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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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Drittes  Buch.  Der  Liberalismus.

Kapitel  II.
Höhepunkt  und  Niedergang  der  klassischen  Schule.
Stuart  Mill.
Während  die  französischen  Nationalökonomen,  erschreckt  von  den
Folgerungen,  die  sich  aus  den  Theorien  Ricard  o’s  und  Malthus’  ergeben
konnten,  sich  bemühten,  die  ehernen  Gesetze  in  goldene  zu  verwandeln,
schritten  die  englischen  Nationalökonomen  unerschütterlich  auf  dem  von
den  großen  Epigonen  geöffneten  Wege  weiter,  ohne  sich  darum  zu  kümmern,
ob  sie  durch  ihre  Arbeit  den  Sozialisten  Waffen  lieferten.
Die  30  Jahre,  welche  die  Veröffentlichung  der  „Principles  of  Political ­
  Economy“  Ricardo’s  (1817)  von  dem  den  gleichen  Titel  tragenden
Buche  Stüart  Mill’s  (1848)  trennen,  werden  nur  von  Volkswirtschaftlern
zweiten  Ranges  ausgefüllt,  die  sich  weniger  darum  bemühen,  neue  Prinzipien ­
  zu  entdecken,  als  die  schon  aufgestellten  zu  befestigen  und  zu  erweitern. ­
  Damit  soll  nicht  gesagt  sein,  daß  es  zu  dieser  Zeit  in  England
keine  anderen  befähigten  Nationalökonomen  gegeben  habe,  die  gewisse
—  oft  sehr  bedeutsame  Punkte  —  der  herrschenden  Lehre  kritisierten 1 )-Man
  achtete  aber  in  England  ebensowenig  auf  ihre  Ideen,  wie  man  damals
Coürnot  in  Frankreich  oder  etwas  später  Gossen  in  Deutschland  las.
Es  ist  dies  die  Zeit,  in  der  Fräulein  Martineau  und  Frau  Marcet
die  Nationalökonomie  darstellten,  und  zwar  die  eine  in  Form  von  Erzählungen, ­
  die  andere  in  Form  von  Zwiegesprächen  mit  „der  jungen
Karoline“ 2 ),  und  in  der  Mac  Wickar  „den  ersten  Unterricht  in  der
Nationalökonomie  zum  Gebrauch  in  den  Volksschulen“  verfaßte!  Er
glaubte  die  Wissenschaft  schon  so  vollständig  ausgebaut,  daß  er  schrieb:
„Die  Grundprinzipien  der  Volkswirtschaft  sind  Truismen,  die  die  Kinder
sehr  gut  verstehen  können,  und  die  ihnen  beigebracht  werden  müssen.
Im  letzten  Jahrhundert  waren  sie  dem  Studium  der  Gelehrten  Vorbehalten; ­
  heute  sind  sie  in  die  Kinderstube  eingedrungen,  und  die  einzige
Schwierigkeit,  die  man  hat,  sie  später  zu  lernen,  ist  einfach  das  Mißtrauen,
das  ihre  zu  große  Einfachheit  erregt“ 3 ).
*)  Seligman  hat  im  Economic  Journal  von  1903  (S.  335  und  511)  diesen
Schriftstellern  zwei  sehr  interessante  Aufsätze  unter  dem  Titel:  0n  some  neglected
British  Economists  gewidmet.  —  Man  war  über  die  Menge  dieser  vergessenen
britischen  Volkswirtschaftler  und  die  Originalität  ihrer  Theorien  erstaunt,  von  denen
viele  von  den  heutigen  Volkswirtschaftlern  bloß  wieder  entdeckt  worden  sind.
2 )  Die  Conversations  von  Mrs.  Marcet  stammen  aus  dem  Jahre  1816  und
die  Illustrations  von  Miss  Martineaü  von  1832.  Besonders  die  letzteren  hatten
einen  riesigen  Erfolg.
3 )  Von  Seagbr  angeführt:  Economics  (Konferenz  an  der  Columbia  Universität,
1908).</div>
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