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        <title>Die Beseitigung der Kohlennot</title>
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            <forname>Georg</forname>
            <surname>Dettmar</surname>
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        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1029280061</idno>
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        <pb n="1" />
        X

1.

Die

Beseitigung der “ohlennot

Unter besonderer Berücksichtigung der
Elektrotechnik

Von

Dr. Ing. e.h. 6. Dettmar

zeneralsekretär des Verhandes Dontscher Elektrotechniker

Mit 45 Textabbildungen

Berlin
Verlag von Julius Springer
1920
        <pb n="2" />
        Alle Rechte,
insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten.

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        <pb n="3" />
        Vorwort.

‚Die Kohlennot ist heute wohl eine der wichtigsten Angelegenheiten,
 .die wir in Deutschland haben, denn ihre Beseitigung ist
Voraussetzung. für ‚einen Wiederaufbau des Vaterlandes. Da ich
nun während meiner langjährigen Tätigkeit als Leiter der Abteilung.
 Elektrizität des Reichskommissars für die Kohlenyerteilung
 und der Elektrizitätswirtschaftestelle oft Veranlassung
hatte, über die mit der Kohlennot zusammenhängenden Fragen
nachzudenken, hielt ich mich für verpflichtet, meine Erfahrungen
den engeren Fachgenossen : bekanntzugeben. Bei der Ausarbeitung
 eines diesbezüglichen Aufsatzes für die Elektrotechnische
Zeitschrift zeigte sich aber, daß das zu behandelnde Material so
außerordentlich umfangreich war, daß es nicht möglich erschien,
alles in einem Aufsatze erschöpfend zu behandeln. Ich entschloß
mich daher, noch eine vollständigere Bearbeitung in Buchform. vorzunehmen,
 damit denjenigen, die sich eingehender mit der Angelegenheit
 befassen wollen, auch alle notwendigen Unterlagen
zur Verfügung gestellt werden konnten. Fernerhin wurde durch
die erweiterte Bearbeitung meines‘ Aufsatzes der Kreis der Interessierten
 erheblich vergrößert, so daß der größte Teil des Inhaltes
dieses Buches für alle Ingenieure, Industriellen und überhaupt
alle an. der Wiederaufrichtung der deutschen Wirtschaft Inter
essierten von Bedeutung sein dürfte.
Berlin, im Juli 1920

G. Dettmar.
        <pb n="4" />
        Inhaltsverzeichnis.

A, Die Kohlenlage,
Bedeutung der Kohle —' Friedensvertrag — Förderung und Bedarf
1913 — Förderung und Bedarf 1920 — Mißverhältnis — Transvortschwierigkeiten
 . . .. 2

Seite

B. Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen,
Erhöhung der Steinkohlenförderung — Erhöhung der Braunkohlenförderung
 — Erhöhung der Förderung von Torf — Erhöhung der
Gewinnung von Holz — Erhöhung der Gewinnung von Petroleum
. Folgerungen. ...

C. Verringerung des Verbrauchs von Brennstoffen,
Vermeidung überflüssiger Verwendung von Brennstoffen — Weitgehendster
 Ersatz von Brennstoffen — Höchste Wirtschaftlichkeit
bei der Verwendung von Brennstoffen ...
D. Weitgehendste Verwendung geringwertiger Brennstoffe. .
Allgemeines über geringwertige Brennstoffe — Ölschiefer — Vergasung
 geringwertiger Brennstoffe — Müllverbrennung .

921

04

E. Die Bedeutung der Transportverhältnisse.
Transportkrisen — Güte der Kohle — "Transport geringwertiger
Kohle — Brikettierung von Braunkohle — Zweckmäßige Verteilung
 — Bahnen, Kanäle, Wege und elektrische Leitungen —
Elektrizitätswerke. ....

6

FF.

Zusammenfassung der Ergebnisse.
Bedeutung der Elektrotechnik — Aufklärung über die Beseitigung
der Kohlennot — Kohlenausfuhr — Hauptstelle für Wärmewirtschaft
 — Wärmestellen der Eisenhüttenleute — Kurse über
Wärmewirtschaft — Liste der zu ergreifenden Maßnahmen . . 101
        <pb n="5" />
        A. Die Kohlenlage.
Bedeutung der Kohle — Friedensvertrag — Förderung und Bedarf 1913 —
Förderung und Bedarf 1920 — Mißverhältnis — Transportschwierigkeiten
Die Kohle ist einer der wichtigsten Faktoren unseres Wirtschaftslebens;
 steht sie nicht in genügender Menge. zur Verfügung,
so müssen sich die schwersten Schädigungen ergeben. Es ist
nun aber kein Zweifel, daß Deutschland für viele Jahre,
wenn nicht gar für einige Jahrzehnte, unter einer
schweren Kohlennot zu leiden haben wird, und zwar
als Folge der Revolution und des Friedensvertrages,
Für unser gesamtes Wirtschaftsleben ist es also von allerhöchster
Bedeutung, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wie die Kohlenlage
 in der kommenden Zeit sich gestalten wird und wie die Kohlenaot
 möglichst schnell beseitigt werden kann.
Da Deutschlands Grenzen noch immer nicht feststehen, ist es
zurzeit noch nicht möglich, abschließende und genaue Zahlen über
die Förderung von Kohlen und den Bedarf an ihnen anzugeben.
Ganz besonders schwierig ist dies jetzt deswegen, weil das Schicksal
 Oberschlesiens noch unentschieden ist und es auch noch Monate
dauern wird, bis eine Entscheidung gefallen ist. Bei der außerordentlichen
 Bedeutung ÖOberschlesiens für die Kohlenwirtschaft
Deutschlands ist der Einfluß naturgemäß ein sehr großer.
Im Jahre 1919 betrug die Förderung Oberschlesiens an Steinkohlen
 25,5 Mill. t gegenüber der Gesamtförderung von 116,5 Mill. t
Der Anteil Oberschlesiens beträgt demnach 22%. Wenn auch
durch den Friedensvertrag in gewissen Grenzen eine Versorgung
Deutschlands mit Kohle von Oberschlesien aus, auch bei Verlust
dieses Landesteiles, vorgesehen ist, so muß doch, falls Oberschlesien
zu Polen kommt, mit einer starken Minderbelieferung gegenüber
dem bisherigen Zustande gerechnet werden, ganz abgesehen davon.
daß der Preis der aus einem polnischen Oberschlesien kommenden
Kohle noch unbekannt ist und daß die Zuverlässigkeit der Lieferung
 wohl oft recht fraglich sein wird.

Dettmar, Beseitigung der Kohlennot.
        <pb n="6" />
        Die Kohlenlage,

Der Artikel 90 des Friedensvertrages, der die zukünftigen
Kohlenlieferungen aus Oberschlesien betrifft, hat folgenden Wortlaut:

„Polen verpflichtet sich während eines Zeitraumes von 15 Jahren
die Ausfuhr der Bergwerkserzeugnisse nach Deutschland aus
allen denjenigen Teilen Oberschlesiens zu gestatten, die auf Grund
des gegenwärtigen Vertrages an Polen übergehen.
Diese Erzeugnisse bleiben von allen Ausfuhrabgaben sowie
allen auf ihrer Ausfuhr lastenden. Gebühren oder Beschränkungen
frei.

Polen verpflichtet. sich desgleichen, alle Maßnahmen zu ergreifen,
 die erforderlich sind, damit der Verkauf der verfügbaren
Erzeugnisse dieser Gruben an Käufer in Deutschland unter ebenso
günstigen. Bedingungen erfolgt, wie der Verkauf ‚ähnlicher Erzeugnisse,
 die unter entsprechenden Verhältnissen an Käufer
in Polen oder in irgend einem anderen Lande verkauft werden.“
Die Förderung an Steinkohle und Braunkohle hat in Deutschland
 in den letzten Jahren folgende Werte erreicht:

Jahr

1913
1914
1915
1916
917
a7s

* Steinkohle | Braunkohle
Mill. Tonnen -

190
31
47
59
87
160,5
165

27
A
88
94
95
100,6
938

Die Aus- und Einfuhr an Stein- und Braunkohle stellte sich
im Jahre 1913 nach Dr. E. Jüngst, wie folgt:
Steinkohlen-Einfuhr . ... . 11327 340 €
„ Ausfuhr. . . . 44964219
Braunkohlen-Einfuhr . . . 7186657 „
ww Ausfuhr .... 1954841

Man ersieht aus vorstehendem also, daß im Jahre 1913 die
Steinkohlenförderung in Deutschland ungefähr 190 Mill. t betragen
 hat, Damals war noch eine ziemlich erhebliche Ausfuhr
und eine verhältnismäßig geringe Einfuhr von. Kohle vorhanden.
Der Ausfuhrüberschuß betrug ungefähr 33 Mill. t, so daß also
        <pb n="7" />
        Förderung und Bedarf,

im letzten vollen Friedensjahr rund 157 Mill. t in Deutschland
verbraucht wurden. Bei Braunkohle betrug die Förderung im Jahre
1913 rund 87 Mill. t. Die
Ausfuhr war ungefähr
2 Mill. t, während die Einfuhr
 rund 7 Mill. t betrug.
Wir hatten also im Jahre
1913 einen Verbrauch von
ungefähr 92 Mill. t Braunkohle.
 Von diesen Zählen
ausgehend, kann man ungefähr
 ermitteln, wie groß
der Bedarf in den nächsten
 Jahren sein würde,
wenn er voll befriedigt
werden könnte. Wiespäter
gezeigt wird, kann durch
geeignete Sparmaßnahmen
und‘ Erhöhung der Wirtschaftlichkeit
 in einigen
Jahren eine Verminderung
 des Bedarfes erzielt
 werden. ‚Weiterhin
ist zu beachten, daß die
Einwohnerzahl Deutschlands
 durch Verlust großer
Gebietsteile gesunken ist,
so daß man schätzungsweise
 annehmen kann,
der Bedarf an Steinkohlen
würde in den nächsten
Jahren ungefähr 135Mill. t
betragen, der an Braunkohlen
 ungefähr 75 Mill, t
Hierzu kommt aber noch
die Erfüllung des Friedensvertrages,
 nach welchem 43,3 Mill. t Steinkohlen abzuliefern sind,
daß also der Steinkohlenbedarf auf rund 178 Mill. steigt.
Wir wollen nunmehr sehen, wieviel Kohlen in diesem Jahre
werden voraussichtlich gewonnen werden können. Abb, 1 zeigt

“ N
        <pb n="8" />
        Die Kohlenlage.

die Entwicklung der monatlichen Förderung an Stein- und Braunkohlen
 vom Jahre 1914 ab.
Man ersieht daraus, daß erfreulicherweise die durch den Kriegsausbruch
 und namentlich durch “die Revolution stark gesunkene
Förderung wieder im Steigen begriffen ist. Unter der Voraussetzung,
daß ein umfangreicher Streik, wie er im April 1919 vorhanden war,
für die nächste Zeit vermieden wird, kann man hoffen, daß im
Durchschnitt -die monatliche Förderung bei Steinkohle einschließlich.
 Oberschlesien auf etwa 10,5 Mill, t und bei Braunkohle auf
etwa 8,3 Mill. t kommen wird. Man kann. danach annehmen,
daß im Jahre 1920, ohne Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr
durch eigene Förderung, zur Verfügung stehen werden 126 Mill; t
Steinkohle und 100 Mill. t Braunkohle, gegenüber 116,5 Mill. t
Steinkohle und 93,8 Mill. t Braunkohle im Jahre 1919. Man er:
sieht also daraus, daß ein großes Mißverhältnis zwischen. Bedarf
und vorhandener Menge besteht. Es ergibt sich für Steinkohlen
 ein Fehlbetrag von 52 Mill. t. Da nun die Beschaffung
von Lebensmitteln ‚und Rohstoffen. zunächst eine Ausfuhr von
Kohle unbedingt notwendig macht; so erhöht sich dieser Fehlbetrag
 noch, Bei der Braunkohle liegen die Verhältnisse günstiger,
Einem Bedarf von 75 Mill. t steht eine Förderung von 100 Mill. t
gegenüber, so daß sich ein Überschuß von 25 Mill. £ ergibt. Wenn
diese zur Deckung der fehlenden Steinkohlen herangezogen werden,
können sie etwa 8 Mill. t Steinkohle gleich gesetzt werden, unter
der Annahme, daß ungefähr 10 Mill. t Steinkohle ausgeführt
werden müssen, würde demnach ein Mangel an Steinkohle von
insgesamt 54 Mill, t vorhanden. sein. Das entspricht ungefähr
28%, der Friedensförderung von Stein- und Braunkohle zusammen.
Auf unseren jetzigen Bedarf bezogen macht die Fehlmenge rund
34° aus, woraus sich die zur Zeit notwendigen starken Einschränkungen
 erklären. Berücksichtigt man nun, daß für viele Verbrauchszwecke,
 wie Kohlenförderung, Verkehr, Ernährung, Bekleidung usw.,
eine solche Einschränkung unmöglich ist, und daß auf längere Zeit
die Jetztjährige Belieferung für Kochen und Wohnungsbeheizung
nicht weitergeführt werden kann, so ergibt sich, daß für andere
Zwecke eine Fehlmenge von weit über 40 °% entsteht. Man sieht also
daraus, daß unser gesamtes Wirtschaftsleben im Laufe dieses
Jahres und auch in den nächsten Jahren noch starken Einschränkungen
 unterworfen bleiben muß, wodurch natürlich der Wiederaufbau
 und die Erfüllung des Friedensvertrages unmöglich gemacht
        <pb n="9" />
        Fehlmenge:‘

bzw. stark verzögert wird. Beim Verlust von Oberschlesien erhöhtsich
die Fehlmenge auf rund 80 Mill. t, was etwa 50%, des jetzigen Bedarfes
entspricht. Der nicht bevorzugte Bedarf muß also dann ungefähr um
60%/;eingeschränkt, d.h. er kann nur ungefähr zu !/, befriedigt werden !
Bei Betrachtung der Kohlenlage ist es nicht nur von Bedeutung,
 sich klar darüber zu werden, wieviel Kohlen gefördert,
sondern es ist wichtig zu wissen, .ob die vorhandenen Kohlen
auch befördert werden können. Schon in Friedenszeiten
hatten wir Perioden von Schwierigkeiten in der Kohlenversorgung
Nach der Ernte, wenn die Transportmittel für Getreide, Rüben,
Kartoffel usw. stark in Anspruch genommen waren und während
der Frost- und Hochwasserperioden, in denen der Wassertränsport,
 eingeschränkt oder ganz weggefallen war, und für die Wasserkraftanlagen
 die Dampfreserven eintreten mußten, hatten sich schon
immer Schwierigkeiten ergeben, die aber durch rechtzeitige Bevorratung
 der wichtigsten Verbraucher und durch große Läger
bei den Händlern überwunden werden konnten. Das ist jetzt aber
nicht mehr möglich, da eine Bevorratung durch den Tiefstand
unserer Förderung wie zum Teil auch durch den Tiefstand unserer
Transportmittel nicht möglich ist und auf lange hinaus nicht möglich
 sein wird. Es ist also auch von großer Bedeutung, die Transportschwierigkeiten
 möglichst bald zu beheben und dadurch zum Teil
auch die Kohlennot zu lindern. Durch Vermehrung unseres Bestandes
an Wagen und Lokomotiven, namentlich aber durch Beschleunigung
der Reparaturen der betriebsunfähigen Transportmittel, kann eine
wesentliche Verbesserung in der Kohlenversorgung erzielt werden.

B. Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen.
Erhöhung der Steinkohlenförderung — Erhöhung der Braunkohlenförderung
 — Erhöhung der Förderung von Torf — Erhöhung der Gewinnung
von Holz — Erhöhung der Gewinnung von Petroleum —“ Folgerungen,
Bei dem vorstehend nachgewiesenen großen. Mißverhältnis
zwischen Förderung und Bedarf ist es nicht möglich, den Übelstand
 nur dadurch zu beseitigen, daß entweder die Förderung
 erhöht "oder der Verbrauch verringert wird,
sondern es können nur beide Wege zum Ziele führen:
Erhöhung der Förderung und Verringerung des Verbrauches.
 Dementsprechend soll nunmehr untersucht werden, inwieweit
es möglich ist, die Förderung von Steinkohle und Braunkohle zu
erhöhen und Ersatzbrennstoff wie Torf, Holz usw, zu gewinnen
und im Anschluß daran, welche Aussichten zur Verringerung des
        <pb n="10" />
        Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen.

Verbrauches bestehen. Nach Dr. E. Jüngst!) sind in Deutschland
 folgende Mengen an Steinkohle bis 1200 m Teufe vorhanden:

Deutsches Reich ....
Davon : . ;
Saarbecken?). ,..
Oberschlesien... ...
Linksrheinisches Gebiet . |

Sichere Vorräte
Mill. £

9

56 889

100

9 769
7368
10 458

17,17
12,95
18,38

Sichere und wahrscheinliche
 Vorräte
Mill. t %

194547 | 100

97693) | 5,02
106 742 54,87
10458%) | 5,38

Das naheliegendste Mittel "zur Erhöhung der Förderung von
Steinkohle ist natürlich die Erhöhung der Belegschaft. Leider
ist aber die Durchführung desselben in Wirklichkeit äußerst
schwierig. Zunächst handelt es sich darum, eine große Anzahl
gelernte und erfahrene Arbeiter zu bekömmen. Denn nur für
einen Teil der Arbeiten sind ungelernte Arbeiter verwendbar.
Selbst wenn es also möglich wäre, die nötigen gelernten Arbeitskräfte
 zu beschaffen und dementsprechend auch ungelernte Arbeiter
 beschäftigen zu können, so scheiterte die Durchführung
an dem Fehlen von Wohnungen. Es müssen solche also erst geschaffen
 werden, und das dauert unter den heutigen Verhältnissen
mehrere Jahre. Soweit es unter den bestehenden Verhältnissen
möglich war, ist die Belegschaft schon erhöht worden, wie aus
nachstehender Tabelle sich ergibt:

Juli ... 1914
Januar , . 1915
Juli . . . 1916
Juli . . . 1918
November . 1918
September . 1919
Oktober. . 1919

Belegschaftsstärke %).
Gesamt- Ober-Steinkohlen
 schlesien
653 200 132 500
475 100 102 900
585 200 132 400
710 300 160 400
635 600 146 400
687 700 148 900 +
710 600 152 300

‚Ruhr

427 400
305 700
374 300
452 700
395 000
434 000
452 400

1!) Glückauf 1919, S. 486.
*) Das Saarbecken begreift den preußischen Saarbezirk sowie den an.
grenzenden Teil Lothringens und der bayerischen Pfalz,
?) Für diese beiden Bezirkesind keine wahrscheinlichen Vorrätean gegeben.
‘) Nachrichten für Handel, Industrie und Landwirtschaft. Nr. 148
rom 20. Dezember 1919.
        <pb n="11" />
        Fa N
N N

‚He ©
Die Zentralarbeitsgemeinschaft hat vorgeschlagem die Belegschaft
 um weitere 150000 Mann zu erhöhen, wöfür, ungefähr 5
100 000 Wohnungen neu gebaut werden müssen. Das“ erfordert)”
unter den heutigen Verhältnissen ein Kapital, von mindeskene
6 Milliarden und eine Zeit. von mehreren Jahren. Ohne daß man
diesen Weg außer acht läßt, dessen Beschreitung für das Ruhrgebiet
 durch das Gesetz vom 5. V. 20 betreffend Verbandsordnung
für den Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk nunmehr gesichert
ist, erscheint es aber wichtig, außerdem einen anderen Weg be:
sonders im Auge zu behalten, der zur Steigerung der Leistungen
möglich ist, nämlich die Hebung der Arbeitsleistung pro Schicht
eines Arbeiters. Ein gewisser Erfolg ist in dieser Beziehung seit
Mai 1919 schon eingetreten, wie sich aus nachstehender Tabelle,
die einem Bericht des „Reichskommissars für die Kohlenverteilung‘
 entnommen ist, ergibt.

Steinkohlenförderung.

Leistung pro
Kopf und
Schicht der Gesamtbelegschaft


Untertagearbeiter


Dauer der
Schichtzeit unter.
 Tage einschließl.
 Einund
 Ausfahrt
Stunden

Leistung der Un
tertagearbeiter
pro Kopf und
Arbeitsst.

Kg
1913 883
1919 663
1919 646
1919 665
1919 409

kg
1159
973
961
983
749

Januar
Februar
März
April

81/2

kg
136,3
121,6
120,1
122.9

bis 8. IV.
ab 9. 1V.

zu
"7

104,4
Mai 1919 596 875 125,0
Juni 1919 614 902 129,0
Juli 1919 633 919 131,3
August 1919 629 = 71% 915 = 79%, 130,7 = 96%,
von 1913 von 1913 von 1913
Die Angaben beziehen sich auf den Ruhrbergbau und zeigen,
daß bei den Untertagearbeitern die Minderleistung fast nur
noch auf die Verkürzung der Schichtzeit zurückzuführen ist.
Es sei noch besonders darauf hingewiesen, daß die vorstehenden
Angaben über die Leistungen sich nur auf das Gewicht beziehen
Da nun aber die Güte der Kohle in den letzten Jahren ganz bedeutend.
 nachgelassen hat, so ist trotz der in vorstehender Zahlentafel
angegebenen Steigerung der Leistung doch noch immer in bezug
auf Wärmeeinheiten ein sehr viel schlechterer Zustand zurzeit
vorhanden, als er vor dem Kriege war. Da die Verschlechterung der
Kohle im Mittel mindestens 15%, beträgt, so ergibt sich, daß auch
im August 1919 noch eine Minderleistung der Untertagearbeiter
        <pb n="12" />
        Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen.

pro Kopf und Arbeitsstunde von 20 °/ gegenüber 1913 vorhanden
war. Es scheint leider, als wenn bezüglich der Hebung der Güte
der Kohle nicht viel Erfolg zu erzielen sel; das mag wohl daher
kommen, daß sowohl die Besitzer der Bergwerke wie auch die
Händler unter den jetzigen Verhältnissen nicht sehr viel Interesse
 daran haben, Bei der Zwangslage, in der sich der Abnehmer
befindet, muß er eben die Steine wie Kohle bezahlen, da er ja
jetzt froh sein muß, wenn er überhaupt Kohle erhält. Durch
Verbesserung der Ernährungsverhältnisse dürfte sich eine Hebung
der Leistung des einzelnen Arbeiters mit der Zeit ergeben. Weiterhin
 ist zu beachten, daß durch eine Verbesserung der Betriebseinrichtungen
 eine weitere Steigerung möglich sein muß. Während
des Krieges mußte in gewissem Sinne Raubbau getrieben werden,
dessen Folgen sich natürlich jetzt zeigen. Durch Vervollständigung
und Verbesserung der Einrichtungen muß es aber möglich sein,
eine Steigerung der Förderung herbeizuführen. Zu der Verbesserung
 der Gewinnungsverhältnisse wird nun die Elektrotechnik
viel beitragen können. Schon jetzt spielte die Elektrizität in der
Steinkohlengrube eine große Rolle; durch weitere Anwendung der
Elektrizität wird sich sicher eine Steigerung der Förderung erzielen
lassen. Hierfür kommt in Frage erweiterte Anwendung elektriseher
 Hauptschacht-Fördermaschinen und Förderlokomotiven.
Ferner der elektrische Betrieb von Wasserhaltungen und von
Bewetterungsanlagen. ;
Auch eine bessere Organisation im Sinne Taylors wird für
eine Steigerung der Förderung wahrscheinlich sehr nützlich sein.
Die Vermehrung der Zahl der Schächte wird naturgemäß zu
einer erhöhten Förderung führen. "Die Wirkung einer solchen Maßnahme
 tritt aber erst im Laufe von 10 und mehr Jahren ein. Das
ist natürlich kein Grund, sie zu unterlassen., Im Gegenteil sollten
die Vorbereitungen möglichst bald getroffen werden, damit in
späteren Jahren ein Erfolg auf diese Weise erzielt wird. Leider
ist. aber zunächst wenig von diesen Hilfsmitteln zu erhoffen, da
die wirtschaftliche und namentlich die politische Lage nicht dazu
anregen, große Kapitalien festzulegen, von denen man nicht weiß,
was aus ihnen später wird. Die Folge davon ist, daß die Anlage
neuer Schächte von privater Seite aus zunächst nur mit Zögern
unternommen werden dürfte. Es bleibt also nur die Hoffnung,
daß das Reich an die Abteufung neuer Schächte in erheblichem
Umfange herangeht. Vielleicht- bringt hier der Gesetzentwurf zur
        <pb n="13" />
        Verbesserung der Güte der Kohle,

9

Aufschließung von Steinkohlen, der kürzlich der preußischen
Landesvertretung zugegangen ist, eine Besserung. Er ist von
besonderer Bedeutung zur Erschließung einiger Vorkommen in
geringer Tiefe, z.B. solcher in der Nähe von Minden und Osnabrück,
Ein Fortschritt, der verhältnismäßig schnell erzielt werden
könnte, wäre zu suchen in der Verbesserung der Güte der Kohle.
Dadurch wird natürlich die Menge nicht vermehrt, aber es werden
die Transportverhältnisse erheblich erleichtert. Außerdem wird
die Verwendung der Kohle wesentlich leichter gestaltet und auf
diese Weise eine Ersparnis an Kohle erzielt. Der große Gehalt
an Steinen bewirkt naturgemäß eine schlechtere Ausnutzung der
Kohle, da ja die Steine mit auf die hohe Temperatur gebracht
werden müssen. Außerdem wird durch weniger häufiges Abschlacken
 der Verlust an Kohle vermindert. Eine Verbesserung der
(Güte der Kohle würde also nicht nur eine Entlastung der Beförderungsmittel
 und eine Entlastung der Heizer bedeuten, sondern
auch eine Ersparnis an Kohle. Während vor dem Kriege die Kohle
nur ungefähr 8—10%, Steine enthalten hat, hat sie jetzt vielfach
20,30 und mehr Prozent‘ davon. Nach genauen Angaben eines
Kraftwerkes betrug der mittlere Gehalt an unverbrenn baren
Rückständen im letzten halben Jahre rund 22%, und er stieg
zeitweilig auf 50—60%,. Der durchschnittliche Heizwert betrug
5750 W.E. gegen 6700 W.E. in den.Jahren 1912 und 1913. Zeitweilig
 beträgt der Heizwert jetzt nur 3000—4000 W.E.
Eine weitere ‚Verbesserung ließe sich auch dadurch erzielen,
daß die Sortierung wieder besser durchgeführt wird und die
Wäschen usw. wieder voll in Betrieb genommen werden. Insbesondere
 würde sich noch durch Verbesserung der maschinellen
Einrichtungen der. Aufbereitungen der Verlust an Kohle erheblich
 verringern lassen. Nach Dipl. Ing. A. Wirth!) würde
es möglich sein, daß der Bestand der Halden an Kohle, der
jetzt vielfach noch bis zu 35%, beträgt, wesentlich. heruntergesetzt
 werden kann.
Nach Prof. Dr. Herbst läßt ‚sich durch Verminderung ‘der
Rohstoffverluste im Kohlenbergbau 2?) noch eine nicht unerhebliche
 Menge Kohlen gewinnen. Er kommt nach eingehender Auseinandersetzung
 der Einzelheiten bezüglich der Verluste im Steinkohlenbergbau
 zu folgendem Ergebnis:

1) Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure 1920, Heft 11, S. 247.
?) Technik und Wirtschaft 1918, S. 433.
        <pb n="14" />
        N

Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen.

„Die Verluste in Gestalt von nicht abgebauten oder im Verarbeitungsgange
 wieder ausgeschiedenen oder unausgenutzt gebliebenen
 Kohlenmengen, die sich aus den einzelnen Ursachen gemäß
den vorstehenden Ausführungen ergeben, zahlenmäßig festzulegen,
ist bei der Unsicherheit der Unterlagen nicht möglich, Um aber
wenigstens eine Vorstellung von den mutmaßlichen Gesamtverlusten
 und ihrer Verteilung im einzelnen zu geben, möge eine rohe
Schätzung für den Steinkohlenbergbau. auf der. Grundlage der
Förderung von 1913 (rd. 190 Mill. t) versucht werden. Angenommen
ist dabei, daß rd. 140 Mill. t durch den Aufbereitungsbetrieb
gegangen sind, und zugrunde gelegt sind die folgenden Verhältniszahlen:

1. Abbauverluste (Verluste bei der Kohlengewinnung selbst)
7%, der in den abgebauten Flözteilen anstehenden Mengen,
Verluste in Gestalt von nicht als abbauwürdig angesehenen
Flözen und Flözteilen (Lagerstättenverluste): 5% der in
den betriebenen Grubenabteilungen anstehenden Mengen,
3. Verluste in Sicherheitspfeilern aller Art: 4%, dieser Kohlenmengen,

4. Aufbereitungsverluste: 8%, der aufbereiteten Kohlenmengen.
Es ergeben sich dam (mit Ab- bzw. Aufrundung)' die
Abbauverluste zu or — 190 = 204,5 — 190 = 14,5 Mill. t
” 204,5 ; , ,
Lagerstättenverluste zu 65 — 204,5 = 215 — 204,5 10,5
Sicherheitspfeilerverluste zu 215 +0,04 = 8,55
Aufbereitungsverluste zu a — 140= 152—140= 120 „

Gesamtverluste zu 45,5 Mill. t
Als Gesamtergebnis folgt, daß durch den Aufbau der Kohlengewinnung
 und -verteilung auf breiterer Grundlage, nach volkswirtschaftlichen
 Gesichtspunkten,-sieh sowohl bei der Steinkohle
wie bei der Braunkohle bereits auf dem Wege zwischen Lagerstätte
 und Verladung sehr erhebliche, Hunderte von Millionen Mark
jährlich betragende Ersparnisse am Volksvermögen erzielen lassen.
ganz abgesehen davon, daß der Aufwand an Anlage- und Betriebswerten
 und Arbeitskräften verringert wird, Nötig wird dazu freilich
ein verständnisvolles Handinhandarbeiten sein, nicht nur der
einzelnen Bergwerksbetriebe unter sich, sondern auch der großen
        <pb n="15" />
        Verminderung der Verluste.

11

Verbände für die beiden im Wettbewerb miteinander stehenden
Brennstoffe. Auch wird ein Teil. der zu lösenden Riesenaufgabe
den Eisenbahnverwaltungen in Gestalt von Tarifmaßnahmen zufallen,
 und nicht zum wenigsten wird schließlich von den Abnehmern
 ein vernünftiger Verzicht auf gewisse Vorteile, deren sie
sich bisher hinsichtlich des. geringen Aschengehaltes, der handlichen
 Brikettform, der sorgfältig abgesiebten Kornklassen ihrer
Brennstoffe erfreuten, erwartet werden müssen, Die für die Zukunft
 zu erwartende Steigerung ‚der Kohlenpreise wird diesen
Verzicht erleichtern,“
Ebenso könnte nach Gräfl) durch Beschränkung des Selbstverbrauches
 der Zechen eine bedeutende Kohlenmenge freigemacht
werden. Allein bei den Ruhr-Bergwerken soll diese Menge über
] Mill, t betragen.
Auch durch die weitere Einführung von Schräm-Maschinen
wird sich die Leistung im Steinkohlen-Bergbau beträchtlich heben
jassen. In England sind die Schräm-Maschinen erheblich mehr
eingeführt als bei uns. Wenn das auch zum Teil seine guten Gründe
hat und sich viele Bergleute mit Recht bisher den Schräm-Maschinen
gegenüber ablehnend verhalten haben, so wird doch die Frage
aufzuwerfen. sein, ob unter den heutigen Umständen nicht doch
mehr Gewicht auf die Einführung dieser Maschine zu legen ist,
namentlich da in neuerer Zeit. verbesserte Konstruktionen zur
Verfügung stehen. Wenn auch nicht überall die Schräm-Maschine
als‘ Heilmittel anzusehen sein wird, so würden doch immerhin
noch genügend Fälle übrig bleiben, in denen es möglich ist, durch
stärkere Einführung der Schräm-Maschine die geförderte Kohlenmenge
 zu erhöhen.
Erheblich günstiger als bei der Steinkohle liegen die Verhältnisse
 bezüglich der Erhöhung der Förderung bei der Braunkohle.
Wie man aus. Abb. 1 ersieht, war es schon während des Krieges
gelungen, die Braunkohlenförderung über die Friedensförderung
zu steigern. Durch die Revolution ist auch hier ein Rückschlag
eingetreten, der jedoch schon bald überwunden worden ist. Während
die Förderung in den letzten Kriegsmonaten fast 9 Mill. t betragen
hat, ist sie nach der Revolution bis auf 6 Mill, t gesunken. Sie
hat sich aber ständig gehoben, so daß sie in dem letzten Sommer
schon. wieder ungefähr 9 Mill. t erreicht hatte. Es besteht auch

ı) Glückauf v, 15. XL 1919
        <pb n="16" />
        2 — Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen.

die Aussicht, daß die Steigerung sich weiterhin fortsetzen wird.
Diese ist dadurch begründet, daß die Leistungsfähigkeit im Braunkohlenbergbau
 nicht zo sehr von der menschlichen. Arbeitskraft
allein, sondern zum großen Teil von den maschinellen Einrichtungen
 abhängt, die natürlich‘ leichter vermehrt und verbessert
werden können. Während bei Braunkohlen die Jahresleistung
eines Mannes der Belegschaft 730 t beträgt, ist die entsprechende
Zahl für Steinkohle nur 169 t. (Diese Zahlen sind den amtlichen
Berichten über das Jahr 1919 entnommen.) Man sieht also, daß
die Leistung, auf den Kopf der Belegschaft bezogen, bei _Braunkohle
 ungefähr 4,3 mal größer ist als bei Steinkohle, Selbst unter
Berücksichtigung des geringeren Heizwertes der Braunkohle ist,
auf Kalorien bezogen, die Leistung auf den Kopf der Belegschaft
immer noch mehr als 1,5 mal größer.
Bei dem vorstehend durchgeführten Vergleich der Leistungsfähigkeit‘
 bei Steinkohle und Braunkohle auf den Kopf der Belegschaft
 bezogen, war der Heizwert, wie er sich vor dem Kriege
ergeben hat, eingesetzt worden. Berücksichtigt man nun aber
noch, daß die Braunkohle in ihrer Güte unverändert geblieber:
ist, während die Steinkohle sich beträchtlich verschlechtert hat,
so ist tatsächlich die Leistung eines Arbeiters, auf den Kopf der
Belegschaft bezogen, ungefähr 1,7 mal größer. Daraus ersieht man
schon, daß es wesentlich ist, zur Beseitigung der Kohlennot das
Augenmerk besonders auf die Steigerung der Braunkchlenförderung
 zu richten. Die Vermehrung der Belegschaft ist hier auch
leichter durchführbar, da der größte Teil der Braunkohle im Tagebau
 gewonnen wird. Allerdings dürfen die Schwierigkeiten bezüglich
 Vermehrung der Bolegschaft auch nicht unterschätzt werden.
da die Arbeit in der Braunkohlengrübe anscheinend vielen Arbeitssuchenden
 nicht zusagt, Ein Hallesches Braunkohlenwerk hat
z. B. festgestellt, daß etwa nach drei Monaten rd 50%, der neu
eingestellten Leute wieder abgekehrt !) sind.
Und zwar haben von 2596 eingestellten Leuten
innerhalb von 3 Tagen 7,2 %
“ ;» 10 „10,09%,
» 1 Moo, 16,18%,
„083 15,6%
ihre Tätigkeit wieder aufgegeben.

