7 die Toten und Verwundeten hereingebracht. Drei Männer aus unserem Dorfe wurden zur Hinrichtung geführt. Auf dem kleinen Marktplatz wurden Todesurteile verlesen. Das Gefängnis war mit unseren Landsleuten gefüllt, und wir wußten von Stunde zu Stunde nicht, was die nächste jedem von uns bringen würde. Unter solchen Verhältnissen emp fand ich das Bedürfnis, zuweilen meine Gedanken gewalt sam von den Schrecknissen der Welt um mich her abzu lenken und bei irgendeiner abstrakten Frage zu verweilen. So wurde dieses kleine Buch geschrieben, das vornehmlich die Wiedergabe eines einzigen Kapitels des größeren Buches bildet. Da die bewaffneten Eingeborenen vor mei nen vorhanglosen Fenstern Wache standen, war es un möglich, die Läden zu öffnen, und das Zimmer war daher immer so dunkel, daß selbst die physische Arbeit des Schreibens schwierig war. Einundeinhalb Jahre später, als der Krieg vorüber und der Friede schon seit mehr als vier Monaten verkündet war, erhielt ich mit vieler Mühe die Erlaubnis, den Trans vaal zu besuchen. Ich fand unter den verbrannten Über resten den Lederrücken meines Buches unversehrt, aber von den Blättern die vordere Hälfte weggebrannt; der hin tere Teil der Blätter, nächst dem Deckel, war vorhanden, aber von den Flammen so gebräunt und versengt, daß sie bei der Berührung zerfielen. Es blieb nichts übrig, als alles zu vernichten. Selbst damals hatte ich noch die Hoffnung, daß ich das ganze Buch in künftigen Tagen nochmals schreiben könnte. Aber das Leben ist kurz, und ich habe er kannt, daß ich das Buch nicht nur niemals wiederschreiben werde, sondern daß meine Gesundheit es mir nicht einmal gestattet, diese kleine Erinnerung daran zu vervollständi gen und abzurunden. Nur mit ernstlicher Sorge gebe ich daher dieses Frag ment heraus. Mich tröstet nur der Gedanke, daß vielleicht jedes aufrichtige und ernste Suchen nach Wahrheit, selbst