<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Charles</forname>
            <surname>Gide</surname>
          </persName>
        </author>
        <author>
          <persName>
            <forname>Charles</forname>
            <surname>Rist</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1029261784</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>Kapitel III. Der Marxismus. 
501 
Arbeit, und sein Wert wird, wie der eines jeden anderen Erzeugnisses, 
von der Zahl von Arbeitsstunden bestimmt, die es gekostet hat. Dieser 
Wert muß sich daher wieder finden, — gerade wie der der Rohstoffe, 
gerade wie der der Arbeitskraft selbst, — und zwar im Wert des end 
gültigen Produktes: mehr aber nicht. Es ist das, was die Volkswirtschaftler 
Amortisation nennen. Jedermann weiß aber, daß Amortisation nicht 
Profit ist 1 ). 
Von diesem Standpunkt aus erscheint es nun selbstverständlich, daß 
es dem Kapitalisten hauptsächlich darauf ankommen müßte, nur variables 
Kapital zu verwenden oder wenigstens, wenn er die Hilfe des konstanten 
Kapitals nicht entbehren kann, dieses auf das unentbehrlichste Minimum 
z u beschränken 2 )! 
Wenn aber das konstante Kapital wirklich von Natur steril ist, woher 
kommt es dann, daß die Großindustrie es in immer größerem Maßstabe 
verwendet, in Fabrikanlagen, Maschinen, Hochöfen, Eisenbahnen usw., 
und daß man sie gerade an diesem charakteristischen Zuge erkennt ? Nach 
ker eben aufgestellten Rechnung müßte sie doch viel weniger Profit 
realisieren als die kleine Handindustrie oder die Landwirtschaft! Aus den 
klARx’schen Vordersätzen ergibt sich als logischer Schluß, daß der Gewinn 
satz von Unternehmung zu Unternehmung verschieden sein muß je nach 
der „Zusammensetzung“ des Kapitals aus variablen und konstanten 
Bestandteilen: aber dieser Schluß widerstreitet dem axiomatisch wahren 
und unbestrittenen Satze, daß der Gewinnsatz aller Kapitale überall der 
gleiche ist, die unter völlig freier Konkurrenz und unter gleichem Risiko 
funktionieren, 
*) Ein Töpfer z. B. macht einen Topf an jedem Arbeitstag von 10 Stunden, 
’ndem er nur seine Hände zu seiner Arbeit benutzt: jeder Topf ist daher 10 Stunden 
'vert. Nun bedient sich aber der Töpfer eines Instrumentes, eines Drehtisches, das 
e ’ n konstantes Kapital vorstellt. Um den Drehtisch herzustellen, hat er 100 Arbeits- 
Kunden aufwenden müssen. Wenn er fortfährt, nur einen Topf täglich zu machen (eine 
Unständig widersinnige Annahme, da er in diesem Fall sich nicht die Mühe genommen 
, a ben würde, den Drehtisch anzufertigen! doch wollen wir diesen Einwurf unbeachtet 
so würde der Wert eines jeden Topfes von jetzt ab 10 Arbeitsstunden plus 
7 ? 1 '^ 1 'f , °Gsstunden geteilt durch x, sagen wir 1000, sein; hierbei stellt 1000 die 
a hl der Töpfe vor, die der Drehtisch bis zu seinem endgültigen Verbrauch herzustellen 
Scstattet. Dann hat also jeder Topf den Wert 10 + Jogg - = ^^Jg' 
in -D ^ Nehmen wir zwei Unternehmungen A und B, die jede ein Kapital von 1000 
01 Betrieb stecken haben. In dem Unternehmen A besteht dieses Kapital zu 900 aus 
Gablern Kapital und zu 100 aus konstantem Kapital, während im Unternehmen B 
umgekehrt 100 auf das variable und 900 auf das konstante Kapital entfällt. 
Wenn wir annehmen, daß die Höhe des Mehrwerts, wie in unserem Beispiel, das 
«oben angeführt wurde, 100% sei, dann muß man sagen, daß in dem Unternehmen A 
j er -^ürwert 900 beträgt (oder für ein Kapital von 1000 ein Satz von 90%), während 
v &amp;lt; em Unternehmen B' der Mehrwert nur 100 ausmacht (oder für das gleiche Kapital 
011 1000 nur ein Satz von 10%).</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
