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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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      <div>108 
Erstes Buch. Die Begründer. 
wird jeder zugeben. Und doch besteht dieser Unsinn überall dort, wo 
man uns durch Zolltarife daran hindert, an den natürlichen Vorzügen, 
die fremde Nationen vor uns voraus haben, teilzunehmen. Die ganze 
„niedrige Habsucht und der Monopolgeist der Kaufleute und Gewerbe 
treibenden“ 1 ) ist dazu nötig gewesen, um die Nation über ihre wirk 
lichen Interessen so sehr zu täuschen. Nach Smith besteht daher eine 
natürliche Verteilung der Produktion zwischen den verschiedenen Ländern, 
die mit dem Vorteile jedes Land'- übereinstimmt. Das Schutzzoll 
system hindert uns, daran Teil zu L. n; ihm steht die Anwendung des 
Prinzips der Arbeitsteilung auf die internationale Interessengemeinschaft 
gegenüber. 
Immerhin ist dieser Beweis nicht schlüssig, denn das Kapital und 
die Arbeit zirkulieren nicht zwischen Volk und Volk wie im Innern des 
selben Landes. Die Verteilung der Industrie auf die verschiedenen Völker 
regelt sich nicht auf Grund der absoluten Produktionskosten, sondern 
auf Grund der relativen Produktionskosten. Das Verdienst, dies nach 
gewiesen zu haben, gebührt Ricardo. 
Smith ist daher in seinem Nachweis der Nachteile des Schutzzoll 
systems unvollständig, und dies tritt vielleicht noch mehr in seinem Be' 
weise für die Vorteile des internationalen Handels zutage. 
Der entscheidende Grund zugunsten der Handelsfreiheit ergibt 
sich aus dem Nutzen, den der Verbraucher davon hat. Die Ver 
mehrung der ihm zu Gebote stehenden Gebrauchsgüter macht dD 
Überlegenheit des Freihandels aus. Wie Stuart Mill sagt: „AID 
direkten Vorteile des Außenhandels beruhen auf der Einfuhr“ 2 )- 
Dieser Gesichtspunkt wird aber bei Smith am wenigsten untersucht* 
Er schreibt freilich: „Die Konsumtion ist der einzige Zweck aller 
Produktion . . ., allein im Merkantilsysteme wird das Interesse des Kon 
sumenten fast beständig dem des Produzenten aufgeopfert.“ Die se 
Stelle findet sich jedoch erst am Ende der Kritik des Merkantilis^'-’" 
im 8. Kapitel des 4. Buches (Bd. II, S. 143) und steht noch nicht in der 
ersten Ausgabe des Werkes. Sie ist erst in der dritten Ausgabe eingefügt 
worden 3 ). 
Im Gegenteil, Smith stellt sich fast stets auf den Standpunkt &amp;lt;D 9 
Produzenten, um die Vorteile des internationalen Handels darzulegen 4 * * * * )* 
*) Völkerreichtum II, S. 40, B. IV, Kap. III, Teil 2. 
2 ) Principles of Political Economy, B. III, Kap. XVII. 
3 ) Allerdings hat er schon im IV. Buch, Kap. III, Teil 2 (II, S. 41) gesagt: 
jedem Lande ist es und muß es stets der Vorteil der großen Masse des Volkes sein, ihre® 
Bedarf von denen zu kaufen, die ihn am wohlfeilsten verkaufen. Dieser Satz i st 
so durchaus einleuchtend, daß es lächerlich wäre, ihn noch besonders 
beweisen zu wollen.“ 
") Betreff der Getreidezölle schreibt er: „Die Einführung fremden Getreide 
und Viehes fortdauernd zu verhüten, heißt in der Tat nichts anderes als festsetze 11 ’</div>
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