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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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      <div>442 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
großes historisches Ereignis, dessen Ursachen nicht noch beständig dis 
kutiert werden? Noch lange wird man über die wirklichen Ursachen 
der Reformation oder der Revolution streiten, über die relative Bedeutung 
der wirtschaftlichen, politischen oder moralischen Einflüsse, die diesen 
großen Geschehnissen zugrunde lagen oder sie begleiteten, oder über 
die Einflüsse, die auf die geschlossene Hauswirtschaft die Geldwirtschaft, 
und auf diese wieder die Kreditwirtschaft folgen ließen. Damit die er 
zählende Geschichte sich in erklärende Geschichte umwandeln könne, 
muß sie vorher sehr verschiedene Gesetze durch eine Reihe von Sonder 
wissenschaften als bewiesen annehmen können, deren Zusammentreffen 
zu den konkreten Tatsachen der Wirklichkeit führte 1 ). Dann aber ist es 
nicht mehr die Geschichte, sondern es sind diese Wissenschaften, die die 
wirkliche Erklärung geliefert haben. Die Naturgeschichte hatte die Auf 
einanderfolge der tierischen Arten als eine Tatsache hingestellt und fand 
die Erklärung dieser Aufeinanderfolge in der Erblichkeit und der Aus 
wahl. Liegt nun nicht gerade hierin der Grund, weshalb die Entwicklung 
der Naturgeschichte so fruchtbar gewesen ist? Die Geschichte der mensch 
lichen Gesellschaften aber liefert uns keine Hypothese, die durch ihre 
Einfachheit oder ihren erklärenden Wert mit der Evolutionslehre ver 
glichen werden könnte. Mit einem Wort, die Geschichte bedarf selbst 
erst der Erklärung. Allein kann sie uns nicht das Verständnis der Wirk 
lichkeit vermitteln. Sie ersetzt nicht die Nationalökonomie * 2 ). 
Die ersten Anhänger der historischen Schule haben dem geschicht 
lichen Studium der Nationalökonomie eine noch bedeutendere Aufgabe 
zugewiesen. Nach ihnen sollte sie nicht nur die Erklärung der Wirklich- 
!) Zwar kann die Geschichte erklärend werden, aber in einem ganz besonderen 
Sinne: nicht indem sie die allgemeinen Gesetze der Tatsachen entdeckt, sondern indem 
sie nachweist, gerade welches besondere Zusammentreffen von Tatsachen (deren 
allgemeine Gesetze als bekannt angenommen werden) irgendein bestimmtes, ebenfalls 
besonderes Ereignis hervorgerufen hat. Die wirklichen Historiker wissen aber sehr 
wohl, daß derartige Erklärungen stets einen äußerst subjektiven und persönlichen 
Charakter tragen. Als neuzeitliche Untersuchung dieser Ideen durch einen Historiker 
verweise ich auf die prächtige und tiefbegründete Einführung, die der Geschichtsforscher 
E. Meyer der 2. Ausgabe seiner Geschichte des Alterjjjims vorausgeschickt hat. 
(Berlin, 1907, vgl. auch Simiand, op. cit., S. 14, 16.) 
2 ) Vgl. Marshall, Principles, B. I, Kap. VI, § 4 und besonders Karl Menger, 
Untersuchungen usw., S. 14—17. „Wir gewinnen das historische Verständnis 
einer Tatsache, indem wir seine individuelle Genese suchen, d. h. indem wir uns die 
konkreten Umstände, innerhalb derer es mit seinem ihm eigentümlichen Charakter 
zügen, inmitten derer es entstanden ist, mit ihren ihnen eigentümlichen Seiten vor 
stellen ... Wir gewinnen das theoretische Verständnis einer konkreten Tatsache . • •&amp;gt; 
wenn wir es als einen Sonderfall von einer gewissen Regelmäßigkeit (Gesetz) der Auf 
einanderfolge oder Koexistenz der Tatsachen betrachten oder mit anderen Worten, 
wir gelangen zum Verständnis des Daseinszweckes, dir Existenz und der Natur einer 
Tatsache, indem wir lernen, in ihr im Wesentlichen den Beweis eines Tatsachengesetzes 
zu sehen.“</div>
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