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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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      <div>Kapitel  IV.  Die  Anarchisten.

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schlechts“,  schrieb  Proudhon  1850  in  seinem  Gefängnis  zu  Doullens 1 ).
„Meine  Freiheit,“  sagt  Bakunin,  „öder  was  auf  dasselbe  hinausläuft,  .  .  .
meine  Menschenwürde  .  .  .  besteht  darin,  keinem  anderen  Menschen  zu
gehorchen  und  meine  Handlungen  nach  Nichts  als  nach  meinen  eigenen
Überzeugungen  zu  bestimmen“ *  2 ).  Nach  Jean  Grave  kann  die  Gesellschaft ­
  dem  Individuum  „keine  Beschränkung  auferlegen,  .  .  .  außer  denen,
die  schon  auf  Grund  der  natürlichen  Existenzbedingungen  bestehen,
inmitten  deren  es  lebt“ 3 ).
Jedoch  beruht  diese  Anbetung  des  Ichs,  die  man  überall  in  den
anarchistischen  Werken  wiederfindet,  auf  einer  Auffassung,  die  der
.Stirner’s  diametral  entgegengesetzt  ist.  Für  ihn  ist  jeder  Mensch  ein
„Einziger“,  der  kein  anderes  Gesetz  als  seinen  Egoismus  kennt.  Für
die  Anarchisten  Proudiion'sch  er  Färbung  ist  jeder  Mensch  im  Gegenteil
etwas  dem  Individuum  überlegenes,  ein  Teil  der  Menschheit.  „Das,  was
ich  an  meinem  Nächsten  achte,“  sagt  Proudhon,  ,,.  .  .  ist  seine  Würde
als  Mensch“ 4 ).  Gerade  diese  Menschenwürde  ist  es,  die  der  Anarchist
zur  Geltung  bringen  will,  indem  er  die  Achtung  seiner  Freiheit  durchsetzt,
denn  „die  Freiheit“,  schreibt  Bakunin,  „ist  der  höchste  Zweck  aller
menschlichen  Entwicklung“ 5 ).  Es  ist  daher  nicht  der  Triumph  des  egoistischen ­
  Ichs,  sondern  der  Triumph  der  „Menschenwürde“  eines  Jeden,
den  die  Anarchisten  herbeisehnen.  —  Sie  fordern  die  Freiheit  nicht  nur
für  sich  selbst,  sondern  für  Alle.  Weit  davon  entfernt,  Ihresgleichen,  wie
Stirner  dies  will,  „verbrauchen“  zu  wollen,  wollen  sie  für  Alle  die  gleiche
Achtung  vor  der  menschlichen  Würde.  „Behandle  die  Anderen,  wie
du  selbst  von  ihnen  unter  gleichen  Umständen  behandelt  zu  werden
wünschst“,  sagt  Kropotkin  in  einer  kantischen  und  sogar  christlichen
Formel 6 ).  Für  Bakunin,  der  hierin  seinem  Meister  Proudhon  getreu
folgt,  ist  die  Grundlage  aller  Moral  die  „menschliche  Achtung“,
nämlich  die  „Anerkennung  der  Menschlichkeit,  des  Menschenrechtes  und
der  Menschenwürde  in  jedem  Menschen,  welches  auch  seine  Basse,  seine
Farbe,  der  Grad  der  Entwicklung  seiner  Intelligenz  und  sogar  seiner
Moral  sei“ 7 ).  Er  sagt  daher  auch:  „Wirklich  frei  werde  ich  nur  durch

*)  Auszug  aus  den  Carnets,  am  16.  Januar  1909  im  Figaro  erschienen.
2 )  (Euvres,  Bd.  I,  S.  281.
3 )  Jean  Grave,  La  Soci6t6  future,  S.  157.  Vgl.  auch  S.  199:  „Nein,  das  Individuum ­
  darf  keine  Beschränkungen  seiner  Entwicklung  dulden,  darf  sich  dem  Joch
•keiner  Autorität  beugen,  was  auch  immer  der  Vorwand  sei,  auf  die  sie  sich  stütze.“
4 )  Justice  dans  la  Revolution,  Bd.  I,  S.  185.
5 )  Bakunin,  (Euvres,  I,  S.  105.
°)  Angeführt  von  Eltzbacheb,  op.  cit.,  S.  199.
7 )  Bakunin,  (Euvres,  I,  S.  281:  „Ich  bin  nur  dann  wahrhaftig  frei,  wenn  alle
menschlichen  Wesen  um  mich,  Männer  und  Frauen,  ebenfalls  frei  sind.  Die  Freiheit
der  Anderen,  weit  davon  entfernt,  eine  Begrenzung  oder  Verneinung  meiner  Freiheit
-zu  sein,  ist  im  Gegenteil  ihre  notwendige  Bedingung  und  Bestätigung“  (Ebenda).</div>
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