670 Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. schaft sucht weniger Gewinn, als bessere Befriedigung der Bedürfnisse Aller. Mit einem Wort: während unter der heutigen Ordnung des all gemeinen Wettkampfes ein Jeder bestrebt ist, seinen Konkurrenten bei seite zu schieben, wird unter der Ordnung der Assoziation ein Jeder sich bemühen, seinen Nebenmenschen zu benutzen. An die Stelle des „do ut des“ 1 ) tritt die Solidarität, an die Stelle des „Einem Jeden das Seine“ tritt: „Jeder für Alle“. Kapitel IV. Die Anarchisten. Die anarchistische Lehre ist das Produkt einer eigentümlichen Ver schmelzung der liberalen und sozialistischen Ideen. Dem Liberalismus entlehnt sie ihre wirtschaftliche Kritik des Staates, ihren Fanatismus für die freie Initiative, ihren Begriff einer spontanen wirtschaftlichen Ordnung. Dem Sozialismus entnimmt sie ihre Kritik des Eigentums und ihre Theorie der Ausbeutung des Arbeiters. Indem sie aber beide verbindet, und gerade weil sie beide verbindet, geht sie weit über beide hinaus. Auch der extremste Liberalismus, der eines Dunoyer zum Beispiel, behielt dem Staat noch eine wesentliche Funktion vor, die eines „Sicherheits-Produzenten“. Als echter Bourgeois des Jahres 1830 sieht Dunoyer in der Ordnung das primäre Bedürfnis jeder Gesellschaft 2 ). Mit den Waffen der sozialistischen Kritik ausgerüstet, verwerfen die Anarchisten auch diese letzten Funktion des Staates, denn in ihren Augen ist die Sicherheit, von der Dunoyer spricht, einzig und allein die Sicherheit des Eigentümers, die Ordnung, die die Besitzer brauchen, um die Angriffe der Besitzlosen zurückzuweisen. Auf der anderen Seite behalten die Sozialisten, vielleicht mit Ausnahme FourieR s (und die Anarchisten nehmen Fourier als einen der Ihrigen in Anspruch), auch wenn sie das Eigentum bekämpfen, dem Staat eine wichtige Aufguß D Das System der Solidarität unterscheidet sich sowohl von dem des Austausche*, wie von dem der Nächstenliebe. Die Tauschwirtschaft besteht in einer Leistung 1111 dem Zwecke, eine genau gleichwertige Gegenleistung zu erhalten. Die Nächstenlie ist eine Leistung ohne irgendwelche Reziprozität, d. h. sie ist das, was man ein Op le nennt. Was die Solidarität anlangt, so erweckt ja freilich jede Aufforderung zur So darität die Idee eines gewissen Opfers, — aber eines Opfers, das nicht vollkonun® selbstlos ist: es ist das Opfer eines Teiles unseres individuellen Ich’s, um einen An am kollektiven Ich zu erwerben. n 2 ) Vergleiche z. B. seinen Artikel „Gouvernement“ in dem Wörterbuche v COQUELIN & GUIIXAOMIN.