I 3 Elend der Frau, wenn sie älter wird, die Schranken, in die ihr Leben gebannt ist, und die Leiden, die ihr Polygamie und Abhängigkeit auferlegen, all das schilderte sie mit einer Leidenschaft und Eindringlichkeit ohnegleichen. Und doch — und das war für mich das Interessante, als ich weiter mit ihr sprach —, trotz ihrer tiefen, fast glühenden Erbitterung über das Leben und die unsichtbaren Mächte, die die Frau und ihre Lage in solcher Weise gestaltet haben, hatte sie nicht ein Wort der Bitterkeit gegen den einzelnen Mann, noch irgend Wille oder Absicht, sich auf zulehnen. Sie nahm vielmehr mit ernster, fast majestäti scher Haltung das Leben und die Lage ihres Geschlech tes als ein Unabänderliches hin. Gerade dieses Gespräch drängte mir eine Wahrheit auf, die ich später beinahe als Axiom betrachten lernte: die Frauen keiner Rasse oder Klasse werden sich je erheben oder eine gewaltsame Ver besserung ihrer Lage in der Gesellschaft versuchen, seien ihre Leiden auch noch so tief und mögen sie sich ihrer auch noch so klar bewußt sein, solange die Wohlfahrt und der Bestand der Gemeinschaft ihre Unterwerfung fordern. Wo immer ein allgemeiner Versuch der Frau irgendeiner Gesellschaft, ihre Lage zu verbessern, unternommen wurde, wird eine genaue Untersuchung immer zeigen, daß ein ver änderter oder sich verändernder Gesellschaftszustand die Unterordnung der Frau nicht länger nötig oder wünschens wert gemacht hatte. Ein anderer Punkt, den ich in diesem Teile des Buches zu behandeln versuchte, war die mir fast zur Gewißheit er wachsene Wahrscheinlichkeit, daß die physischen Leiden und die Schwäche der Frau bei der Geburt und in gewissen anderen Beziehungen der Preis waren, den die Frau für den Übergang der Menschheit aus der Haltung der Vierfüßer und Vierhänder zu der aufrechten zahlen mußte, einer Hal tung, die unbedingt notwendig war, wenn die Menschheit das werden sollte, was sie ist (dies wurde selbstverständ-