*) E. Musset, Freie Wirtschäft, 1919, Heft 11/12, 8, 396.
        <pb n="17" />
        Braunkohlenförderung

18

Die Unterbringung der neu hinzuziehenden Leute macht naturgemäß
 auch hier große Schwierigkeit. Da aber .die Produktion
eines Braunkohlenarbeiters in: bezug auf gewonnene Wärmeeinheiten,
 wie vorstehend gezeigt, eine mehr als 1,7 mal so große
als die eines Steinkohlenarbeiters ist, so ergibt sich natürlich
eine wesentlich höhere Ausnutzung der ja so knappen vorhandenen
bzw. mit so großen Schwierigkeiten herzustellenden Bauten.
Die Durchschnittsleistung eines Mannes im Braunkohlenbergbau
 ist naturgemäß auch in letzter Zeit starken Schwankungen
unterworfen gewesen. Dies ist aus nachstehender Tabelle zu
ersehen, die von Prof, Kegel?!) aufgestellt ‘ist nach Angaben
von E. Musset®). Auch hier wird man bestrebt sein müssen,
die Leistungen zu erhöhen. Das wird ganz besonders dadurch
möglich werden, daß die maschinellen Einrichtungen verbessert
und vermehrt werden.

Durchschnittsleistungen eines Mannes in einer Schicht
in tt

fahr

1913. . .
1914...
1917 00000000000
1. Jan, bis 31.Okt.1918
Oktober 1918 .
November 1918
Januar 1919
Februar 1919
März 1919 .
April 1919 .
Mai 1919 .
Juni 1919

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4,42
4,27
2 68

17,8
15,3
12.8

Der Deutsche Braunkohlen-Industrieverein in Halle hat über
die Leistung je Kopf und Schicht noch folgende Zahlen bekanntgegeben:


1) Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, 1920, Heft 7 S. 163
2) Freie Wirtschaft, 1919. Heft 11/12, S. 395:
        <pb n="18" />
        Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen,

1914... . , 47%
1919 .....22%
1920... .. 18%
Nach Diplomingenieur W. Metz!) sind die Ketten- und Drahtseilbahnen
 den neuzeitlichen Anforderungen in keiner Weise mehr
gewachsen. Infolgedessen wird die Leistungsfähigkeit der Kohlenbagger
 nicht voll ausgenutzt. Sie stehen die Hälfte der Arbeitszeit
 unbeschäftigt. Nach Metz kann durch Einführung besserer
Fördereinrichtungen die Leistungsfähigkeit der Bagger um 50%
gesteigert werden. Weiter kann durch Verbesserung des Transportweges
 von. der Gewinnungsstelle bis zur Verwendungsstelle
im Braunkohlenbergwerk durch moderne Einrichtungen eine Verkürzung
 des Weges erreicht werden. Bei dieser Verbesserung der
maschinellen Einrichtung wird die Elektrotechnik einen wesentlichen
 Teil übernehmen können, denn gerade im Braunkohlenbergbau
 spielt der elektrische Antrieb eine große Rolle, Durch
weitere Vervollkommnung in der Anwendung der Elektrizität und
moderner Transporteinrichtungen wird sich also eine Steigerung
der Förderung schaffen lassen.
In neuerer Zeit sucht man auch noch eine Verbesserung dadurch
 zu erreichen, daß eine Entwässerung des Braunkohlenvorkommens
 und des’ Deckgebirges erzielt wird. Dies geschieht
dadurch, daß ‚man die Feuchtigkeit durch Gräben abzieht. Zur
Herstellung derselben werden, wie die ‚Braunkohle‘ mitteilt,
kleine Bagger benutzt, die während des Krieges zur Herstellung
von Schützengräben gebaut waren. Sie sind mit Benzinmotoren
von 70—80 Pferdestärken ausgerüstet, die sowohl die Eimerkette als
auch die Wellen für den Antrieb der Raupenbänder zur Fortbewegung
 des Baggers betätigen. Das Baggergut wird durch Drahtförderbänder
 seitlich auf 4 m Abstand zu Dämmen aufgeschüttet.
Die Gräben können mit senkrechten Wänden bei 0,8 m Breite
bis zu 2,2 m Tiefe mit Böschungen bis zu 1,5 m Tiefe bei 2,2 m
Gesamtbreite auf Gelände geschnitten werden. Das Gewicht der
Bagger ist 21—27 t, der Flächendruck der Raupenbänder ca.
1,6 kg/qm, so daß aueh auf weniger festem Untergrund gefahren
werden kann. Der Grabenbagger kann auch unter entsprechender
Anpassung zum Einebnen der Baggerstraßen, zu Ebnungsarbeiten
beim Verlegen von Gleisen und Straßen und, nach Abrüstungen
der Baggereinrichtungen, als Plattenwagen verwendet werden.
1) Braunkohlenförderbahnen, 2. Aufl., Kottbus 1919.
        <pb n="19" />
        Braunkohlenvorräte.

15

Auch die Aufschließung neuer Gruben stellt sich bei der Braunkohle
 wesentlich günstiger als bei der Steinkohle. Die Zeit von
Beginn der Aufschließung bis zum Beginn der Förderung ist nicht
so sehr lang, und auch die festzulegenden Kapitalien sind nicht
so außerordentlich große wie bei Steinkohle. Da nun noch hinzukommt,
 daß die Braunkohlenvorkommen viel mehr. verteilt
sind, als dies bei Steinkohle der Fall ist, so ergeben sich auch
daraus Vorteile, für die ungünstige Transportlage. Durch möglichst
 gut verteilte Braunkohlenbergwerke kann eine wesentliche
Entlastung der Bahnen erzielt werden, insbesondere unter Umwandlung
 ‚der Braunkohle in Elektrizität am Gewinnungsort
und Transport der Arbeit mittels Draht.
Die Braunkohle ist auch insofern noch von außerordentlich
zroßer Bedeutung für unser gesamtes Wirtschaftsleben, als daraus
sehr wertvolle Nebenprodukte gewonnen werden. Insbesondere
interessieren uns hier das Treiböl für Dieselmotoren und die Schmieröle,
 Eine Steigerung der Förderung von Braunkohle würde also
such hier eine Verbesserung ermöglichen. .
In nachstehender Tabelle?!) ist angegeben, welche Braunkohlen-Vorräte
 im Deutschen Reich nach seinem‘ Umfange. vor
dem Kriege vorhanden waren und welche Mengen auf die abvetretenen
 bzw: besetzten Gebiete fallen.

Sichere
Mill. t
9814,3

Deutsches Reich. ......
Davon:
Posen und Westpreußen ... 30,5
Kölner Bucht . .  3800.5

Vorräte
%
100

‘0,33
40.80

Nach Prof. Kegel?) kommen hierzu noch an wahrscheinlichen
Vorräten 3525 Mill. t in der Kölner Bucht, etwa 500 Mill t in verschiedenen
 Teilen Deutschlands ‚und sehr erhebliche bzw. erhebliche
 Mengen in Brandenburg-Pommern, Schlesien und Sachsen.
Näch seiner Ansicht werden unsere Braunkohlenlager bei einer
Jahresförderung von 100.Mill t über 150 Jahre vorhalten.
Abb. 2 stellt nach Prof, Kegel?) die Entwicklung der Braun-Kohlenförderung
 in der Zeit von 1860—1913 dar.
Ganz ähnlich wie bei der Braunkohle liegen die Verhältnisse

l) Nach Dr. E. Jüngst, Glückauf 1919, S. 486.
?) Zeitschrift d, Vereins Deutscher Ingenieure 1920, S. 125.
        <pb n="20" />
        16 Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen,

beim Torf. Hier kann die Gewinnung in vielen kleinen Betrieben
ermöglicht werden,.so daß sich eine Verteilung der Arbeitskräfte
auf große Gebiete ergibt und dadurch auch die Lösung der Wohnungsfrage
 für die Arbeitskräfte eine leichtere ist. Bis ‚jetzt ist
an Torf in Deutschland noch sehr wenig gewonnen worden. Die
gewinnbare Menge kann bedeutend gesteigert und wahrscheinlich
 um ein Vielfaches vermehrt werden. Da der Heizwert des
Torfes ein ziemlich hoher ist, so ergibt sich daraus eine wesentliche

Mt
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Abb.

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7
. Entwicklung der Kohlenförderung von 1860 bis 19138.

—

Bereicherung der zur Verfügung stehenden Brennstoffmenge. Für
die Erzeugung von Licht und Kraft wird allerdings nur ein Teil
dieses Torfes in Frage kommen, da ja die Elektrizitätserzeugung nur
am Gewinnungsorte wirtschaftlich durchführbar ist. Erwird alsozur
Gewinnung von Elektrizität nur für die Gebiete in Frage kommen,
die von einem Kraftwerk aus wirtschaftlich noch erreichbar sind.
Außerdem ist zu berücksichtigen, daß der Torf nur während weniger
Monate des Jahres gewonnen werden kann. Die nicht zur Erzeugung
 von Elektrizität verwendbare Torfmenge wird für Ofenheizung
und für landwirtschaftliche Zwecke Verwendung finden und dadurch
zur Erzielung von Ersparnissen wertvollerer Brennstoffe dienen
        <pb n="21" />
        Torfausnutzung.

;

können. Weiterhin kommt in Frage eine Verkokung des Torfes,
wodurch ein Ersatz für Holzkohle geschaffen wird.
Es besteht alco die Möglichkeit, die Gewinnung von Torf in
großem Maßstabe in der Weise durchzuführen, wie dies in Wiesmoor
 !) schon seit 10 Jahren geschieht zum Betriebe eines großen
Kraftwerkes. Anderseits bietet sich die Möglichkeit der kleinen
Gewinnung an. außerordentlich vielen Stellen, wobei die Verwendung:
 dieses Torfes im wesentlichen für Heizzwecke und
Torfverkokung in Frage kommt.
Bei der: Gewinnung von Torf in Kleinanlagen hat bisher die
Elektrotechnik eine verhältnismäßig kleine Rolle gespielt. Durch
erhöhte Anwendung des elektrischen Antriebes für die Torfstechmaschinen
 und Torfpressen würde aber die Torfmenge gesteigert
werden können.

Entsprechend der großen Bedeutung der Torfausnutzung hat
sich die Technik in den letzten Jahren mit diesen Fragen sehr
eingehend. beschäftigt?). Hierzu kommt noch, daß die Urbarmachung
 von Ödland heute ganz besonders wichtig ist, um Siedlungen
 schaffen zu können. Philippi hat sich sowohl in seinem
Aufsatz ‚„Torfkraftwerke‘ 3%) wie in seinem Buche .„‚Torfkraftwerke
 und Nebenproduktanlagen‘ mit der Frage der Torfverwertung
 sehr eingehend befaßt und gelangt dabei zu folgenden
Ergebnissen:

1. Die deutschen Torfmoore sollen nach vielfachen Angaben
eine Fläche etwa gleich der von Württemberg (rd 20000 qkm)
bedecken; sie bestehen etwa zur Hälfte aus Hochmoor, zur Hälfte
aus Niederungsmoor. Diese Fläche ist der landwirtschaftlichen
Nutzung entzogen; sie kann ihr bei den Hochmooren am zweckmäßigsten
 durch Abbau der Moore zugeführt werden. Der Energievorrat
 in den Hochmooren allein entspricht ungefähr dem in 1,5 Milliarden
 Tonnen guter Steinkohle; hiermit könnten in heutigen

1) Näheres siehe „Elektrotechnik und Moorkultur‘ (Das Kraftwerk im
Wiesmoor in Ostfriesland) von J. Teichmüller, „ETZ‘“ 1912, S. 1255.
2) Es sind darüber folgende Bücher erschienen: Hoering, „Moornutzung
und Torfverwertung“, Julius Springer, 1915. — Philippi, „Torfkraftweıi ke
und Nebenproduktenanlagen‘, Julius Springer, 1919. — Bartel, „Torfkraft‘,
 Julius Springer, 1913. — Hausding, „Handbuch der Torfgewinnung
und Torfverwertung‘“, Parey, 1917. -— Ferner siehe auch Teichmüller,
„Elektrotechnik und Moorkultur‘, „ETZ“‘“ 1912, S. 1255.
3) „ETZ“ 1919, S. 422.

Dettmar, Beseitigung der Kohlennot.,
        <pb n="22" />
        "3

Die vermehrte Gewinnung von Brennstoffen.

Großkraftwerken 100 Jahre lang 2,05 Mill, kW ununterbrochen
erzeugt werden.
2. Der Torf kann in Großbetrieben in guter. Beschaffenheit
mit 25%, Feuchtigkeit zu einem im Verhältnis zur Steinkohle
geringen Preis für die Wärmeeinheit hergestellt werden. Die natürliche
 Lufttrocknung ist zurzeit das einzig wirtschaftliche Trocknungsverfahren;
 durch Anwendung von Maschinen an Stelle von
Handarbeit kann es noch erheblich verbilligt werden.
3. Hochmoortorf ist in Gestalt von Maschinentorf ein gutes
Brennmaterial von ziemlich gleichartiger Zusammensetzung und
einem mittleren Heizwert von 3500 Kal. bei 25%, Feuchtigkeitsgehalt.

4. Die Entgasung von Torf liefert eine vorzügliche, für metallurgische
 Zwecke sehr geeignete Torfkohle, aber nur mäßige Ausbeute
 an Ammoniak und Teer, während bei den heutigen Verfahren
 an Gas nichts zur freien Verwendung übrig bleibt. Bei
der. Vergasung (mit Gewinnung von Nebenprodukten) erhält man
gute Ausbeute an Ammoniak, Teer und Gas; das Gas hat. einen
mittleren Heizwert von wenigstens 1150 cal/ebm und wird mit
einem mittleren Vergasungswirkungsgrad, von etwa 75,6% gewonnen.,

Bezüglich der Nebenproduktengewinnung haben die Untersuchungen
 Philippis für die von ihm angenommenen ‚normalen
Fälle“ folgendes ergeben:
1. Torfkraftwerke arbeiten bei normalen Torfpreisen billig
als Steinkohlenwerke; bei großen Torfkraftwerken ist dies Sogar
noch bei verhältnismäßig hohen Torfpreisen der Fall,
2. Bei gewöhnlicher Verzinsung und bei nicht außergewöhnlich
 hohen Torfpreisen sind Gasmaschinenwerke mit Nebenproduktenanlage
 Dampfturbinenwerken mit ‚oder ohne Nebenproduktengewinnung
 wirtschaftlich unterlegen. Dampfturbinenwerke
mit Nebenproduktenanlage sind denen ohne solche Anlage wirtschaftlich
 überlegen bei Belastungsfaktoren von‘ etwas mehr als
50°%, an bei mäßigen Einnahmen aus den Nebenprodukten, aber
schon von etwa 15%, mittlerer Belastung an bei sehr gutem Erlös
aus .den Nebenprodukten.,
3. Die Werkselbstkosten der erzeugten kWh werden in Werken
mit Nebenproduktenanlage äußerst gering, müssen aber im allgemeinen
 auch bei überschießenden Einnahmen aus den Nebenprodukten
 so berechnet werden, daß die im Kraftwerk selhat
        <pb n="23" />
        Verwendung von Holz.

19

entstehenden Unkosten nicht unterschritten werden, — Die Einnahmen
 aus den Nebenprodukten können dabei einen. sehr großen
Reinüberschuß ergeben.
4. Auch Werke mittlerer Größe arbeiten bei Torfbetrieb mit
befriedigender Wirtschaftlichkeit.
5. Es erscheint im allgemeinen wirtschaftlich vorteilhaft, das
Kraftwerk und die Nebenproduktenanlage als getrennte Wirtschaftsbetriebe
 arbeiten zu lassen.
6. Torfverkohlungsanlagen versprechen eine gute Rentabilität.
7. Niederungsmoortorf aus den Entwässerungskanälen kann
sei guten Einnahmen aus den Nebenprodukten (trotz hoher Torfpreise)
 häufig mit befriedigender Wirtschaftlichkeit verarbeitet
werden,
8. Die gemeinsame Verwendung von Dampfturbinen und Gasmaschinen
 kann wirtschaftlich Vorteile bringen; dies kann nur im
Einzelfalle geprüft werden.
9. Der Einbau eines Gasbehälters in einem Werk mit Nebenproduktenanlage
 kann bei großen Werken wirtschaftlich vorteilnaft
 sein; auch dies ist aber nur von Fall zu Fall festzustellen.
Als weiterer Brennstoff, der den Kohlenverbrauch vermindern
könnte, kommt noch das Holz in Frage. Nach Prof. Dr. H. Weber!)
betrug der Gesamtverbrauch an Holz in Deutschland im ‚Jahre
1913 75 Mill. Fm, davon waren 61 Mill. Fm in Deutschland gewonnen
 und 14 Mill, Fm eingeführt.
Verbraucht wurden als Nutzholz ungefähr‘ 45 Mill. Fm und
als Brennholz ungefähr 30 Mill, Fm.’
Durch die Abtretung waldreicher Gebiete an Polen und Frankreich
 wird aber die Holzgewinnung bedeutend zurückgehen, und
die Einfuhr von Holz wird mit Rücksicht auf die Valuta tunlichst
vermieden werden müssen, so daß eine Deckung des Bedarfes
äußerst schwierig sein wird, zumal wenn erst die Bautätigkeit
wieder einmal einsetzen wird.
Holz wird demnach nur in geringem Umfange als Ersatz für
andere Brennstoffe in Frage kommen können und auch nur für
kurze Zeit, denn es ist zu beachten, daß der Raubbau an Holz
nachteilige Folgen für das Klima, das Wachstum, die Versorgung
mit Gebrauchswasser sowie für die Wasserwirtschaft hat. ‚Es

1y Technik und Wirtschaft 1919, Heft 11, S. 763.
        <pb n="24" />
        20 ; Die’ vermelirte Gewinnung, von Brennstoffen..

ist also vom Holz eine nennenswerte Entlastung des, Kohlenverbrauchs
 nicht zu erwarten, 2
Die außerordentlich geringe Menge Petroleum, die in Deutschland
 gewohnen wird, kann natürlich als Ersatz für andere. Brennstoffe
 kaum in die Wagschale fallen. Immerhin muß aber versucht
werden, auch diese, soweit irgend möglich, zu erhöhen...
Im Jahre 1913 hat die Rohölerzeugung !) Deutschlands nur
etwa 120 000 t betragen gegenüber einem Verbrauch von gereinigtem
Erdöl von etwa 1400000 t. Wenn letztere auch in Zukunft bedeutend
 niedriger sein wird, so können wir unseren Bedarf doch
bei weitem nicht selbst‘ decken. Eine Steigerung der Erdölgewinnung
 ist also schon mit Rücksicht auf die Verringerung der Einfuhr
 erwünscht.
Aus vorstehenden Überlegungen ergibt sich, daß für
die Beseitigung der ‚Kohlennot zunächst vorwiegend
die Steigerung der Braunkohlenförderung in Frage
kommen muß. Sie ist verhältnis mäßig schnell und ohne
Festlegung allzu großer Kapitalien durchführbar. Es
muß daher der Verbrauch an Steinkohle, soweit irgend
möglich, auf Braunkohle (und zum. Teil auf Torf) umgestellt
 werden, Damit nun. aber die Transportmittel
nicht übermäßig in Anspruch genommen’ werden, ist es
notwendig, die Umwandlung der Braunkohle in Elektrizität
 nach Möglichkeit am Gewinnungsort vorzunehmen
und den Transport durch Drähte zu bewirken. Nach
etwa 10——20 ‚Jahren kann die Richtung eventuell wieder geändert
werden, und es können dann die Steinkohlen wieder mehr herangezogen‘
 werden, damit die Braunkohlenlager nicht ‚allzu früh
der Erschöpfung entgegengehen. ‚Nur auf diese Weise kann unsere
Kohlenlage wieder gesunden und. damit dem Wirtschaftsleben
wieder aufgeholfen werden.
Wenn die Industrie und die Landwirtschaft jetzt und in. den
nächsten Jahren noch weiter einen so ungeheuren Elektrizitätshunger
 haben, so kann derselbe, soweit nicht Wasserkıäfte in
Frage kommen, die aber nur in einzelnen Gegenden vorhanden
sind, nur gestillt werden, wenn Braunkohle und Torf hierzu herangezogen
 werden, Aber auch das wird nur möglich sein, wenn die abgegebene
 elektrische Arbeit durchweg auf das beste ausgenutzt wird.

') Deutsche Kraftquellen von W. Hedier, S. 32.
        <pb n="25" />
        Raumbeheizung

2

C. Verringerung des Verbrauches von
Brennstoffen.

Vermeidung überflüssiger Verwendung: von Brennstoffen, — Weitgehendster
 Ersatz von Brennstoffen. — Höchste Wirtschaftlichkeit bei der Verwendung
 von Brennstoffen,
Es ist nunmehr zu untersuchen, inwieweit eine Verminderung
im Verbrauche von Brennstoffen erreicht werden kann.
Das naheliegendste, aber in seiner Wirkung schwächste Mittel
ist natürlich‘ die Vermeidung überflüssigen Brennstoffverbrauches,
und zwar sowohl direkt wie indirekt. Jeder Luxus in der Beheizung
und Beleuchtung muß vermieden werden. Ebenso aber auch in
der Verwendung von. Rohstoffen und Fertigfabrikaten, denn auch
diese enthalten eine gewisse Menge Brennstoff, Wenn man bedenkt,
daß %z. B. für die Herstellung von
Zink . 4 . . . ungefähr 9  t Kohle
Handelseisen . . ” »
Roheisen .... .
Zement . . .
‚t Kalk... ..
1000 Stück Mauersteinen
aufgewendet !) worden sind, so wird man ohne weiteres erkennen.
daß durch richtige Einschränkung eine beträchtliche Menge Brennstoff
 gespart werden kann. Aber nicht nur durch wirklichen Luxus
wird Verschwendung getrieben, sondern auch durch schlechte
Gewohnheiten und dureh Unkenntnis. Wieviel gar nicht benutzte
Räume wurden früher und werden zum Teil auch jetzt noch
überflüssiger weise. beheizt und beleuchtet. Soweit solche
Räume gar nicht oder nur sehr wenig ‘benutzt. werden, kann
die Beheizung ganz unterbleiben. Soweit sie‘ aber nur kurzzeitig
 verwendet werden, bietet‘ die elektrische Beheizung Möglichkeiten.
 zur Ersparnis, denn durch sie kann eine örtliche kurzzeitige
 Erwärmung sehr wirtschaftlich erreicht werden und dadurch
der Kohlenverbrauch wesentlich niedriger gehalten werden, als
bei einer dauernden und noch mit schlechtem Wirkungsgrad
arbeitenden Ofenbeheizung des ganzen. Raumes.
Die elektrische Zusatzheizung ist das beste Mittel, um in. nicht
genügend erwärmten Räumen, wenigstens an einzelnen Plätzen

‚a %

!) Nach Angaben, die mir freundlichst von Herrn Dr. Bonikowsky
zur Verfügung gestellt worden sind.
        <pb n="26" />
        22 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

eine behagliche Temperatur zu schaffen. Manche Zentralheizung
kann im Herbst später angemacht, im Frühjahr früher abgestellt
werden, mancher Kohlenofen ungeheizt bleiben, wenn man tragbare
 elektrische Öfen zur Verfügung hat oder sich elektrischer
Fußwärmer bedient.
Daß durch elektrische Beleuchtung, deren bequeme Schaltbarkeit
 allgemein geschätzt wird, große Ersparhisse erzielt werden
können, ist bekannt, aber noch immer nicht in genügendem Maße
gewürdigt,
Soweit die Erzeugung von Kraft, Licht, Wärme usw. unbedingt
 notwendig ist, sollte versucht werden, sie möglichst ohne
Verwendung von Brennstoff zu erzeugen durch Heranziehung
der Kraft des Wassers, des Windes, der Naturgase, der Ebbe und
Flut, der Bewegung des Meeres, der ‚Sonnenstrahlung, der Erdwärme
 und ähnlichem.
Die Kraft des Wassers ist schon ‘bisher in Deutschland in beträchtlichem
 Umfange ausgenutzt worden. Allerdings nicht so,
wie es hätte geschehen müssen. Das ist darauf zurückzuführen,
daß die Kohle sehr billig gewesen ist und dadurch der Ausbau
einer großen. Anzahl Wasserkräfte unwirtschaftlich war. Hierzu
kommt noch, daß die ausbauwürdigen Wasserkräfte zum Teil
in Gegenden sich befanden, die fern von der Industrie lagen,
und die weite Übertragung unter den früheren Verhältnissen
noch nicht wirtschaftlich war. Bei der zukünftigen Kohlenknappheit
 muß dies num aber anders werden, und es müssen unbedingt
alle Wasserkräfte ausgenutzt und gegebenenfalls. durch Hochspannungsleitungen
 in die Gebiete des Bedarfes gehracht werden.
Die mehr über das Land verteilten Niederdruckwasserkräfte wurden
bisher, da sie sehr wechselnd sind, in sehr geringem Umfange ausgenutzt.
 Ihnen wird in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zugewendet
werden. müssen. Durch Talsperren, die im oberen Lauf der Flüsse
bereits gebaut sind oder noch ausgeführt werden müssen, gewinnen
übrigens auch diese Wässerkräfte sehr bedeutend an Wert. Solche
Flußwasserkräfte sind in großem Umfange vorhanden. Für das
Berg- und Hügelland Preußen liegt eine Zusammenstellung
solcher Wasserkräfte vor, die in nachstehender Tabelle!) wiedergegeben
 ist.

*) Monatsblätter des Berliner Bezirksvereins Deutscher Ingenieure 1917
Heft 3, S. 25.
        <pb n="27" />
        Odergebiet ,
Elbegebiet .
Wesergebiet .
Rheingebiet
Maasgebiet . .

Ausnutzung von Wasserkräften.

23

Vorhandene Wasserkraft
'9 Monate lang
nicht unterschrittene

PS

Ausgenutzte. Wasserkraft
mittlere 0 onate lang
‘Shrliche nicht unter-]
 schrittene
PS PS

205 351 82 150 68 707 27 492
262 544 98 170 101 041 38 501
288 531 103 486 87086 | 32144
990 043 297 015 180695 ! 54208
64581 | 19373 9104 | 2731
1811050 | 600194 || 446633 | 155076

Weiterhin sind nach Reichel im Flachlande in Preußen noch
Wasserkräfte vorhanden, die ungefähr die gleiche Größe wie in
der vorstehend. angegebenen Tabelle haben. Bezüglich der anderen
Bundesstaaten macht Reichel folgende Angaben: Baden hat
2600000 PS, von denen bis zu 650000 PS ausgenutzt werden
können. Bayern hat ungefähr 5 Millionen, von denen 1 Million ausnutzbar
 ist; insgesamt schätzt Reichel für das Deutsche. Reich
an Flußwasserkräften 16 Millionen PS, von denen 2500000 PS
ausgenutzt werden können. Nach Hallinger können jedoch die
Niederdruckwasserkräfte erheblich besser verwertet werden, wenn
die Bauart, gegenüber der bisher üblichen, abgeändert wird. Er
faßt seine Vorschläge *) in folgenden vier Sätzen zusammen:
1. Beschränkung der Anzahl der Stauwehre,
2. Reduktion der Rauheit der Kanalwände, erhöhte Gefällsausnutzung,
 Wahl wirtschaftlicher Wassergeschwindigkeiten bei
günstigem Kanalquerschnitt,
3. Aufstellung der Turbinen mit den Achsen quer zum Wasserzulauf,
 Reduktion der Zahl derselben, Wahl großer Maschinen:
einheiten mit langer Lebensdauer, vereinfachte Betriebe, Vermeidung
 von Wasserverlusten u. dgl., ;
4. Ausnutzung der Gefälle im Flußtale mit Einzelstufen, die
in bezug auf Kanal- und Krafthauskosten das beste Verhältnis
aufweisen.‘

Wie schon vorstehend erwähnt, ist die Ausnutzung von Wasserzräften
 bisher vielfach deswegen unterblieben., weil keine genügende

1) Monatsblätter des Berliner Bezirksvereins Deutscher Ingenieure 1915
Heft 6, 5. 69,
        <pb n="28" />
        24

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Wirtschaftlichkeit erreicht wurde. Infolge der starken Schwankungen
 der Wasserkräfte, wie solche z. B. Abb. 3 zeigt, die dem
Buche von M. Gerbel, Kraft- und. Wärmewirtschaft ‚in der
Industrie 1918, Verlag Julius Springer, entstammt, ist es notwendig,
 Dampfreserven zur Verfügung zu haben, die dann aber
ungleich ausgenutzt werden und dadurch unwirtschaftlicher arbeiten,
 als wenn sie dauernd Verwendung finden.
Durch geeignete Verkupplung solcher Wasserkraftanlagen mit
bestehenden Dampfanlagen durch Hochspannungsleitungen wird
die Wirtschaftlichkeit beträchtlich erhöht werden können.

8
er -

1 ässermenge In Hundert chm pro set.
=== Oefälle in m

n

Jänner | Februar | Marz | Apr pril | Mai "Ani Let T Anguat | Sept ferber] Oklaber Por umher (Dezenhen

Abb, 3. Wassermenge des Inn oberhalb‘ Rosenheim in cbm/sek. in den
verschiedenen Monaten des Jahres.

