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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

völkerung,  die  sich  hieraus  ergebende  Nachfrage  nach  Nahrungsmitteln
sichern  der  Erde  einen  ins  Endlose  wachsenden  Wert.  Der  Wille,  die  Intelligenz ­
  oder  die  Initiative  des  Besitzers  haben  damit  nichts  zu  schaffen.
Die  Umstände,  das  soziale  Milieu  sind  seine  einzige  Quelle.  Dieser  Wert,
der  aus  der  Gemeinschaft  erwächst,  gehört  ihr;  und  trotzdem  usurpiert
ihn  der  Grundbesitzer  heute  geradeso,  wie  er  im  Anfang  den  Boden  selbst
usurpierte.  Warum  soll  er  nicht  daran  gehindert  werden  ?
„Stellen  wir  uns  vor“,  schreibt  Stuart  Mill,  „daß  es  eine  Art  Einkommen ­
  gäbe,  die  das  Bestreben  hat,  beständig  ohne  jede  Anstrengung
und'ohne  jedes  Opfer  von  seiten  des  Besitzers  größer  zu  werden,  so  daß
diese  Besitzer  in  der  Gemeinschaft  eine  Klasse  darstellen,  die  sich  auf
GrundJdes  natürlichen  Laufes  der  Dinge  fortschreitend  bereichert,  obgleich ­
  sie  eine  absolut  passive  Rolle  spielt.  Es  würde  dann  keine  Verletzung
irgendwelcher  Prinzipien  sein,  auf  denen  das  Privateigentum  beruht,
wenn  der  Staat  sich  diesen  Zuwachs  des  Reichtums  oder  einen  Teil  dieses
Zuwachses,  im  Maße  wie  er  sich  bildet,  aneignet.  Eigentlich  würde  er  niemandem ­
  etwas  nehmen,  sondern  einen  durch  die  Umstände  geschaffenen
Zuwachs  des  Reichtums  nur  zum  Nutzen  der  Gesellschaft  verwenden,
anstatt  ihn  als  einen  unverdienten  Vermögenszuwachs  einer  Sonderklasse
zufließen  zu  lassen.  In  genau  diesem  Fall  befindet  sich  nun  die  Rente“ 1 ).
Gegen  dieses  Argument  scheint  sich  wirklich  nichts  Entscheidendes
einwenden  zu  lassen.  Auf  jeden  Fall  schlug  man  sofort  nach  dem  Erscheinen ­
  des  Werkes  Ricardo’s  die  Konfiskation  der  Rente  zugunsten
des  Staates  vor.
Schon  1821  schrieb  sein  Freund  James  Mill,  daß  der  Staat  mit  vollem
Recht  nicht  nur  die  jetzige  Rente,  sondern  auch  die  zukünftige  Steigerung ­
  der  Bodenrente  für  sich  in  Anspruch  nehmen  können,  um  damit
die  öffentlichen  Ausgaben  zu  decken *  2 ).  Etwas  später  drückten  die  Saint-Simonisten
  den  gleichen  Gedanken  aus 3 ).  Hauptsächlich  war  es  aber  der
Sohn  von  James  Mill,  Stuart  Mill,  der  diesem  Gedanken  anhing.
Schon  in  seinen  Principles  of  Political  Economy  legt  er  den  allgemeinen ­
  Plan  dieser  Reform  dar.  Nach  1870  findet  man  ihn  noch  besser
in  dem  Programm  der  von  ihm  gegründeten  Liga  der  „Land  tenure  Reform
Association“  ausgeführt,  die  seine  Ideen  verbreiten  sollte,  sowie  in  den
Reden  und  Kommentaren,  die  damit  Zusammenhängen 4 ).
*)  Principles,  B.  V,  Kap.  II,  §  ö.
2 )  James  Mill;  Elements  of  Political  Economy,  Kap.  IV,  Abt.  5  (franz.
Übers,  von  1823,  SS.  270—271).  „Diese  fortwährende  Erhöhung  der  Bodenrente,
die  auf  Umständen  beruht,  die  sich  aus  der  Gemeinschaft  ergeben  und  nicht  aus  dem
Tun  und  Lassen  irgendeines  Besitzes,  scheint  nicht  weniger  dazu  geeignet,  in  besonderer
Weise  den  Bedürfnissen  des  Staates  dienstbar  gemacht  zu  werden,  als  das  Einkommen
aus  Boden  in  einem  Lande,  wo  der  Boden  niemals  Privateigentum  gewesen  ist.“
3 )  Vgl.  oben  S.  257.
ä )  Principles  of  Political  Economy,  Bd.  V,  Kap.  II,  §  5.  Vgl.  auch  im  selben</div>
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