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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

Schon  im  17.  Jahrhundert  behauptete  Locke  in  seinem  kleinen  Buch
„On  civil  government“,  daß  „Gott  die  Erde  den  Menschenkindern  zum
gemeinsamen  Besitz  gegeben  habe“.
Seit  dem  Ende  des  18.  Jahrhunderts  trifft  man  immer  häufiger  die
Behauptung  eines  Rechtes  der  Gemeinschaft,  den  ungerechterweise  angeeigneten ­
  Boden  zurückzunehmen.  Manchmal  stammt  sie  von  unbekannten ­
  Reformern,  oft  aber  auch  von  bedeutenden  oder  berühmten
Schriftstellern.  1775  schlug  ein  Lehrer  in  Newcastle,  Thomas  Spence,
in  einem  in  der  philosophischen  Gesellschaft  dieser  Stadt  gehaltenen  Vortrage ­
  vor,  daß  das  Eigentumsrecht  am  Boden  wieder  den  Gemeinden
zufallen  solle.  Daraufhin  sah  er  sich  gezwungen,  nach  London
zu  flüchten,  wo  er  nicht  ohne  Erfolg  eine  lebhafte  Propaganda  seiner
Ideen  ins  Werk  setzte.  1781  veröffentlichte  ein  angesehener  Professor
der  Universität  Aberdeen,  W.  Ogilvie,  anonym  einen  „Versuch  über  das
das  Recht  des  Grundeigentums“,  in  dem  er  vorschlug,  durch  eine  Steuer
den  ganzen  Wert  des  Bodens,  soweit  er  nicht  auf  die  Meliorationsarbeiten
des  Besitzers  zurückzuführen  sei,  zu  konfiszieren.  Seine  Gedanken  sollen
angeblich  die  Zustimmung  des  Philosophen  Reid  gefunden  haben.  Thomas
Paine  führte  1797  in  einer  Broschüre  ähnliche  Gedanken  aus 1 ).  Im  19.
Jahrhundert  finden  wir  von  Neuem  ihre  Verteidigung  bei  einem  gewissen
Patrick  Edward  Dove  in  seinem  1850  veröffentlichten  Werke 1  2 ).  Im
folgenden  Jahre  erklärte  der  berühmte  Philosoph  Herbert  Spencer  in
seiner  Sozialen  Statik 3 ),  daß  die  Wieder-in-Besitz-nahme  des  Bodens
durch  den  Staat  „mit  dem  höchsten  Zustand  der  Zivilisation  im  Einklang
stehe“  und  ebenfalls  in  völliger  Harmonie  mit  dem  Sittengesetze  sei.
Allerdings  gab  Spencer  in  einem  späteren  Werke  zu,  daß  „alles  was  die
Gemeinschaft  gerechterweise  verlangen  kann,  die  Oberfläche  des  Bodens
im  Urzustand  ist“ 4 ),  und  sprach  ihr  jedes  Recht  ab  „auf  den  Wert,  den
der  Boden  durch  Abholzung,  Urbarmachung,  andauernde  Bewirtschaftung,
Drainage,  Straßenbauten,  landwirtschaftliche  Gebäude  usw.  erhalten
habe“.  Trotz  dieser  bedeutsamen  Einschränkung  wird  das  Prinzip  von  ihm
nicht  weniger  klar  anerkannt.
Außerhalb  Englands  wurde  das  Urrecht  der  Gemeinschaft  am  Boden
mehr  als  einmal  proklamiert.  Neben  wirklichen  Sozialisten,  wie  Proudhon

1 )  Agrarian  Justice  opposed  to  agrarian  law  and  agrarian  monopoly
  (Agrargerechtigkeit  gegenüber  Agrarrecht  und  Agrarmonopol)  London,  1797.
2 )  The  theory  of  human  progression  and  natural  probability  of
a  reign  of  justice  (Theorie  des  menschlichen  Fortschrittes  und  natürliche  Wahrscheinlichkeit ­
  einer  Herrschaft  der  Gerechtigkeit).  Vgl.  über  Spenge,  Ogilvie,  Dove,
Paine  die  Dissertation  Escarra ! s:  Nationalisation  du  sol  et  Socialisme,  Paris,
1904.  Wir  entlehnen  ihm  die  Einzelheiten  über  die  verschiedenen  Schriftsteller,  deren
Texte  wir  nicht  vor  Augen  gehabt  haben.
3 )  Social  Statics,  1851,  Kap.  IX,  Abt.  8.
4 )  Herbert  Spencer,  Justice,  franz.  Übers.,  S.  107  (1893).</div>
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