Es sei hier übrigens noch auf die Verschiedenartigkeit der
Wasserkräfte, je nach dem, ob der fragliche Fluß aus dem Hochoder
 Mittelgebirge kommt, hingewiesen. Dr. Ing. L. Schneider 2)
hat darüber Angaben gemacht, die hier in den Abb. 4 und 5 wiedergegeben
 werden mögen. Er faßt seine Ausführungen wie folgt
zusammen:

„Die Mächtigkeit der in den Alpen entspringenden. Wasserkräfte
 ist am größten in den Sommermonaten April-September,
am geringsten im Winterhalbjahr Oktober-März, Die Wasserkräfte
 der Mittelgebirge sind am ergiebigsten in der Zeit vom
Januar— April, am kargsten von Juli—November.“

1) Wasserkraftwerk, Heizungskraftwerk und Lichtwerk. Dinglers Polytechn.
 Journal 1912, S. 10.
        <pb n="29" />
        Schwankungen der Wasserkräfte,

25

Daß durch solche schwankenden Wasserkräfte die erzielbare
Kohlenersparnis sinkt, weil der spezifische Kohlenverbrauch
der mit ihnen parallel arbeitenden Dampfkraftanlagen außerordentlich
 ansteigt, hat Wunder!) für die Stuttgarter Verhältnisse
 sehr ‚eingehend nachgewiesen in seiner Untersuchung
über wirtschaftliche Grenzen für das Zusammenarbeiten von
Wasser- und Dampfkraftanlagen. Er hat gezeigt, daß der
wirtschaftliche Wirkungsgrad
des Stuttgarter Elektrizitätswerkes
 bei einer Vergrößerung
der Wasserkraftanlagen und
einer entsprechenden Verkleinerung
 der Wärmekraftanlagen

bi

14101 817101417

a = Saalach bei Freilassing, b = Isar bei
Mittenwald, c = Isar bei München, d =
[sar bei Plattling, e = Lech bei Schongau.
Abb. 4. Mittlerer Pegelstand nach Abb. 5. ‚Mittlerer Pegelstand nach
10 jährigen Beobachtungen. 10jährigen Beobachtungen.

a = Main bei Lichtenfels, b = Main bei
Aschaffenburg, 6 = Pegnitz bei Forchheim.

ständig sinken würde, Er zeigte, daß selbst bei hohen Kohlenkosten
 dieses noch zutrifft, da der spezifische Kohlenverbrauch
von 1,2 kg auf 4 kg ansteigt. Bei den Verhältnissen vor dem
Kriege würde demnach ein weiteres Ausbauen der Stuttgarter
Wasserkräfte unterblieben sein. Dagegen kommt Wunder bei der
jetzigen Sachlage zu der Überzeugung, daß trotzdem der weitere
Ausbau der Wasserkräfte betrieben werden muß, weil in Zukunft
nicht nur die Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend sein kann, sondern
 die Brennstoffnot solche Maßnahme rechtfertigt.
Der Ausnutzung der kleineren und mittleren Wasserkräfte

‘). Vortrag im Württembergischen elektrotechn. Verein am 19, XI, 1919,
        <pb n="30" />
        26 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

hat man bisher aus den eben dargelegten Gründen nicht so viel
Interesse entgegengebracht, weil die starken Schwankungen dieser
Wasserkräfte ihre Verwendung außerordentlich erschwerte. Eine
Nutzbarmachung dieser. Kräfte wird besser möglich sein, wenn
das Netz der elektrischen Leitungen enger wird und dann die Möglichkeit
 besteht, ohne allzu große Baukosten für Leitungen aufwenden
 zu müssen, in eine vorhandene elektrische Anlage hineinzuarbeiten
 und den jeweiligen Überschuß dort nutzbringend zu
verwerten. Auch hier wird der Fall eintreten, daß die bestehenden
Dampfkraftanlagen‘ dann unwirtschaftlicher arbeiten und dementsprechend.
 die Kohlenersparnis nicht im Verhältnis steht zu
der mit Wasserkraft erzeugten elektrischen Arbeit. Man wird
aber in Zukunft die Ausnutzung solcher kleinen Wasserkräfte
doch vornehmen müssen, wenn überhaupt noch eine nennenswerte
 Ersparnis an Brennstoff erzielt werden kann. Durch die
Verwendung von Asynchron-Generatoren !) werden sich manche
Wasserkräfte besser wirtschaftlich ausnutzen lassen, wenn sie
auch eine Verschlechterung des Leistungsfaktors mit sich bringen.
Es bedarf jedoch von Fall zu Fall einer Untersuchung, ob diese
Lösung die richtige ist. Hierfür kann man zweckmäßig die Angaben,
 die Ingenieur 0, Spitzer?) gemacht hat, verwenden. Eine
Überprüfung der Belastungsverhältnisse kann in einfacher Weise
durch die aus dem Vektorendiagramm abgeleitete Formel erfolgen:

S= VA? N? _2NAcos(a@a +). &amp;gt;
Hierbei bedeutet S, A, N die Belastung der Sychrongeneratoren,
des Asynchrongenerators und des Netzes in kVA, cos @ den Leistungsfaktor
 des Netzes und cos @ den des Asynchrongenerators,
Dr. Adler?) faßt die Vorteile des Asynchrongenerators folgendermaßen
 zusammen:
a) Einfachste und billigste Bauart, Anlage und: Bedienung.
Der Induktionsgenerator kann mit Kurzschlußanker ausgeführt
 werden, Er wird angelassen, indem er mit der
Kraftmaschine auf Drehzahl gebracht wird und bei ungefährem
 Synchronismus durch. einen Schalter mit Vorkontakten
 und Schutzwiderstand eingeschaltet. wird.

1) Elektrotechn, u. Maschb. 1919, S. 221 u. 425
?) Elektrotechn. u. Maschb. 1919, S. 256.
3) Elektrotechnische Umschau 1920, S. 11.
        <pb n="31" />
        Kleine Wasserkräfte.

2

b) Die Energie des Kraftmittels wird vollends ausgenützt
und die Generatoren des Mutterwerkes entlastet.
Der Induktionsgenerator verursacht keine Pendelgefahr,
Er ist gegen Unregelmäßigkeiten in der Wellenform unempfindlich,
 wirkt beruhigend auf andere Unsymmetrien
und speist — im Gegensatz zur  Synchronmaschine —
nicht in einen Netzkurzschluß.
d) Die Kraftmaschine braucht keinen Geschwindigkeitsregler
und wird daher einfacher und billiger. Doch sind Maßnahmen.
 gegen das Durchgehen beim Ausbleiben ‘der
Netzspannung zu treffen.
Denen steht als Nachteil gegenüber, daß der Induktionsgenerator
den Blindstrom, der zu seiner eigenen Erregung notwendig ist,
nicht selber liefern kann. In Amerika sind solche Anlagen mit
Asynchrongeneratoren schon mehrfach ausgeführt worden, ‚und
es liegen gute Erfahrungen !)' vor. -
Auch in Deutschland sind solche Anlagen gebaut worden.
In der ETZ 1910, 8. 310 ist von W, Spethmann eine solche Anlage’'der
 Firma Karl Simon &amp;amp; Söhne in Kirn a. d. Nahe beschrieben.
Hierbei handelt es sich um eine Energie-Überschußleistung von
30 kW, die an ein Überlandnetz abgegeben wird.
In manchen Fällen dagegen wird es vielleicht zweckmäßiger
sein, solche kleinen Wasserkräfte nicht für die Erzeugung von
Elektrizität zu verwenden, sondern sie für Berieselungszwecke
auszunutzen. Es kann dann mit erheblich geringerem Anlagekapital
 eine im gesamten Volksinteresse liegende nutzbare Verwendung
 erzielt werden.
Ganz besondere Aufmerksamkeit wird man der vollen Ausnutzung
 der Wasserkraft zu allen: Stunden des Tages und auch
der Nacht widmen müssen. Viele Wasserkräfte werden nachts
und Sonntags nur ganz gering oder gar nicht ausgenutzt. Wenn
es gelingt, Arbeiten, die sonst unter Verwendung von Brennstoff
ausgeführt werden, auf diese Stunden zu verlegen, würde eine
beträchtliche Ersparnis erzielt werden können. Eine Schwierigkeit
 hierbei bildet jedoch die Abneigung der Arbeiter zur Leistung
von Nachtschichten und Sonntagsarbeiten. Bei Industrien, die
verhältnismäßig viel Kraft verbrauchen und wenig Arbeiter beschäftigen,
 sollte man versuchen, nachts und Sonntags möglichst

RP}

1) ETZ 1918, S. 239
        <pb n="32" />
        28

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

viel Wasser auszunützen, wie dies auch während des Krieges
zum Teil geschehen ist. Bei solchen Wasserkräften, die während
eines großen Teiles des Jahres noch nicht voll ausgenutzt sind,
läßt sich. eine Kohlenersparnis noch dadurch erzielen, daß andere
unter Aufwendung von Brennstoff erzeugte Energieträger vermieden
 werden. Z. B. würde es richtiger sein, Gasbeleuchtung
und zum Teil auch Gaskochen durch vorwiegend mit Wasserkraft
hergestellte Elektrizität zu ersetzen, wie man auch mit Kohle
arbeitende chemische . Verfahren gegebenenfalls durch elektro-WE


300

251

208

151

DE.

Ka
——_—_—

7000
j kWh
300

‘250

1200

A750

A700

50

2

Jan

Pant

Pi

aA

A

ZZ
1975

F

„AM

un MMOr

4 9
EZ,

Abb. 6. Aus Wasserkraft erzeugbare und in dem Netz verbrauchte elektrische
 Arbeit in den verschiedenen Monaten des Jahres bei den Elektrizitätswerken
 der Stadt München.

chemische ersetzen sollte, wenn überschüssige Wasserkraft Verwendung
 finden kann. In einem solchen Falle befindet sich z: B.
die Stadt München, die während mehrerer Monate des Jahres
noch überschüssige Wasserkraft besitzt, wie aus der Abb. 6 hervorgeht,

Der Verwendung der Überschußenergie von Wasserkräften muß
besondere Aufmerksamkeit zugewendet ‚werden, Sie: wird  vielfach
 mit Erfolg z. B. zur Beheizung !) und Warmwasserbereitung
Verwendung finden können. In Zürich z. B., wo im Sommer das
Elektrizitätswerk niedrige Belastung und dagegen viel Wasser hat.

‘) Siehe ETZ 1917, 8. 181, 1918, S. 70 u. 1920, 8, 614
        <pb n="33" />
        Ausnutzung des Überschusses.

29

werden vielfach Warmwasseranlagen ausgeführt in Kombination
nit Zentralheizungen. Im Sommer wird das warme Wasser für

ZZ
ZI
Zn

Schäafel
D
za.

Sl

N
we

“LE

ZZ

Küche

wu

‚UR { fi
Hk

7

m

LW

iM Warmwasserkessel

Elektr
Hazkörper

Mr
©

3
=

a

Kessel für
Gentralheizung

ala

i = Zähler, Ts = Temperaturschalter, Zs = Zeitschalter, T = Kontaktthermometer,
öL = Elektrische Leitung, WL = Rohrleitung für .die Heizung, Vw = Absperrventil für
Winterbetrieb, Vs = Absperrventil für Sommerbetrieb, Hw = Warmwasserhahn, Hk =
Kaltwasserhahn, Uh = Umschalthahn, Lw = Warmwasserleitung, Lk = Kaltwasserleitung.
Abb. 7. Anlage zur elektrischen Warmwasserbereitung.

a

f

Ei}
Ü

N

f

u

1}

IA

FF

KK

\ = Hochspannungskabel, B = Ausschalter mit Relais H, C = Sicherungen, D = Zähler,
Ö = Elektrisch beheizter Kessel, F = Kontaktthermometer, G = Lichtleitung, J =
Heizwiderstände, L = Transformator, M = Mischleitung, 0 = Kessel mit Kohlenheizung,
ER = Rückleitung, S = Heizwasserleitung, V = Regulierhahn.
Abb. 8. Anlage für elektrische Heizung.
        <pb n="34" />
        30 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Küche und Bad elektrisch bereitet und im Winter von der Zentralheizung
 aus, Abb. 7 zeigt eine solche Anlage.
In Abb- 8 ist eine elektrische Warmwasserheizung, wie.sie für
die Kommunalschule in Baden (Schweiz)!) ausgeführt worden ist,
dargestellt. Da während der Nacht elektrische Arbeit billig zur
Verfügung steht, wurde im Jahre 1917 infolge der steigenden
Kohlenpreise ein elektrisch beheizter Kessel, der von der Brown.
Boveri &amp;amp; Cie., Akt.-Ges., angefertigt worden ist, aufgestellt.
Er ist mit Wärmespeicherung versehen und arbeitet zur Zeit
großer Kälte mit den kohlebeheizten Kesseln parallel.
Zur Verwendung der Abfallarbeit kommen noch in Frage die
Aufstellung elektrischer Dampfkessel ?), die elektrische Trocknung
und Konservierung von Holz (siehe S. 80) und ähnliche Verfahren.
 .
Prof. Bauer?) hat z. ‚B. den Vorschlag gemacht mit Abfallenergie
 Wasserstoff zu erzeugen und große Gasometer aufzustellen
Das Gas kann dann zu Koch- und Leuchtzwecken verwandt
werden.
In der Schweiz *) hat man der Frage der Abfallenergieverwertung
 schon seit Jahren großes Interesse entgegengebracht, und es
wird dort fleißig an der Schaffung einer „schweizerischen eidgenössischen
 Sammelschiene‘“ gearbeitet. Aus den von Direktor
Wagner aufgestellten Thesen ersieht man klar nach welcher
Richtung dort gearbeitet wird;
1. Vereinigung aller technischen und wirtschaftlichen Verbände
unseres Landes zur Durchführung des Gedankens der Elektrisierung
auf allen denjenigen Gebieten, auf denen die wirtschaftliche und
technische Überlegenheit der Elektrizität nachgewiesen ist; so
daß die Verwendung von Kohle und Rohöl ausschließlich auf
solche Gebiete beschränkt wird, auf denen sie zurzeit noch unentbehrlich
 sind.
2. Bildung von Syndikaten größerer Unternehmungen zur Erzeugung
 und Verteilung elektrischer Energie zum Zwecke
a) der. Vereinheitlichung von Stromsystem (Drehstrom).
Periodenzahl 50, Spannung 50000 V:;

ı) ETZ, 1920, S. 513. ,
?) Siehe ETZ 1920, S. 336.
5) Gerbel, Kraft- und Wärmewirtschaft in der Industrie 1918, S. 27
is) Siehe ETZ 1917, S. 41 u. 54: 1919, S. 469.
        <pb n="35" />
        Stauerhöhung.

3 |

b) der Durchführung der elektrischen Verbindung der Kraftwerke
 untereinander zur Ermöglichung gegenseitiger Aushilfe
 in der Energielieferung und damit Verminderung
der Maschinenreserven und Verwendung der Abfallkräfte
der einzelnen Energiequellen, alles unter Wahrung der
technischen und wirtschaftlichen Selbständigkeit der einzelnen
 Unternehmungen, soweit dies ohne Beeinträchtigung
 des Zweckes der Syndikatsbildung möglich ist.
Eine Möglichkeit der Kohlenersparnis, wenigstens auf eine Anzahl
 Jahre hinaus, würde gegeben sein durch die vorübergehende
Erhöhung des Staues von Wasserkräften. Schon während des
Krieges sind solche Stauerhöhungen mit großem Vorteil und besrächtlicher
 Kohlenersparnis durchgeführt worden. Es wird in
vielen Fällen zu überlegen sein, ob es nicht richtig ist, diesen Ausıahmezustand
 noch auf eine Anzahl Jahre, bis .die Kohlennot
wenigstens etwas verringert ist, zu verlängern. Solche Stauerhöhungen
 können besonders dann von großer Bedeutung sein,
wenn. durch sie die Benutzung der Dampfreserve vermindert und
iamit der Kohlenverbrauch stark herabgesetzt werden kann:
Früher durchgeführte Rechnungen über die Ausbauwürdigkeit
von Wasserkräften sind grundsätzlich in Zukunft durch neue zu
ersetzen, da ja nicht nur die Kohlenlage und der Kohlenpreis sich
wesentlich verändert haben, sondern auch die gesamten Lohnund
 Baustoffverhältnisse andere geworden sind. Hierüber hat
Klingenberg?!) ausführliches Material veröffentlicht, das nun
‘olgen möge:
„Unter der Annahme, daß die heutigen Löhne gegenüber dem
Jahre 1914 etwa das Fünffache und die Materialkosten das Zehn-:ache
 betragen, werden nachstehend die Anlage- und Betriebsxosten
 gleichgroßer Dampf- und Wasserkraftanlagen gegenübergestellt.
 Dabei ist zu bemerken, daß weitere Steigerungen der
grundbildenden Werte die Verschiebung der Ergebnisse in der
‚rmittelten Richtung noch verstärken.
Die Rechnung behandelt 3 Fälle:
A. Herstellung und Betrieb im Frieden (Friedensanlagen);
B. Herstellung und Betrieb im Krieg (Kriegsanlagen);
GC. Herstellung im Frieden und Betrieb im Krieg (Gemischtanlagen).


‘) ETZ 1920, S. 609 und E. u. M. 1920, 8. 341
        <pb n="36" />
        392

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Es sollen jeweils drei Ausbaugrößen von 20000, 5000 und
1000 kW untersucht werden. Unter „Friedensanlagen‘“ sind Werke
verstanden, die etwa vor dem Jahre 1916, also noch zu den früheren
billigen Preisen erteilt wurden. Mit „Kriegsanlagen‘“ sind Werke
bezeichnet, deren Anlage- und Betriebskosten unter der Nachwirkung
 des Krieges stehen.

A. Herstellung und Betrieb im Frieden (Friedensanlagen)
Ausbaugröße
20000 5000 1000
kW kW kW

l. Dampfkraftanlagen: .
a) Anlagekosten I f. 1 kW und Jahr. . M. 150 200 300
b) Verzinsung 5,5% - —_—_ 8,25 11,— 16,50
c) Erneuerung 5% ‚. RO On m x wi B 7,50 .. 10,— 15,—
d) Kleinmaterial, Wasser, Steuern etc.
02% .„  —30 49 —,60
e) Personalkosten 20 + * un S— 6 —
f), Reparaturen 1% . *_ „1,50 — 3,—
g) Gesamtkosten für 1 kW und Jahr.. . Ml. 20,55 27,40 41,10
h) Preis der Kohle im Kesselhaus f. 1 Tonne u I18,— 18, — 18,—
i) somit Kosten für 1 kWh bei
Betriebs- Kohlen:
dauer verbrauch
8000 Std. 0,9 kg Pf.
5000 ,, 10
2500 2» 1,15 »
1000 „ 14 ”“

1,88 1,96 2,13
2,21 2,35 2, 62
2,89 3,17 3,71
4,57 5,26 6.63

2. Wasserkraftanlagen:
a) Anlagekosten II f. 1 kW und Jahr , M. 600 , 800 _ 1000
b) Verzinsung 5,5%, . . „43 33— 44,— 55,—
c) Erneuerung 5% .. .00  24,— 32,— 40,—
“) Kleinmaterial ...... .. 5  —20 —30, —40
e) Personal 0,2% 0,3%, 0,4% U 1,20 2,40 4,—
f) Reparaturen 0,59% 40000040 en 3— 4,— 5,—
g) Gesamtkosten f. 1 kW und Jahr. . . M. 61,40 82,70 104,40
h) somit Kosten für 1 kWh bei
8000 Std... . . Pf
5000 2»
2500 »„ »
1000. N

0,77
1,23
2,45
6.14

1,08 1,30
1,65' 2,09
3,31 4,18
8.297 1044
        <pb n="37" />
        Ausbauwürdigkeit von Wasserkräften.

Am

B. Herstellung und Betrieb im Krieg
(Kriegsanlagen).
Annahme: Zehnfache Materialpreise, Fünffache Löhne

Ausbaugröße
20000 5000 1000
kW kW kW

.. Dampfkraftanlagen:
a) Anlagekosten 1II f. 1 kW und Jahr . M, 1500 2000 3000
b) Verzinsung 5,5%, . 82,50 17%0,— 165,—
c) Erneuerung 5%, 7, + — 150,—
d) Kleinmaterial - 3,- ,— 6—
e) Personalkosten . . „ lö— 20,— 30,—
f) Reparaturen 8-fach . 5 12,— 16,—- 24,—
g) Gesamtkosten f 1 kW und Jahr. . . ,, 187,50 250,— 375,—
h) Preis der Kohle im Kesselhaus f, 1'Tonne ,, 180,— 180,— 180,—
i) somit Kosten für 1 kWh bei

Betriebs- Kohlendauer
 verbrauch
3000 Std, 0,9 kg Pf.
5000 2 1,0 »
2500 115,
10C Br

18,54 19,32 20,89
21,75 23,— 25,60
28,20 30,70 35,70
43.95 . 50.20 62,70

2. Wasserkraftanlagen: , |
a) Anlagekosten 1V f. 1 kW u. Jahr, 7-fach M. 4200. 5600 7000
b) Verzinsung 5,5% . „ 231, 385,—
oc) Erneuerung 4%, SP 280,—
d) Kleinmaterial d—
e) Personal. ... ix 20,—
f) Reparaturen 7-fach SR 28,— 35,—
g) Gesamtkosten für 1 kW und Jahr. . „ 428— 575— T724—
h) somit Kosten f. 1 kWh bei

m

8000 Std... . . Pf.
5000
2500
1000

5,35
8,56
17,12
42.80

7,19 9,15
11,50 14,48
23,— 28,96
57.50 72.40

Dettmar, Beseitigung der Kohlennot.
        <pb n="38" />
        34 + Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

C. Herstellung im Frieden, Betrieb im Krieg (Gemischt
anlagen).

Ausbaugröße
20000 5000 1000
kW kW kW

1. Dampfkraftanlagen:
a) Anlagekosten I für 1 kW und Jahr . M. 150 200 300
b) Verzinsung 5,5%, von Anlage I... . 8,25 11,— 16,50
c) Erneuerung 5%, von Anlage III... „ 75,— 100,— ‘150,
d) Kleinmaterial .. 0.0.0.0. ; 3 — 5 4A, — Ö,—
e) Personalkosten‘. . ... ; 15,— 20,— 30,—
f) Reparaturen . .. .. „+ B&amp;gt; 16,— 24,—
g) Gesamtkosten f, 1 kW und Jahr. . . ,, 113,25 151,— 226,50
h) Preis der Kohle im Kesselhaus f. 1 Tonne ,, 180,— 180,— 180—
i) somit Kosten für 1 kWh bei
Betriebs- Kohlendauer
 verbrauch
8000 Std. 0,9 kg Pf.
5000 „‘ 10 „
2500 „ 1,15 „
1000 .. 140 ,

‚4

2. Wasserkraftanlagen: .
a) Anlagekosten IT f. 1 kW und Jahr . M: 600 800 1000
b) Verzinsung 5,5%°/, von Anlage II... „ 38,— 44,— 55,
c) Erneuerung 4°/, von Anlage IV... ,, 168,— 224,— 280,
: Kleinmategial .. 2 — 3 — 4,
ct) Personal. . A — 12, — 20,
f) Reparaturen . ...0.0000000000045000 0 2l,—. 28— 35,-g)
 Gesamtkosten f. 1 kWh und Jahr . . .„ 230.— 311— 394-h)
 somit Kosten f. 1 kWh bei
8000 Betriebsstd, 2,88 3,89 4,93
5000 » = 4,60 6,22 7,88
2500 » „9,20 12,44 15,76
1000 a de 31.10 39.40

Die Ergebnisse sind in Abb. 9 für die Ausbaugrößen 20 000
und 5000 kW zeichnerisch aufgetragen. Die Gruppe A: Herstel
lung und Betrieb im Frieden kommt heute nicht mehr in Frage
sie stellt lediglich Vergleichsmaterial dar und muß durch Gruppe C*
Herstellung im Frieden und Betrieb im Kriege ersetzt werden
Die Auftragungen zeigen, daß die im Krieg erbaute Wasserkraftanlage
 billiger Strom zu erzeugen vermag wie die im Frieden
gebaute Dampfkraftanlage.‘ Hierbei ist aber der Umstand noch
nicht berücksichtigt, daß die für Friedensverhältnisse angenommene
        <pb n="39" />
        Vergleich von Dampf- und Wasserkraftanlagen. 35

Kohlenmenge heute in der Regel nicht mehr genügt, weil jeder
Kraftwerkbesitzer sich die für seinen Betrieb wirtschaftlich gezignetste
 Kohle nicht mehr wählen kann, sondern oft mit schlechter

S
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45 MM d8d 031501

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55
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S

C+

und teuerer Kohle vorlieb nehmen muß und infolgedessen mit
zrößeren Kohlenmengen und höheren Preisen pro kWh zu rechnen
hat. Infolge dieses Umstandes verschiebt sich das Bild noch mehr
zuungunsten der Dampfkraftanlage.
        <pb n="40" />
        16

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

In obiger Zusammenstellung steckt allerdings insofern noch
ein Risiko, als der Kohlenpreis im Laufe der kommenden Jahre
sinken kann, wodurch die Dampfkraftanlagen sich wirtschaftlich
den Wasserkraftanlagen wieder nähern. Die Berücksichtigung dieses
Faktors dürfte am deutlichsten veranschaulicht werden durch Ermittlung
 jener Kohlenpreise, bei welchen sich unter sonst gleichbleibenden
 übrigen Annahmen die Energie-Erzeugungskosten für
Dampf- und Wasserkraftanlagen gleichstellen.
Es ergibt sich:
B, Herstellung und Betrieb im Krieg (Kriegsanlagen).
Dampfkraft- und Wasserkraftanlage ergeben gleich hohe Be-;riebskosten,
 wenn die Kohlenkosten im Kesselhaus pro Tonne
betragen:
Betriebsstunden 200900 kW
8000
5000
2500
1000

5000 kW
45
‘8 65
84 113
172 232

48
70
121
250

C. Herstellung im Frieden und Betrieb im Krieg (Gemischtanlagen).
 ‘
Dampfkraft- und Wasserkraftanlage ergeben gleich hohe Bebriebskosten,
 wenn die Kohlenkosten im Kesselhaus pro Tonne
betragen:
Betriebsstunden 20000 kW 5000 kW 1000 kW
8000 16 22 23
5000 23 32 ; 34
2500 41 56 58
LO000 84 114 120

d, h, eine im Frieden hergestellte Dampfkraftanlage von 20 000 kW
mußte bei 8000 Betriebsstunden die Kohle für 16 M pro t einkaufen,
um den Strom zum gleichen Preis zu erzeugen, wie eine unter
denselben Verhältnissen gebaute gleichgroße Wasserkraftanlage.
Der Kohlenpreis im Frieden ist mit 18 M pro t angenommen,
gegenwärtig mit 180 M. Nimmt man beispielsweise an, daß der
Kohlenpreis auf 84 M pro t zurückgeht, so wird eine im Krieg
hergestellte 20 000-kW-Dampfkraftanlage nur bei weniger als
2500 Betriebsstunden und eine im Frieden hergestellte Dampfkraftanlage
 nur bei weniger als 1000 Betriebsstunden den Strom billiger
herstellen können wie die gleichgroße Wasserkraftanlage.
        <pb n="41" />
        Ausnützung von: Ebbe und Flut.

37

Die Studie ist durchgeführt für mitteldeutsche Verhältnisse;
ın Süddeutschland mit ungünstiger Kohlenbeschaffung stehen die
Wasserkraftanlagen in einem noch günstigeren Verhältnis zu den
Dampfkraftanlagen.
Löhne und Materialpreise werden, wie früher angeführt, wieder
wahrscheinlich immer in einem ziemlich festen Verhältnis zueinander
 stehen. Die Folge wird sein, daß bei weiter ansteigenden
Löhnen und Kohlenpreisen die Überlegenheit der Wasterkraftanlagen
 noch zunimmt und daß daher der Ausbau von Wasserkräften
 ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und
selbst wenn diese sich noch beträchtlich ungünstiger gestalten,
mit aller Tatkraft gefördert werden muß.“
Die vorstehenden Ausführungen Klingenbergs zeigen deutlich,
 wie wichtig es ist den Ausbau unserer Wasserkräfte aufs
äußerste zu beschleunigen. Besonders aber wird in Zukunft nicht
nur ein privatwirtschaftlicher Vorteil ausschlaggebend sein dürfen,
sondern es muß die gesamte Wirtschaft in erhöhtem Maße berücksichtigt
 werden, und es muß äußerste Sparsamkeit hinsichtlich
unserer Kohlenbestände von maßgebender Bedeutung sein.
Durch weitgehendste Ausnutzung der Wasserkräfte wird sich
eine Ersparnis an Kohlen in Höhe von etwa 10 Mill, t im Jahre
erzielen lassen. Allerdings wird das erst in einer langen Reihe
von Jahren voll möglich sein, da der Ausbau der Wasserkräfte lange
Zeit und viel Geld in Anspruch nimmt.
Während wir in den Wasserkräften einen recht beachtenswerten
 Ersatz für Brennstoffe besitzen, sind die anderen Ersatzmöglichkeiten,
 die noch zu behandeln sind, demgegenüber von
geringerer Bedeutung. Durch die Ausnutzung von Ebbe und Flut
können zwar auch recht bedeutende Mengen elektrischer Arbeit
gewonnen werden, doch kann dies nur unter Aufwendung sehr
großer Kapitalien geschehen. Außerordentlich große Erdarbeiten
sind notwendig, um bei dem verhältnismäßig geringen: Unterschiede
 zwischen Ebbe und Flut an unseren Küsten eine nennenswerte
 Leistung zu erzielen. Zu beachten ist, daß diese Bauten
beständig großer Abnutzung durch die Bewegung der Wellen und
besonders aber durch die hin und wieder auftretenden 'Springluten
 ausgesetzt sind. Inwieweit Anlagen zur Ausnutzung der
Ebbe und Flut einigermaßen wirtschaftlich sich verwirklichen
lassen werden, wird noch besonders zu untersuchen sein. Aus-
        <pb n="42" />
        38 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

führbar werden sie nur an solchen Stellen der Küste sein, die schon
ron der Natur aus gewisse Erleichterungen bieten.
Nach Angaben in den „Nachrichten für Handel, Industrie
und Landwirtschaft‘ ist in Frankreich die Herstellung einer solchen
Anlage in Aussicht genommen, , die 1200—1500 Fr. Herstellungskosten
 für 1 PS bedingen soll.
Die Bewegung der Wellen ist bisher in ganz kleinen Anlagen
der Ausnutzung zugeführt worden und wird wohl auch in Zukunft
auf solche beschränkt bleiben. Eine nennenswerte Entlastung des
Verbrauches von Brennstoffen wird dadurch kaum erzielt werden
können, und diese Anlagen seien hier nur der Vollständigkeit wegen
erwähnt.

\ Leistung Eugehörig zu den
verschiedenen Windgeschwindig
keiten

A A

dm
m /schk Kind zeschw

Abb. 10. Leistung einer Windkraftanlage bei verschiedenen Wind-Geschwindigkeiten.


Etwas günstiger liegen die Verhältnisse bezüglich der Ausautzung
 der Windkraft, obgleich auch da die großen Hoffnungen, die
vielfach auf sie gesetzt werden, zunächst noch keine Aussicht auf
Erfüllung haben. Es handelt sich bei diesen Anlagen meistens
ım verhältnismäßig geringe Leistungen; schon große Windkraftanlagen
 bringen es nur auf eine Jahresarbeit von 20—35 000 kWh.
Der Wirkungsgrad det Windkraftanlage, der früher ungefähr nur
5%, betragen hat, ist schon in der letzten Zeit vor dem Kriege,
namentlich durch die Bemühungen La Cours wesentlich gesteigert
 worden, und zwar bis auf ungefähr 17° ,. Man sieht also,
daß hier noch große Möglichkeiten für Verbesserungen bestehen;
doch darf man auch nicht die Schwierigkeiten, die zu überwinden
sind, unterschätzen. Vielleicht gelingt es noch in nächster Zeit,
den Wirkungsgrad auf 30—40°%, zu erhöhen, so daß dann die
        <pb n="43" />
        Ausnützung des Windes.

30

Leistungsfähigkeit der Anlage eine beachtenswerte Steigerung er-"ahren
 würde,

Die geringe Arbeitsleistung der Windkraftanlagen ist darauf
zurückzuführen, daß nur ein Teil der Energie des Windes ausgenutzt
 werden kann. Wie weiter unten gezeigt wird, ändert sich
lie Leistung einer. Windkraftmaschine mit der*dritten Potenz der
Windgeschwindigkeit. Leider kann‘ die Leistung bei kleinen
Windgeschwindigkeiten nicht vorteilhaft ausgenutzt werden;
abenso auch nicht die bei den großen. Die Windkraftmaschine
muß infolgedessen für einen bestimmten Arbeitsbereich gebaut
werden, wie dies die Abb. 10 und 11%) zeigen.
Von Bedeutung sind schon jetzt solche windelektrischen An-.agen
 für abgelegene Güter und Gärtnereibetriebe sowie für abseits

\ Gesamte Jahresarbeit, herrührend von den
Winden der verschiedenen GESCcHWIRdIGKENEN

N

ALLLODOETNTER mein
m /sch Windgeschwe

Abb. 11. Jahresarbeit einer Windkraftanlage bei verschiedenen. Wind-Geschwindigkeiten.


jegende Ansiedlungen, Hotels, Anstalten ) usw. Ferner sind
solche Anlagen von besonderer Bedeutung für drahtlose Telezraphie,


Im Inland kann man im allgemeinen auf 4—5 m Wind
während 8 Stunden am Tag rechnen, an den Küsten auf
5—6 m.

Die Befürchtung, daß der Wind wochenlang ausbleiben könnte,
ist nicht berechtigt. Nach der Windstatistik des kgl. Meteorologischen
 Instituts in Berlin %) ist im Jahre

1) Diese sind entnommen dem Aufsatz „Die Möglichkeiten der Wind-Ausnutzung
 und ihre Bedeutung für die Energiewirtschaft von Dr. Ing.
G. Liebe, ETZ 1920, S. 501.
2) ETZ 1915, S. 178.
        <pb n="44" />
        Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Wind von 3 bis 3,9 m 1350 h,
„ 4, 49m L661'h,
; 5. 59m 1722 h,
„ 6; 69m 8 1287 h,
7 „ 79m # 868 h;
8 „ 12,0 m # 720 h,
also nutzbarer Wind jährlich vorh. 7608 h.
Eine Faustformel für die Berechnung der Leistung der Wind:
:äder ist nach Z. d. V. D. Ing. 1909, S. 358
N= Ba
1250
worin S die gesamte Flügelfläche in qm und v die Windgeschwindigkeit
 bedeutet.

