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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

über  die  spanischen  Flotten  das  Todesurteil  gesprochen  hatte,  ehe  es  von
den  Flotten  Englands  und  Hollands  vollzogen  ward“  (S.  172).  Nicht
ohne  Ungerechtigkeit 1 )  wirft  er  Smith  und  seiner  Schule  „Materialismus“
vor,  weil  sie  diese  mächtigen  Imponderabilien  übersehen  haben.
Unter  allen  produktiven  Kräften  einer  Nation  ist  aber  in  seinen
Augen  keine  ergiebiger,  als  die  Manufaktur.  Die  Fabriken  entwickeln
zunächst  im  höchsten  Grade  die  moralischen  Kräfte  der  Nation.  „Der
Geist  des  Strebens  nach  steter  Vermehrung  der  geistigen  und  materiellen
Güter,  des  Wetteifers  und  der  Freiheit  charakterisiert  den  Manufakturund
  Handelsstaat;  während  beim  rohen  Ackerbau  Geistesträgheit  und
körperliche  Unbeholfenheit  herrscht,  Festhalten  an  alten  Begriffen,  Gewohnheiten, ­
  Gebräuchen  und  Verfahrungsweisen,  Mangel  an  Bildung,
Wohlstand  und  Freiheit“  (S.  284).  Viel  besser  als  die  Landwirtschaft
gestatten  die  Fabriken  die  Verwertung  aller  materiellen  Hilfsmittel  eines
Landes,  wie  Wasser,  Wind,  Mineralien  und  Brennstoffe.  Das  Bestehen
von  Fabriken  ist  aber  auch  ein  kräftiger  Ansporn  für  die  Landwirte;  sie
profitieren  noch  mehr  dabei  als  die  Fabrikanten,  und  zwar  durch  das  Steigen
der  Bodenrente,  der  Gewinne  und  der  landwirtschaftlichen  Löhne,  die  der
wachsende  Bedarf  an  Bodenprodukten  hervorruft.  Außerdem  sind  die
Fabriken  ein  beständiger  Markt  für  die  Landwirtschaft,  den  weder  Krisen
noch  Einfuhrverbote  sperren  können,  wie  dies  mit  fremden  Märkten  gel ­
 )  Wir  sagen  „nicht  ohne  Ungerechtigkeit“,  denn  Smith  hat  mehr  als  einmal
diese  moralischen  Kräfte  in  Betracht  gezogen.  Er  läßt  den  Aufschwung  der  englischen
Landwirtschaft  mit  dem  Zeitpunkt  zusammenfallen,  an  dem  die  Pächter,  da  sie  Pachtverträge ­
  über  längere  Zeit  erhalten  hatten,  sich  von  der  Abhängigkeit  von  ihren  Grundbesitzern ­
  befreien.  Er  weist  darauf  hin,  daß  die  Städte  schneller  zu  Wohlstand  gelangten
als  das  platte  Land,  weil  sich  in  ihnen  eine  regelmäßige  Regierung  eher  gebildet  hat.
Den  besten  Einfluß,  den  Handel  und  Industrie  gehabt  haben,  sagt  er  an  anderer  Stelle,
besteht  darin,  daß  sie  „nach  und  nach  Ordnung  und  eine  gute  Regierung  und  hiermit
zugleich  Freiheit  und  Sicherheit  der  Personen  unter  den  Landbewohnern“  eingeführt
haben  ...  „Diese  Wirkung  ist,  so  wenig  man  auch  auf  sie  Acht  gehabt  hat,  doch  die
wichtigste  unter  allen.  Hume  ist,  soviel  ich  weiß,  bis  jetzt  der  einzige  Schriftsteller,
der  sie  ins  Auge  gefaßt  hat.“  (Völkerreichtum,  Bd.  I,  S.  238,  Bd.  III,  Kap.  IV.)
Dort,  wo  er  von  den  amerikanischen  Kolonien  spricht  (Bd.  II,  S.  90,  Bd.  IV,  Kap.  VII),
weist  er  darauf  hin,  daß  trotz  ihrer  im  Vergleich  zu  den  spanischen,  portugiesischen
oder  französischen  Kolonien  geringeren  Fruchtbarkeit  „die  politische  Verfassung
der  englischen  Kolonien  dem  Anbau  und  der  Kultur  des  Landes  günstiger  gewesen  ist,
als  die  Verfassung  irgendeiner  Kolonie  der  drei  anderen  Nationen“.  Und  wie  sollte
man  endlich  noch  die  berühmte  Stelle  vergessen,  in  der  Smith  den  Wohlstand  Großbritanniens ­
  im  wesentlichen  auf  die  Gesetze  zurückführt,  die  einem  jeden  die  Früchte
seiner  Arbeit  garantieren,  wobei  er  besonders  die  Revolution  von  1688  hervorhebt  1
„Die  Sicherheit,  welche  die  Gesetze  Großbritanniens  jedermann  im  Genuß  der  Früchte
seiner  Arbeit  geben,  ist  allein  hinreichend,  diesen  und  zwanzig  anderen  törichten  Handelsmaßregeln ­
  zum  Trotz  ein  Land  blühend  zu  machen;  und  diese  Sicherheit  wurde  durc
die  Revolution  fast  eben  zu  der  Zeit,  wo  die  Prämie  eingeführt  wurde  vollkommen
hergestellt“  (sc.  Ausfuhrprämie  auf  Getreide).  (Völkerreichtum,  Bd.  II,  S-Bd.
  IV,  Kap.  V.)</div>
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