Kapitel II. Die Theorie der Bodenrente und ihre Anwendungen. 601 hat zu einer ausführlichen Theorie des Unternehmerprofits Anlaß gegeben, ­ in der man jeden Profit als die Entlohnung einer außergewöhnlichen Fähigkeit betrachtet. Es ist die von dem Amerikaner Francis Walker 1883 in seinem „Grundriß der politischen Ökonomie“ niedergelegte Theorie, die er später eingehender in dem Quarterly Journal of Economics, ­ 1887, wieder aufnahm 1 ). Wir haben schon auf die Neigung zu einem gewissen Optimismus bei den Amerikanern hingewiesen. Carey hat uns dafür ein Beispiel geliefert. Walker gibt ein neues. Schon in seinem 1876 veröffentlichten Werke, The Wages Question (Die Lohnfrage) hatte Walker mit Erfolg die für die Arbeiter entmutigende Theorie des Lohnfonds bekämpft. An ihre Stelle hatte er die Theorie gesetzt, die den Lohn, zum Teil wenigstens, ­ von der zu erhoffenden Produktivität des Unternehmens abhängen läßt. Der Nachweis, daß der Lohn möglicherweise mit der wachsenden Produktivität der Industrie wächst, genügte aber nicht, um die Gemüter zu beruhigen. Auch wollte Walker den Sozialisten gegenüber feststellen, daß der Profit keineswegs aus der Ausbeutung der Arbeiter stamme, —; und die Rententheorie schien ihm hierfür ein ausgezeichnetes Beweismittel ­ zu liefern. Unter „Profit“ versteht Walker die besondere Entlohnung des Unternehmers * 2 ) unter Ausschluß der Zinsen seines Kapitals. Hierin unterscheidet er sich von den meisten Volkswirtschaftlern englischer Zunge, die trotz des auf dem Kontinent angenommenen Sprachgebrauches lange Zeit dabei beharrten, die verschiedenen Funktionen des Unternehmers ­ und des Kapitalisten zusammenzuwerfen. Walker weigert sich auch, die Funktion des Unternehmers auf die bloße Tätigkeit der Leitung und der Überwachung zu beschränken, aus der er höchstens auf ein Einkommen Anspruch machen könnte, das dem Gehalt eines bezahlten Direktors entspräche. Die Funktion des Unternehmers steht *) The Source of business Profit, in dem Quarterly Journal of Economics, ­ April 1887. 2 ) Walker ist einer der ersten englischen Schriftsteller, der diese Unterscheidung gemacht hat und dem Wort Profit seinen enger umschriebenen Sinn gibt, indem er ihn einerseits von den Zinsen und andererseits vom Lohn unterscheidet (Wages Question, 2. Ausg., 1891, S. 230ff.). Er trennt vom Profit sogar den Lohn der Überwachung ­ und Leitung, weil diese Überwachungsfunktionen übertragen werden können, während die eigentliche Funktion des Unternehmers (die Anpassung der Produktion an die Nachfrage) allein eine besondere Entlohnung bedingt: den Profit. — Es wirkt erheiternd und gibt ein klares Bild von der Isolierung, in der die Volkswirtschaftler der verschiedenen Länder voneinander leben, wenn Walker erklärt, daß ihm kein Volkswirtschaftler bekannt sei, außer seinem Vater, Amasa Walker, der vor ihm die Trennung der Funktionen des Unternehmers und des Kapitalisten vorgenommen habe. Labei hat schon J.-B. Say ganz klar diese Unterscheidung aufgestellt, und fast alle Volkswirtschaftler des Kontinents haben sie seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts gebraucht.