[bs

Wind-Tabelle.

Windgeschwind.

in m
u. d. Sek.

4—5
56—7
8—9
10—11
12—14
1L5—16
17—19
20—23
24—28
29—33
34—38
10

Beaufort-| Windsche
 druck
Skala lauf 1 mm:

2
9

2,7 kg
5 »
8 5
13 ,,
19 ,
27
40 ,,
56 ,,
76
103 ,,
137 ,,
195 ..

6

f

I
10
u |
12

Bezeichnung

leicht &amp;gt;
mäßig
frisch
sehr frisch
stark
stürmisch
Sturm
starker Sturm
schwerer
Orkan

Äußerung

Zweige bewegen sich
Äste biegen sich
Baumkronen rauschen
Pappeln biegen sich
Zweige und Laub reißen ab
Dünne Äste brechen
Starke Äste brechen

Kiefern werden entwurzelt

&amp;gt; verheerend

Die Ausnutzung der Sonnenstrahlung dürfte für lange Zeit
noch von untergeordneter Bedeutung sein, obwohl nicht zu verkennen
 ist, daß darin eine außerordentlich große Energiequelle gegeben
 ist. .
In Kairo?!) befindet sich schon seit einigen. Jahren eine solche
Anlage mit einer Leistung von 50 PS. in Betrieb und arbeitet
sehr wirtschaftlich.
Die Ausnutzung der Erdwärme ist in Deutschland ‚bis jetzt
überhaupt noch nicht praktisch durchgeführt worden. In England

1) 309° nördlicher Breite.
        <pb n="45" />
        Erzielung höchster Wirtschaftlichkeit. 41

bringt man ihr aber in letzter Zeit großes Interesse ‘entgegen,
and es besteht die Absicht, durch Niederbringung sehr tiefer Bohr-Löcher
 der Lösung des Problems näher. zu kommen. Die Stadt
Brix (Vereinigte Staaten) !) wird durch erbohrtes warmes Wasser
beheizt, und in: der Umgegend von Larderello (Toskana) ist
von dem italienischen Großindustriellen Fürst Conti?) eine
Anlage mit drei Turbodynamos von je 3600 kW errichtet worden.
Der erzeugte Drehstrom wird: nach Voltena, Siena, Cesina,
Livorno und Florenz geleitet.
Die Gewinnung elektrischer Arbeit aus der Luft?) befindet
sich noch im Zustande des Versuches und scheidet in den nächsten
Jahren für den praktischen Gebrauch aus. Ebenso steht es mit
den kosmischen Fernkraftwerken, die Prof. E. F. W. Rasch %)
vorschlägt. Jedenfalls ist auf lange Jahre hinaus mit den eben
erwähnten Verfahren zur Krafterzeugung nicht zu rechnen und
sie seien hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Soweit nicht wie vorstehend angegeben, der Verbrauch von
Brennstoffen ganz ausgeschaltet werden kann, muß die Forderung
 aufgestellt werden, daß der zur Verwendung
kommende Brennstoff in Zukunft mit höchster Wirtschaftlichkeit
 ausgenutzt wird; d. h., daß die erzeugte
Kraft, Wärme, Licht usw. und die mit ihrer Hilfe hergestellten
 Erzeugnisse unter bester Ausnutzung hergestellt
 und verwendet werden. Diese Frage der Wirtschaftlichkeit,
 die bisher lediglich eine Frage des einzelnen
 war, muß immer mehr zu einer solchen der Gesamtheit
 werden, und es muß sich jeder daran gewöhnen,
volkswirtschaftlich in dieser Angelegenheit zu denken
und zu handeln. Gegebenenfalls wird sich ein Zwang
nicht vermeiden lassen.
Wenn man darauf angewiesen ist zu sparen; ist es von Bedeutung
 zu wissen, wofür eigentlich die Kohlen verbraucht werden.
Es mögen deswegen hier Angaben über die ungefähre Verteilung
der deutschen Kohlenerzeugung im Jahre 19135) folgen: '

')
)

Kukuk, Unsere Kohlen 1913, S. 110.
ETZ 1917, 8. 12.
Elektrizität 1920, Heft 24, S. 193.
‘; Industrie- und Handelszeitung vom 28. III 1920
;) Biedermann, Deutschlands Kohlenschätze 1916.
        <pb n="46" />
        Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Industrie .. 2.00.0000...
Verkehr. ...00.0.000000.00000.
Hausbrand . . 0. 000.0000000400040
Gas- und Elektrizitätswerke. . ...
Landwirtschaft. . . Ve
Ausfuhr... .
Es erscheint zweckmäßig, hier einige Zahlen über die bis jetzt
im allgemeinen übliche Ausnutzung der Brennstoffe bei Kesseln,
Dampfmaschinen, Dampfturbinen, Gaskraft- und. Dieselmaschinen
zu geben. Die einzelnen bekannt gewordenen Zahlen weichen
natürlich außerordentlich voneinander ab, und es .mögen in nach-‘olgender
 Aufstellung Mittelwerte verhältnismäßig guter Ausfühungen
 gegeben werden,
Den Wirkungsgrad der Kessel kann man im allgemeinen
zwischen 70%, und 80%, im Mittel zu 75%, annehmen. Daß allerdings
 auch sehr viel schlechtere Werte vorkommen, zeigt nachfolgende
 vom ‚Bayerischen Revisionsverein‘“ für das Jahr 1919
veröffentlichte Tabelle.1).

Kessel- | »
oyauart 2} Feuerung *)

2 FL

PL U.
Pl. 5.
PLi. U
PLi.
Pl... U.
PL U.

3 KL

$

n
7

Wr
Na

St.
W.R.

L.
EL.

PLA,
St

Brennstoff

(1/2 Saarnuß . . 0.0
\}/2 Koksgrieß . . ., . .j
'Oberbayer, Nuß II...
Saargrieß .°. .
Stockheimer Klaar
3 Förder .
Ossegger Nuß II...
Oberbayer. Waschgrieß

Oberschles. Ib. .
(2 Oberschles. Nuß
1 Ruhrstaub . .
L Kohle (bayer.) .
3 Lohe. 2...
Saarnuß II... .
Buchenahbfälle

Gesamtwirkungsgrad


37.5

| 55,9
| 54,9
61,2
58,8
56,0
61,0
66,2
77,4
76,2
36.9

80.6

66,7
61,6
59.5

1) Mitteilungen des Reichsbundes Deutscher Technik; 1920, Nr. 22.
2) 2 Fl = Zweiflammenrohrkessel; W. = Wasserrohrkessel; L. = Lokonobilkessel;
 Pl. i. == Planrostinnenfeuerung; PL = Planrost (Außenfeuerung);
St. = Stufenrost; W. R. = Wanderrost: A. = automatische Beschickung;
U. = Unterwind.
        <pb n="47" />
        Wärmeausnutzung bei Kesseln.

43

Bei den Einzylinder-Auspuffmaschinen wird ungefähr 7 bis
39/, der in der Kohle enthaltenen Wärmemenge in Arbeit umgesetzt.
Ungefähr 25%, gehen im Kessel verloren und ungefähr 62%,
würden für Heizung verfügbar sein. Die Tandemmaschine mit
Kondensation nutzt 11—12%, aus und ungefähr 58%, gehen. im
Kühlwasser ab. Bei großen Dampfmaschinen und Dampfturbinen
zann man im Mittel ungefähr 13%, nutzbare Arbeit aus der Kohle
zewinnen. 25%, beträgt der Kesselverlust und ungefähr 58°

vH.
DO —

N

X

80

Bilanz der Dampf Kraffanlagen

5 Vohts ze der der] Damp raum
f Hes se/veh/uste)

m —

7

50 —

MP ji Sn =
Licht in ge Ärbeit
umSe/äbare Energie

OO

zo

2,
2

te in HraR ek
Verfukte in d, Araftmaschrne

a GEAR hm me — |
7 Meche . Arbeit umgesehzte Hirme|
nf
00 300 400 500 600 700 BOO PS
Leistung der Anlage
Abb. 12. Wärmeausnutzung des Brennstoffes bei Dampfkraftanlagen.

gehen im Kühlwasser ab, Nach der Angabe der Firma Ehrhard
ind Sehmer wird bei Gas- und Dieselmaschinen die in der Kohle
aufgewendete Wärmemenge etwa wie folgt verbraucht:
Prozent
20,5 eff, Arbeit
27 Auspuff
30 Kühlwasser
26,8 eff, Arbeit
30 Auspuff
38,2 Kühlwasser
28,6 eff, Arbeit:
39,4 Auspuff
29,5 Kühlwasser
        <pb n="48" />
        Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Dieselmotoren . , ...,

Prozent
( 34 eff. Arbeit
| 25 Auspuff
33 Kühlwasser

Man ersieht aus. diesen Zahlen, daß durch die Ausnutzung der
im Kühlwasser und .im Auspuff enthaltenen Wärmemengen sich
große Ersparnisse an Brennmaterial erzielen lassen.
Die Abb. 12—15, die dem Buche „Neuere Kraftanlagen‘ von
E. Josse entnommen sind, zeigen die Einzelverluste für Anlagen
verschiedener Größe, und zwar für Dampfkraft-, Sauggas- und
Dieselmotor.

HH

SNanz der Savuggasanlagen

(X

&amp;amp;

Veuste a GES en
"Ganeraterverhiste)

|

acht in Aechanlische Hrsg
unnsettbare Energie

Verluste in der Hräftmakchind

“nl: Ab Arbeit Ubmgeskrzte Hirmd

700 00 300 400 S00 600 700 800 LS

Leistung der Anlaqe

Abb. 13. Wärmeausnutzung des Brennstoffes bei Sauggasanlagen.

Über die gesamte bei den verschiedenen Kraftmaschinen
ausnutzbare Abwärme gibt die Abb, 16 sehr klaren Aufschluß,
Sie entstammt den „Richtlinien für die Erzielung sparsamer
Brennstoffwirtschaft bei Dampfkraftanlagen‘‘ der Hauptstelle für
Wärmewirtschaft 11.

*) Darüber siehe auch Monatsblätter des Berliner Bezirksvereins deutscher
ingenieure, H. Heilmann, 1918. S. 41
        <pb n="49" />
        Wärmeausnutzung bei Kraftanlagen.

Bilanz der DIeselmoloranlagen

MA
OD

CL

fi
—
a
|

Alcht Ar mechanische Arheit Lmskrzehre
‘ 1 Ebert

AT

Verkusre nn I Aha bat

a

4 &amp;gt; POS HUNDE Wdrme)|

a ——— .

NN
&amp;gt; 40: 50 60 70 80 90 H00 PS
Leistung pro Gylinder

Abb. 14. Wärmeausnutzung bei Dieselmotoranlagen.

235 —

s
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s|S 30
SD
5
N!
5

1
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025
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0 75}

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Dheselmofor

DEUGGISANBGE ‘

„ftahläg®__

070}

y
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OO?

lt)
700 200 I0O0O +00 TOO HM
BO on 0 KL
700 200 300 #00 300 600 700 PS
* . x 7 . .
Abb. 15, Ausnutzung des Brennstoffes bei verschiedenen Kraftmaschinen:
        <pb n="50" />
        Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

PDOD

5908|

&amp;amp; sl

OD

PO —

X
S

GO000

ll

ZZ MECHANISCHE Arbeit umgewandele Wärme.
wen Durch Maschleenreibung verlrene Wärme. (mech Wickungsgrad}
KESSCHEFNUST AUCH LEHUNG, Srablung, UNVOÖHRONITENE VErbrenme
nung bei Dampfinaschinen Verlust durch! Aa, Shrahlung, Serub-DErWaSSEr
 des GENEPTONS, bezw. Luf fourpenarb. bein Dieselmotor:
m IT ET BESSCHÖGASEN, ÖEZW. AUSOUÄZASEN ENTKANENE MICH! AUZGE
HLTZTE Härte davon bei DIESel- und Sauggasmaschinen bei AbKüh=»
Lurg der Auspäfßpase auf 7580°C rd Ef? ausmazbar:
Ce TNUIZ-PS' ir Abdampgs bei Saugqgas u LIESCHTIASCHIMEN ir
NK RSSEN, ENÜTÄFENTE ZU WEGE AUSTHTEUNG VELTÜRORFE Wärme.

I= Heißdampf - Einzylinder - Auspuffmaschine. — NM= Heißdampf - Verbund - Auspuff
maschine, — III = Heißdampf-Verbund-Kondensationsmaschine ohne Abgasvorwärmer
= IV = Heißdampf-Verbund-Kondensationsmaschine mit Abgasvorwärmer. — V = Saug
gasmaschine. — VI = Dieselmaschine.

Abb. 16. Verteilung der für eine Nutzpferdestärke aufzuwendenden Brennstoffwärme.


Nach Josse!) beträgt der thermische Wirkungsgrad im
Jahresdurchschnitt ungefähr

') Neuere Kraftanlagen, 1911, S. 98——111.
        <pb n="51" />
        Wärmeausnutzung bei Kraftwerken.

bei Kolbenmaschinen . . . +1 — 8,6%
‚ Lokomobilen ....-. 1,5— 7,6%
Kleindampfturbinen . . 8. — 9 %
Großen Kolbenmaschinen 5,5— 11,6%
Großen Dampfturbinen 6,2—12,3%%
Saugkraftanlagen . .. 0.0.0.0. + + 7,8—21,2%
Groß-Gasmaschinenanlagen (Hochofengas) rd, 21,4°/,
Dieselmaschinenanlagen . ‚ . 25 —32,3%

In meinem Aufsatz ‚Die wirtschaftliche Bedeutung. der Elektrizitätswerke
 Deutschlands‘ 1) habe ich Unterlagen über die
Wärmeausnutzung von Elektrizitätswerken auf Grund der Statistik
 der Vereinigung der Elektrizitätswerke vom Jahre 1906 bzw.
1907 bekannt gegeben. Danach berechnet sich der Wärmewirkungszrad
 für die verschiedenen ‚Betriebsarten und Größen von Werken
wie folet:

kW
500.
750
i 400
3 000

KW
80
200
100.

Dampfbetrieb ;
Wirkungsgrad %/5
4,2
5,3
5,6
6.9

Gasbetrieb
Wirkungsgrad®/,
. 8,6
9,4
12.9

Ganz ähnliche Zahlen sind in einer neueren Veröffentlichung
über Kohlenverbrauchszahlen für Elektrizitätswerke?) der Versinigten
 Staaten von Amerika und von Kanada bekannt geworden,
Danach ergaben sich folgende Werte:

kW
650
2 980
7230
24 600
96 000
149 000
Mittelwert 46 340

Wirkungsgrad */,

45
6,2
7,0
6,6
1921

\) Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen, 1910, Heft 14/17.
2) ETZ 1919, S. 193.
        <pb n="52" />
        Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Demnach beträgt die Ausnutzung im Jahresdurchschnitt
bei kleinen Werken ungefähr 4—6%., bei mittleren Werken ungefähr
 6—9°%, und bei größeren ungefähr 12—14%.
Ferner ist nach Siegel die Ausnutzung für die verschiedenen
Brennstoffe ungefähr wie folgt: bei Kohle 8%, Koks 19%. Leuchtgas
 20%, Treiböl 25%.
Für die Wärmeaüsnutzung bei verschiedenen Kohlensorten sind
Erfahrungszahlen während des Krieges durch die HElektrizitäts-Wirtschafts-Stelle
 gesammelt worden. Danach ergeben sich bei
verschiedenen Kohlensorten folgende Angaben über den spezifischen
Kohlenverbrauch und den Wirkungsgrad.

Art der Kohle
Wärmeeinheiten

6500-—7500
53500—-6500
1500—5500
3500—4500
2500—3500
L800— 92500

) 1
Werke { Im. Mittel Im’ Mittel
kg/kWh | Wirkungsgrad

d2
2
&amp;gt;q
F
| 7
In

1.18
1,34
1,7
2,5
3,5
57

10,5
10,8
10,2
8,6
8,3
71

Aus diesen Zahlen. ersieht man, welche bedeutende Mengen
von Brennstoff gespart werden können, wenn die Elektrizitätswerke
 es ermöglichen können, die Abfallwärme auszunutzen.
Die Frage der direkten Erzeugung von Arbeit aus Kohle, unter
Umgehung des Verbrennungsprozesses ist noch nicht der Lösung
30 weit zugeführt, daß es möglich‘ ist, darüber zu entscheiden,
wie weit eine praktische Anwendung in nächster Zeit in Aussicht
steht. . Selbst über die Vergasung der Brennstoffe liegen noch
wenig Erfahrungen vor und die dazu dienenden Verfahren be-Finden
 sich zum Teil noch im Stadium der Entwicklung.
Wie Caro?) richtig ausführt, ist es in einer großen Anzahl von
Fällen wirtschaftlicher und brennstoffsparend, wenn der Heizstoff
 ohne Verkokung und ohne Gewinnung von Nebenprodukten
unmittelbar verbrannt wird. Es ist jedenfalls nicht richtig, allzemein
 von den wirtschaftlichen Vorteilen der Vergasung von
Nebenprodukten zu sprechen, sondern es kann nur von Fall zu
Fall entschieden werden, ob solche Vorteile vorliegen oder nicht.

) Die rationelle Ausnutzung der Kohle, €. Heymanns Verlag. Berlin 1918.
        <pb n="53" />
        Vergasung der Brennstoffe.

40

Soweit Verkokbarkeit des Brennstoffes besteht, ist es nach
Caro in vielen Fällen zweckmäßiger, statt der Vergasung nur
die Entgasung auszuführen.'
 Es ergibt sich dann
zwar ein Wärmeverlust von
10—15%,, aber es wird
die übrige Wärmemenge
in einer zweckmäßigen
Form, nämlich als transportabler
 Koks und ein
hochwertiges Gas’ gewonnen.


Auch Klingenberg?)
nat gezeigt, daß der
Kohlenverbrauch . ‚von
großen Kraftwerken mit
Dampfturbinen ohne Nebenproduktenanlage
 geeinger
 ist, als bei Anlagen
mit Nebenproduktengewinnung,
 und zwar sowohl
für Verwendung von Gasmaschinen
 wie für Dampfturbinen.
 Abb. 17 zeigt
den —verhältnismäßigen
Kohlenverbrauch der drei
Betriebsarten für die Belastungen,
 wie sie dem
heutigen mittleren Beiastungsfaktor
 von Elektrizitätswerken
 entsprechen,
 wobei der Kohlenverbrauch
 der Dampfturbine
 ohne Nebenproduktenanlage gleich 1 gesetzt ist.. Auch
Klingenberg kommt zu dem Resultat, daß die immer ‚wieder
vorgebrachte Behauptung, die unmittelbare Verfeuerung der Kohle
unter Verzicht auf Gewinnung von Nehenprodukten stelle eine

') Die rationelle Ausnutzung der Kohle. C. Heymanns Verlag, Berlin 1918
and Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure 1918. S, 1.

Dettmar, Beseitigung der Kohlennot.
        <pb n="54" />
        50 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

ungeheure Verschwendung von Brennstoff und von nationalem
Vermögen dar, nicht richtig sei... Er sagt, daß zwar die in der
Kohle enthaltenen Stoffe vernichtet werden, dem aber eine fühlbare
 Schonung unserer Kohlenvorräte gegenübersteht.
Über die Kosten der Dampfturbinen-Werke mit und ohne
Nebenproduktengewinnung und über Gasmaschinenwerke macht
Klingenberg folgende Zusammenstellung :

Es betragen die Anlagekosten in
Mill. M.:
für Maschinen- und Kesselanlage
für Anlage zur Erzeugung vor
Zusatzdampf, Generatoren,
Nebenproduktengewinnung .
Gesamte Anlavekosten

Dampfturbinenwerk :
ohne | mit
Nebenproduktengewinnung

Gas- Y
maschinenwerk


A

RB

C

22.5

21.9

392.4

Il 15,2
292.5 | 46.2 476

Die Anlagekosten sind für B und C also annähernd gleich
and rund doppelt so groß wie für A.
Über die Aussichten für Kraftwerke gibt Klingenberg nachstehende
 Zusammenstellung: ;
1. Nebenproduktanlagen in Kraftwerken sind unwirtschaftlich.
wenn der Belastungsfaktor unter 60%, sinkt.
2, Die Aussichten werden desto geringer, je kleiner das Kraftwerk
 ist... Bis herunter zu einer Spitzenleistung von 50000. kW
können die Rechnungen noch als zutreffend angesehen werden,
Liegt die Spitze wesentlich tiefer, so muß. der Belastungsfaktor
entsprechend höher sein, wenn dieselbe Wirtschaftlichkeit wie in
einem größeren Werk erreicht werden soll,
‚3. Würde man die Belastung eines Kraftwerkes so teilen, daß
auf die Nebenproduktenanlage der durchlaufende Teil entfällt
(etwa durch Verbindung einer Gasmaschinenanlage mit Nebengewinnung
 und einer Dampfturbinenanlage), so würde die verhältnismäßig
 kleine Leistung der Nebenproduktenanlage und die Verschlechterung
 des Belastungsfaktors des Dampfturbinenteiles die
yzejamten Betriebskosten in der Regel ungünstig beeinflussen.
        <pb n="55" />
        Nebenproduktengewinnung.

'51

4. Kinzelkraftanlagen sind hiernach für die Gewinnung von
Nebenprodukten selten geeignet. Eine Ausnahme machen elektroshemische
 und ähnliche Betriebe mit gleichmäßig durchlaufender
Belastung. Auch bei diesen hängt der Erfolg von einer vorsichtigen
 Prüfung des wirtschaftlichen Wagnisses ab. Gute Ausbeute;
ausreichender Preis der Nebenprodukte und mäßiger Kohlenpreis
sind unerläßliche Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit. ;
5. Die Kohlensteuer schränkt die wirtschaftliche Gewinnung
der Nebenprodukte merklich ein, Transporte über größere Entfernungen
 machen sie in der Regel unmöglich. ;
6. Braunkohlenanlagen sind in Fällen guter Teerausbeute in
der Regel günstiger als Steinkohlenanlagen. Seit einiger Zeit
sind Bestrebungen im Gange, die Beschaffenheit des Generatorteeres
zu verbessern und ihn den sog. Temperaturteeren zu nähern *).
Sie beruhem im wesentlichen darauf, daß die Entgasungsprodukte
durch geeignete Maßnahmen der Hitze der Glutschicht entzogen
und für sich aus dem Generator abgeführt werden, um zu verhindern,
 daß sich die primären Destillationsprodukte pyrogen ersetzen.
 Sollten diese Bestrebungen auch im praktischen Großbetrieb-
 Erfolg haben, so ist die Gewinnung hochviskoser Öle
(Schmieröle) und eine Wertsteigerung des Generatorteeres zu
erwarten. Für manche Braunkohlen mit niedrigem: Stickstoffgehalt
 und hohem Teergehalt kann es vorteilhafter sein, auf die
Gewinnung des Ammoniaks ganz zu verzichten. ;
7. In diesem Zusammenhange gewinnt die von mir empfohlene
Verkupplung von Großkraftwerken erhöhte Bedeutung. Bei
diesen wird man auf den auf der Grube belegenen mit niedrigeren
Kohlenpreisen arbeitenden Werken die durchlaufende Belastung
ohnehin zuweisen. Es ist dann ein Wert des Belastungsfaktors
von mehr als 60%, durchaus erreichbar. Die dadurch entstehende
Betriebsverteuerung der übrigen Kraftwerke kann durch Schichtenxusfall
 zum Teil ausgeglichen werden. Die nicht auf Gruben belegenen
 Kraftwerke werden soweit als möglich des Nachts stillzesetzt.

Bezüglich der Verwendung der Nebenproduktengewinnung für
KEinzelanlagen kommt Klingen berg zu dem Ergebnis, daß kleinere
Anlagen — das sind ja bei weitem die meisten — für die Neben-Droduktengewinnung
 nicht in Betracht kommen. Von den erößeren

1) Fischer, Stahl und Eisen 1917. &amp;amp;. 346.
        <pb n="56" />
        52 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Anlagen scheiden aber alle diejenigen noch aus, deren Belastungsfaktor
 unter 60%, liegt, so daß für die Nebenproduktengewinnung
nur eine verhältnismäßig geringe Zahl großer Kraftwerke besonders
 solche für chemische Fabriken in Frage kommen
Neuerdings stellt Klingenberg!) das Ergebnis seiner gründlichen
 Untersuchungen über: die Wirtschaftlichkeit von Vergasungsanlagen
 wie folgt zusammen:
1. Gasgeneratorenbetrieb für Kraftzwecke läßt sich wirtschaftüch
 ‚nur. rechtfertigen, wenn Gewähr dafür geboten ist, daß die
Belastung eine sehr gleichmäßige ist.
2, Der Gasgeneratorbetrieb stellt sowohl technisch wie finanziell
sine wesentliche Komplikation der Anlage dar. Zu Friedenspreisen
gerechnet, wachsen die Anlagekosten für . Dampfturbinenanlagen
und für Kolbengasmaschinenanlagen auf mehr als das Doppelte
der reinen Turbinenkraftwerke an. Die geringe Leistung des einzelnen
 Generators. zwingt zur Aufstellung einer. sehr großen Anzahl
 von Einheiten, die Kohlenhandhabung und die Bedienung
dieser erfordert wesentlich mehr Arbeitskräfte als die reinen Dampfkraftwerke..
 Der: mögliche Gewinn für das zusätzliche Anlagekapital
 ist unter den günstigsten Voraussetzungen selbst rechnerisch
aur ein ‚sehr mäßiger, ;
3. Steht nicht sehr gleichmäßiger .und gleichkörniger Brennstoff
 zur Verfügung, so verursacht die Vorbehandlung des Brennstoffes
 beträchtliche Arbeit und Kosten.
Es kann keinem‘ Zweifel unterliegen, daß die Nebenproduktenzewinnung
 einem Mehrverbrauch an Kohle entspricht, wofür aber
die so außerordentlich wertvollen Nebenprodukte gewonnen werden,
deren Wert weit höher ist als der Mehrverbrauch an Kohle. Es
ist auch als sicher anzunehmen, daß die Nebenproduktengewinnung
in. einer Anzahl von Jahren eine außerordentliche Bedeutung
gewinnen wird. und daß die Vergasung der Brennstoffe in Zukunft
eine der zweckmäßigsten‘ Verwendungen der Kohle darstellen wird.
Die Verfahren und die Apparate sind aber noch so unentwickelt,
daß von einer allgemeinen Anwendung der Vergasung für die
nächsten Jahre noch nicht gesprochen werden kann. Dagegen
wird in einzelnen‘ Fällen schon jetzt die Vergasung unter Nebenproduktengewinnung
 von außerordentlicher Bedeutung sein und
angestreht werden müssen. Bis die Verfahren zur Nebenprodukten-‘)

 ETZ 1920, S. 609 und E. u. M, 1920. S. 339.
        <pb n="57" />
        Gasturbine.

53

zewinnung die für die Ausnutzung des gewonnenen Gases der
Öle usw. notwendigen Maschinen nämlich die Gasturbine 1) und
die Ölturbine‘ erprobt und durchgebildet sein werden, dürften

Abb. 18. 1000 PS Holzwart-Gasturbine gebaut von Thyssen &amp;amp; Co.

noch eine Reihe von Jahren vergehen, in denen es hoffentlich
gelingt, die schlimmste Periode der‘ Kohlenknappheit zu überwinden,
 so daß es dann auch möglich sein wird, unter Aufwendung
einer größeren Kohlenmenge die so wertvollen Stoffe zu gewinnen.

1) Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1920, 8. '197.
        <pb n="58" />
        ZA

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Abb. 18 stellt eine 1000 PS Holzwart-Gasturbine !), die
von Thyssen &amp;amp; Co. gebaut worden ist, dar und Abb, 19 eine projektierte
 12000 kW. Gasturbine. In Abb. 20 ist eine 3300 kW
Gasturbine im Grundriß dargestellt und daneben zwei Stück
3300 kW Dampfturbinen. Diese Anlage ist für die Eisenbahnverwaltung
 bestimmt. Die Abb. 21 dagegen zeigt Ansicht und Grund--iß
 einer im Bau befindlichen: 500 PS.-Ölturbine ?), gekuppelt
nit Gleichstromdynamo

af

=
Fk)
_ Em
Abb. 19. Projektierte 12 000 KW-Gasturbine.

wo

—

Nach Klingenberg?) sind für Vergasungsanlagen die Bestrebungen
 der Humphrey-Wasserkolbenmaschine in Verbindung
mit einer Wasserturbine als aussichtsvoll zu bezeichnen.
Besonders wichtig ist es, sobald die nötigen Einrichtungen zur
Verfügung stehen, die vorhandenen minderwertigen Brennstoffe
 durch Vergasung auszunützen, da diese Verwendung in
vielen Fällen wohl die zweckmäßigste sein dürfte. Sehr richtig
hat Trenkler*) gelegentlich des Kursus über Wärmewirtschaft
in Berlin hervorgehoben, daß leider in den Revieren, in denen
minderwertige Brennstoffe vorhanden sind, meistens auch gute

‘) Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1920, S. 197.
°) Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1920, S. 201.
;) ETZ 1920, S. 609 und E. u. M, 1920, S. 340.
tl) Sparsame Wärmewirtschaft, Heft 1. S. 59.
        <pb n="59" />
        Ölturbine.

55

zur Verfügung stehen. Der Betriebsingenieur ist dann aber schwer
dazu zu bekommen, sich mit dem schlechten Zeug herumzuschlagen

x

a y
a

5,

&amp;amp;
SS &amp;amp;
X

OO

7,

UN

Abb. 20. 3300 kW. Gasturbine im Vergleich mit gleich großer Dampfturbine.

Im Interesse der wirtschaftlichen Verwertung der Brennstoffe ist
es. aber notwendig, daß die Vergasung dieser minderwertigen
        <pb n="60" />
        56. Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Brennstoffe mit allen Kräften gefördert wird. Es muß. immer
wieder hervorgehoben werden, daß bei der Brennstoffwirtschaft
nicht mehr die Interessen des einzelnen; sondern die der ganzen
Nation berücksichtigt werden müssen. .
Bei der Forderung höchster Wirtschaftlichkeit in der Ausnutzung
 der Brennstoffe liegt‘ natürlich die Forderung nach Erhöhung
 des Wirkungsgrades der Heizungsanlagen besonders nahe.
Zeigen doch die Herde für Koch- und Heizzwecke vielfach eine

LIE

HR
Abb. 21. 500 PS.- Ölturbine.

recht schlechte Ausnutzung. Wie Dr. Brabb6e!) nachgewiesen
hat, gibt es im Handel Herde, die mitunter nur bis zu 8%, Wirkungsgrad
 haben und eine große Reihe der in der Benutzung befindlichen
Herde werden “nicht sehr viel größere Wirkungsgrade erreichen.
Auch’ die Gasherde lassen oft viel zu wünschen übrig.
Eine Ersparnis im Hausbrand läßt sich durch erhöhte Verwendung
 der Grude erreichen und durch weitere Einführung der
Kochkiste. Während des Krieges ist durch den Kohlenmangel
hier schon. ein ansehnlicher Erfolg erzielt worden.

