Die Kohlenlage.

die Entwicklung der monatlichen Förderung an Stein- und Braunkohlen
 vom Jahre 1914 ab.
Man ersieht daraus, daß erfreulicherweise die durch den Kriegsausbruch
 und namentlich durch “die Revolution stark gesunkene
Förderung wieder im Steigen begriffen ist. Unter der Voraussetzung,
daß ein umfangreicher Streik, wie er im April 1919 vorhanden war,
für die nächste Zeit vermieden wird, kann man hoffen, daß im
Durchschnitt -die monatliche Förderung bei Steinkohle einschließlich.
 Oberschlesien auf etwa 10,5 Mill, t und bei Braunkohle auf
etwa 8,3 Mill. t kommen wird. Man kann. danach annehmen,
daß im Jahre 1920, ohne Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr
durch eigene Förderung, zur Verfügung stehen werden 126 Mill; t
Steinkohle und 100 Mill. t Braunkohle, gegenüber 116,5 Mill. t
Steinkohle und 93,8 Mill. t Braunkohle im Jahre 1919. Man er:
sieht also daraus, daß ein großes Mißverhältnis zwischen. Bedarf
und vorhandener Menge besteht. Es ergibt sich für Steinkohlen
 ein Fehlbetrag von 52 Mill. t. Da nun die Beschaffung
von Lebensmitteln ‚und Rohstoffen. zunächst eine Ausfuhr von
Kohle unbedingt notwendig macht; so erhöht sich dieser Fehlbetrag
 noch, Bei der Braunkohle liegen die Verhältnisse günstiger,
Einem Bedarf von 75 Mill. t steht eine Förderung von 100 Mill. t
gegenüber, so daß sich ein Überschuß von 25 Mill. £ ergibt. Wenn
diese zur Deckung der fehlenden Steinkohlen herangezogen werden,
können sie etwa 8 Mill. t Steinkohle gleich gesetzt werden, unter
der Annahme, daß ungefähr 10 Mill. t Steinkohle ausgeführt
werden müssen, würde demnach ein Mangel an Steinkohle von
insgesamt 54 Mill, t vorhanden. sein. Das entspricht ungefähr
28%, der Friedensförderung von Stein- und Braunkohle zusammen.
Auf unseren jetzigen Bedarf bezogen macht die Fehlmenge rund
34° aus, woraus sich die zur Zeit notwendigen starken Einschränkungen
 erklären. Berücksichtigt man nun, daß für viele Verbrauchszwecke,
 wie Kohlenförderung, Verkehr, Ernährung, Bekleidung usw.,
eine solche Einschränkung unmöglich ist, und daß auf längere Zeit
die Jetztjährige Belieferung für Kochen und Wohnungsbeheizung
nicht weitergeführt werden kann, so ergibt sich, daß für andere
Zwecke eine Fehlmenge von weit über 40 °% entsteht. Man sieht also
daraus, daß unser gesamtes Wirtschaftsleben im Laufe dieses
Jahres und auch in den nächsten Jahren noch starken Einschränkungen
 unterworfen bleiben muß, wodurch natürlich der Wiederaufbau
 und die Erfüllung des Friedensvertrages unmöglich gemacht