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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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      <div>I. Kapitel. Die Optimisten. 
371 
es tut, in das Sinken des Zinsfußes nicht nur den eigentlichen Zins ein 
schließt, sondern auch die Profite, die Dividenden, Tantiemen und jeden 
Gewinnanteil des Kapitals. 
Aber auch wenn wir das Gesetz des sinkenden Profitsatzes als fest 
stehend annehmen, beweist das, daß der Anteil des Kapitals geringer wird? 
Auf keinen Fall, insoweit als diejenigen Kapitalien in Betracht kommen, 
die schon in Fabriken, Gruben, Eisenbahnen, Staatsrenten usw. angelegt 
sind und in festverzinslichen Papieren bestehen. Sie erhalten nicht einen 
Pfennig weniger Zinsen, im Gegenteil, das Sinken des Zinsfußes hat eine 
Kurssteigerung der Papiere, das heißt also aller früher angelegten Kapitalien 
zufolge. Alle Kapitalisten wissen das und spekulieren sogar auf diese 
Voraussicht 1 ). 
Das Sinken des Zinsfußes kann daher den Anteil des Kapitals nur 
^soweit verringern, als neue Kapitalien in Betracht kommen: wenn diese 
Kapitalien aber zufälligerweise eine geringere Produktivität als die alten 
Kapitalien haben, so kann es sehr gut eintreten, daß ein geringerer Zinsfuß 
einen gleichen oder sogar größeren Abzug gegenüber der Arbeit bedeutet. 
, as ist sogar sehr wahrscheinlich. Der Beweis liegt darin, daß die Volks- 
^’irtschaftler, die an ein allmähliches Sinken des Zinsfußes glauben, als 
rK'Urnent gerade die Tatsache anführen, daß die Produktivität der neuen 
^ a pitalien gewöhnlich geringer als die der alten ist. 
Mit einem Worte, die Frage des Zinsfußes, die einfach eine gewisse 
ßziehung zwischen dem Werte des Kapitals und dem Wert des 
mkommens ausdrückt, ist ganz und gar nicht dieselbe, wie die 
1fa ge nach dem Anteil an dem Produkte, der den Kapitalisten 
den Arbeitern zukommt 2 ). 
. Vicht nur ist der Beweis, den Bastiat seinem Gesetz der Verteüung 
fischen Kapital und Arbeit zu geben geglaubt hat, falsch, sondern auch 
e Theorie selbst wird von den Tatsachen widerlegt. Es scheint sich aller- 
(ln gs aus den Statistiken zu ergeben, daß trotz des sogenannten Gesetzes 
6f) p r ™ n l er Zinsfuß von 5 auf 3% sinkt, wird die 3% französische Rente, die 
®inkom n War ’ ^ r - notiert werden. Daher entsteht keine Verminderung des 
des Zinsfuß 18 ’ Vermehrung des Kapitals. Ein gutes Geschäft! Die Erniedrigung 
Fällen j U ,j S verrin gert den Teil der schon angelegten Kapitalien nur in den besonderen 
VertiK 0 &amp;lt;enen der Borger sich dieser Verringerung bedienen kann, um eine Kon- 
,® r “ng auszuführen; 
Negerin 1 1S * so ric htig, daß wir später sehen werden, wie Rodbertus sich auf den 
sich auf &amp;lt;-] Üer These Bastiat’s stellen konnte und nachzuweisen versuchte, indem er 
bellst aS rl e “ erne Rohngesetz stützte, daß der relative Anteil des Kapitals beständig 
übrig en ’ s Un J der re Ktive Anteil der Arbeit beständig sinkt. Dieser Beweis scheint 
Tolitio ebensoweni g begründet wie der andere (siehe in der Revue d’ficonomie 
BieTl™ 11 ^ arz einen Aufsatz Rist’s, Deux sophismes üconomiques). 
Vorbehalt uf 6 Bastiat’s findet sich auch bei Carey. Die liberale Schule hat sie ohne 
Partit; übernommen, siehe z. B. das Buch Paul Leroy-Beaulieu’s über die R6- 
Ion de s Richesses. 
24*</div>
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