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        <title>Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen</title>
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      <div>Kapitel IV. Die Anarchisten. 
703 
zivilisierter Männer einer Prügelei ein Ende macht oder eine schutzlose 
Frau verteidigt“. 1 ) — Die gleiche Überzeugung auch von der Überflüssig 
keit des Staates, dem nur noch übrig bleibt, in Schönheit zu sterben: 
„Mit dem Verbrechen verschwindet auch der Staat.“ * 2 ) Und schließlich 
die gleiche Heftigkeit in der immer wiederholten Behauptung, daß man 
den Staat „zerstören“, „vernichten“, „in Stücke schlagen“, „von Antlitz 
der Erde vertilgen“ müsse 3 ), alles Ausdrücke, an denen sich Lenin mit 
einer Art von Wollust ergötzt, der Widerhall des giftigen Hasses eines 
Bakunin, wenn er sich darin gefiel, die blutige Abenddämmerung der 
modernen Gesellschaft auszumalen 4 ). 
Ist denn nun Lenin Anarchist? Durchaus nicht! Im Gegenteil, 
er überschüttet die „anarchistischen Träumereien“ mit seinen Sarkasmen 5 6 ). 
Bilden sie sich doch ein, man könne durch einfache Abschaffung des 
Staates schlankweg in den Kommunismus hineinspazieren! Welche 
Illusion! Zwischen ihrem Ideal und der gegenwärtigen Gesellschaft bleibt 
eine unumgängliche Zwischenstufe zu durchschreiten: die Diktatur des 
Proletariats. Und dadurch ist Lenin Marxist. 
Jener von ihm selbst in so verführerischen Farben ausgemalte Kom 
munismus wird sich, Lenin sagt es ausdrücklich, so bald nicht verwirk 
lichen. Selbstverständlich wird er sich ja eines Tages verwirklichen. 
Sagt doch Marx, daß der Kommunismus im Kapitalismus enthalten sei! 
Aber wann wird er aus ihm hervorgehen? Wer kann das sagen? „Man 
weiß“, sagt Lenin mit einem Ernst, der heiter stimmen kann, „daß es 
sich hier um einen sehr langsamen Prozeß handelt“ (S. 128). Die „Ge 
wohnheit, spontan die Regeln des Gemeinschaftslebens zu beachten“, 
läßt sich nicht von heute auf morgen erwerben. Man kann, ohne in Utopien 
zu verfallen, unmöglich annehmen, daß die Menschen sofort nach der 
Beendigung des kapitalistischen Zustandes, ohne jede Rechtsvorschrift, 
gelernt haben sollten, zum Nutzen der Allgemeinheit zu arbeiten.“ Der 
kommunistische Staat setzt zu gleicher Zeit eine Ergiebigkeit der Arbeit 
und einen menschlichen Typus voraus, sehr verschieden von dem Menschen 
von heute, dem Menschen von kindischer Ungeduld, der imstande ist, 
im gleichen Augenblicke öffentliche Magazine zu schädigen und das Blaue 
vom Himmel zu verlangen.“ Wann aber wird denn nun dieser neue Typus 
das Licht der Welt erblicken? Darauf erhalten wir in allen Tonarten 
*) S. 138. 
*) S. 139. 
3 ) S. 152. 
4 ) Lenin selbst merkt die Ähnlichkeit an: „Marx begegnet sich mit Proudhon 
darin, daß beide Anhänger der „Vernichtung“ der heutigen Staatsmaschine sind. 
Weder die Opportunisten (Bernstein) noch die um Kautsky wollen diese Ähnlichkeit 
zwischen dem Marxismus und dem Anarchismus (dem Proudhon’s wie dem Bakunin’s) 
einsehen; denn in diesem Punkte haben sie dem Marxismus den Rücken gekehrt.“ 
6 ) S. 73.</div>
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