') Deutschlands zukünftige Kohlenwirtschaft, 1918, S. 11. Julius Springer,
        <pb n="61" />
        Hausbrand,

Jr

Etwas besser liegen die Verhältnisse bei den Zentralheizungen.
Im allgemeinen richteten sich bisher allerdings hier die Bestrebungen
zur Verbesserung hauptsächlich auf den Bau und die Ausführung
der Anlagen und erst in zweiter Linie auf den sparsamen Betrieb.
Es ist aber nicht nur notwendig, die Anlagen praktisch für den
Gebrauch. und preiswert in der Herstellung zu machen, sondern
es ist ganz besonders wesentlich, sie wirtschaftlich hinsichtlich
des Brennstoffverbrauches auszugestalten. Nach Brabbee sind
hierzu folgende wirksame Maßnahmen zu beachten:
1. wärmedichte Bauausführung der Gebäude;
2. Vermeidung undichter Stellen, insbesondere an Fenstern
und Türen;
3. Vermeidung einfacher Glasflächen;
4. richtige und rechtzeitige Beschaffung des Brennstoffes und
zweckmäßige Einlagerung desselben;
5. stärkere Berücksichtigung der mittleren Wintertemperatur
statt der tiefsten Außentemperatur; ,
6.. Anwendung von Kesseln, die auch bei geringer Belastung
mit hohem Nutzwert arbeiten;
7. Vermeidung zu großer Rostflächeri;
8. richtige Unterteilung der Kesselanlage derart, daß ein in
sich geschlossener Teil auch bei milden Außentemperaturen
mit günstigem Wirkungsgrad arbeitet;
gewissenhafte und öftere Reinigung der Kesselzüge und
des Rostes; ;
10. rechtzeitige Einführung des Dauerbetriebes; ; ;
11. Verwendung geringsten Luftüberschusses;
12. einwandfreie Beschickung des VWeuers;
13. Wiederverwendung des nach dem Aschfall gelangten Brennstoffes;

L4. Auffindung von Grundrißlösungen, die hinsichtlich geringer
Anlage- und niedrigster Betriebskosten vorteilhaft erscheinen;

15. Einschränkung der Wärmeverluste aller Anlageteile;
16. Vermeidung vorzeitigen Heizens im Herbst und rechtzeitige
 Außerbetriebsetzung der Anlage im Frühling;
17. Einhaltung mäßiger Raumtemperaturen, wobei für ‚Wohnräume:
 im allgemeinen. 18° C angenommen werden kann;
18, Beschränkung der Zimmerlüftung auf ausreichende Menge
und Zeit:
        <pb n="62" />
        ‚8

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Anwendung von Lüftungsanlagen insbesondere maschineller
Betriebe nur dort, wo sie unbedingt wichtig sind, wie z. B.
in Schulen, Versammlungsräumen, Theatern, Fabriken usw. ;
20. Prüfung der Bläser hinsichtlich ihres Wirkungsgrades;
21. Ausführung aller Luftleitungen und insbesondere aller Einzelwiderstände
 derart, daß geringste Betriebskosten erreicht
 werden;
Lüftung der Räume in solcher Weise, daß kleinste Luft-Mengen
 ausreichen;
23. einwandfreie Betriebsführung und sorgfältige Überwachung
der Anlage; .
24. Einführung billiger Wassermesser für Küchen und Bäder:
25. Ausführung der Warmwasserversorgung derart, daß sofort
nach dem Zapfen heißes Wasser austritt, und daß das
Weglaufenlassen ungenügend erwärmten Wassers unmöglich
 gemacht wird.
26. öftere Nachprüfung der verfeuerten Brennstoffmengen in
Abhängigkeit von der Außentemperatur;
27. Belehrung der Heizer.
Nach Ansicht Brabbees können beim Hausbrand Verbessesungen
 von rd. 25—80%, erreicht werden. Da hierfür in Zukunft
rd. 15 Mill. £ benötigt werden so ergibt sich durch diese Verbesserung
 die Möglichkeit ungefähr 4 Mill, t jährlich zu sparen.
Noch viel größere Kohlenmengen können aber gespart werden,
wenn die Heizungsanlagen mit Kraftanlagen in der richtigen
Weise vereinigt werden. Nach Josse!) sind unsere heutigen Heizungsanlagen
 (große Zentralheizungen von Häuserblocks) wärmetechnisch
 unvollkommen. Die Verbrennungsgase von 1200-—1400%
geben ihre Wärme an Dampf von 105° oder an.Wasser von 80° ab.
Sie werden dabei sehr schlecht ausgenutzt, da das hohe Temperaturgefälle
 sie zur Leistung mechanischer Arbeit befähigt, auf
deren Gewinnung einfach verzichtet wird. Ähnlich liegen die Verhältnisse
 bei den Feuerungsanlagen für die Industrie. Wenn diese
auch technisch zum Teil etwas mehr vervollkommnetsind so werden
doch noch viele Fälle anzutreffen sein wo große Verbesserungen
möglich sind. Ganz besonders aber wird die weitgehendste Abwärmeverwertung
 eine der wichtigsten Quellen der Brennstoff.

1) Sparsame Wärmewirtschaft, Heft 1, S. 9 Mittel und Wege zur besseren
Ausnutzung unserer Brennstoffe
        <pb n="63" />
        AT

&amp;gt;
&amp;gt;.

7

x

A

Industrielle Heizungen.

59

arsparnis erschließen. Durch richtige Zusammenfassung
von Kraft- und Wärmewirtschaft können sowohl in der
Industrie, bei der Beheizung sowie bei der Gas- und
Elektrizitätserzeugung große Kohlenmengen gespart
werden. Nach Heilmann 1?) liegt in der Industrie die möglichst
weitgehende Ausnutzung der Brennstoffwärme für Krafterzeugung
ınd Fabrikationszwecke sowohl im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit
 des einzelnen Unternehmens als auch im Interesse der Gesamtheit.
 Diesen Anforderungen ist deshalb noch nicht genügend entsprochen,
 weil die Vorteile der Zusammenfassung der Kraft- und
Wärmewirtschaft und die Fortschritte der Wärmetechnik nicht
allen Fabrikleitern genügend bekannt sind. Über die Größe des
vorhandenen Wärmebedarfes bzw. der vorhandenen Abfallwärme
herrscht vielfach aus Mangel ausreichender statistischer Unterlagen
Unklarheit.
Es seien hier nur einige wenige Beispiele für Ersparnismöglichkeiten
 angeführt. Nach Prof. Tafel?) kann bei einer Martinstahlarzeugung
 von 4 Mill. t aus der Abhitze der Martinöfen eine Wärmemenge
 gewonnen werden, die der Ersparnis von 200 000 t Steinkohle
 entspricht. Nach Prof. E. Josse®) ist. beabsichtigt die
Brüdendämpfe der Brikettfabriken zur Kraftgewinnung in Niederdruckdampfturbinen
 nutzbar zu machen. Auch die in der Hochofenschlacke
 enthaltene Wärmemenge kann ausgenutzt werden.
Unserer Friedens-Roheisenerzeugung von 19 Mill. t hat einer
Schlackenmenge von 19—28 Mill. t entsprochen, aus der jährlich
300—500 Mill. kWh gewonnen werden könnten. Die Roheisenerzeugung
 wird allerdings in Zukunft infolge des Friedensvertrages
 bedeutend zurückgehen, doch werden immer noch
beträchtliche Mengen elektrischer Arbeit aus der Schlacke herausgeholt
 werden können. Nach Gerbel*) haben selbst moderne
mit Halbgasfeuerung versehene Öfen für Walzwerke nur eine
Wärmeausnutzung von 15—20%,; Glühöfen in Preß- und Hammerwerken
 nur einen Nutzeffekt von 8—10 %,. Die Verwertung der
Abfallwärme kann durch Abhitzekessel. durch Vorerwärmung des

1) Monatsblätter des Berliner Bezirksvereins Deutscher Ingenieure, 1918.
Heft 5, S. 39.
2) Stahl und Eisen vom 23. 10. 1919.
3) Sparsame Wärmewirtschaft, Heft 1, S, 15.
4) Kraft und Wärmewirtschaft in der Industrie. S. 31, Berlin, Julius
Springer, 1918.
        <pb n="64" />
        50 ” Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Einsatzes und durch Vorerwärmung der Verbrennungsluft vor sich
gehen.
Nach Dr, Ing. E. Reutlinger!) können bei Siemens-Martin-Öfen
 über 450. kg hochüberhitzter Dampf für die Tonne Stahl
als Abfallerzeugnis gewonnen werden.
In den Oberschlesischen Zinkhütten betragen nach seiner Angabe
 bei nur etwa 20%, Ausnutzung der Abgasewärme die
erreichbaren Ersparnisse 800 000 t Kohle im Jahre.
Auch bei den Gasanstalten gehen durch die mit hoher Temperatur
  weggehenden. Abgase sehr beträchtliche Wärmemengen
verloren.

Daß aber auch oft ganz unnötigerweise Wärme verbraucht
wird, hat Dr. Ing. E. Reutlin ger?) an einem interessanten Falle
gezeigt. Er gibt an, daß in der keramischen Industrie mit überwiegend
 unvollkommener Verbrennung auch bei Betriebsvorgängen,
 wo dies unnötig ist, gearbeitet wird. Bei den bekannten
Kanalisations-Ton-Rohren wird ein tiefbrauner Hochglanz dadurch
erzeugt, daß ständig mit qualmender Flamme und großem CO-Gehalt
 der Abgase gearbeitet wird. Da nun 1%, CO-Gehalt bekanntlich
 6%, Kohlenmehraufwand gegenüber vollkommener Verbrennung
bedeutet, so ergibt sich, daß man nur dem Farbcharakter zuliebe
Kohlen verschwendet. Dabei muß man aber berücksichtigen, daß
die Tonrohre in die Erde gelegt werden und nach Verarbeitung
gar nicht mehr sichtbar sind.
Zur weitgehendsten Ausnutzung der Brennstoffe ist es notwendig
 einmal möglichst allen für Heiz-, Koch- und ähnliche
Zwecke verbrauchten Dampf vorher zur Krafterzeugung auszunutzen,
 das andere Mal bei der Krafterzeugung die abfallende
Wärme für Heizzwecke zu verwenden. Das ist aber nur durchführbar
 bei einer einheitlichen und großzügigen Kraft- und Wärmewirtschaft,
 bei der der ‚„Wärmeingenieur‘. den vollen Einfluß
erhalten muß. Nach Schultze®) müssen Kraftwerk und Heizwerk
 eine thermische Einheit von höchstem Gesamtwirkungsgrad
bilden.

Es sei aber hier auch gleich darauf hingewiesen, daß bei der
praktischen Ausführung dieser Aufgaben viel Schwierigkeiten zu

*) Kölner technische Blätter 1920, Heft 3, S. 13,
?) Kölner, technische Blätter 1920, Heft 3, S. 8,
*) Sparsame Wärmewirtschaft. Heft 4, S. 27.
        <pb n="65" />
        Vorbenutzung von Heizdampf,

61

überwinden sind, und daß vielfach ganz neue Wege bezüglich des
Zusammenarbeitens verschiedenartiger Anlagen zu begehen sind.
Die Abfallenergie kann vielfach zweckmäßig nur in der Weise Verwendung
 finden, daß sie in vorhandene Elektrizitätsnetze hineingepumpt
 wird. Daraus ergeben sich aber für die Betriebsführung
off recht große Schwierigkeiten, und es wird nicht immer möglich
sein, mit Rücksicht auf die Betriebssicherheit alle Wünsche be-Friedigen
 zu können. Andererseits werden aber auch die Elektrizitätswerke
 in Zukunft dieser Frage weitgehendstes Interesse entgegenbringen
 müssen. Es sei hier auch auf die Ausführungen
von Steinmetz?) und von C. M. Garland ?) über die Verhältnisse
n Amerika hingewiesen
Dr. Ing. Reutlinger hat in seinem Vortrage ?) über „Wärmewirtschaft
 der Städte‘‘ die Aufgaben wie folgt gekennzeichnet:
1. Abfallkraft — gewonnen aus der Vorstufe zu Heizdampf
oder aus der Nachstufe von Abhitze und Abgas — ist innerhalb der
Werke weitgehend an Stelle eigener Krafterzeugung oder an Stelle
von Strombezug aus Zentralen ohne Abwärmeverwertung zu setzen.
Die Überschußenergie ist an anzugliedernde oder örtlich günstig
gelegene Kraftbetriebe abzugeben oder an die elektrischen Netze
der Elektrizitätswerke und Überlandzentralen, die großzügig gekuppelt,
 durch die Aufnahme billiger Abfallkraft imstande sind,
mit erheblich geringeren Eigenkohlenverbrauch Industrie, Landwirtschaft
 und Städte zu versorgen... Die ohne Kohlenaufwand
in die Netze gespeiste Abfallenergie bringt bei umfassender Durchführung
 und günstigem Spitzenausgleich Millionen Tonnen Kohle
in Wegfall, die jetzt für Kraftzwecke verbrannt werden. Darüber
hinaus erleichtert sie möglicherweise auch die KElektrisierung der
Bahnen, die Ansiedlung von Industrie auf dem flachen Lande und
kann schließlich elektrisches Kochen und Heizen in dem Bereich
der .Wirtschaftlichkeit ziehen.
2. Abfallwärme‘ aus Maschinen und Feuerungen ist — unter
Anpassung der Heizvorrichtungen — an Stelle von Frischdampf
weitgehendst zu verwenden. Frischdampf für Heizung ist kohlenwirtschaftlicher
 Frevel! Überschußwärme ist möglichst zu speichern
and durch Fernleitung in Heißwasser- oder Dampfform benach-1)

 ETZ 1920, S. 400.
2) ETZ 1920, S. 535.
3) Sparsame Wärmewirtschaft, Heft 4, S. 40.
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        62 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

barten Verbrauchern oder angegliederten Betrieben zuzuführen
Hierher gehört auch das Gebiet der Städtebeheizung, der Trocknung
 unserer Futtermittel und Kartoffelschnitzel, der Bodenund
 Bäderbeheizung, wie es von Herrn Schulze behandelt wurde.
kurz die Heizung ohne Kohlenkosten. ;
Die in vorstehendem erwähnte, von Herrn Schulz e1) behandelte
Bodenbeheizung wird in. Zukunft vielleicht berufen sein, eine bedeutende
 Rolle hinsichtlich des Gemüsebaues und der Gartenwirtschaft
 zu spielen. Der Mehrertrag des geheizten Landes ist beträchtlich
 gewesen und außerdem zeitiger erfolgt. Auf ungeheiztem Lande
erfolgte die Ernie 8 Tage später. Der Mehrertrag war bei: Blumenkohl
 50%, Kopfsalat 15%, Schoten 60%, Kohlrabi 40%. Tomaten
36%, Artischocken 90%. -
Im Versuchsjahre 1916 wurden auf derselben Fläche zwei
Kartoffelernten erzielt. Nach Schulze dürfte die Bodenbeheizung
vielleicht nach und nach einmal berufen sein, die unschönen
Kühltürme zu ersetzen, und deren Rolle zu ‚übernehmen;
während diese wärmevernichtend wirken, wirkt die Bodenbeheizung
wärmeerhaltend. Für landwirtschaftliche Betriebe wird dagegen
die Bodenbeheizung kaum in Frage kommen.
Über die, Heizzeit bei der Bodenbeheizung liegen schon von
Schulze mir freundlichst zur Verfügung gestellte Erfahrungen
der Versuchsanlagen an der Technischen Hochschule in Dresden
vor. Das Anwärmen des Landes wurde Anfang Februar begonnen,
und es dauerte etwa 14 Tage bis die über den Heizrohren liegende
Landmasse so weit angewärmt war, daß gegenüber dem ungeheizten
 Lande ‚eine mittlere Temperaturerhöhung von etwa 6° C!
vorhanden war. Die Heizung wurde dann fast den ganzen Sommer
hindurch fortgesetzt, höchstens im ‚Juli und August eingestellt,
letzteres geschah aus Gründen der Wärmeersparnis. Weil in diesen
Monaten wegen der Hochschulferien .der Kraftbetrieb minimal
ist, stand nicht immer Abwärme zur Verfügung, und wegen der
bereits 1916 einsetzenden Kohlennot wurde der Betrieb lieber ganz
eingestellt. Bei intensiver Bewirtschaftung der Felder unter noch
mehr kaufmännischen Gesichtspunkten würde das Heizen auch
in diesen Monäten Vorteile gebracht haben, es müssen nur die
Kulturen dementsprechend ausgewählt und gepflegt werden. Günstig
 war dann das Heizen noch: im September. indem gewisse

;}) Sparsame Wärmewirtschaft. Heft 4. &amp;amp;. 50
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        Bodenbeheizung.

63

Sorten, die im ungeheizten Land nicht mit Sicherheit reifen, hier
zereift sind, welche in unserem Klima sonst nicht zur Reife kommen,
Es lag das daran, daß infolge früheren Aufgehens den Pflanzen
sine längere Wachstums- und Entwicklungsperiode zur Verfügung
stand. Über September hinaus bringt die unterirdische Heizung
keinen Vorteil mehr, weil. dann der andeıe, zur Pflanzenbildung
sbenso wie die Wärme, notwendige Faktor, — das Sonnenlicht —
‚icht mehr genügend zur Verfügung steht.
Aus Vorstehendem geht hervor, daß die Bodenbeheizung während
:;twa 8 Monaten im Jahre Abwärme nutzbringend aufnehmen kann.
Die Rentabilität der Bodenbeheizung steht naclı Schulze, da
sie eine ganz intensive Bewirtschaftung des Bodens ermöglicht,
außer jedem Zweifel. Von einer 1000 kW-Turbine aus könnte
ine Fläche von etwa 300 x 300 m Land beheizt werden. Die
Anlagekosten einer solchen Beheizung betrugen im Jahre 1916 einschließlich
 Einrichtung zur Warmwassersprengung für den qm
7,75 Mk. Schulze hat auch noch ein besonderes Verfahren zur
Umkehrung des Heizwasserstromes angegeben und sich patenüeren
 lassen.
Der Württembergische Revisions-Verein!) hat Richtlinien aufzestellt,
 die in sehr übersichtlicher Weise zeigen, welche Maß-1ahmen
 für eine gute Kraft- und Wärmewirtschaft zuempfehlen sind.
1. Betriebe, die während des ganzen Jahres nur Kraft benötigen,
Wärme jedoch bloß zur Raumheizung während der kalten Jahresseit,
 werden entweder dauernd die Kraft beziehen und Brennstoff
aur für Winterheizung verbrauchen, oder “ie werden während der
Teizzeit die Heizwärme zuerst zur Krafterzeugung verwerten,
wobei jedoch nur in dem Maße Kraft zu erzeugen sein wird, als
Abwärme für Heizung verwertet werden kann, mit der ebenfalls
zeine Verschwendung getrieben werden darf,
2. Betriebe, die während des ganzen Jahres’ sowohl Kraft
als auch Wärme zur Warenherstellung bedürfen, werden zwecknäßig
 nur soviel Kraft selbst erzeugen, als Abwärme verwertet
werden kann, etwaiger Mehrbedarf an Kraft wird zu beziehen sein.
Betriebe, die während des ganzen Jahres viel mehr Wärme
{ls Kraft zur Warenherstellung oder für Arbeitsmaschinen verrauchen,
 müssen nach Möglichkeit den Waren- oder Arbeits-Aampf
 nach oder gebotenenfalls auch vor seiner Verwendung

13 Zeitschr. d. Ver, Deutsch. Ingenieure 1920, S. 489.
        <pb n="68" />
        34

Verringerung "des Verbrauches von Brennstoffen.

in den betreffenden Einrichtungen zur Krafterzeugung ausnützen,
wobei die überschüssige Kraft als Abfallkraft denjenigen Betrieben
zuzuführen ist, die nur Kraft für ihre Erzeugnisse benötigen... Hierbei
 werden kleine und mittlere Dampfbetriebe, in denen Abfallkraft
 zu gewinnen ist, mit nahegelegenen. Betrieben, die nur Betriebskraft
 benötigen, elektrisch zu verbinden sein, z.B. durch
Anschluß an das elektrische Ortsnetz. Große Dampfbetriebe mit
einem regelmäßigen erheblichen Gewinn an Abfallkraft werden
für deren Verwertung an das nächstgelegene größere Verteilungsnetz
 anzuschließen sein.

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at YOerdruck
Abb. 22, Verteilung des Wärmeinhaltes von 1 kg Dampf bei verschiedenen
Spannungen und 350° 6 Überhitzung.

Bevor auf die Behandlung der Abdampfverwertung eingegangen
wird, seien hier noch einige allgemeine Fragen behandelt. In
Abb. 22 sind Angaben gemacht über die Verteilung !) des Wärmeinhaltes
 von 1 kg Dampf bei verschiedener Spannung und 350° C
Überhitzung, Daraus ist zu ersehen, daß durch eine außerordentliche
 geringe Zahl von Wärmeeinheiten Dampf von 1 Atm. auf
höheren Druck gebracht werden kann und dadurch zur Arbeitsleitung
 befähigt wird. Des weiteren ist nachstehend eine von
Gerbel?) angegebene Zusammenstellung über Nutzenergie und
Abfallenergie im Dampfmaschinenhetriebe wiedergegeben

1) Diese Abbildung ist entnommen den Richtlinien für die Erzielung
sparsamer Brennstoffwirtschaft bei Dampfkraftanlagen. herausgegeben von
der Hauptstelle für Wärmewirtschaft.
?) Kraft- und Wärmewirtschaft in der Industrie von M. Gerbel. 1918. &amp;amp;. 51
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        Admissionsdampf-Spannung 12 Atm. abs.; Temperatur 280° C; Wärmeinhalt 720 Kal. pro kg.
"Abfallenergie (Abwärme)

Maschinenart

Kondensationsmaschine


Kondensationsmaschine


Auspuff-Naschine


segendruck.
maschine

tegendruckmaschine


Betriebsverhältnisse

(Vakuum, Gegendruck}


gutes Vakuum
0.05 Atm. abs.)

schlechtes Vakuum
(0.3 Atm. abs}

| Atm, abs.
Gegendruck

2 Atm. abs.
Gegendruck

4 Atm, abs.
tegendruck

Dampfverbrauch‘
 in PS-Std, ! in Kalorien
in kg pro pro kg pro kg
PS-Std, |] Dampf Dampf |

DR

3

532

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0,143

MM}

1.125

2 41

084

in Prozent
{Nutzeffekt}


6

in
Kalorien
pro kg
Dammnf

30:9

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650

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Träger Temperaturder
 niveau der
Abwärme Abwärme
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Wasser

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Waqgser

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Dampf
(naß}

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Dampf
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Dampf
(überhitzt)


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        1

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Auch die Schwierigkeiten mögen noch erwähnt werden, die oft
dadurch entstehen, daß die überschüssige Wärme und die in anderen
Betrieben unterbringbare Wärme sich nach Menge und nach Zeit
nicht immer decken, Bei geringen Zeitdifferenzen kann durch
Speicherung leicht ein Ausweg gefunden werden, und zwar kommen
hier sowohl Wärmespeicher, als auch direkt Dampfspeicher, die
schon seit Jahren vielfach in Verwendung sind und sich bewährt
haben, in Frage. Die ersteren haben jedoch den Dampfspeichern
gegenüber den Vorteil, daß sie ungefähr nur !/,, des Raumes einnehmen,
 Ferner können oft mit Vorteil Warmwasserspeicher angewendet
 werden, mit denen gleichfalls schon günstige Erfahrungen!)
vorliegen. Beispielsweise hat die technische Hochschule in Dresden
einen solchen Wärmespeicher im Betrieb, der aus vier gut umhüllten
 Hohlbehältern mit je 8 cbm Wasserinhalt besteht. In
ihnen lassen sich 2'/, Mill. Wärmeeinheiten speichern, "die am
nächsten Morgen zur Heizung verwendet werden, . Häufig wird
sogar über. Sonntag gespeichert. Der Wirkungsgrad ist sehr hoch.
da sich das Wasser über Nacht nur wenig abkühlt.
Eine weitere Schwierigkeit, die hier nur kurz erwähnt werden
möge, besteht in der Messung der gelieferten Wärme. Es sind aber
in neuerer Zeit Wärmemesser gebaut worden, die voraussichtlich
in der Lage sein werden, den berechtigten Ansprüchen zu genügen.
Bei Heizanlagen ?) kann man annehmen, daß die jährliche
Abfall-Energie-Menge auf 1000 t Kohlenverhrauch sich ungefähr
zu 400 000 kWh stellt.
Von den Industriezweigen, die Dampf bzw. Wärme in erheblichem
 Umfange verbrauchen, seien hier einige genannt. Es sind
dies: Brauereien, Papierfabriken, Zuckerfabriken, Textilfabriken,
Färbereien, Wäschereien, Chemische Fabriken, Gummifabriken,
Kerzenfabriken, Seifenfabriken, Leimfabriken, Sprengstoffabriken.
Nahrungs- und Genußmittelfabriken. .
Über die Abdampfverwertung ist in den letzten Jahren eine
amfangreiche Literatur entstanden, In einer großen Zahl‘ von
Aufsätzen in den verschiedenen technischen Zeitschriften und in
mehreren Büchern ist diese äußerst wichtige Angelegenheit sehr
eingehend behandelt worden, und zwar schon vor dem Kriege,
also bevor eine Kohlennot in Deutschland vorhanden war. Damals
wurde die Behandlung wesentlich durch die Konkurrenz zwischen
1) Sparsame Wärmewirtschaft, Heft 4, S. 31.
?) Sparsame Wärmewirtschaft. Heft 4. S. 63 von Dr. Ing. E. Reutlinger.
        <pb n="71" />
        Abdampfverwertung.

57

den Dampfkraftmaschinen und den Verbrennungskraftmaschinen
veranlaßt.. Die jetzige Kohlennot hat aber der Bewegung einen
kräftigen Anstoß gegeben, und sie wird jetzt von allen Seiten
aufgenommen und gefördert. Es ist zu hoffen. daß dadurch recht

Hess"!

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Abb... 23. Anzapf-Kolbenmaschine mit Anschluß einer Heizungsanlage.

bald wesentliche Erfolge erzielt werden können. F. L. Richter
hat in der ETZ. !) an Hand der Mitteilung Nr. 27 „Abdampf und
Zwischendampf- Verwertung der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg
 A.-G.“ einen Bericht gegeben, in dem die wichtigsten Systeme

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Anzapflurbine

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Dusche Drosselventit

Kondensator
1 0604 Velen

Abb. 24. Anzapfturbine mit Anschluß einer Heizanmsanlage,

schematisch dargestellt sind und es seien diese nachfolgend kurz
behandelt. Abb. 23 stellt eine Kolbenmaschine dar mit Zwischenlampfentnahme
 für Heizzwecke, Während Abb. 24 das Schema
2iner gleichen Anlage mit Turbine wiedergibt. Abb. 25 zeigt die
1) 1913, 5. 714.
        <pb n="72" />
        ö8 Verringerung des Verhrauches von Brennstoffen,

Wärmeverteilung bei Anwendung einer Kolbendampfmaschine mit
Abdampfturbine, während Abb. 26 die schematische. Darstellung

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ainer Zweidruckturbine mit zwischen Kolbenmaschine und Turbine
 geschaltetem Dampfspeicher wiedergibt. Die Abb. 27 und 28
        <pb n="73" />
        Abdampfverwertung,

G9

zeigen. noch die Wärmeverteilung bei getrennter Dampferzeugung
für Kraft- und Heizanlage und bei Vereinigung derselben.
Ein neues: Verfahren zur Ausnutzung der Abdampfwärme von
Dampfturbinen haben die Professoren Josse und Gensecke ausgearbeitet
 !). Das Verfahren geht darauf aus, die selbst bei sehr
dichten Anlagen nicht unter 5%, aber auch bis zu 10%, betragenden
Verluste an Kondensat bei Oberflächenkondensationen, die durch
Zusatzspeisewasser gedeckt werden müssen, ohne Benutzung von
Speisewasserreinigern in Verdampfern zu erzeugen, die. durch die
Wärme des Abdampfes betrieben werden. Damit hierdurch in
der Dampfturbine kein Gegendruck erzeugt wird. muß der Ver-Kesseldamgf



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Kondensator:
1369 Valkııum

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Abb. 26. Schematische Darstellung der Anordnung einer Zweidruekturbine.

dampfer mit niedrigerem Druck und niedrigerer Temperatur arveiten
 als der Kondensator selbst. Er wird daher an einen Hilfskondensator
 angeschlossen, den das gesamte Kühlwasser durchströmt,
 bevor es zum Hauptkondensator gelangt.
Gerbel hat in seinem Buche: „Kraft und Wärmewirtschaft
in der Industrie ?) eine ausführliche Tabelle über Energiebedarf
und Abfallenergie verschiedener Industriezweige gegeben, in der
er Angaben macht, wieviel bei den verschiedenen Betrieben an
Abfallwärme bzw. Abfallkraft verfügbar ist. Hier mögen daraus
ıur die Industriezweige aufgeführt sein, so daß ersichtlich ist. ob
Abfallwärme oder Abfallkraft verfüohar ist.

1) Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, 1919. S. 369
2) Verlag von Julius Springer. 1918. S. 72
        <pb n="74" />
        Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Aluminium
Luftsalpeter
Wasserstoff
Kalkstickstoff
Kalziumkarbid

[. Abfallwärme verfügbar:
Spinnerei
Elektrizität
Walzeisen (Flacheisen, Draht)
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        <pb n="75" />
        Abdampfverwertung.,

Sauerstoff (Luftdestillation) Weizenmühle
Holzstoff

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Papier
Weberei

IL Keine oder wenig Abfallenergie verfügbar:
'"Kartoffelstärke
Zellulose
Leder

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        2
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Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

III. Abfalilkraft verfügbar:
Kunstseide Färberei
Preßhefe (Lüftungsverfahren) Spiritus (Dickmaischverfahren)
Zucker Seife
Wäscherei Badeanstalten
Leim i Zentralheizungen.
Kartoffelsirup
Daraus ersieht man, in welcher Weise zweckmäßig Betriebe
zu vereinigen sind, um eine gute Kraft- und Wärmewirtschaft zu
erzielen und daß z. B. Elektrizitätswerke und Heizanlagen sowie
Badeanstalten mit Vorteil! zu verbinden sind.
Daß durch die Nutzbarmachung von Abfallwärme große Erfolge
 erzielt werden können, geht daraus hervor, daß Anlagen
schon‘ mehrfach dahin verbessert worden sind, daß eine Nutzbarmachung
 der gesamten Wärme bis zu 80%, erreicht worden
ist. Beispielsweise sei hier noch auf die äußerst interessante Ausnutzung
 verdichteter Abdämpfe von Kochern des Ing. E. Wirth!)
hingewiesen, durch die aus dem Schwadenabdampf industrieller
Anlagen usw. beträchtliche Wärmemengen nutzbar gemacht werden
können. Nach M. Gerke ®) kann die Wärmepumpe‘ auch angewendet
 werden zur Vorwärmung des Speisewassers auf Siedetemperatur.
 Die dadurch erzielbare Wärmeersparnis soll etwa
80/, betragen.
Dr.-Ing. E. Reutlinger?) schätzt die erzielbaren Ersparnisse
an Kohle wie folgt: '
Durch Abdampfverwertung und Ausnutzung der Überschuß-Energie
 ....0.0..0 50004 „ 10 Mill. t
Durch Verwertung der Abhitze . ......0.0..... 83 „ t
Durch Abgasverwertung bei Gasmaschinen. : ...... 01, %
Man sieht also, daß allein aus den ebengenannten Anwendungsgebieten
 etwa 13 Mill. t Kohlen erspart werden können. Rechnet
man dazu noch die anderen vorstehend erwähnten Möglichkeiten zur
Erzielung von Ersparnissen, von denen die weitgehendste Verwendung
der Wasserkraft die bedeutendste ist, so ergeben sich noch weitere
beträchtliche Kohlenmengen, die in Wegfall kommen könnten.
Die Abgase von Gasmotoren wurden bisher meistens zur Wasseroder
 Lufterhitzung oder zur Trocknung benutzt. In neuerer Zeit
werden sie aber auch dazu benutzt, um das mit 40—70° abfließende
1) Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, 1919, S. 1074,
2) ETZ 1920, S. 608.
3) Kölner technische Blätter, 1920, Heft 3, 8. 6.
        <pb n="77" />
        Verwertung der Abgase.

73

Kühlwasser in Dampf zu verwandeln. Durch sinnreiche Hintereinanderschaltung
 !) von Vorwärmer, Röhrenkessel und Überhitzer
 mit Auspuffgasen von 400—700° Temperatur ist es gelungen,
überhitzten Dampf zu erzeugen und die Abgase auf 150—200°%
herunter zu kühlen. Diese Anwendung kommt hauptsächlich
bei großen Gasmaschinen in Frage.
Eine andere Verwertung der Abwärme bei Gasmaschinen ist
von den Ford-Werken durchgeführt worden, und es wurde dabei
eine Wärmeausnutzung von
über 72%, erzielt. Diese Gas-Dampf-Kraftanlage
 ?) dient
zum Betrieb einer 400 kW-Dynamo
 und ist dadurch
gekenzeichnet, daß die Kühl
wasserwärme “der Gasmaschine
 für die Dampferzeugung.
 und die Auspuffgaswärme
 für die Heizung der
Dampfzylinder verwertet
wird. Daraus ergibt sich die
hohe Ausnutzung des Brennstoffes.
 ,
Bei der Verwendung der Abgase von Gasmaschinen ist jedoch
zu beachten, daß sie häufig schweflige Säure enthalten und dadurch
Anfressungen an Kesseln usw. hervorrufen, wenn sie zu weit herunter
 abgekühlt werden. Man verwendet sie daher vielfach für
Trocknungszwecke, wie dies in Abb. 29 dargestellt ist?). Sie zeigt
eine in die Auspuffgrube eingebaute Trockenanlage für Obst, Gemüse
 und Brennesseln: Die aufzunehmende Menge ist je nach
Betriebsdauer der Gasmotoren und deren Belastung bis 300 kg
Obst und 200 kg Brennesseln.
In ähnlicher Weise werden auch bei Dieselmotoren die Abgase
für Trockenzwecke verwendet. Abb. 30 zeigt schematisch eine
solche von Gebr. Sulzer ausgeführte Anlage4). Durch geeignete

1) Dr. Ing. E, Reutlinger, Die Abwärme und ihre Bedeutung in der
kommenden Wärmewirtschaft. Kölner technische Blätter 1920, Heft 3,
S, 212.
2) Power, Bd. 51, S. 5832.
a) ETZ 1918, 8. 120.
4) Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, 1910, S. 678.
        <pb n="78" />
        14

Verringerung des Verbrauches von Brenustoffen.

