger sichtbar usw.“ (nach dem franz. Text, d. Übers.). Ricardo selbst hat vielleicht an die Kapitalrente gedacht, als er sagte: „Der Tauschwert aller Produkte, seien,sie Manufakturerzeugnisse, oder Erzeugnisse der Bergwerke oder des Bodens, wird stets nicht von der geringsten Menge Arbeit, die zu ihrer Produktion notwendig ist, geregelt, . . . sondern Von der größten Menge Arbeit, die notwendigerweise auf sie verwendet werden muß, und zwar von denen, die fortfahren, sie unter den schlechtesten Bedingungen herzustellen, worunter die Bedingungen zu verstehen sind, die man notgedrungen annehmen muß, um die nachgefragte Menge des Produktes zu erzeugen“ (Principles, Kap. II, § 27). — Doch sprechen die englischen Schriftsteller nur selten von der Kapitalrente, weil für sie die Rente stets, in Analogie mit dem Boden, natürliche Unterschiede in der Produktivität voraussetzt, Unterschiede, die nicht dem Eingreifen des Menschen unterworfen sind. *) Stuart Mill, Principles, B, III, Kap. X, § 4. 2 ) „Denn“, sagt er: „es ist selbstverständlich ein Überschuß (ein Differential gewinn), da die Arbeit schon zu dem normalen Lohnsatz bezahlt worden ist, und zwar ein Überschuß, der ein spontanes Geschenk der Natur darstellt“ (angeführt von Cannan. Production and Distribution S. 198). Vgl. oben S. 382.