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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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      <div>Kapitel  I.  Die  Hedonisten.

583

Doch  genügt  es  nicht,  wenn  man  sagt,  daß  die  Angebotskurve  umgekehrt ­
  symmetrisch  zu  der  der  Nachfrage  ist.  Sie  ist  viel  komplizierter,
weil  das  Angebot  selbst  durch  die  Produktionskosten  bedingt  wird.  In
gewissen  Zweigen  der  Produktion,  besonders  in  der  Landwirtschaft,
steigen  die  Produktionskosten  viel  schneller  als  der  Absatz;  in  anderen,
in  der  Pegel  in  der  Industrie,  sinken  die  Produktionskosten  für  die  Einheit
in  dem  Maße,  wie  der  Absatz  wächst.
(Die  mathematische  Nationalökonomie  begnügt  sich  nicht  damit,
gegenseitige  Abhängigkeiten  zwischen  vereinzelten  Tatsachen  zu  suchen:
sie  behauptet,  sie  alle  in  einer  Gesamtanschauung  zusammenzufassen.
Sie  erkennt  sie  als  in  einem  Gleichgewichtszustand  befindlich,  —
ein  stabiles  Gleichgewicht  in  dem  Sinne,  daß  es  sich  jedesmal  von  selbst
wieder  einzustellen  sucht,  wenn  es  gestört  worden  ist 1 ).  Die  Feststellung
dieser  Gleichgewichtsbedingungen  ist  die  wirkliche  Aufgabe  der  reinen
Ökonomik.
Der  bedeutendste  Versuch  einer  Systematisierung,  der  in  dieser  Hinsicht ­
  gemacht  worden  ist,  ist  der  des  Professors  Walras,  der  in  seinen
Formeln  kühn  alle  Teile  des  Wirtschaftslebens  umfaßt,  —  vergleichbar
etwa  dem  LAPLACE’schen  Weltsystem *  2 )!
Stellen  wir  uns  die  gesamte  Gesellschaft  in  einem  einzigen  Saale  versammelt ­
  vor,  ähnlich  wie  die  Börse  in  Paris;  der  Saal  ist  mit  den  betäubender, ­

  in  dem  sich  die  beiden  Linien  des  Schaubildes  schneiden,  nämlich  dort,  wo  die
Menge  mit  V  mit  dem  Preise  2  zusammentrifft.
Die  vertikalen  Linien  heißen  Ordinaten,  und  die,  die  als  Ausgangspunkt  dient
(hier  0—X),  heißt  Koordinatenachse.
Die  Entfernungen  von  dieser  Linie  (auf  der  Horizontalen  eingezeichnet)  heißen
Abszissen.  Jeder  Punkt  der  Kurve  wird  von  der  Entfernung  bestimmt,  die  ihn  von
der  Achse  der  Ordinaten  und  der  Abszissen  trennt.  Um  z.  B.  zu  erfahren,  was  der
Punkt  a  bedeutet,  fälle  ich  zwei  Senkrechte,  eine  auf  die  Achse  der  Ordinaten  und  die
andere  auf  dje  Achse  der  Abszissen;  die  erstere  zeigt  de».Preis,  die  zweite  die  nachgefragte-Menge:
  es  sind  daher  VII  Einheiten  zu  1  (Mark,  Franken  usw.)  nachgefragt
Worden.  }  .  ,  fi*
In  dem  obigen  Schaubild  stellen  die  Ordinaten  die  Preise  und  die  Abszissen  die
Mengen  vor;  selbstverständlich  kann  man  ebensogut  beides  vertauschen.
*)  Die  mathematische  Volkswirtschaft  untersucht  übrigens  auch  andere  Gleichgewichtszustände, ­
  die  aber  verwickelter  und  weniger  von  Bedeutung  sind,  nämlich
die  Zustände  des  instablen  Gleichgewichts.
2 )  Pareto  spricht  von  ihm  wie  folgt:  „Es  war  Walras,  der  zuerst  eins  dieser
Gleichungssysteme  gefunden  hat  und  zwar  das,  das  sich  mit  dem  Zustande  der  freien
Konkurrenz  beschäftigt.  Diese  Entdeckung  ist  von  höchster  Bedeutung  und  man
kann  das  Verdienst  dieses  Gelehrten  nicht  zu  hoch  einschätzen.  Natürlich  hat  sich
die  Wissenschaft  seitdem  schon  weiter  entwickelt  und  wird  fortfahren,  sich  auch  in
der  Zukunft  zu  entwickeln,  doch  verringert  das  in  Nichts  die  Bedeutung  der  Entdeckung
Walras’,  ebenso  wie  der  Fortschritt  in  den  Berechnungsmethoden  der  Himmelskörper
keineswegs  der  Bedeutung  der  Principia  Newton’s  Abbruch  tut:  im  Gegenteil“
(Economie  pure,  Broschüre,  1902,  S.  11).</div>
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