Klappenstellungen kann man mit Abluft oder mit Umluft oder auch
teilweise mit Umluft und Abluft arbeiten. ;
Wie schon oben erwähnt, ist es wichtig bei den industriellen
Heizvorrichtungen die höchste Ausnutzung der Wärme anzustreben
und sie gegenüber ihrer jetzigen Wirkung nicht unerheblich zu
verbessern. Das trifft zum Teil auch ‘bei den Kesselfeuerungen
zu. Besonders‘ zu beachten ist aber noch, daß der Ausbildung
von Heizern Aufmerksamkeit zugewendet werden muß, um Brennstoffersparnis
 zu erzielen. Das hat man zwar schon lange erkannt.

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7

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a = Dieselmotor, bD = Abgasverwerter, bestehend aus Rippenrohren, c = Putztüren,
1 = Ventilator, e = Elektromotor, £f = Umschaltkappe, g = unmittelbarer Auspuff nach
dem Auspufftopf, h = zwangsläufig verbundene Umschaltklappe,
Abb. 30. Schematischer Plan einer Dieselmotoren-Abgaseverwertungsanlage
für Trockenzwecke

aber trotzdem „ist noch viel durch Verbesserung der Ausbildung
der Heizer‘ zu erreichen. Besonders wichtig ist dies insofern, als
auf diesem Wege eine große Ersparnis an Brennstoff erzielt werden
kann, ohne Aufwendung erheblicher. Mittel und in verhältnismäßig
 sehr kurzer Zeit. Deswegen sollte man besonders diese
Möglichkeit der. Kohlenersparnis im Auge behalten.
Den Feuerungen mit Kohlenstaub *) sollte mehr Aufmerksamkeit
 zugewendet werden. Obwohl sie anfänglich von Deutschland
ausgegangen sind, haben sie sich zunächst in Amerika entwickelt
und dort in letzter Zeit guten Eingang gefunden, da eine beträchtliche
 Ersparnis an Brennmaterial durch sie erzielt werden kann

‘) Siehe auch ETZ 1920, 8. 473 und 563, sowie E. u. M. 1920. S. 829
        <pb n="79" />
        Kohlenstaubfeuerung,

75

Vachdem die Kohle zerkleinert ist, werden durch Magnete die
Metallteile entfernt und dann wird die Kohle getrocknet. Nach
Versuchen in Amerika!) hat diese Kohlenstaubfeuerung einen
höheren Wirkungsgrad ergeben als andere neuzeitliche Feuerungen.
Auch in England sind mit der Kohlenstaubfeuerung gute Erfolge
 erzielt worden, und zwar von’ Bettington 2), jedoch ist es
auch dort noch nicht zu einer Einführung in größerem Maßstabe
gekommen.
Beim Einladen, beim Hin- und Hertransportieren der Kohle
vom Waggon bis zur Verbrauchsstelle muß sparsam und aufmerk-3am
 mit dem jetzt so %ostbaren Gute umgegangen werden. Es
können dadurch nicht unerhebliche Verluste ®) vermieden werden.
In Hüttenwerken und anderen rauhen Betrieben enthalten nach
Dr. Ing. E. Reutlinger*) die Herdrückstände gewöhnlich noch sehr
viele brennbare Bestandteile. Er konnte bei einer Prüfung bei
einem Hüttenwerk über 25%, Kohle und Koks in den Herdrückständen
 feststellen. Die Aufbereitung dieser Asche durch Wäsche
der magnetische Sonderung ist für große Betriebe heute lohnend.
Dem Magnet-Werk Eisenach ist es gelungen die Rückstände
ler Lokomotiven in Koks und Schlacke zu scheiden unter Ausnutzung
 der schwach-magnetischen Eigenschaften der Schlacke.
Es wurde so aus dem Abfall 50%, guter Koks gewonnen.
Durch sachgemäße Betriebskontrolle wird es vielfach möglich
sein, Ersparnisse an Brennstoff zu erzielen. Diesbezüglich sei auf
den Vortrag von Quack über „Betriebskontrolle in Dampfkraftanlagen‘
 im Heft 3 der Sammlung ‚‚Sparsame Wärmewirtschaft““
hingewiesen.
Die elektrischen Kraftwerke sowohl wie alle anderen industriellen
Kraftanlagen haben in den letzten Jahren einen wesentlich höheren
Kohlenverbrauch gehabt und haben ihn auch jetzt noch dadurch,
4aß ihnen infolge der großen Knappheit'an Kohle nicht, mehr die
cichtige, d. h. zweckmäßigste Kohlensorte zugewiesen werden
konnte; auf die sie eingerichtet sind. Vielfach sind Anlagen, die
für Nußkohle gebaut worden sind, mit Förderkohle oder Stückkohle,
mit Briketts oder sogar mit Roh-Braurikohle oder mit minderwertigem
 Brennstoff beliefert worden. so. daß naturgemäß der

!') Power, 1920, S, 354.
?) ETZ 1920, S. 563 und E. u. M. 1920, S. 332.
}) Nachrichten Hanomag, 1920, S. 1.
W Kölner technische Blätter. 1920, Heft 3. 8. 13.
        <pb n="80" />
        16° ; Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Wirkungsgrad der Feuerung ein niedrigerer ist. Dieser Übelstand
 mußte notgedrungen in Kauf genommen werden. Es ist
aber wichtig, daß er so schnell wie nur irgend möglich
beseitigt wird, denn dadurch allein würde es möglich
sein, sofort eine große Kohlenersparnis zu erzielen, weil
dann entsprechend mehr aus der zur Verfügung stehenden Kohle
herausgeholt werden ‘könnte. Andererseits wird. es aber auch
zweckmäßig sein, wenn sich möglichst viel Anlagen, die auf hochwertige
 Sorten eingerichtet sind, der Lage anpassen und entsprechende
 Änderungen vornehmen. Es ist deshalb dringend erforderlich,
 daß diejenigen Werke und Einzelanlagen, welche bisher
nur Nußkohlen zu verfeuern imstande waren, sich auf die Verfeuerung
 oder wenigstens auf die Mitverwendung eines anderen

Filten

‚Frisch

ı Gerehhig TE klin

Turbodynamo

“ ANGEWÄrMm

a

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&amp;gt;
1

Abb. 31. Trocknungsanlage des Elektrizitätswerkes Duisburg.

Brennmaterials einrichten; dies kann geschehen durch Umbau
der Feuerungen, Einbauen von Unterwindfeuerung, Aufstellung
von Kohlenbrechern usw.
Durch weitgehendste Ausnutzung der in den Abgasen der Kessel
enthaltenen Wärme, des Abdampfes der Speisepumpen und anderer
Hilfsmaschinen,. des Abblasewassers der Kessel und des Kühlwassers
 der Kondensatoren muß die Wärmeausnutzung tunlichst
gehoben werden. Hierüber hat Klin genberg!) sich kürzlich eingehend
 geäußert, so daß auf seine Arbeit hier nur hingewiesen
werden braucht. Des weiteren beachte man die Arbeit von M.
Gerke, ETZ 1920, 'S. 601 über die Abwärmeverwertung hei
Dampfkraftwerken.
- Auch die Abwärme der Generatoren kann mit Erfolg zum
Trocknen von Gemüse, Obst und ähnlichen Produkten verwendet
werden. Solche Anlagen sind z.B. in Stuttgart ?), Duisburg 3),
3) ETZ 1920, S, 561 und E. u. M. 1920, S. 320.
?) Elektrische Kraftbetriebe und. Bahnen, 1918, Heft 12.
3) ETZ 1917. SS. 478
        <pb n="81" />
        Abwärme der Generatoren.

7”

Zeitz?!), Wiesmoor und anderen Werken mit Erfolg ausgeführt
worden.

Abb. 31 zeigt die Anordnung der Gemüse- und Obsttrocknungsanlage
 des Elektrizitätswerkes der Stadt Duisburg ?). An der
Stelle, an der die Luft aus:der Turbo-Dynamo früher ins Freie
trat, ist ein eiserner Schrank vorgebaäut worden; welcher mehrere
Drahtnetzhorden besitzt. Der Luftstrom läßt sich durch Öffnen
oder Schließen der verschiedenen Kanäle regeln. In etwa 4 bis
5 Stunden läßt sich mit dieser Anlage für den. Quadratmeter
10 kg Gemüse trocknen.
Abb. 32 gibt die Trocknungsanlage des Elektrizitätswerkes
der Stadt Zeitz?) wieder. Sie ist angeschlossen an eine Turbo-Turbodunamo



VErSelzbares
Hordenhaus

5 Harkrmmer

FPIECH”
Huffniit


4

wärme
Luf

2

„Ausziehbare
Holzhorden

/Drahtgeflecht

SS -
Abb. 32. Trocknungsanlage des Elektrizitätswerkes Zeitz

Dynamo von 1000 kW. Auch die Verbindung von Elektrizitätswerken
 mit Badeanstalten, wie dies z. B. in Stuttgart, München
und vielen anderen Orten schon geschehen ist, führt zu großen
Erfolgen hinsichtlich einer guten Wärmewirtschaft, .
Bei Erweiterungen bzw. Neubauten von Werken würden gezebenenfalls
 durch höhere Dampftemperatur, höheren Dampfdruck,
 Verbesserungen im. Bau ‚der Kesselanlagen eine bessere
Wärmeausnutzung *) zu erzielen sein. Klingenberg empfiehlt
mit der Dampftemperatur nicht über 350° zu gehen. ' Bezüglich
des Dampfdruckes hält er es für das Richtigste, zunächst nur
is zu 20 Atm. an den Turbinen zu gehen. da eine weitere Erıy

 ETZ 1918, S. 120.
2) ETZ 1917, S. 478.
3) ETZ 1918, S. 120.
4) ETZ 1920. S. 562 und E. u. M. 1920, S. 331
        <pb n="82" />
        :

$ Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

höhung zwar noch eine geringe Steigerung der Wärmeausnutzung
gibt, aber wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen ist. Welche Einwirkung
 die Steigerung des: Dampfdruckes auf die Wärmeausnutzung
 hat, geht aus folgenden Zahlen hervor. Für Kühlwasser
von 15° C, eine Dampftemperatur von 350° C am Eintrittsventil
in die Turbine gemessen, beträgt für eine Leistung der Turbodynamo
 von 15000 kW und n = 3000 der Wärmeverbrauch für
I] kWh hei

at 15 20 25 30
rd 3580 3480 3430 3390
Do 100 197 | 95,8 94.3
Bei den elektrischen Kraftwerken liegt die Möglichkeit zur
Erzielung von Ersparnissen an Brennstoff dadurch vor, daß
die‘ Belastung des Kraftwerkes eine möglichst gleichmäßige ist.
Es muß‘ därauf gesehen werden, die „Spitzen“ der Belastung
möglichst zu vermeiden, und versucht werden, die Nachtbelastung
zu heben, um auf diese Weise den unwirtschaftlichen Betrieb
während der Nacht zu verbessern, Leider stehen dem noch große
Schwierigkeiten entgegen, da, wie schon vorstehend erwähnt, die
Arbeiter nur sehr. ungern Nachtschichten leisten. Die Berechtigung
 hierzu ist in vielen Fällen anzuerkennen, besonders unter
den jetzt und noch;für längere Zeit herrschenden schlechten Ernährungsverhältnissen.
 Vom Standpunkte der Kohlenwirtschaft
aus ist es aber von allergrößter Bedeutung, daß Industrieen, die
mit einer geringen Anzahl von Arbeitskräften viel Kraft verbrauchen,
 dies tunlichst in den Zeiten tun, in denen sonst der
Kraftverbrauch gering ist. Um auf diese Weise einen Ausgleich
zu schaffen, muß eben einer kleinen Zahl von Arbeitern die Unannehmlichkeit
 der Nachtschicht auferlegt werden.
Wie schon eben angegeben, ist der Widerstand, der der Durchführung
 der Nachtarbeit entgegengesetzt wird, zum großen Teil
berechtigt, und es ist daher notwendig, Nachtschichten nur dort
einzuführen,, wo es unbedingt notwendig ist und ein erheblicher
Erfolg erzielt wird. Die, Ernährung macht fraglos bedeutende
Schwierigkeiten, was gerade jetzt und in den nächsten Jahren
besonders ins Gewicht fällt. Außerdem ist der Schlaf in den Tagesstunden:
 vielfach ungenügend, da dann nicht die Ruhe in der
Wohnung des Arbeiters in dem Maße zu erzielen ist, wie sie nachts
vorhanden ist. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich auch noch
bei der Durchführung von Nachtschichten. da in der gleichen Schicht
        <pb n="83" />
        Spitzenabsenkung

7q

auch Frauen und Jugendliche beschäftigt sind, die aber der Anstrengung
 der Nachtarbeit nicht gewachsen sind. Überhaupt ist
der Erfolg der Nachtarbeit ein wesentlich schlechterer als der bei
der Arbeit am Tage, und es kann wohl angenommen werden,
daß er nur ungefähr halb so groß ist gegenüber der Tagesarbeit.
Dies kommt allerdings zum Teil daher, daß die Arbeiter der Nachtschicht
 sich am Tage nicht entsprechend Ruhezeit gönnen, sondern
andere Arbeiter. während des Tages ausführen, und dann natürlich
während der Nachtschicht müde und schläfrig sind.
In Frankreich, wo die Kohlenschwierigkeiten gleichfalls bedeutend
 sind, scheint die Durchführung der Nachtarbeit weniger
Schwierigkeiten zu machen. Die. Pariser Industriellen haben die
Einrichtung getroffen, daß die eine Hälfte der Fabriken während
2 Wochen am Tage und die andere Hälfte nachts arbeitet und
während der nächsten 2 Wochen umgekehrt,
Wo eine gute Ausnutzung der Maschinen und Kessel bei Nacht
nicht zu erreichen ist, wird sich oft durch Kupplungsleitungen
eine Verbesserung erzielen lassen. Man erreicht damit, daß da,
wo sonst mehrere Werke laufen, nur ein: Werk in. Betrieb ist und
dies an die mit ihm durch Leitungen verbundenen anderen Werke
Strom abgibt. Durch solche Ausgleichleitungen kann eine beträchtliche
 Kohlenersparnis erzielt werden. Zu beachten ist dabei
allerdings, daß solche Kupplungsleitungen nur dann wirtschaftlich
sind, wenn beträchtliche Arbeitsmengen durch sie geleitet werden
Bei geringer Benutzungsdauer wird ihre Errichtung meist nicht
möglich sein. ;
Es ist vielfach versucht worden, durch elektrochemische Betriebe,
 die eine Unterbrechung zulassen, die Zeit schwächerer Belastung
 auszufüllen. Dabei hat sich aber in den meisten Fällen
ergeben, daß dann die elektrochemischen Betriebe entsprechend
ungünstiger arbeiten, denn für sie tritt ja dann das ein, was man bei
den Elektrizitätswerken vermeiden will, nämlich der ungleichmäßige.
 Betrieb. Es werden sich aber mit der Zeit auch noch
Verfahren finden lassen, bei denen die Unterbrechung auch wirtschaftlich
 durchführbar ist.
Günstiger liegen die Verhältnisse bei Verwendung der, Abfallarbeit
 für Beheizung und Warmwasserbereitung, wie dies oben
anläßlich der Ausnutzung der Wasserkräfte zu allen Stunden des
Tages bereits behandelt worden ist. Auch der Betrieb von elektrischen
 Dampfkesseln, von Wärmespeichern, die Trocknung und
        <pb n="84" />
        30 Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Konservierung von Holz!) und ähnliche Verfahren wären hier
Zu nennen.

Für die elektrische Holztrocknung ist von A. Nodon ein Verfahren
 angegeben worden, das bereits in Frankreich erprobt ist.
Es bezweckt eine schnelle, der natürlichen Lufttrocknung gleichwertige
 Beseitigung der Feuchtigkeit aus dem Holze. Ein solches
Verfahren ist jetzt gerade von besonderer ‚Bedeutung, da ja
trockenes Holz überhaupt nicht vorhanden ist und das bisherige
Verfahren der Lufttrocknung viel zu lange in Anspruch nimmt.
Das andere bisher übliche Verfahren zur Trocknung: von Holz
in Trockenkammern durch Zuführung von Wärme scheitert jetzt

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Ein 27

Abb. 33. Verfahren zur Holztrocknung nach Nodon.

auch vielfach an dem Mangel an Brennstoffen, und es ergibt außerdem
 kein so gutes Material. Das Nodonverfahren soll dagegen
den Vorzug der Schnelligkeit haben und trotzdem ein Holz liefern,
das dem luftgetrockneten mindestens gleichwertig ist. Dies ist
darauf zurückzuführen, daß die Einwirkung des Stromes eine
chemische, eine physikalische und eine aseptische ist.
Das ‘ Verfahren besteht darin, daß die Hölzer, in Lagen
geschichtet werden, wobei zwischen je 2 Lagen widerstandsfähige
 Gewebe mit eingebetteten galvanisierten Eisendrähten
angeordnet sind... Die Anordnung der Gewebe ist aus Abb. 33
zu ersehen. Zur Trocknung wird Wechselstrom von 40 bis
120. Volt verwendet. Fs kann: auch Gleichstram verwendet

0 BETZ 1915, 8. 601.
        <pb n="85" />
        Verfahren zur Holztrocknung

x]

werden, jedoch muß dann von Zeit zu Zeit die Polarität gewechselt
werden, damit die Elektroden nicht elektrolytisch angegriffen
werden.

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Ss SS SSSSSSSSSEISIEIL
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Das Verfahren hat den Vorzug, daß es überall, auch im Walde,
angewendet werden kann. Die zweckmäßigste Stromdichte. beträgt
 4—5 A/m* bei Hölzern für feinere Zwecke; bei gröberen
Hölzern kann man bis zu 10 A/m? gehen. Die Behandlungsdauer
Dettmar, Beseitigung der Kohlennot.
        <pb n="86" />
        32

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

ist 1—2 Tage, je nach dem Feuchtigkeitsgehalt und dem Verwendungszweck
 des Holzes. Für 1 cbm Holz sind ungefähr
150 Ah und ungefähr 3—6 kWh erforderlich

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XS SEES SST ISIS RSS F8888835335SS

Wie schon vorstehend erwähnt, ist es wichtig die „Spitzen“
zu vermeiden. Das wird. in Zukunft, soweit die Abendspitze in
Frage kommt, bei Werken mit nennenswertem Kraftbetrieb einbreten.
 da durch die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit
        <pb n="87" />
        Verminderung der Morgenspitze.

83

die Kraftbelastung schon nachläßt oder völlig verschwindet, wenn
die Lichtbelastung einsetzt, und zwar selbst in den dunkelsten
Tagen. ‚(Die Fabrikbetriebe schließen jetzt schon meist zwischen
'44 und‘ 145 Uhr.)
Schwieriger ist in manchen
 Fällen ‘die Vermeidung
 der ‚„Morgenspitze‘,
 da ja der frühe
Schluß am Nachmittag
nur, möglich ist durch
einen frühzeitigen Anfang
 am Vormittag
Wenn es aber ‚gelingt,
einen Teil der Fabriken
dazu zu bewegen, etwas
später zu beginnen, so
daß sie erst gegen 5 Uhr
schließen, dann wird
die ‚,Abendspitze‘“ sich
noch nicht aus bilden
und die,, Morgenspitze“‘,
wenn nicht ganz vermieden,
 so doch stark
herabgesetzt werden
können. Die Verminderung
 der ‚Morgenspitze‘
 ist für die nächste
 Zeit von großer Bedeutung.
 In den Abb.
34 und 35 sind Belastungskurven
 zweier
städtischer Werke wiedergegeben,
 aus denen
die Veränderung - im a
Dezember 1919 gegen- SS IE
über 1917 zu ersehen SS 8:8 S 38 3888 °S
ist. , Aus’ beiden Äbbildungen
 ist gleichmäßig zu ersehen, daß die Belastung am Nachmittage
 im Jahre 1919 im Verhältnis‘ zum Jahre 1917 gesunken.
während sie am Vormittag gestiegen ist.

Sm
        <pb n="88" />
        34

Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Sehr viel schwieriger wird es sein, die Vermeidung der starken
Belastungsschwankungen bei den VÜberlandzentralen zu vermeiden.
 Bei Kintritt schlechten Wetters pflegt der Landwirt
nach Hause zu gehen und zu dreschen oder andere Kraftbetriebe
in Gang zu setzen. Da nun alle Landwirte das gleiche tun, so
ergibt sich bei Überlandzentralen, die kein sehr großes Gebiet
versorgen, in solchen Fällen eine sehr plötzliche Änderung der
Belastung. Abb. 36 zeigt die Verhältnisse bei Tagen mit gutem
and schlechtem Wetter. Tritt der Witterungswechsel im Laufe

KW
AO

YA

500

450

E00

350

300

250

20

150

100
50

a

Ö
A

FO
Mittag
a=30. XII. 1916, vormittags Regen. b=8. XII 1916, schönes Wetter.
Abb. 37. Belastung einer Üherlandzentrale bei Witterungswechsel.

des Tages ein, so springt die Belastung schnell aus der einen Kurve
in die andere, wie dies aus den Abb. 37 und 38 zu ersehen ist.
Hier ist schon während des Krieges durch Einführung von Dreschordnungen
 viel erreicht worden, und es ist erwünscht im Interesse
der: Kohlenersparnis auch in Zukunft in ähnlicher Weise den Betrieb
 zu führen, damit derartige plötzliche Zunahmen in der Belastung
 tunlichst vermieden werden, denn sie’sind stets mit beträchtlichem
 Kohlenverlust verbunden, ganz abgesehen von der
Gefährdung der Transformatoren in den Netzen..
Bei Überlandzentralen. die: sehr große Gebiete versorgen.
        <pb n="89" />
        Überlandzentralen.

85

macht sich diese Unannehmlichkeit nicht so stark bemerkbar da
dann oft schon ein Ausgleich eintritt. Es regnet meist nicht im
ganzen Gebiete gleichzeitig. Da man in Zukunft ja nach Zusammenschluß
 strebt, werden sich auch diese Verhältnisse von
selbst bessern.
Auch die Vermeidung der um die Mittagszeit eintretenden
starken Abnahme der Belastung wird zu Brennstoffersparnissen
führen. Wie aus den Abb. 34-—36 zu ersehen ist, tritt gegen 12 Uhr
eine scharfe Einsenkung der Belastungskurve ein. Durch gruppenweise
 Regelung der Mittagspause der Hauptkraftabnehmer läßt

N
ION.

350

300

250
200

750
100
50

Pa
a=5. IX. 1916, Regen. b=6, IX. 1916, vormittags Regen, nachmittags schön.
Abb. 38. Belastung einer Überlandzentrale bei Witterungswechsel.

sich diese Einsenkung wesentlich verbessern und damit eine bessere
Ausnutzung des Brennstoffes erzielen. Po
Eine Quelle. außerordentlich großer Kohlenersparnis bildet der
Anschluß industrieller Einzelanlagen an. elektrische Kıaftwerke.
Solche Einzelanlagen arbeiten wärmewirtschaftlich vielfach äußerst
mangelhaft. Sie arbeiten zum Teil mit ganz alten Maschinen
und sind sehr schwankender Belastung ausgesetzt, so daß die
Kohle sehr. schlecht ausgenutzt wird. Viele Einzelanlagen verbrauchen
 auf die kWh . bezogen die 2-fache, oft sogar die
3—5-fache Kohlenmenge von derjenigen eines gut gebauten und
geleiteten Kraftwerkes, Wenn man bedenkt, daß von dem Kohlenverbrauch
 vor dem Kriege üngefähr die Hälfte für die Industrie
in Anspruch genommen wurde, so leuchtet ein, daß die hier erzielbare
 Ersvarnis außerordentlich 2708 ist. und sich wohl leicht auf
        <pb n="90" />
        36 ; Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

14—6 Mill. t. belaufen kann. Es muß daher gefordert werden,
daß hier energisch eingesetzt wird und gegebenenfalls mit Zwang !)
arreicht wird, daß solche Einzelanlagen,. die wärmewirtschaftlich
ungünstig arbeiten, an wirtschaftlich. arbeitende Kraftwerke angeschlossen
 oder mit anderen industriellen Werken zusammengeschlossen
 werden. Ganz besonders muß dies aber auch noch gefordert
 werden im Hinblick auf die später noch zu besprechenden
Transportschwierigkeiten. Es ist fraglos höchst unwirtschaftlich,
einer großen Anzahl von kleinen Anlagen die Kohlen auf vielfach
sehr umständlichen . Wegen zuzuführen, während sie nur einem
großen Kraftwerke, welches mit besten Umladeeinrichtungen versehen
 ist oder gar am Wasserwege liegt, zugeführt zu "werden
brauchen.
4]Vielfach ist übrigens auch der privatwirtschaftliche. Vorteil,
den eine solche Einzelanlage bringen ’soll, nur ein eingebildeter,
Die Berechnung der Selbstkosten wird oft sehr nachlässig durchgeführt
 oder unterbleibt in vielen Fällen auch ganz. ‘ Alte Gewohnheit.
 und der Drang nach Selbständigkeit‘ sind. es vielfach,
die dafür sorgen, daß es bei der Einzelanlage ‚bleibt, anstatt daß
sich die Kraftverbraucher an ein in der Nähe befindliches größeres
Kraftwerk anschließen. Unterstützt wird dies auch noch dadurch,
daß manche Elektrizitätswerke eine ungeeignete Tarifpolitik
solchen Kraftabnehmern gegenüber betrieben haben und zum Teil
auch noch betreiben. Erleichtert wird der Anschluß. solcher Einzelanlagen
 ‚off ganz besonders dadurch werden, daß die elektrischen
Kraftwerke auch bereit sind. etwa nötige Wärme oder etwa gebrauchten
 Dampf zu liefern:
In England hat man während des Krieges, als die Kohlennot
auch do:t sehr beträchtlich war, den Einzelanlagen ganz besondere
Aufme-k:samkeit zugewendet und große Ersparnisse. durch den
Auschluß an Elektrizitätswerke erzielt. Es wurden dort, über das
ganze Land verbreitet, systematische Beobachtungen über die
Kohlenausnutzung angestellt, . Es waren hierfür 400 Ingenieure
tätig, um die 40—50 000 Anlagen zu besichtigen und zu prüfen.
Neben der Verbesserung veralteter Dampfkessel, und‘ Dampfleitungen,‘
 Ausbesserung schadhafter Einmauerungen, Beseitigung
ron. Undichtheiten. Verwendung von Abdampf und Ahoasen

') Wobei natürlich wirtschaftliche Erwägungen Platz greifen und nament-‚ich
 Billigkeit und Vernunft ausschlaggebend sein miissen
        <pb n="91" />
        Einzelanlagen und kleine Elektrizitätswerke, 87

wurde ganz besonderer Aufmerksamkeit den vielfach kohleverschwendenden
 . Einzelanlagen gewidmet. In solchen Anlagen
wurden dann oft die Dampfmaschinen still gesetzt und der Betrieb
Jurch einen Elektromotor eingerichtet.
Das gleiche, was vorstehend für die Einzelanlage gesagt ist, gilt
natürlich auch für viele kleine Elektrizitätswerke. Auch sie erzeugen
 die Elektrizität vielfach beträchtlich unwirtschaftlicher und
ihr spezifischer Kohlenverbrauch dürfte im allgemeinen der doppelte
desjenigen von mittleren und großen Kraftwerken sein. Auch hier
wird durch einen Anschluß an größere Werke eine beträchtliche
Ersparnis an Brennstoff erzielbar sein, sofern die Werke ihrer
Lage nach nicht gerade besonders für Abwärmeverwertung oder
Vorbenutzung des Dampfes zu Heizzwecken geeignet sind. Leider
sind die Bestimmungen des Reiches betreffend Sozialisierung der
Elektrizitätswirtschaft bei einer Grenze der Leistungsfähigkeit von
3000 kW stehen geblieben, so daß gerade die bezüglich der Kohlenwirtschaft
 am ungünstigsten arbeitenden Anlagen frei geblieben
sind. Das wird aber zur Folge haben, daß solche schlecht arbeitenden
 Werke aus Lokalinteressen vielfach nur langsam zum Anschluß
 an große Kraftwerke bewogen werden können. Auch hier
würde ein sanfter Zwang, wie bei Einzelanlagen verlangt, beträchtliche
 Vorteile für die Kohlenwirtschaft bringen können.
Ebenso wie man bei der Erzeugung der Kraft, der Wärme
und des Lichtes höchste Wirtschaftlichkeit anstreben soll, muß
dies auch beim Verbrauch geschehen und ebenso bei der Verwendung
 der Erzeugnisse, denn in ihnen ist ja die aufgewehdete Kohle
usw. gebunden. Es wird sich dies sicher auch erzielen lassen, so
daß auch auf diesem Wege Ersparnisse erreichbar sind. Allerdings
 wird das nur mit vieler Kleinarbeit geschehen können und
as wird notwendig sein, um Erfolg zu erzielen, einen großen Kreis
der Bevölkerung ‚aufzuklären und aus ihrer Gewohnheit aufzurütteln.
 Das wird am besten dadurch geschehen, daß man sich
je nach den Verhältnissen ein Merkblatt macht ähnlich demjenigen,
das von mir früher *) während des Krieges aufgestellt wär. Dieses
Merkblatt muß ‚natürlich den jetzigen . bzw. zukünftigen Verhältnissen
 angepaßt werden. Als Grundlage hierfür kann folgendes
dienen:

1) ETZ 1918, S. 75.
        <pb n="92" />
        Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen.

Merkblatt.
Wie man elektrische Arbeit (und damit Kohlen) spart.
Im allgemeinen Interesse ist es notwendig an Kohlen zu sparen.
Dies muß insbesondere dadurch geschehen, daß jeder nur irgend
entbehrliche Verbrauch unterbleibt. Soweit dies nicht möglich,
 beachte man das Nachstehende:

A. Kraftbetrieb.
I, Man vermeide jeden’ längeren Leerlauf von Motoren.
2. Wenn der Motor in Betrieb ist, so benutze man ihn möglichst
 voll, indem man die zu erledigenden Arbeiten ansammelt‘
 und richtig verteilt.
Man lasse Arbeitsmaschinen und Vorgelege nicht unnötig
leer mitlaufen; gegebenenfalls setze man nicht gebrauchte
Arbeitsmaschinen, Vorgelege,. Transmissionen usw. durch
Entfernung des Riemens. usw. still.
Man vermeide verwickelte Anordnungen, wie mehrfache
Vorgelege, gekreuzte Riemen, lange Wellenstränge. Transmissionen
 belaste man nicht mitten zwischen sondern
nahe bei den Lagern. Der richtigen (weder zu großen noch
zu kleinen) Riemenspannung wende man Aufmerksamkeit zu,
Vorschaltwiderstände die elektrische Arbeit verzehren, verwende
 man nur in zwingenden Fällen. .

5

. B. Beleuchtung.
Man schalte Lampen. die nicht mehr benötigt werden, sofort
 aus,
Sofern noch Kohlefadenlampen Verwendung finden, tausche
man sie sofort gegen Metallfadenlampen höchstens gleicher
Kerzenstärke aus, da sie nur 1/, der elektrischen Arbeit; verbrauchen.
 .
Man bringe die Glühlampe tunlichst nahe am Gebrauchsort
 an. . .
Durch richtige Anwendung von Reflektoren kann man die
Beleuchtung an der Gebrauchsstelle verbessern oft sogar
bei geringerem Verbrauch an elektrischer Arbeit.
Man beseitige lichtverzehrende Schirme und Gehänge, soweit
 sie nicht etwa für den Schutz der Augen unentbehrlich
sind.

3

5
        <pb n="93" />
        Vollbahnen und Straßenbahnen.

RU

6. Arbeiten die bei natürlichem Licht gemacht werden können,
verrichte man nicht bei künstlicher Beleuchtung.

Um einen Erfolg zu erzielen, ist es notwendig solche Merkolätter
 in weitestem Umfang zu verbreiten. In Fabriken empfiehlt
es sich, sie am schwarzen Brett anzuschlagen und damit allen Arbeitern
 bekannt zu machen. Besonders wichtig ist es die Betriebsleiter,
 Werkführer usw. zum Sparen zu veranlassen, was gegebenenfalls
 darch Prämien auf Grund von erzielten Ersparnissen erreicht
werden. kann. .
Eine bedeutende Kohlenersparnis wird sich aus der Durchführung
 des elektrischen Vollbahnbetriebes, die ja auch von dem
Preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten und der Bayerischen.
 Staatebahnverwaltung schon seit einiger Zeit in Angriff
genommen ist, ergeben. Die nunmehr erfolgte Zusammenlegung
aller Bahnen zur Reichseisenbahn wird hoffentlich diese Bestrebungen
 fördern und es wäre zu hoffen, daß hier schon in kurzer
Zeit praktische Ergebnisse erzielt werden. Nach Wechmann!)
ist. die Ersparnis bei vollständig durchgeführter elektrischer Zugförderung
 auf rund 5 Mill. t jährlich zu veranschlagen. Allerdings
gchören zur Durchführung dieser Arbeit mindestens 20 Jahre,
wahrscheinlich sogar 40—50 Jahre, Es sind natürlich auch noch
viel Schwierigkeiten zu überwinden, insbesondere auch dadurch,
daß diese Einführung der‘ elektrischen Zugförderung mit einer
großzügigen Gewinnung der Nebenprodukte verbunden werden
soll. ‚Aber auch in der Übergangszeit ist beabsichtigt, schon dadurch
 wirtschaftlicher zu arbeiten, daß die Lokomotiven nicht
mehr mit Steinkohle, sondern. mit Halbkoks gefeuert werden. Das
bei der Erzeugung des letzteren gewonnene Gas soll in Gas-Kraftmaschinen
 in elektrische Arbeit umgewandelt werden.
Bei Straßenbahnen wird sich durch wirtschaftliches Fahren ?)
and durch zweckmäßige Anordnung von Haltestellen ?) eine Ersparnis
 an Kohle erzielen lassen. Volkers hat in seiner Schrift
„Die Fahrkunst auf Straßenbahnen‘‘ mit Recht auf die große Bedeutung
 des richtigen Fahrens hingewiesen und gezeigt, welche
Rrfolge sich durch gute Instruktion der Fahrer erzielen lassen.

