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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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      <div>Kapitel  IV.  Die  Anarchisten.

677

zwischen  den  marxistischen  und  den  anarchistischen  Sozialisten  —  deren
Rivalität  seitdem  immer  größer  geworden  ist  —  datiert  von  diesem  Tage.
Der  Kongreß  im  Haag  bezeichnet  übrigens  das  Ende  der  Internationale,
so  wie  Marx  sie  geschaffen  hatte.  Ihre  Geschäftsstelle  wurde  von  Marx
nach  den  Vereinigten  Staaten  verlegt;  seitdem  hat  sie  keinen  Kongreß
mehr  abgehalten.  Zur  gleichen  Zeit  zog  sich  Bakunin  vom  Kampfe  zurück,
nachdem  er  mit  den  Freunden,  die  ihm  treu  geblieben  waren,  in  Genf  einen
neuen  Verein  gebildet  hatte.  Er  starb  1876  in  Bern.
Im  Jura,  in  der  Umgebung  von  Neuenburg,  wo  Bakunin  zahlreiche
Anhänger  unter  der  individualistischen  und  etwas  mystisch  gesinnten
Bevölkerung  jener  Gegend  hatte,  empfing  Kropotkin,  1872  j ),  während
einer  Reise,  den  Keim  der  anarchistischen  Ideen,  deren  Propaganda  er
seitdem  sein  Leben  gewidmet  hat.  Ohne  Bakunin  persönlich  gekannt
zu  haben,  wurde  er  so  sein  unmittelbarer  Nachfolger.
Auch  der  Fürst  Kropotkin  gehört  der  russischen  Aristokratie  an.
Auch  er  trat  in  die  Armee  ein,  nachdem  er  seine  Studien  im  Pagenkorps
vollendet  hatte.  Er  tat  sich  bald  durch  geographische  und  naturgeschichtliche ­
  Arbeiten  hervor,  und  seine  Gedanken  sind  ganz  von  den  Entwicklungstheorien ­
  Darwin’s  durchtränkt.  Die  Wissenschaft  nahm  ihn  aber
nicht  ausschließlich  in  Anspruch.  1871  war  es  nicht  mehr  der  Einfluß
Hegel’s,  der  in  Rußland  herrschte;  die  junge  russische  Intelligenz  sah
das  Heil  der  Zukunft  im  Volk.  Das  Schlagwort  hieß:  „Hin  zum  Volk“;
mit  ihm  sollte  man  in  Berührung  treten,  um  es  zu  belehren,  um  sein  Vertrauen ­
  zu  gewinnen  und  es  darauf  vorzubereiten,  das  Joch  der  Selbstherrschaft ­
  abzuwerfen.  Kropotkin  beteiligte  sich  an  dieser  Bewegung.
Er  selbst  hat  erzählt,  wie  er  nach  einem  Diner  in  irgendeinem  reichen
Hause  oder  sogar  im  Winterpalast  einen  Wagen  nahm,  bei  einem
Freunde  seine  eleganten  Kleider  und  sein  seidenes  Hemd  gegen  das  baumwollene ­
  Hemd  und  die  hohen  Stiefel  des  Bauern  vertauschte,  einen  Schafpelz ­
  umtat  und  sich  in  einem  entfernt  liegenden  Vorort  St.  Petersburgs
zu  den  Arbeitern  gesellte,  die  er  sich  zu  unterrichten  bemühte.  Diese

*)  „Ich  kam  Von  dieser  Reise  mit  fest  abgeschlossenen  soziologischen  Vorstellungen
zurück,  die  ich  bis  heute  behalten  habe,  und  ich  habe  Alles  getan,  was  ich  konnte,  um
ihnen  eine  immer  klarere  und  konkretere  Gestalt  zu  geben“  (Autour  d-’une  vie,  S.  295).
Die  hauptsächlichsten  Werke  Kropotkin’s  sind:  Paroles  d’un  Revolte  (1885);
La  ConquSte  du  Pain,  (1890)  (deutsch:  Der  Wohlstand  für  Alle,  Zürich  1896),
eine  Autobiographie:  Autour  d?une  vie  (1902)  (deutsch  von  Pannwitz,  3.  Aufl.,
2  Bände,  Stuttgart  1903)  und  sein  Buch  L ? Entr ? aide  (1906)  (deutsch:  Gegenseitige
Hilfe,  von  Gustav  Landauer,  Leipzig  1908).  Außerdem  hat  er  eine  große  Anzahl  von
Broschüren  veröffentlicht,  unter  anderen:  L’anarchie,  sa  philosophie,  son  id£al
(1896).  Wir  haben  einige  Zitate  dem  Werk  Eltzbacheb’s  L’Anarchisme  (franz.  Übers.
1902)  entlehnt,  einem  Werke,  das  sich  fast  ausschließlich  aus  Zitaten  zusammensetzt,
die  in  eine  kleine  Anzahl  von  Rubriken  gebracht  sind,  und  deren  Unparteilichkeit  die
anarchistischen  Schriftsteller,  darunter  auch  Kropotkin,  anerkannt  haben.</div>
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