1) Verkehrstechnik 1919, Heft 4.
2) Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen 1920, S. 85. {
3) Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen 1915, S. 1,1919, S. 41; E.
ı M 1917 S 448 und Zeitschr. f Kleinb. 1917. S 701
        <pb n="94" />
        jo Verringerung des Verbrauches von Brennstoffen,

Auch durch Einführung von Kugel- oder Rollenlager !) 1äßt sich
sine Kohlenersparnis erzielen... Nach L. Adler ergab sich bei
Meßfahrten der Großen Berliner Straßenbahn eine Stromersparnis
zwischen 6 und 10%. Hierzu kommt noch, daß die Kugellager
auch den Vorteil haben; daß sie im Betriebe eine leichtere Verschiebbarkeit
 der‘ Wagen von Hand bewirken.‘ Auf den Bahnhöfen
 und an Endhaltestellen ist dies von großem Vorteil. ;
In den Fabrikbetrieben wird sich durch Verbesserung der Transmissionen.
 und durch weitere Einführung "des elektrischen Antriebes
 viel Kohle sparen. lassen. Hierbei ist in jedem Falle sorgsam
 zu unterscheiden, ob Einzelantrieb, Gruppenantrieb oder Gesamtantrieb
 das Zweckmäßigste ist. Ist doch vielfach schon festgestellt‘
 worden, daß in Fabrikbetrieben der Wirkungsgrad von
der Kraftmaschine bis zur Arbeitsmaschine nur 30%, beträgt.
Selbst bei in neuerer Zeit erst eingerichteten Werkstätten
liegen oft die Verhältnisse noch ebenso: Die Kriegsrohstoffabteilung
 ?) “hat z. B. festgestellt, daß in einer‘ Fabrik, die
mit 25 - Transmissionen : arbeitet, "ein Verbrauch von 250 kW
bei normalem, Betriebe und von 165 kW bei Leerlauf vorhanden war.
Das "entspricht etwa 34%, Wirkungsgrad. Bei Erweiterung durch
neue Werkzeugmaschinen stieg der Wirkungsgrad auf etwa 50%.
Die Gesamtlänge der 25 Transmissionen (die Zwischenvorgelege
nicht eingerechnet) betrug etwa.1000 m. Der Leerlaufsverbrauch
stellte sich demnach in diesem Betriebe auf etwa 150 W für den
Meter Wellenlänge. ‘ Man, ersieht daraus, daß die Fabriken im
eigenen. Interesse gut daran tun, durch zeitweilige Messungen
festzustellen, wie höch die Verluste sind. Durch zweckmäßig
gewählten elektrischen Antrieb könne ©. viele Verlustquellen vermieden.
 werden, wobei außerdem die Übersichtlichkeit im Fabrik-»etriebe
 wesentlich ;erhöht wird.
Hierzu kommt noch, daß die Ausnutzung der Grundfläche, die
Anpassung an‘ die Produktion und die bessere Ausnutzung der
Krane oft bedeutende Vorteile bringt. Man ist beim elektrischen
Antrieb in der Aufstellung der Maschinen nicht mehr von der Lage
der Transmissionen abhängig und kann sich dem Arbeitsgange
vesser anpassen. ” Auch ein Versetzen der Maschinen bei Änderungen
des Arbeitsprogrammes ist. leichter ‚möglich. .Durch .den Fortfall

‘) ETZ 1918, S.:458.
’) Helios 1918, Heft 35. 8. 619.
        <pb n="95" />
        Kraftbetriebe und Beleuchtung,

91

der Riemen wird außerdem ‚die natürliche Beleuchtung durch
Tageslicht viel gehindert, so daß an künstlichem Licht oft beträchtlich
 gespart werden kann: Durch richtige Bemessung der Werkzeug-
 und Arbeitsmaschinen, durch vermehrte Anwendung . von
Kugel- und Rollenlager oder anderer verbesserter Lagerkonstruktionen
 wird vielfach beträchtlich an Kohle. gespart werden können.
Auch durch die richtige Ausnutzung der auf beleuchtungstechnischem
 Gebiete erzielten Fortschritte wird es möglich sein,
den. Brennstoffverbrauch zu verringern, obgleich man sich über
die dadurch ‚erzielbare Menge der zu sparenden Kohle usw. keinen
falschen Hoffnungen hingeben darf, Macht doch die Beleuchtung
z. B. bei Elektrizitätswerken heute nur noch 8%, der abgegebenen
elektrischen Arbeit aus. Wenn auch bei industriellen Einzelanlagen
 der Anteil des Lichtes vielleicht etwas größer ist, so bleibt
sr doch immer niedrig. Da die Benutzungsstundenzahl für die
Beleuchtung gegenüber der für Kraft eine niedrigere ist, kann eben
hier keine so erhebliche Ersparnis erzielt werden, wie man es gemeinhin
 glaubt. Man muß jedöch selbstverständlich auch diese
geringe Kohlenersparnisse mitnehmen, namentlich: soweit sie gleichzeitig
 auch ein wirtschaftlicher Vorteil für den Benutzer der Beleuchtung
 ist. Noch immer werden Kohlenfadenlampen benutzt
in Fällen, in denen die Brenndauer beträchtlich ist.‘ Ihr Verwendungsgebiet
 sollte ausschließlich auf sehr kurze Benutzungsdauer
 beschränkt werden, da der spezifische Verbrauch 3—5 mal
größer ist als der von Metallfaden und Halbwattlampen. Nach
Ausweis des Statistischen Reichsamtes wurden im‘ Jahre 1911
noch 11*, Millionen Kohlenfadenlampen in Deutschland verbraucht.
 Diese Zahl ging bis zum Jahre 1913 auf üngefähr 7'/,
Millionen ‚zurück, Wenngleich dies als erfreulich zu bezeichnen
ist, so habe ich doch leider feststellen müssen; daß sogar im Jahre
1916 noch ungefähr 4 Millionen Kohlenfadenlampen: in Deutschland
 verbraucht wurden.
Die Halbwattlampe sollte, soweit nur irgend möglich, Anwendung
 finden und übertriebene Beleuchtung sollte möglichst vermieden.
 werden. Nur allzu oft wird der Fehler’ gemacht, daß man
zlaubt, eine Verbesserung der Beleuchtung dadurch zu erreichen,
daß eine Vergrößerung der ‚Lichtquelle vorgenommen wird, ‘ Durch
sachgemäße Verteilung des Lichtes wird vielfach ein, ebenso bedeutender
 ‚Vorteil erreicht werden können. Namentlich soll man
immer dahin streben, eine gute örtliche Beleuchtung zu erreichen
        <pb n="96" />
        92 Verringerung des Verbrauches von Brennstoften,

ohne die allgemeine Beleuchtung zu übertreiben. Das trifft ganz
besonders für industrielle Verwendung der Beleuchtung zu. Ferner
wird durch Reflektoren auch vielfach zweckmäßig dieses Ziel erreicht
 werden können. "U
Ebenso wird man viel Erfolg erzielen können durch richtige
Ausbildung von Beleuchtungkörpern und richtige Anordnung der
Lampen. Überhaupt ist es wichtig durch weitere Verbreitung von
Aufklärung auf beleuchtungs-technischem Gebiet sparend zu wirken,
 da nach dieser Richtung hin selbst in Kreisen von Ingenieuren
noch vielfach ungenügende Kenntnisse vorhanden sind. Auf meine
Veranlassung hin hat die „Deutsche Beleuchtungs-technische Gesellschaft‘“
 jetzt in großzügiger Weise die Fortbildung auf diesem
Gebiet übernommen, und es ‚werden solche Kurse in größerem
Maßstabe durchgeführt. Zunächst ist ein Kursus zur Ausbildung
von: Beleuchtungs-Ingenieuren angesetzt, bei dem folgende Vorträge
 gehalten werden:

i. Die heutige Bedeutung der Beleuchtungstechnik ;
2. wissenschaftliche Grundlagen der Lichterzeugung;
3. Photometrie;
1. Hygiene der Beleuchtung; p
5. elektrische. Lampen;
6. Gaslampen;
7. Petroleum-, Spiritus-, Benzol- und Azetylenlampen; .
8. Ausbildung von Reflektoren, Armaturen und Beleuchtungskörpern;
 ;
Projektierung von Beleuchtungsanlagen, Berechnung der
Beleuchtung;
10 ‚elektrische Straßenbeleuchtung;;
11. Straßenbeleuchtung mit Gas;
12.. Beleuchtung von Wohnungen, Bureaus, Verkaufsräumen
und Fabriken;
13. Beleuchtung von Kirchen, Schulen, Festsälen und Theatern;
14, Beleuchtung von Bahnanlagen und Fahrzeugen;
15. Scheinwerfer und Projektionsapparate. :
In den Jahren 1916 und 1917 war zur Erzielung von Kohlenersparnissen
 die Sommerzeit: eingeführt worden, In den späteren
Jahren hat man von ihr abgesehen, weil der Nutzen nicht sehr
erheblich, die Unannehmlichkeiten auf dem Lande aber sehr groß
waren. Es hat sich auch gezeigt. daß auf dem Lande keine Er-)
        <pb n="97" />
        Sommerzeit.

98

sparnisse erzielt werden. Siegel!) hat nachgewiesen, daß bei
den Elektrizitätswerken etwa 0,3%, des Gesamt-Jahresverbrauches
gespart wird. Da letzter jetzt ungefähr 8 Milliarden ?), kWh beträgt,
 ergibt sich eine Ersparnis von etwa 25 000 t. Hinzu kommt

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Abb. 39. Einfluß der Sommerzeit
auf die Nachmittagsbelastung in Prozenten.


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Abb. 40. Einfluß der Sommerzeit
auf die Nachmittagsbelastung in Prozeanten.


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Abb. 41... Einfluß der Sommerzeit‘ Abb. 42. Einfluß der Sommerzeit
auf die Nachmittagsbelastung in Pro- auf die Nachmittagsbelastung in Prozenten.
 zenten.

1) ETZ 1919, S. 357.
*) Die von Siegel angegebene Zahl 3 Milliarden ist nicht zutreffend,
da ja schon 1913 die Abgabe 4,3 Milliarden kWh: betragen hat (siehe ETZ
1914, 8. 907).
        <pb n="98" />
        4

Weitgehendste Verwendung geringwertiger Brennstoffe.

hoch‘ die Ersparnis in Einzelanlagen mit etwa 15000 t und bei
len Gaswerken mit etwa 25.000 ti. ‘Das ergibt zusammen rund
65000 t jährlich, d. h. etwa 0,05%
der jetzigen“ Steinkohlenförderung.
Da die für Licht verbrauchte eleksrische
 Arbeit aber im allgemeinen
»twa‘ 3mal höher bezahlt wird als
lie für Kraft abgegebene, so entsteht
den Elektrizitätswerken ein beträcht-‘icher
 Schaden. Nach. Siegel ‚entspricht
 der Verringerung der Stromabgabe
 um 0,3%, eine solche der Ein-1ahme
 um 0,9%.
Aus den Abb. 39—43 ist die Einwirkung
 der Sommerzeit auf eine
Anzahl Elektrizitätswerke dargestellt.
Diese Kurven sind der eben erwähnten
Arbeit von Dr. Siegel: entnommen.

0

20
7
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Abb. 43. Einfluß 'der Sommer--eit
 auf die- Nachmittagsbelastune
 in Prozenten.

D. Weitgehendste Verwendung geringwertiger
Brennstoffe. ;

Allgemeines über geringwertige Brennstoffe‘ — * Ölschiefer — Vergasung
geringwertiger Brennstoffe — Müllverbrennung.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die zur Verfügung
stehenden. Brennstoffmengen auch bei größter Sparsamkeit in den
nächsten Jahren nicht mit dem Bedarf in Einklang gebracht werden
können, da die zur Erzielung erheblicher Mehrmengen von Brennstoffen
 und für die Erreichung von Einsparungen notwendigen
Arbeiten zum Teil mehrere Jahre für ihre Durchführung benötigen.
Die Hauptschwierigkeiten werden naturgemäß bei der Steinkohle
liegen, doch werden auch die in nächster Zeit zur Verfügung stehenden
 Braunkohlen und der gewinnbare Torf nicht ausreichen.
Letzterer wird zunächst wesentlich für den Hausbrand in Frage
kommen, da die Anlagen, die zur Verwertung desselben zur Elektrizitätserzeugung
 gebaut‘ werden müssen, wiederum Jahre für ihre
Errichtung brauchen. Das Holz wird für den Hausbrand einspringen
 müssen, was aber nur vorübergehend durchgeführt werden
sollte, da.sonst unsere Bestände zu stark in ‘Anspruch genommen
werden, und für das Holz andere wichtige Verwendung vorhanden
        <pb n="99" />
        Ölschiefer und Müllverbrennung.

95

ıst. Unter diesen Umständen. ‚ist es notwendig, mit allen zur Verfügung
 stehenden Mitteln dafür zu sorgen, daß die bereits. vorhandenen.
 und. noch gewinnbaren geringwertigen Brennstoffe möglichst
 weitgehendste Verwendung finden.
Sofort stehen z. B. die umfangreichen Halden von. Steinkohlenzrus,
 die‘ Waschberge, Klaubeberge,“ der Kohlenstaub, Kohlenschlamm,
 Koksasche usw., zur Verfügung. :
Diese Brennstoffe enthalten je nach Zusammensetzung 4500
bis 5500 Wärmeeinheiten, so daß ihre Benutzung keine Schwierigkeiten
 bietet. Außerdem kann sofort die-in verhältnismäßig
zroßen Mengen vorhandene Lokomoötivlösche weitergehende Verwendung
 finden als dies bisher geschieht. Ferner sind zu nennen
an geringwertigen. Brennstoffen: Sägemehl, Gerberlohe, Waldstreu,
Schilf "und ähnliches.
Dem Ölschiefer 1) ist bisher in Deutschland. verhältnismäßig
wenig Beachtung geschenkt worden. Er dürfte jedoch geeignet
sein, einen beachtenswerten Ersatz für Kohle zu bieten. Sein
Vorkommen ist erheblich, denn es sollen sich nach Trenkler in
Deutschland, 117 Milliarden t vorfinden. In Bayern, Württemberg,
 Hessen und auch in Norddeutschland kommt er in großen
Mengen vor und kann leicht abgebaut werden. Er kann verbrannt
oder vergast werden, und es kann aus ihm Öl gewonnen werden,
Jas seinerseits wieder verbrannt werden kann. Neben Rohöl,
das außer für Kessel auch für Dieselmotoren Verwendung finden
kann, werden aber auch Leichtöle, Mittelöle und Schmieröle gewonnen.
 Der Ölgehalt beträgt 3—5%.
Auch die Müllverbrennung ist in diesem Zusammenhang zu
betrachten, zumal sie auch in hygienischer Beziehung die kLeste
Lösung zur Beseitigung des Mülls darstellt. In nranchen Orten
‚ind. die Schwierigkeiten der Müllverbrennung recht bedeutend,
da das Müll so wenig brennbare Stoffe enthält; daß eine Verbrennung
 nur unter Zusatz von besseren brennbaren Stoffen mögich
 ist. In anderen Orten dagegen hatte sich gezeigt ?), daß das
Müll ohne Zusatz gut verbrennt. In den letzten Jahren werden
die Schwierigkeiten wahrscheinlich noch größer geworden sein,
Ja ja durch die schlechteren Ernährüungsverhältnisse und die ge-1)

 ETZ 1920, S. 354.
2) Näheres siehe in dem Aufsatz „Die Bedeutung der Müllverbrennung für
lie Elektrotechnik“, ETZ 1907, S. 641.
        <pb n="100" />
        36 Weitgehendste Verwendung geringwertger Brennstoffe.

3amte ungünstige wirtschaftliche Lage das Müll wahrscheinlich
noch schlechter geworden ist. Es sollte aber immerhin versucht
werden, soweit irgend möglich, die Müllverbrennung durchzuführen
und die überschüssige Wärme zur Erzeugung von Elektrizität zu
benutzen. Hierzu kommt noch, daß die Schwierigkeiten der Abfuhr
 des Mülls jetzt wesentlich größere sind.als früher ung daß
die Kosten dieser Abfuhr ganz außerordentlich gestiegen sind.
Es wird also bei Durchführung der Müllverbrennung nicht nur
eine wesentliche Wärmequelle erschlossen, sondern es ist außerdem
noch möglich, die Schlacken zu Steinen zu verarbeiten und auf
diese Weise einen Ersatz für Baumaterialien zu schaffen, die sonst
ınter Anwendung von Brennstoffen hergestellt werden müssen.
Man kann annehmen, daß pro Tag und Einwohner 0,5 kg
Müll anfallen und daß pro Tonne Müll 35—50 kWh nutzbar abgegeben
 werden können. Auf den Einwohner und das Jahr bezogen
 werden ungefähr 6—8 kWh nach Abzug des’ Selbstverbrauches
 von der Müllverbrennungsanlage nutzbar abgegeben werden
 können. .
Diese minderwertigen Brennstoffe vertragen naturgemäß keinen
Transport und müssen am Orte oder in der Nähe des Anfalles
verwertet werden. Daß dies leider auch heute noch vielfach nicht
zeschieht, geht z. B. aus den Mitteilungen von Diplom-Ingenieur
A. Wirth?!) hervor, Er sagt, daß heute noch auf den Zechen
Förderkohlen verstocht werden und die minderwertigen‘ Stoffe
auf die Halden gehen oder billig abgegeben werden.
Da nun diese minderwertigen Brennstoffe an. Ort und Stelle
verbraucht werden müssen, wird es sich in der Regel am zweckmäßigsten
 erweisen, sie zur Elektrizitätserzeugung zu verwenden
ınd gegebenenfalls durch den Draht die Arbeit dorthin zu bringen.
wo sie Verwendung finden kann.

E. Die Bedeutung der Transportverhältnisse.
Transportkrisen. — Güte der Kohle — Transport geringwertiger Kohle —
Briquettierung von Braunkohle — Zweckmäßige Verteilung —. Bahnen,
Kanäle, Wege und elektrische Leitungen — Elektrizitätswerke.
. Es ist ja bekannt, daß die Kohlennot nicht allein eine Frage der
Förderung von Kohlen usw. ist, sondern sie ist während eines
großen Teiles des Jahres auch eine Frage der Beförderung, so
‘) Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, 1920. Heft 11. SS 248.
        <pb n="101" />
        Transportkrisen.

7

daß es notwendig ist, sich hier auch mit den Transportverhältnissen
zu befassen. Besonders nach der Ernte hat sich schon im Frieden
immer eine große Knappheit an Transportmitteln ergeben, die
dazu führte, daß die geförderten Kohlen nicht abtransportiert
werden konnten. Über diese schwierigen Zeiten kam man aber
früher dadurch hinweg, daß man in verkehrsschwächeren Zeiten
Vorräte von Brennstoffen geschaffen hat. Das ist aber bei der
jetzigen Knappheit an Brennstoffen unmöglich und die Transportschwierigkeiten
 machen sich nun jetzt sehr viel mehr bemerkbar,
zumal, ja auch das Wagenmaterial durch die Abgabe an die Entente
 unzulässig verringert worden ist. Weiterhin ist aber auch
dadurch, daß in den Reparaturstätten monatelang wenig und gar
aichts getan worden ist, der Reparaturstand an Wagen und Lokomotiven
 ein sehr schlechter geworden, so daß die Anforderungen,
die an die Eisenbahnen gestellt werden, von ihr oft nicht erfüllt
werden können. Das Heilmittel ist hier natürlich ganz einfach,
da es nur einer fleißigen Arbeit in den Eisenbahnwerkstätten
und den Reparaturwerkstätten der Industrie bedarf, um wenigstens
 die vorhandenen Lokomotiven und Wagen brauchbar zu
machen. Trotz größter Bemühungen ist es ja bekanntlich nur
in sehr geringem Umfange gelungen, die Arbeiter in den Reparaturwerkstätten
 dahin zu bringen, genügend Arbeit zu leisten. Neben
der Verbesserung des Reparaturstandes der Lokomotiven und
Wagen ist weiterhin die Herstellung neuer Betriebsmittel dringend
notwendig. Doch auch hierzu bedarf es fleißiger Arbeit.und nicht
fortwährender Streiks.
Durch weiteren Ausbau unseres Kanalnetzes muß eine Entlastung
 der Eisenbahnen erreicht werden. Es ist notwendig, die
geplanten Kanäle bald zu bauen und gegebenenfalls noch weitere
Projekte in Angriff zu nehmen. Es muß außerdem mit größter
Sorgfalt darauf geachtet werden, daß die Wasserwege aufs höchste
ausgenutzt werden, um die Eisenbahnen zu entlasten.
Eine große Gefahr droht unserer Kohlenversorgung und besonders
 der Süddeutschlands noch durch die von der Entente
verlangte Abgabe von Rheinschiffen, Es muß alles versucht werden,
um diese schwere Schädigung abzuwenden, da die Eisenbahnen
sehr stark auf die Unterstützung durch die Wasserstraßen anzewiesen
 sind,
Ein weiteres sofort durchführbares Mittel zur Entlastung der
Bahnen besteht darin, daß die Güte der Kohle wieder auf den Stand

Dettmar, Beseitigung der Kohlennot,
        <pb n="102" />
        38

Die Bedeutung der Transportverhältnisse.

gebracht wird, den sie, vor dem Kriege hatte. Während früher
8$—10°%, Stein, Erde usw. in der Steinkohle enthalten waren,
sind es jetzt meist 20—30°, und manchmal noch mehr. Es können
also beträchtliche Mengen an Betriebsmitteln gespart werden,
wenn die Bergarbeiter wieder so arbeiten würden, wie ‚vor dem
Kriege
Wie schon oben erwähnt, sollen die geringwertigen Brennstoffe
am Gewinnungsort oder doch in dessen nächster Nähe verwertet
werden, da sonst die Transportmittel zu stark durch sie in Anspruch
genommen. werden. Dieser Gesichtspunkt sollte möglichst allgemein
 durchgeführt werden, so daß ein Brennstoff um so weniger
weit transportiert wird, je weniger Wärmeeinheiten er enthält.
Auf die zweckmäßige Verteilung der Brennstoffe ist bisher noch
wenig Rücksicht genommen worden. ZZ. B. werden aus Braunkohlen
 Briketts hergestellt, um sie besser transportieren zu können.
Das ist aber hur richtig, soweit es sich um Hausbrand handelt
und um industriellen Bedarf, der tatsächlich nicht anders befriedigt
 werden kann. Wenn es aber möglich ist, Kraft, Licht und
Wärme aus einem auf der Grube befindlichen‘ Kraftwerke zu beziehen,
 SO ist es eine unsinnige Verschwendung, wenn man das
nicht tut und Briketts unter Inanspruchnahme von Transportmitteln
 in verhältnismäßig geringer Entfernung von der Grube
verwendet oder wenn gar Steinkohlen innerhalb des Versorgungsgebietes
 von Braunkohlengruben verwendet werden.
Bei der Benutzung von Braunkohlenbriketts zur Krafterzeugung
 in geringer Entfernung von der Braunkohlengrube ist noch
zu berücksichtigen, daß hier die Verschwendung eine doppelte
ist. Es werden nicht nur Lokomotiven und Wagen unnötigerweise
 in Anspruch genommen, sondern es wird auch viel. mehr
Brennstoff aufgewendet, denn zur Herstellung von 1 t Briketts
braucht man 3 t Rohbraunkohle!). Auch Prof. Kegel?) betont
 die volkswirtschaftlich erheblichen Verluste bei der Brikettierung,
 die für 1 kg Brikett 1650 Wärmeeinheiten betragen,
Es ist unbedingt wichtig, daß die Verteilung der Brennstoffe zur
Krafterzeugung durch Bahnen, Kanäle und Straßen in sinngemäße
Verbindung mit der Elektrizitätsverteilung gebracht wird. Die Schienen
 sowie die Kanäle und Straßen müssen mit den elektrischen An-1)

 Freie Wirtschaft 1919, Heft 11/12, S. 366 u. S. 390.
?) Siehe Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, 1920, S. 128.
        <pb n="103" />
        Bahnen, Kanäle, Straßen und Leitungen, 99

lagen zusammen von einheitlichem Gesichtspunkte aus betrachtet
werden, denn sie sind alle vier als wichtige Mittel der Energiewirtschaft
 zu betrachten. Die Braunkohle z. B. wird zweckmäßig
 am Fundorte in Elektrizität umgewandelt und durch den
Draht verteilt, so daß die Bahnen entlastet werden. Im Bereiche
 einer solchen Zentrale sollten dann aber Kraftbetriebe mit
Steinkohle, Treibölen usw. möglichst ganz vermieden werden.
Wenn von solchen großen Gesichtspunkten aus eine richtige Verteilung
 der Brennstoffe vorgenommen wird, würden auch die

VORGE

Abb. 44. Die Steinkohlenlager Deutschlands.

Leitungsnetze der Kraftwerke zweckmäßiger verwertet werden,
und sie werden auch wirtschaftlicher ausgenutzt. Was für Braunkohle
 gesagt ist, gilt noch vielmehr für geringwertige Brennstoffe,
Die in ‚vorstehendem empfohlene stärkere Heranziehung der
Braunkohle wirkt auch auf die Transportverhältnisse zurück
und zwar in günstigem Sinne. Wie aus den Abb. 44 und 45 zu
ersehen ist, sind die Braunkohlenlager !) ganz erheblich günstiger

1) Diese Abbildungen sind entnommen dem Aufsatz „Die Verwendung
geringwertiger Brennstoffe zur einheitlichen Versorgung Deutschlands mit
elektrischer Energie“ von F. Bartel,. ETZ 1912, S. 706.
        <pb n="104" />
        100 Die Bedeutung der Transportverhältnisse.

über Deutschland verteilt, als dies bei den Steinkohlenlagern der
Fall ist, so daß naturgemäß bei stärkerer Verwendung von Braunkohlen
 die Transportmittel weniger in Anspruch genommen werden.
Im Bereiche eines Kraftwerkes, das ganz oder vorwiegend
Wasser ausnutzt, sollte Brennstoff zur Kraft -und Lichterzeugung
iberhaupt nicht verbraucht werden, und im Bereiche eines Wärmekraftwerkes
 sollten zur Kraft- und Lichterzeugung nur geringerwertige
 Brennstoffe als das Kraftwerk verwendet, benutzt werden,
sofern. letztere dort anfallen. Solche Grundsätze sollten für neue
Anlagen streng durchgeführt werden und es wäre erwünscht, daß

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fx

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&amp;gt;

5b. 45. Die Braunkohlenlager Deutschlande.

auch bestehende Anlagen sie möglichst bald berücksichtigen.
Gegebenenfalls müßte Zwang angewendet werden um diese allgemein-wirtschaftlichen
 Gesichtspunkte zur Durchführung zu bringen.
Maßgebend muß sein, daß irgendwo benötigte Kraft,
Wärme, Licht usw. so erzeugt wird, daß wärmetechnisch
wie transporttechnisch möglichst wirtschaftlich vom
Standpunkte der Gesamtheit aus gearbeitet wird. Natürlich
 wird sich das nicht in jedem einzelnen Falle voll durchführen
jassen. Aber es sollte doch dahin gestrebt werden, daß überxiegend
 solche Grundsätze maßgebend sind und daß nicht nur
        <pb n="105" />
        Übertragung von Elektrizität oder Wärme. 101

ler wirtschaftliche Gesichtspunkt des einzelnen zur Geltung gebracht
 wird. Im übrigen ist hierbei auch noch zu beachten, daß
solche wirtschaftlichen Berechnungen, die von dem einzeln durchzeführt
 werden, vielfach auf unrichtiger Grundlage gemacht
werden. Bei richtiger Kalkulation der Selbstkosten wird meist
auch der Vorteil des einzelnen mit dem der Allgemeinheit zusammenallen.
 Aber gerade bei der Berechnung der Selbstkosten von
Kraftanlagen werden vielfach außerordentliche Fehler begangen.

F. Zusammenfassung der Ergebnisse.
Bedeutung der Elektrotechnik — Aufklärung über die Beseitigung der Kohlennot
 — Kohlenausfuhr — Hauptstelle für Wärmewirtschaft — Wärmestellen
der Eisenhüttenleute — Kurse über Wärmewirtschaft — Liste der zu ergreifenden
 Maßnahmen.
Bei den vorstehenden Betrachtungen hat sich an vielen Stellen
zezeigt, daß die Elektrotechnik außerordentlich wertvolle Hilfsmittel
 zur Beseitigung der Kohlennot bieten kann. Von grundjegender
 Bedeutung: ist aber eine wirklich rationelle Wärmewirtschaft.
 Wir haben gesehen, daß die Kraft- und Wärmewirtschaft
 zusammengehören und daß sie vielfach örtlich vereinigt
werden müssen. Da nun aber der Kraft- und Wärmebedarf
sich nicht immer ebenso vereinigen läßt, so ist es in
vielen Fällen notwendig,’ entweder die Kraft oder die
Wärme zu übertragen. Es bietet nun gerade die Elekirotechnik
 die Möglichkeit, die Kraft unbegrenzt fortzuleiten,
 während die Übertragung der Wärme meist
schwierig, teuer und unwirtschaftlich ist, wenigstens
soweit erhebliche Entfernungen in Frage kommen... Die
Übertragung der Kraft in Form von Elektrizität‘ über ganze Provinzen
 bietet aber keine Schwierigkeiten mehr.
Die städtischen Elektrizitätswerke und Überlandzentralen werden
 ihre hervorragende Stellung, die sie sich bezüglich der
Versorgung mit Kraft und Licht errungen haben, in Zukunft
nur behalten, wenn sie in wärmetechnischer Beziehung verbessert
werden. Wie vorstehend gezeigt, beträgt die mittlere. Wärme:
ausnutzung nur ungefähr 8-—9°%, und steigt bei großen Kraftwerken
 auf 12—14°%,. Durch geeignete Verwertung der Abwärme
und durch Vereinigung mit Heizwerken unter Vorbenutzung des
Heizdampfes wird man nach einer Verbesserung in wärmetech-
        <pb n="106" />
        102

Zusammenfassung der Ergebnisse.

nischer Beziehung streben müssen. Wenn hierbei die an sich erstrebenswerte
 Vereinigung kleinerer und mittlerer Kraftwerke zu
großen Kraftwerken im einzelnen Falle hinderlich ist, so wird sie
unter Umständen unterlassen werden müssen, da die Verbesserung
in wärmetechnischer Beziehung in vielen Fällen weit größere
Erfolge verspricht als die Verbesserung beim Anschluß an große
Kraftwerke. Es ist von Fall zu Fall zu prüfen, welcher Weg. der
richtigere ist, wobei als Ideal natürlich zu betrachten wäre, weitgehendste
 Zentralisierung . in großen Kraftwerken unter guter
Wärmeausnutzung bei letzterem. Inwieweit dies jedoch möglich
ist, hängt von den örtlichen Verhältnissen ab, da ja eine weitgehendste
 Wärmeausnutzung bei großen Kraftwerken nur möglich
ist, wenn dies in Verbindung mit anderen Industriezweigen oder
sonstigen Wärmeverbrauchern geschehen kann. .
Die elektrischen Kraftwerke werden fraglos in Zukunft die geeignetsten‘
 Lieferer für Beleuchtung sein und sie werden auch die
Kleinkraft am besten an die vielen zerstreut liegenden Verbraucher
geben können. Auch für die Verteilung: von Großkraft werden
sie stets erfolgreich sein, soweit deren Verbraucher keine Wärme
benötigen. Soweit jedoch solche Kraftverbraucher gleichzeitig
auch Wärme verbrauchen, muß ’ein Ausgleich der beiderseitigen
Interessen unter Erreichung eines möglichst hohen wärmetechnischen
 Wirkungsgrades angestrebt werden, soweit dies die örtlichen
 Verhältnisse ermöglichen. Zur Erreichung dieses Zieles
werden die Elektrizitätswerke die Verhältnisse bei ihren Abnehmern
 sehr eingehend studieren müssen und sie werden mit ihren
Großabnehmern zusammenarbeiten müssen, um eine möglichst
weitgehendste Wärmeausnutzung zu erreichen, ohne die Sicherheit
and Übersichtlichkeit ihres eigenen Betriebes zu gefährden.
Gerbel faßt in seinem Buche „Kraft- und Wärmewirtschaft
in der Industrie“ ?) die sich aus einer guten Wärmewirtschaft ergebenden
 Anforderungen an die Elektrizitätswirtschaft wie folgt
zusammen:
„Dies weist aber auf einen neuen Weg für die Entwicklung
der Elektrizitätswerke. Die Dampfkraftelektrizitätswerke nehmen
immer größere Dimensionen an; denn durch die Zentralisierung
werden große wirtschaftliche Vorteile, Verbilligung und Vereinfachung
 erzielt, Demgegenüber erheischt die volkswirtschaftliche

1) Verlag von Julius Springer 1918, S. 92.
        <pb n="107" />
        Notwendigkeit der Aufklärung,

\ 103

Bedeutung der rationellen Abwärmeverwertung eine Dezentralisation
 der Werke, eine Zerteilung in kleinere Einheiten, deren
Größe durch das Gebiet gegeben ist, welches mit der Abwärme
versorgt werden kann. ' Daraus resultiert eine Unterteilung, bei
welcher natürlich noch eine Menge andere Momente für die Gliederung
 der Versorgungsgebiete in Frage kommen. Wenn nun auch
nicht damit zu rechnen ist, daß bestehende Städtezentralen ohne
weiteres unterteilt und mit ihren Teilen am verschiedene Stellen
der betreffenden Städte umgestellt werden, so wird die Möglichkeit
 der Abfallwärmeverwertung zumindest bei Erweiterungsnotwendigkeiten
 in Hinkunft nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.
In deutschen Städten wird diesen Erkenntnissen bereits Rechnung
getragen; auf Grund der guten Erfolge, die in München mit der
Schwabinger Anstalt erzielt wurden, wird beispielsweise beim Neubau
 des dortigen Technischen Museums eine Elektrizitätszentrale,
deren Abwärme zur Beheizung des Museums dienen wird, als
Erweiterung der Münchener Elektrizitätswerke gebaut“.
Ein weiteres Beispiel großzügiger Abwärmeverwertung gibt das
Kraftwerk Fortuna‘ der Rheinischen Aktiengesellschaft Fortunagrube
 in Bergheim a. d. Erft. In der dort befindlichen Brikettfabrik
 werden große Mengen Fabrikationsdampf niederer Spannung
 benötigt. In 18 großen Dampfkesseln wird aber Dampf
hoher Spannung erzeugt und zum Betriebe von Dampfturbinen,
deren 5 Stück von ca. 32 000 kW Leistungsfähigkeit vorhanden
sind, verwendet. Ein Teil des erzeugten Drehstromes wird, auf
sine Spannung von 25000 Volt transformiert, zum Teil den in
der Nähe befindlichen Elektrowerken und der Stadt Köln geliefert,
der andere Teil wird im Kreise Bergheim und zum Betriebe der
Gruben verbraucht. Die Gestehungskosten sind ‚entsprechend
niedrig.
Für die Erzielung von Kohlenersparnissen ist es von besonderer
Bedeutung, daß die Überzeugung für die Notwendigkeit derselben
in alle Kreise getragen wird, daß auch wirklich das geschieht.
was als notwendig erkannt ist. Dann werden wir nicht nur mit
den zur Verfügung stehenden Brennstoffen auskommen, sondern
wir werden auch noch ungeheure Ersparnisse, die mehrere Milliarden
betragen, machen können. Das Wichtigste wird aber sein, daß die
wirtschaftliche Schädigung, die unsere Industrie jetzt durch den
Kohlenmangel zu ertragen hat, aufhört und dadurch indirekt riesige
Verluste vermieden werden.
        <pb n="108" />
        104

Zusammenfassung der Ergebnisse.

Vielleicht empfiehlt es sich auch, nach amerikanischem Muster,
das Kino zu Hilfe zu nehmen, um Aufklärung über die Notwendigkeit
 und die Durchführung von Sparmaßnahmen zu verbreiten.
Während des Krieges. ist in Amerika zur Bekämpfung der Kohlenverschwendung
 der Film sehr geschickt verwendet worden, und
es dürfte sicherlich auch bei uns von großem Erfolge sein, wenn
man ihn systematisch ausbildete zur Erzielung einer wirtschaftlichen
 Verwendung der knappen Brennstoffbestände..
Der riesige Kohlenpreis wird vielleicht die Bemühungen zur
Kohlenersparnis beträchtlich fördern, da alle Verbraucher immer
wieder daran erinnert werden, den Betrieb billiger zu gestalten,
Trotz aller Kohlenknappheit werden wir in den nächsten Jahren
die Kohlenausfuhr nicht ganz unterlassen können, da wir Lebensmittel
 und Rohstoffe, die wir einführen, mit Kohle bezahlen müssen.
Wir werden also auch in den nächsten. Jahren trotz allerschärfster
Kohlenknappheit noch geringe Mengen‘ ins Ausland schicken
müssen. Wir werden aber versuchen müssen, später so viel Kohle
wie nur irgend möglich für die Ausfuhr frei zu machen, da die
Steinkohle eins der wichtigsten Produkte zur Bezahlung der für
uns notwendigen Einfuhr ist. Wenn es‘ also gelingt, durch Umstellung
 auf Braunkohlen, Torf, Ölschiefer usw. und durch Ausbau
der Wasserkräfte, der Ausnutzung des Windes, der Ebbe und
Flut Steinkohle zu sparen, so wird man diese zweckmäßig als
Tauschobjekt für die notwendigen Rohstoffe und Lebensmittel
verwenden müssen, und es ist wichtig, so schnell wie möglich
Steinkohle für diesen Zweck frei zu machen, ohne das deutsche
Wirtschaftsleben zu schädigen. Naturgemäß eignet sich aber zur
Ausfuhr nur hochwertige Kohle, und es ist daher von besonderer
Bedeutung, diese soweit irgend angängig, durch geringwertigere zu
arsetzen.
In letzter Zeit sind schon verschiedene Einrichtungen getroffen
worden, die dazu bestimmt sind, eine bessere Wärmewirtschaft
zu erzielen. Der Verein Deutscher Ingenieure hat. eine „Hauptstelle
 für Wärmewirtschaft‘“ 1) geschaffen, die einen Austausch
aller Erfahrungen ermöglichen soll. Sie hat folgende Richtlinien
aufgestellt.

Die Selbstverwaltung in der Wärmewirtschaft,
Eine durchgreifende Besserung in der Wärmewirtschaft kann
nur dann erzielt werden, wenn ihre volkswirtschaftliche Bedeu-1)
 ETZ 1919, S. 619.
        <pb n="109" />
        Wärmewirtschaftsstellen.

105

tung vom ganzen Volke voll erfaßt wird und alle beteiligten Stellen,
vom Heizer bis zum Fabrikleiter, an ihrem Ausbau tätig mitwirken.
 Der Staat kann die erforderliche Kleinarbeit nicht leisten
und auch ausreichende Mittel und Kräfte nicht aufbringen. Er
kann die lebensvolle Betätigung der werktätigen Schichten nicht
ersetzen, muß sich vielmehr auf regelnde Tätigkeit beschränken.
In dem Maße, in dem freiwillige Selbsthilfe dem gewollten Ziele
zustrebt, wird behördlicher Zwang entbehrlich.
Grundsätzlich müssen alle sachverständigen Kräfte (Fachvereine,
 beratende Ingenieure usw.) und alle in Betracht kommenden
ausführenden Stellen für die Besserung der Wärmewirtschaft
wirksam gemacht werden. ‘Besonders zweckmäßig erscheint die
Einrichtung von Wärmewirtschaftsstellen, deren Aufbau und Ziele
m folgenden näher behandelt werden.

Aufgabe der Wärmewirtschaftsstellen,
Wärmewirtschaftsstellen als Selbstverwaltungskörper der Industrie
 sollen dieser als technisch-sachkundige Berater für Ersparnismaßnahmen
 auf dem Gebiete der Wärmewirtschaft zur Seite
stehen. Sie sollen hierbei vorwiegend Rat und Unterstützung
in der Durchführung solcher Maßnahmen geben, die ohne erhebliche
 Anlagekosten in kurzer Zeit möglichst große Brennstoffersparnisse
 herbeiführen.
Theoretisch-wissenschaftliche Forschungen gehören nicht in den
Arbeitsbereich der Wärmewirtschaftsstellen.
Eine weitere Aufgabe der Wärmewirtschaftsstellen besteht im
Zusammenfassen der Erfahrungen auf ihren Arbeitsgebieten,
Die Wärmewirtschaftsstellen der Industrie müssen zweckmäßig
'hre Aufgabe im Zusammenarbeiten mit den wirtschaftlichen Abteilungen
 der Dampfkessel-Überwachungsvereine, soweit solche
bestehen, lösen. Einige der letzteren sind hereits derart aufgebaut,
daß sie selbst die gekennzeichneten Aufgaben für die Wärmewirtschaft
 im allgemeinen oder für bestimmte Zweige derselben erfüllen.
 In solchen Fällen erübrigt sich die Gründung besonderer
Wärmewirtschaftsstellen. Vielfach wird das Bedürfnis nach fachlich-technischer
 Sonderberatung einzelner Industriezweige auftreten,
 und es wird den in Frage kommenden Industrien überlassen
bleiben müssen, zu entscheiden, ob sie die Bildung einer Wärmewirtschaftsstelle
 für nötig erachten.
        <pb n="110" />
        06

Zusammenfassung der Ergebnisse.

Aufgabe der Hauptstelle für Wärmewirtschaft,
Eine wesentliche Aufgabe der Hauptstelle für Wärmewirtschaft
ist es, die Industrie zur sparsamen Wärmewirtschaft anzuregen,
Sie soll die industriellen Kreise beispielsweise bei der Bildung von
Wärmewirtschaftsstellen im vorstehenden Sinne unterstützen, die
Tätigkeit dieser Stellen zusammenfassen, ihre organisatorischen
und praktischen Ergebnisse sammeln. Zu diesem Zwecke übermittelt
 die Hauptstelle die vorhandenen Erfahrungen über zweckmäßige
 Organisation, Arbeitsweise und Arbeitsteilung den in der
Gründung bzw. im Ausbau begriffenen Wärmewirtschaftsstellen.
Die Hauptstelle wird danach trachten zu vermeiden, daß Doppelarbeit
 geleistet wird. Sie soll in der Lage sein, über ein beliebiges
Gebiet der Wärmewirtschaft Auskunft zu beschaffen und Quellen
nachzuweisen. Ferner soll sie selbst oder durch die angeschlossenen
Stellen für die Aus- und Weiterbildung der oberen, mittleren und
ınteren wärmetechnischen Überwachungsorgane sorgen.

Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute hat seinerseits eine
Wärmestelle ins Leben gerufen, die als Überwachungsstelle für
Brennstoff- und Energiewirtschaft auf Eisenwerken gedacht ist.
Sie soll zur Begutachtung, Beratung und Belehrung dienen und
die Sammlung sowie den Austausch von Erfahrungen herbeiführen.
 Diese Wärmestelle hat im Kreise ihrer Mitglieder die Ein-"richtung
 ‘von. Meßbüros auf den einzelnen Werken in die Wege
geleitet und eine Statistik des Wärmeverbrauchs vorbereitet.
Die Meßbüros sollen ‚eine dauernde Kontrolle der Feuerungen
und Maschinen durchführen und mit der Wärmestelle stets in
Fühlung bleiben. Ihre Arbeit ist auf folgende Richtlinien ausgebaut.

Richtlinien
für den Zusammenschluß von Eisenwerken zu einer Überwachungsstelle
 für Brennstoff- und Energiewirtschaft auf Eisenwerken.
Vorbehaltlich der späteren Aufstellung einer Satzung wird die
Tätigkeit der Stelle und das Verhältnis der angeschlossenen Werke
zu ihr nach folgenden Richtlinien geregelt:

TI. Arbeitsbereich.
Die Stelle bezweckt die Unterstützung der angeschlossenen
Werke in allen Angelegenheiten der Wärme- und Energiewirtschaft
lurch Begutachtung, Beratung, Belehrung, Klärung ‚wichtiger
        <pb n="111" />
        A

" E ER
Fragen und Sammlung einschlägiger Zahlen und %Erfahrlihgen. Ü
Für ihre Tätigkeit sind die Beschlüsse des aus den angeschlossenen
Werken gewählten Beirates maßgebend. Letzterer bestimmt ferner SE
lie Höhe der zur Deckung der Unkosten zu erhebenden Umläbe:

Wärmewirtschaft in Eisenwerken.

"07

IL Rechte der angeschlossenen Werke.
Anspruch auf Auskunft in allen einschlägigen wissenschaftlichen,
 technischen und wirtschaftlichen Fragen nach dem
jeweiligen Stande der Wissenschaft und Technik.
Beratung bei allen Neuanlagen,
Laufende Beratung durch Werksbesuche.
3ekanntgabe der Ergebnisse von Versuchen auf wirtschaftlich
 wichtigen Gebieten.
Benutzung etwaiger von der Überwachungsstelle erworbener
Schutzrechte während der Dauer der Zugehörigkeit zu der
Stelle,
Entleihung von Meßgeräten.
Anforderung von Gutachten und der Leitung von Garantiemd
 Abnahmeversuchen gegen Erstattung der Selbstkosten,
Regelmäßige Probenahme und Brennstoffuntersuchungen
zegen feste Gebühren.
Schutz der Betriebsgeheimnisse durch. Verpflichtung der Be
ımten zur Amtsverschwiegenheit; im Arbeitsgebiet der
Überwachungsstelle ist den Beamten Amtsverschwiegenheit
zur Pflicht gemacht gegen nicht angeschlossene Werke und
in solchen Angelegenheiten, in denen die angeschlossenen
Werke selbst Schutzrechte . angemeldet haben und Verschwiegenheit
 verlangen.

Z
3,
1

7

IIL. Pflichten der Mitglieder.
L. Förderung der Bestrebungen zur Ersparnis an Brennstoffen.
2. Grundsätzliche Verpflichtung zur Führung einer geordneten
und sparsamen Wärmewirtschaft unter möglichster Ausautzung
 der Abwärme und der als Nebenerzeugnis hüttentechnischer
 Vorgänge erzeugbaren Energie.
Führung einer eingehenden Statistik der monatlich verrauchten
 Brennstoff- und Energiemengen unter Angabe
der Erzeugnisse nach Art und Menge.
Verpflichtung zum Erfahrungsaustausch, soweit nicht Schutzcechte
 angemeldet sind.
        <pb n="112" />
        ‚08

Zusammenfassung der Ergebnisse.

5.

Grundsätzliche‘ Bereiterklärung zur Vornahme von Versuchen
 unter Teilnahme der Beamten der Stelle zur Klärung
wichtiger Fragen, falls nach dem Ermessen der Werksleitung
die verfügbaren Mittel und Kräfte sowie die Verhältnisse
auf dem Werke dies gestatten.
Zewilligung freien Zutritts der mit Ausweis versehenen
Beamten der Stelle nach Anmeldung bei den zuständigen
Werksbeamten zu allen einschlägigen Werksanlagen, falls
lie Werksleitung keinen begründeten Einwand erhebt. .
Bereiterklärung, alle wesentlichen Neuanlagen. und Änderungen
 bestehender wärmeerzeugender, -verbrauchender
und -weiterleitender Einrichtungen der Stelle baldmöglichst
mündlich oder schriftlich zu melden und, falls nicht eine
unzulässige Verzögerung hierdurch eintritt, vor der Ausührung
 ihre Meinung zu hören,
Verpflichtungen zur Zahlung eines Beitrages zu den Unkosten.
ınd zwar:
a) einer Beitzittszahlung von 500 Mark für jedes örtlich
geschlossene Werk;
5) eines Monatsbeitrages für jede verbrauchte Tonne
Kohlen und für jede verbrauchte Tonne Koks, jedoch
mindestens 200 Mark für jedes Mitglied.
Für geringwertige Brennstoffe und bei, ungewöhnlichen
Verhältnissen können von Fall zu Fall besondere Vereinbarungen
 getroffen werden.

x

TV. Beitritt.
L. Der Beitritt erfolgt durch Unterschrift dieser Richtlinien
und Zahlung des Beitrittsbetrages.
2. Der Austritt kann mit einmonatlicher Kündigungsfrist jeweils
 zum 1. Januar oder 1, Juli eines Jahres erklärt werden.

In ähnlicher Weise hat die Landeskohlenstelle in München
eine Brennstofftechnische Abteilung *) eingerichtet, wie auch der
größte Teil der Kohlenwirtschaftsstellen im gleichen Sinne sich
hetätigt,
Die Vereinigung der Elektrizitätswerke hat kürzlich in Gemeinschaft
 mit dem Verein Deutscher Ingenieure einen Kursus über

‘) ETZ 1918, S. 3738.
        <pb n="113" />
        Kurse über Wärmewirtschaft.

109

Brennstoffwirtschaft *) durchgeführt, an dem eine große Zahl Fachleute
 teilgenommen hat. Ähnliche Kurse finden in nächster Zeit
in Rheinland-Westfalen und in Magdeburg statt, und es ist erwünscht,
 daß solche Kurse in großem Umfange auch weiterhin
in. verschiedenen Teilen Deutschlands, ganz besonders aber in
Industrie-Zentren abgehalten werden.
Nach einem Bericht des Reichskohlenrates sind bezüglich
Schaffung industrieller Wärmestellen folgende Maßnahmen geiroffen
 worden:
Der Deutsche Zementbund gliedert eine gemeinsame
Wärmestelle zunächst: an sein Laboratorium in Karlshorst an;
der Verband keramischer Gewerke Deutschlands bildet in
Bonn eine Wärmestelle; der Verein der Kalkwerke hat seinen
Öfen-Ausschuß mit der Vornahme gemeinsamer Versuche zur
Verbesserung der Wärmewirtschaft des Kalkofens betraut; der
Verband der Glasindustriellen Deutschlands hat die Errichtung
 einer wärmetechnischen Beratungsstelle beschlossen ; durch
Anstellung von Wärmeingenieuren bei verschiedenen größeren
Werken wird die Errichtung von regionalen Zweigstellen vorbereitet;
 der Zentralverband der Papier-, Papp-, Zellstoffund
 Holzstoff- Fabriken hat seinen Technischen Ausschuß
mit den Vorarbeiten zur Errichtung einer Wärmestelle betraut;
lie Reichsarbeitsgemeinschaft Chemie hat ihren Bezirksarbeitsgemeinschaften
 die Errichtung von Bezirkswärmestellen
empfohlen; die Textilindustrie hat ihrem Textilforschungs-'nstitut
 in Dresden eine wärmewirtschaftliche Abteilung angegliedert;
 außerdem beabsichtigt die Reichstextilstelle die Ausbildung
 von wärmewirtschaftlichen Überwachungsstellen. Weitere
Wärmestellen befinden sich in Vorbereitung bei der Lederindustrie,
 der Brauindustrie und der landwirtschaftlichen
Trocknungsindustrie. Für die Hausbrandfragen ist ein
Sondersauschuß eingesetzt worden.

Der Übersichtlichkeit halber sind nachstehend die in diesem
Buche zur Verbesserung der Kohlenlage erwähnten Maßnahmen
zusammengestellt.

) ETZ 1919, S. 514.
        <pb n="114" />
        110

Zusammenfassung der Ergebnisse.

Liste der zur Beseitigung der Kohlennot zu ergreifenden Maß
nahmen,
Erhöhung der Belegschaft der Kohlengruben.
Bau von Wohnungen für die Bergarbeiter.
Steigerung der Arbeitsleistung der Bergarbeiter,
Verbesserung der Betriebseinrichtungen in den Gruben.
Vermehrung der Zahl der Gruben (Schächte).
Hebung der Güte der Kohle.
Verbesserung der Wäschen.
Verbesserung der maschinellen Einrichtungen,
Verminderung der Verluste im Bergbau.
Verminderung des Selbstverbrauches der Zechen.
Verbesserung der Arbeitsverhältnisse in den Gruben.
Vermehrung der Torfgewinnung.
Vermehrung des Holzeinschlages (vorübergehend).
Vermehrung der Petroleumgewinnung.
Sparsamkeit an allen Stoffen, für deren Herstellung
aufgewendet werden.
Weitgehendste Ausnutzung aller Wasserkräfte,
\usnutzung der Wasserkräfte zu allen Stunden des Tages und der
Nacht.
Ausnutzung von Ebbe und Flut.
Ausnutzung der Bewegung der Wellen,
Ausnutzung des Windes,
Ausnutzung der Sonnenstrahlung,
Ausnutzung der Erdwärme.
dewinnung elektrischer Arbeit aus der Luft
Direkte Arbeitserzeugung aus der Kohle.
Vergasung der Kohle.
Vergasung geringwertiger Brennstoffe,
Verbesserung der Heizeinrichtungen,
Verbindung der Heiz- und Kraftanlagen.
Weitgehendste Verwertung der Abwärme.
Vorbenutzung von Dampf für Heizzwecke.
Verbesserung der industriellen Feuerungen.
Bessere Ausbildung der Heizer.
Sparsamkeit beim Transportieren der Kohle
Sachgemäße Betriebskontrolle,
Verwendung von Kohlenstaubfeuerungen.
Speisewasser-Vorwärmung.

Brennstoffe
        <pb n="115" />
        Zusammenfassung der Ergebnisse.

Ausnutzung des Abdampfes von Speisepumpen.
Ausnutzung des Kondensats' von Wasserabscheidern.
Ausnutzung des Abblasewassers von Kesseln.
Ausnutzung der Abwärme von Dynamos und Motoren.
Steigerung des Dampfdruckes in Kraftwerken. .
Verbesserung der Kesselanlagen in Kraftwerken.
Weitgehendste Beseitigung von „Spitzen“ und Einsenkungen bei
den Kraftwerken.
Erhöhung der Nachtbelastung bei den Kraftwerken.
Ausführung von Kuppelungsleitungen zwischen benachbarten Kraftwerken.

Anschluß von KEinzelanlagen, soweit sie wärmewirtschaftlich
schlecht arbeiten, an elektrische Kraftwerke.
Anschluß kleiner Elektrizitätswerke, soweit sie wärmewirtschaftlich
 schlecht arbeiten, an große Kraftwerke.
Erziehung der Kraft- und Lichtverbraucher zur Sparsamkeit.
Durchführung des elektrischen Betriebes der Vollbahnen.
Wirtschaftliches Fahren bei den Straßenbahnen.“
Verringerung von Haltestellen:
Winführung von Kugel- und Rollenlagern.
Verbesserung der Antriebe in den Fabriken und beim Handwerk,
Zweckmäßige Ausnutzung der Beleuchtung.
Erziehung der Werkmeister und Arbeiter zur Sparsamkeit mit
Kraft und Licht.
Weitgehendste Ausnutzung geringwertiger Brennstoffe.
Weitgehendste Ausnutzung von Ölschiefer.
Ausnutzung des Mülls zur Kraft- und Lichterzeugung.
Verbesserung der Beförderungsverhältnisse der Kohle.
Vermehrung der Lokomotiven und Wagen.
Verbesserung des Zustandes der Lokomotiven und Wagen.
Weitgehendste Ausnutzung des Wassertransportes,
Weitgehendste Verwendung der Arbeitsübertragung auf elektrischem
 Wege.
Einschränkung der Brikettverwendung zur Krafterzeugung.
Großzügige und einheitliche Behandlung aller Möglichkeiten für die
Arbeitsübertragnng.
Weitgehendste Aufklärung des Volkes über die N. otwendigkeit und
Durchführbarkeit von Sparmaßnahmen.
Durchführung von Ausbildungskursen.
Benutzung des Films zur Aufklärung.
        <pb n="116" />
        12

Zusammenfassung der Ergebnisse

Kurz zusammengestellt ergeben sich danach als Hauptmaßı1ahmen
 zur Beseitigung der Kohlennot folgende: |
1. Vermeidung jedes überflüssigen Verbrauches von Brennstoffen.,

2. Ersatz der Brennstoffe durch die Kraft des Wassers, des
Windes, der Ebbe und Flut usw. ;
Weitgehendste Verwendung geringwertiger Brennstoffe je
nach Lage der Fund- und Verbrauchsstelle,
Höchste Wirtschaftlichkeit im Verbrauch von Brennstoffen
und der mit ihrer Hilfe gefertigten Erzeugnisse,
5. Steigerung der Förderung von Brennstoffen,
6. Entlastung der Transportmittel und Verbesserung derselben.
Es wird naturgemäß nicht möglich sein, alle diese Forderungen
in kurzer Zeit zu erfüllen. Tiefgreifende Änderungen an Einrichtungen
 industrieller Anlagen werden notwendig sein, die zu schaffen
Jahre dauert, ganz abgesehen davon, daß die wirtschaftliche Unsicherheit
 vielfach die Durchführung hindern wird. Es wird aber
auch gar nicht möglich sein, daß all diese Umbauten und Neubauten
 so schnell fertiggestellt werden können. Es wird an dem
dafür notwendigen Kapital fehlen, so daß das Programm für die
vorzunehmenden Änderungen auf viele Jahre zum Teil auf Jahrzehnte
 verteilt werden muß. Eine ganze Reihe von Möglichkeiten
der Verbesserungen sind aber schon sofort oder in ganz kurzer
Zeit durchführbar und bei diesen müßte unbedingt eingesetzt
werden. Eine Reihe von Änderungen und Verbesserungen sind
deswegen noch nicht durchführbar, weil die notwendig technischen
Verfahren noch nicht genügend geklärt sind und die notwendigen
Apparate und Maschinen noch nicht ausprobiert sind. Hier würde
es sich ’aber darum handeln, Versuchsanlagen nach Möglichkeit
zu beschleunigen und zu unterstützen, damit der weiter einzuschlagende
 Weg tunlichst bald klar gelegt wird. Eine ungeheure
Arbeitsmenge ist zu erledigen, um das erstrebenswerte Ziel zu
erreichen, und es ist zu hoffen, daß die deutschen Ingenieure sich
dieser Arbeiten mit Erfolg annehmen werden.

3

Druck der Universitätsdruckerei H. Stürtz A. 6., Würzburg
        <pb n="117" />
        Verlag von Julius Springer in Berlin W 9.

Weltwirtschaftlicher Stand und Aufgaben der Elektroindustrie.
 Von Dr.-Ing. &amp;amp;. Respondek. Preis M. 16.—

Kraft- und Wärmewirtschaft in der Industrie (Abfallenergie-Verwertung).
 Von Baurat Ing. M. Gerbel.. Zweite, verbesserte
 Auflage. Mit 9 Textfiguren. Preis M. 12.—

Die Abwärmeverwertung im Kraftmaschinenbetrieb
mit besonderer Berücksichtigung der Zwischen- und Abdampfverwertung
 zu Heizzwecken. Eine kraft- und wärmewirtschaftliche
Studie von Dr.-Ingenieur Ludwig Schneider. Dritte, neubearbeitete
 Auflage. Mit 159 Textfiguren, =.
Preis M, 16.—; gebunden M. 20.—

Ökonomik der Wärmeenergien. Eine Studie über Kraft
gewinnung und -verwendung in der Volkswirtschaft, Unter vornehmlicher
 Berücksichtigung deutscher Verhältnisse. Von Dr. Karl
Bernhard Schmidt. Mit 12 Textabbildungen. Preis M. 6.—*

Wahl, Projektierung‘ und Betrieb von Kraftanlagen,
Ein Hilfsbuch für Ingenieure, Betriebsleiter, Fabrikbesitzer. Von
Friedrich Barth, Oberingenieur an der Bayerischen Landesgewerbeanstalt
 in Nürnberg., Zweite, umgearbeitete und erweiterte Auflage..
 Mit 133 Abbildungen im Text und auf 3 Tafeln, ;
Gebunden Preis M. 22. *

Torfkraftwerke und Nebenproduktenanlagen. Technisch:
wirtschaftliche Grundlagen für Innenkolonisierung, Von Dr.-Ing.
Erich Philippi. Mit 28 Textabbildungen. Preis M. 10.—*

Die Wirtschaftlichkeit von Nebenproduktenanlagen für
Kraftwerke. Von Prof, Dr.-Ing. &amp;amp;. Klingenberg. Mit 16 Textabbildungen.
 Preis M. 2.40*

* Hierzu Tenerungszuschläge.,
        <pb n="118" />
        Verlag von Julius Springer in Berlin W 9.

Bau großer Elektrizitätswerke. Von Prof. Dr.-Ing. G, Klingenberg
 (Berlin).
1. Band: Richtlinien, Wirtschaftlichkeitsrechnungen
und Anwendungsbeispiele. Mit 180 Textabbildungen und
7 Tafeln. Unveränderter Neudruck. Unter der Presse
[IL Band: Verteilung elektrischer Arbeit über große
Gebiete. (Mit einer Baustatistik von Elektrizitätswerken und
einer Arbeit über „Elektrizitätsversorgung der Großstädte“ als
Ergänzung des I. Bandes.) Mit 205 Textabbildungen. ‘
Unveränderter Neudrnck, Unter der Presse
III. Band: Das Kraftwerk Golpa. Mit 127 Textabbildungen
und 4 Tafeln. Gebunden Preis M. 30.—

Der Verkauf elektrischer Arbeit. Von Dr.-Ing. G@. Siegel.
Zweite, umgearbeitete und vermehrte Auflage von „Die Preisstellung
 beim Verkaufe elektrischer Energie“. Mit
27 Abbildungen. Preis M, 16.—; gebunden M. 18.—*

Die Stromversorgung der Großindustrie. Von Dr.-Ing.
H. Birrenbach. Mit 27 Textabbildungen. "Preis M. 5,—*

Elektrische Energieversorgung ländlicher Bezirke.
Bedingungen und gegenwärtiger Stand der Elektrizitätsversorgung
von Landwirtschaft, Landindustrie und ländlichem Kleingewerbe.
Von Dipl.-Ing. Walter Reißer in Stuttgart. Preis M. 2,80*

Form und Endziel einer allgemeinen Versorgung mit
Elektrizität. Herausgegeben im Auftrage des Beratungsvereins
„Elektrizität“ e. V, Von Regierungsbaumeister a, D., Ludwig
Aschoff. ; Preis M. 2.40*

Der Arbeiternachwuchs in der deutschen Maschinenindustrie,
 Von Dipl.-Ing. Dr. rer. pol, E. W. Seyfert.
Preis M. 10.——

Wahl und Aufgaben der Betriebsräte, der Arbeiterräte und
der Angestelltenräte sowie der Betriebsobleute. Gemeinverständliche
 Erläuterung des-Betriebsrätegesetzes und seiner Wahlordnung.
Von Dr. Hermann Schulz, Geheimer Regierungsrat, Zweite,
verbesserte und erweiterte Auflage. Preis M. 11.—

* Hierzu Teuerungszuschläge.

ZBW iM 920

78W digital 2015

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‚9

Zusammenfassung der Ergebnisse.

g des Abdampfes von Speisepumpen.
g des Kondensats von Wasserabscheidern.
g des Abblasewassers von Kesseln.
g der Abwärme von Dynamos und Motoren.
des Dampfdruckes in Kraftwerken. .
ng der Kesselanlagen in Kraftwerken.
Iste Beseitigung von „Spitzen‘“ und Einsenkungen bei
aftwerken. |
der Nachtbelastung bei den Kraftwerken.
{von Kuppelungsleitungen zwischen benachbarten Kraft-{



|

von KEinzelanlagen, soweit sie wärmewirtschaftlich
arbeiten, an elektrische Kraftwerke.
leiner Elektrizitätswerke, soweit sie wärmewirtschaftecht
 arbeiten, an große Kraftwerke, .
ler Kraft- und Lichtverbraucher zur Sparsamkeit.
ng des elektrischen Betriebes der Vollbahnen.
ches Fahren bei den Straßenbahnen. *
g von Haltestellen.
von Kugel- und Rollenlagern.
3 der Antriebe in den Fabriken und beim Handwerk,
8 Ausnutzung der Beleuchtung. |
ler Werkmeister und Arbeiter zur‘ Sparsamkeit mit
id Licht,
te Ausnutzung geringwertiger Brennstoffe.
te Ausnutzung von Ölschiefer.
des Mülls zur Kraft- und Lichterzeugung.
' der Beförderungsverhältnisse der Kohle,
der Lokomotiven und Wagen.
: des Zustandes der Lokomotiven und Wagen.
te Ausnutzung des Wassertransportes, .
;e Verwendung der Arbeitsibertragung auf elektri-Bge.

ıg der Brikettverwendung zur Krafterzeugung, .
nd einheitliche Behandlung aller Möglichkeiten für die
ertragnng. .
© Aufklärung des Volkes über die Notwendigkeit und
‘barkeit von Sparmaßnahmen.
5; von Ausbildungskursen.
a8 Films zur Aufklärung.

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